Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1934-05-24 · Heft 21 (24.5.1934) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 21 (24.5.1934)
Date
1934-05-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2450807-2450827--80439-2538271
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Ein Centraiorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Mainz Frankfurt a. M. 24. Mai 1934 10. Siwan 5694 Nummer 21 Ii mwaizun eJuden. Entgegen anderseitigen Meldungen, sei gleich "konstatiert, daß die politische Umwälzung in Lettland von keinen antisemitischen Kundgebungen und Ausbrüchen irgendwelcher Art begleitet war, und daß die Juden eine Schmälerung ihrer Rechte unter dem neuen System nicht zu befürchten haben. Die Urplötzlichkeit, mit der der Umschwung kam, bewirkte es, daß manche Elemente, die gern ihr Süppchen am neuen Feuer gekocht hätten, gar nicht in Wirksamkeit treten konnten. Der Herr der Situation ist Ministerpräsident Ulmanis, der schon bei der Gründung des lettländischen Staates an der Spitze der Regierung gestanden hatte und durch seine Energie wie seinen Gerechtigkeitssinn dem Lande und der Welt wohlbekannt ist. Er ist Führer der Bauernpartei und weiß, daß zur Gesunderhaltung der Landwirtschaft auch der Handels- und Mittelstand, zu dem die Juden vornehmlich gehören, unentbehrlich ist. Für seine Politik suchte er immer für seine Regierung eine Stütze bei den nationalen Minderheiten, und nicht zuletzt auch bei den Juden, was ihm oft scharfe Angriffe von chauvinistischer Seite eingetragen hat. Es ist wichtig zu wissen, daß Ulmanis von jeher freundschaftliche Beziehungen zum Führer der lettländischen Aguda, Abg. M. Dubin unterhielt, der ihn in allenseinenAktionenunter stützte. Freilich sitzen neben dem Ministerpräsidenten einige Persönlichkeiten im Kabinett, die in dieser Beziehung weniger Vertrauen einflößen, so der stellvertretende Ministerpräsident M. Skujenek und der Unterrichtsminister Prof. Adamowitsch, die beide schon des Oefteren Anlaß nahmen, die „Privilegien" der nationalen Minderheiten, auch der Juden, zu bekämpfen, was in der Praxis auf eine Einschränkung der Schulautonomie und eine wirtschaftliche Verdrängung hinauslief. Daß das Verbot aller Parteien auch einige jüdische Organisationen, Zeitungen und gesellschaftliche Klubs traf, ist selbstverständlich und läßt keine weiteren Rückschlüsse auf eine Sonderbehandlung der Juden zu. Besonders wurden Personen und Einrichtungen des „Bund" betroffen. Es ist aber höchlich interessant und bezeichnend, daß von den jüdischen Zeitungen in Lettland zur Stunde einzig das Organ der Agudas Jisroel, das Wochenblatt „Unsere Stimme", ungestört erscheinen darf. - Die ,,Ritualmord-Nummer •des Stürmer" beschlagnahmt. Das „Deutsche Nachrichten-Büro" teilt mit: Auf Befehl des Herrn Reichskanzlers wurde die Sondernummer des „Stürmer", Nürnberg, Mai 1934, betitelt „Ritualmord-Nummer" wegen eines Angriffs gegen das christliche Abendmahl beschlagnahmt. Wechsel in der Leitung der jüdischen Orthodoxie Ungarns. Der Vorsitzende des Zentralbüros der orthodoxen Judenheit, Adolf F r a n k 1, hat in der letzten Sitzung des Zentralausschusses mitgeteilt, daß er den Vorsitz des Büros mit Rücksicht auf sein hohes Alter niederlegt. Zu seinem Nachfolger wurde sein Schwiegersohn, Samuel Kahan-Frankl, kandidiert. Der bisherige Vizepräsident Ludwig Hartmann wurde zum geschäftsführenden Stellvertreter des Vorsitzenden gewählt. Adolf Frankl wird seinen Sitz im Oberhause auch künftighin behalten, weil er dem Oberhause nicht in seiner Eigenschaft als Präsident des Zentralbüros, sondern als Vertreter der orthodoxen jüdischen Geistlichkeit angehört. Aus dem Inhalt: Die Kinderalijah aus Deutschland nach. Palästina .......... . Seite 2 Die Katastrophe in Tiberias ■ . . Seite 2 Thora-Propaganda in Polen . . Seite 2 Eine neue Golusrepublik .... . Seite 4 Was wir von der bevorstehenden Warschauer Agudo-Konferenz erwarten. Von einem jungen Agudisten . Seite 4 Ein Jahr deutsche Alijah. Von Menachem Lewinski in Tel Awiw . . . Seite 5 Ablehnung nichtarischer Richter Seite 7 Schankkonzessionen ...... Seite 8 Der Arlosoroff-Prozeß...... Seite 8 Das Judeituofß ah foäger der Ofenßacung. Männliche Worte im neuen Deutschland. In dem neuesten Vierteljahrsheft der von Prof. Dr. Friedrich Heiler in Marburg herausgegebenen Vierteljahrszeitschrift „Eine heilige Kirche", einer Fortsetzung der früher unter dem Namen „Hochkirche" und „Religiöse Besinnung" erschienenen religiösen Revuen, finden wir einige Aufsätze, die Juden und Judentum berühren und die die hierbei in Betracht kommenden Probleme von verschiedenen Gesichtspunkten aus, meist von demjenigen der Judenmission, betrachten. Trotz der verschiedenartigen Einstellung der Mitarbeiter zeugt die ganze Haltung der Zeitschrift aber von einem heute bemerkenswerten Gerechtigkeits- und Liebesgefühl gegenüber den deutschen Juden. Wir geben zunächst im folgenden eine Reihe von Sätzen wieder aus einem Aufsatze „Die katholische Kirche und die Judenfrage" von einem „deutschen römisch-katholischen Priester." Der Verfasser führt aus, daß die Haltung der Kirche in der Judenfrage sich auf vier sittliche Fundamente gründen muß, auf Dankbarkeit, Liebe, Gerechtigkeit und Gebet und Buße. Zum ersten Punkt bemerkt der Verfasser: „Die katholische Kirche ist offenbarungsgläubig. Sie glaubt an das Wort: „Das Heil kommt von den Juden" (Joh. 4, 23). Von ihnen hat die Kirche ihre schönsten Gebete, Lieder, Psalmen, die Schrift der Propheten, die Grundform ihres G'ttesdienstes übernommen ... So kann die erste und bleibende Empfindung der Kirche diesem Volke gegenüber nur sein: Dankbarkeit, Anerkennung seiner einzigartigen religiösen Sendung, Ehrerbietung gegen die Träger der Offenbarung." Der Verfasser weist dann auf den gewaltigen religiösen Kampf unserer Tage hin, der im letzten Grunde darum gehe, ob das Christentum seinen Anspruch, absolute Religion zu sein gegenüber dem völkisch-germanischen Religionsideal aufrecht erhalten könne. „Aus dieser Erkenntnis heraus," fährt er fort, „haben beide Konfessionen bereits schwere Kämpfe für das Christentum als Religion der Offenbarung geführt. Auffallen jedoch muß die Tatsache, daß der Kampf für die Geltung des Alten Testaments tief . und geistvoll geführt wurde, daß aber kein Wort gefunden wurde zum Schutze und der Verteidigung des Judenvolkes als Träger der Offenbarung. Glaubt man wirklich, das Alte Testament retten zu können unter gleichzeitiger Preisgabe des Vol- (Fortsetzung auf Seite 3.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.