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Der Israelit · 1934-05-17 · Heft 20 (17.5.1934) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 20 (17.5.1934)
Date
1934-05-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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i7. jyui. im Der - -1 -s r a>e:l i t Nr. 20 Seite 5 gegenlconimen — hoffentlich bleibt, es nicht; bei Beschlüssen. Noch sind die Verhafteten, trotz der Bemühungen des Rabbinats, in Haft, entgegen der„ sonstigen 'Uebung der Freilassung von „Ver- < brechern" gegen Bürgschaft. Die Zeitungen Berichten vom alltäglichen Minjan im Gefängnis. (Inzwischen ist, auf Intervention von vielen Seiten, insbesondere des von der Jerusalemer „Agu- -das Jisroel" entsandten Advokaten Dr.Buxbaum die Freilassung gegen Kaution: erfolgt. Red.) Bei aller Anerkennung des heroischen Leidensgeschichte eines Begriffes. Von B. Cohen. 1. Wenn wir uns in der Nacht des Festes der Gesetzgebung um den Lerntisch versammeln, so lesen, wir eine Auswahl von Teilen der mündlichen lind der schriftlichen Lehre aus dem Büch-, lein, das; wir Tikkun nennen. Dieser Name, bedeutet scheinbar etwas recht Harmloses und oft Notwendiges, nämlich Tätigkeit oder Ergebnis des In-Ordnung-Bringens oder Ergänzens. Dies Schebuothnachtbüchlein ist eben notwendiges Ordnungsprogramm unseres Lernens oder Ergänzungsheft des Siddur und Machsor. Auch andere Gebetfolgehefte oder Sammlungen privater Gebetfolgen tragen solchen Namen, so das bekannte unentbehrliche Leket Zebi, und: selbst ein nachtragartiger Soharkommentar trägt diesen scheinbar so rein formalen und harmlosen Namen „Tikkiinim". 2. Einst fragte ein römischer Kaiser einen Rabbi: „Wenn euer G'tt so großen Wert auf den Bund des Abraham legt, — weshalb hat er denn die Menschen nicht sogleich in der Gestalt erschaffen, in Jdie * ihn der Bund des Abraham bringt?"" Darauf antwortete der Rabbi: „Auf den Feldern wächst Weizen; du aber würgst nicht den rohen Weizen, sondern verzehrst das Brot, das mit vieler Mühe aus dem Weizen bereitet wird. Am Schafe gedeiht die Wolle; du aber hüllst dich nicht in rohe Schafsfelle,.,.sondern in feine Kleidung, zu1 welcher die Schafswolle mit vielen Umständen hergerichet wird. Du siehst also, daß alles, was G'tt geschaffen hat, einer Ergänzung bedarf (Tikkun), und so bedarf auch der Mensch eines solchen Tikkun." Was dieser Rabbi betreffs der einen Mizwath Mila dem Römer geantwortet hat, müssen wir heutigen Tags unserer Umwelt gar oft betreffs der ganzen Offenbarung am Sinaj erwidern. Die Umwelt richtet an uns in sehr vielen verschiedenenAbwandlungen die Frage: nur hinein ins volle .Menschenleben; wo ihr, es packt, da ist es interessant',' wahr in des Wortes verwegenstem Sinne. Sinaistrahlen fallen in unser Heim, auf unsern Tisch, in die Speisekammer, ins Schlafgemach, auf den Weg, den wir gehen, begleiten uns in Feld und Weinberg, in die Werkstatt, regeln das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und -nehmer, sichern in der Jobelinstitütion den Erbhof durch ein gesundes Anerbrecht, sorgen für Recht und Sicherheit, insbesondere dem sozial Schwächeren gegenüber schufen im Sabbat, in den Feiertagen herrliche Höhepunkte in unserem irdischen Dasein und verklärten es in fast unbeschreiblicher Art. In ihrem Totalitätsanspruch liegt gerade der Zauber der Sinaistrahlen; sie sind als solche nicht eine Last, sondern eine Lust. (Schluß folgt.) Ein paar gute Worte zu Sefirah, Perek lind Schwuäus. Ijar, der. Frühlingsmonat, in dem wir durch die Zahlen der Sefirah eine Verjüngung,, eine Sanierung unserer Seele' erleben, deutet schon mit seinem Namen seinen Charakter an. Die Initialen von T"K heißen: "|KDn „Ich, G'tt, bringe Dir die Heilung." nsb a/naoi- „Ihr sollt e.uc h zählen," richtiger, euch 1 ä u t e r n. Denn omsov kommt von V.so, kristallklar stehe euere Seele am Tage der Gesetzgebung vor G'tt. Am 3 3. "im Omer hörte das große Sterben unter den Jüngeren von Rabbi Akiba auf; Der 33. Omer fällt stets auf den 18. Ijar, es ist »*n> Leben. Krafteinsätzes wäre ab er. für die Zukunft dringend zu raten, daß die . Demonstrationen besser organisiert werden, und.daß.sie sich in der Tat strengstens, auf passive Resistenz,, d. h.. Postenstehen und % Absperrung der Straßen, ohne gewalttätiges Vorgehen gegen Passanten, . beschränken. .Hier müssen die Alten die Jungenv zügeln.— der Eindruck solcher, friedlicher Demonstrationen wird stark sein und Polizei und Gericht werden es schwer haben, gegen sie vorzugehen. M. N, (iWenn G'tt es ernstlich wollen würde, daß der Mensch alle die Gebote hält, welche in der Thora -enthalten sind, — weshalb hat G'tt dem Men^ sehen denn nicht sogleich seit der Schöpfung eine solche innere Veranlagung geschenkt, di£ den .Menschen befähigt, nur nach diesen Geboten zu handeln und nie eins davon zu übertreten, —- und vor allem, warum hat er dem Menschen1 nicht sogleich bei der Schöpfung die Erkenntnis und das Wissen dessen geschenkt, was erst dem Geschlechte der Wüste von außen her am Berge Sinai geoffenbart wurde? Warum muß män G'ttes Gebote erst mit vieler Ueberwiridung bösen Triebes zu befolgen sich entschließen, warum sie' überhaupt erst erlernen? Warum ist ihre Befolgung nicht angeboren, anerschaffen dem Mensehen, damit sein ganzes Leben ein Lob G'ttes sei?" Auch darauf müssen wir antwortenr „So wie die Schöpfungswelt Speise und Kleidung nicht fertig darreicht, so bedarf auch der Mensch selbst eines Tikkun, einer Ergänzung, und ihm selber ist die Aufgabe gestellt, diesie Ergänzung, diese Veredlung zu bewirken. Der Mensch muß G'ttes Gebot von außen vernehmen. Am Sinai wurde ihm dieses Wort gereicht. Und gewollt und bewußt muß er an' sich arbeiten, bis er ün^ ter der Sonne des G'ttesgebotes sich ein neues, reineres, edleres Innere anersehaffen, sich selber geholfen hat. 'Und selbst das Urgesetz der Menschheit kam von außen, von G'tt her, kam hin zum ersten der Menschen und zu Noach." 3. So ist für die Menschheit seit ihrem Urahn und noch mehr für Israel seit dem Sinai-Tage die tägliche Lebensaufgabe: Tikkun, Ergänzung, Selbstveredlung. Das Büchlein Tikkun (ist es ein Zufall?) geht durch unsere Hände am Tage des Tikkun. Der Gedanke des Tikkun ist aber von unseren Weisen noch viel weiter gefaßt worden; Da das Opfer, des Neumonds-Tages in der Thora ein Sühnopfer genannt ist, so haben sie (Ghullin 60b) daraus die Anregung entnommen, dies sei'ein Sühnopfer für den Schöpfer selbst, der den Mond kleiner• als die Sonne erschufMan' faßt das wohl D-'p'is tfna -\ns^ Und dein Volk steht lauter, gut und gerecht da üb^ybt wenn es im Vergleich zur Umwelt gewertet wird. •>3»0ö:mifi bzp rwn- „Moses empfing die Thora vom : Sinai." Sinai steht klein und bescheiden unter' der anderen Bergen da, darum wurde er zum Berge G'ttes erkoren. Moses aber machte sich die Sinäibescheidenheit zu eigen unddieser Demut dankte er es, daß er die Thora. von G'tt empfangen und Israel weitergeben durfte.! ,. , Kleines Feuilleton. Eine Frage über irTintP nD^a. Vor . kurzem beging ein vielgeehrter und'verdienstvoller Schriftsteller seinen 70. Geburtstag;1 Um ihn zu einer U'»nniP nana zu veranlassen, wurde ihm von einem Gratulantenkreise ein Korb schöner, neuer, diesjähriger Früchte überreicht. Da sich dies aber" vor der Oeffentlichkeit vollzog und der Tag noch zu den 'a' n-vso gehörte, so wurden hiergegen Bedenken geäußert. Die Bedenken fußen wohl auf dem glatten n"N ]*r, der dem bin das öffentliche Anzünden derfrajfi nill * am ersten'Abend in Schul verbietet, damit er" nicht : U^nnsr sagt, -während er zuhause 11">•> n n B7; .-p aVi p'b%r\b a." n ist. Ist dieser Vergleich berechtigt? Oder soll man einwenden, dieriTöösei nicht eine so strenge Trauer wie das rvftaK' und das private il"nnw des Jubilars eine nicht so große Durchbrechung der Trauer wie das offizielle ij>'nntf des ersten nain-Abends? Ist das auch eine kleine allgemein als-eine Aufforderung auf, auch gerade die Unvollkömmenheiten der Schöpfung zum Dienste GHtes auszuwerten, also, hier zum Beispiel,: i die durch das nächtliche Dünkel nötiggemachte Unterbrechung des Berufslebens ' dem Thorastudium dienstbar zu machen. Iimmerhiii ist hier der; Tikkun-Gedanke selbst aüf die außermenschliche Schöpfüngswelt ausgedehnt: Der Menschen Schaffen gleicht der Schöpfung UnVollständigkeiten aus. * (Aehhliches mäjg man angesichts des Artenmischüiigsverbots Lev. 19i 19 empfinden: Saaten, die bei Wind und Wildnis der Vermischung unterliegen; werden im Lande des Gesetzes in Reinheit erhalten.) 4..-In der heutigen Welt bedarf Speise, Kleidung und — Menschencharakter des, Veredeins, des Tikkun; im messianisehen Zeitalter, so wird Sabb. 30 b scheinbar gelehrt, soll Erez Jisrael „fertige Brotlaibe und Seidengewänder" hervorbringen. In der heutigen Weif müssen die Menschen ihre Streitsucht bezähmen und sind Raubtieren gegenüber machtlos; im messjanischen Zeitalter dagegen, — so wird im zweiten und zwölften Jesaja-Kapitel scheinbar gelehrt, — ist der Trieb des Vernichtens und Kämpfens ausaller lebenden Wesen Brust vertilgt, — also scheinbar der „Tikkun", die Weltveredlung vollzogen. Kein Wunder also, daß diese Weissagungen gär' oft optimistische Ausleger fanden. Immer wenn ein Mensch öder ein Menschenkreis den. Sinai gestürmt, den Gipfel des Menschtums erklommen zu haben glaubte, immer dann hielt dieser Mensch ' sich für den" Sühner der Sünde der ersten Menschen, hielt dieser Mensch oder dieser Merischenkreis das Gnadenzeitalter für angebrochen, den Tikkun der Welt für vollendet, und immer dann würde dem alten G'ttesgebote, das an'den Menschengeist gerichtet war, der Abschied gegeben. Oft war es ein ehrenvolles, Begräbnis für das G'ttesgesetz, indem man ihm ehrerbietig nachrühmte, als Zuchtmeister gute Vorarbeit für die: Welt der Gnade getan zu haben; oft aber klagte man 'es an, die Gnade durch zu vielseitige Vorarbeit gar aufgehalten zu haben., Das sind die Seitenwege des Tikkünbegriffs im Geistesbereiche'anderer Bekenntnisse. Oder aber man feiert Menschheitsverbrüderüng und erklärte die Menschheit müinidig, mündig nicht nur vom Gesetze'der Moral von außen, sondern auch mündig vom Traume des Propheten, obgleich der als Erster in blutigster heidnischer Kriegswirren-Zeit die Menschheitsverbrüderurig vorausgeahnt^ —- ja mündig und ledig vom G'ttesgedanken übrehaupt; das sind die Seitenwege des Tikkünbegriffs zur verdünnten Mehschheitsreligiori der Moderne und zur Religionslosigkeit des Ostens. Sorge, so mag diese doch in dieser Zeit großer Sorgen um so angenehmer ablenken, besonders falls unser Leserkreis neue halachische Gesichtspunkte liefert. Im Sefer Chassidim 839 wird gelehrt: Die JVDia ■ sind alle im Plural ua -ina .unan usw. verfaßt, damit auch ein ta?' ein u und Andere, auf die irgend eine naia nicht recht paßt, sie sprechen können; insbesondere sei das bei "iS"'nnw der Fall, damit auch ein bix selbst am ersten Tage nach dem Ableben des Betrauerten diese na-ia sprechen kann, ohne seinem •Gefühl zu widersprechen. Das kann sich wohl nur auf das ir'nner vor 13 ripinna trn 'K b'b oder vor naan beziehen, wo der bivx zuhause uvnnp sagt. Auf Tage privater Freude aber, die in ein D'a-n xii^a» treffen, ist das schwer anzuwenden, zumal diese Freude in der rn'BD nicht wie in den drei Wochen ganz verboten ist. . B. Cohen. Wochenkalender. Vom 19. —'-26 Mai 1934 / Vom 5. — 12. Siwan 5694 •>nv tp 19 ntsio 'i pna flijMa» '9 -laiaa Samstag 5 R> Sonntag 1 20 6 2b 's dt niffiac? Montag Mai 21 7 ib nn 'a dt nwiaip Dienstag- 22 ]VC 8 "[■> an no« Mittwoch > 23 9 r\b Donnerstag 24 10 •b Freitag 1 25 11 iV ■ Samstag 26 12 nb 'a '8 pns am

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