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Der Israelit · 1934-05-17 · Heft 20 (17.5.1934) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 20 (17.5.1934)
Date
1934-05-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 20 D er . 1 s r a e 1 i t 17. Mai :1934 diso h zusammengesetzt werden, eben von den einzelnen Berufen, die ihre Vertreter in die Körperschaften zu entsenden haben, abhängen. Herr Dr. Friedmann berührte zuletzt auch die Frage der jüdischen Vertreter im K u 11 u r r a t e' und betonte, daß „nur die jüdische Gemeinde das' Recht haben würde, durch ihre aus freien Wahlen hervorgegangenen Funktionäre die Vorschläge für die Berufung der jüdischen Vertreter in jenem Kulturrate zu machen." Das ist in ihrer Unbestimmtheit eine ganz klare Ankündigung, man könnte fast sagen Androhung. Man weiß, daß eine der vielen Unhaltbarkeiten, die die Jugend der Wiener Orthodoxie bis zum Aeußersten treiben, eben jenes Unterfangen des Gemeindevorstandes ist, Vertreter in den Kulturrat zu entsenden, die in gar . keiner Beziehung zu den Bedürfnissen und religiösen Lebensinteressen der Wiener Judenheit stehen, die also niemals als die Repräsentanten der zum großen Teile aus religiösen Juden sich zusammensetzenden Kultusgemeinde betrachtet werden können. Der Herr Präsident leitet hier das alleinige Recht der Gemeindefunktionäre zu der Ent- Jerusalem, 7. Mai. Es gibt Dinge in Erez Jisroel, die den Jischuw bewegen, obgleich sie nichts mit der „prosperity", dem wirtschaftlichen Aufschwung, zu tun haben. Es gibt alte Spannungen und Gegensätze, die sich täglich verschärfen; das bewegte Leben des jungen, mit Temperament geladenen Jischuw bringt Zusammenstöße, Fehden, Kämpfe. Revisionismus und Histadruth-Politik — unversöhnliche Gegensätze! Man kämpft auf beiden Seiten mit Mitteln, die man vom europäischen Machtkampf bezogen hat. Der neutrale Beobachter, der die Fehde durch Zeitungslektüre verfolgt, muß feststellen, daß die Revisionisten die Verhetzung systematischer und roher betreiben als die Histadruth-Kreise. Da fehlt kaum eine Beschimpfung, kaum eine Verdächtigung gegen die Partei und ihre Führer. Der Mordprozeß gegen Stavsky und Genossen, der eben in Jerusalem verhandelt wird, das „Mischpat",.wie man kurz sagt, steigert Über Sinai-Strahlen, Wesen und Wirkung. Betrachtung zum Offembarungsfeste. Von A. Mannheimer in Dettelbach. Die moderne Wissenschaft machte uns mit gar wunderlichen Strahlen bekannt, von denen die Altvorderen sichs kaum träumen ließen, Mittels ihrer dringt des Arztes Auge prüfend in „Herz und Nieren" des Menschen; geisterhafte Wellen fliegen selbst bei Nacht und Nebel über unser Haupt dahin und tragen die menschliche Stimme von Erdteil zu Erdteil, wie wenn freundliche Nachbarn miteinander reden. Bilder aus weitester Ferne zaubert man vor den verwunderten Blick. Erdstrahlen kennt der nie rastende Forscher als geheimnisvolle Erreger gewisser Krankheiten und schon wiegt sich die Phantasie in noch kühneren Träumen. Wir möchten heute den Leser auf eine eigene, ganz besondere Art von Strahlen aufmerksam machen, die man freilich nicht mit einem Apparat für unsere Sinne leichterdings demonstrieren kann. Doch ist uns die Quelle derselben nicht unbekannt. Nur muß sich der Leser nicht scheuen, mit in die Wüste zu folgen. Dortselbst ein Berg, der freilich an Pracht und Majestät sich keineswegs messen darf mit unsern Alpenriesen. Seine Höhe und Masse wirken nicht imsendung der Vertreter aus der Tatsache ab, daß sie „aus freien Wahlen" hervorgegangen seien. Gerade diese „freien Wahlen" sind es aber, gegen die heute in .Wien nicht allein die religiösen Kreise Sturm laufen.;Was vor drei oder vier Jahren 'unter der Herrschaft des demokratischen. Systems aus freien Wahlen hervorgegangen ist,: ist im Oesterreich von heute, nach all den Um-, wälzungen, wie im öffentlichen und politischen,: so auch im jüdischen Leben längst nicht mehr legitim, im Namen der Wähler zu sprechen. Der von der Bundesregierung gebildete Kulturrat ist eine Errungenschaft und ein Wahrzeichen des neuen, religiös stark unterbauten Systems, und es müßte als Selbstverständlichkeit gelten, daß die jüdischen Vertreter in diesem über Kultur und Kultus zu entscheidenden obersten Gremium zum Teile wenigstens das volle Vertrauen des religiösen Judentums genießen. Die aus alter diktatorischer Gewohnheit gemachte Ankündigung des Vorsitzenden macht das Vorgehen der Agudajugend, wenn wir dieses nach wie vor in seiner extremen Form auch nicht billigen, doch durchaus begreiflich. die Spannung bis zur Siedehitze. Nach hiesigem, von England übernommenem Recht wird Eingriff in ein schwebendes Verfahren, wozu jede kritische Aeußerung, Vorwegnahme von Folgerungen usw. gehört, als „contempt of court" streng bestraft. So entlädt sich die Spannung in d e r Form, daß die Revisionisten (sie geben anstelle des von der Regierung verbotenen ,Chazit Haam" eine Tageszeitung „Hajarden" heraus) die Arbeiterpartei beschuldigen, der möglichen Verurteilung dreier Juden wegen Mordes mit Freude entgegenzusehen, während die Poalim ihrerseits die Gegenseite verdächtigen, der Aufklärung des Mordes mit allen Mitteln entgegenzuarbeiten. In dieser Beziehung spielt eine nicht sehr glückliche Rolle ein Aufruf, den neben anderen bekannten Persönlichkeiten auch die Mitglieder des offiziellen Oberrabbinates unterschrieben haben und der zur Stiftung eines Fonds aufruft, um die Verteidigung „unserer Brüder, die auf der Angeklagtenbank sitzen", zu finanzieren. ponierend. Stumm starrt er in die Ferne, in die heiße Wüste. Und gerade diesen Berg, solch unwirtliche Gegend wählte sich der himmlische Vater zum höchsten und denkwürdigsten geschichtlichen Ereignis, zum feierlichen Offenbarungsakte, Seitdem haben die Sinaistrahlen einen langen, gar merkwürdigen und wundervollen Weg durch Zeiten, Länder und Nationen zurückgelegt. Was sie auf diesem Wege geschaut, gewirkt und geschaffen, gehört nicht nur der jüdischen Geschichte an, es berührt die Gesamtmenschheit als Kulturgemeinschaft, "in«'' jvxSn na t>' vm, Aber von Zion kann man sagen: Jeder ist da geboren. (Ps. 87, 5.) Hierzu Hirschs Psalmenkommentar: „Zion ist die Mutter jeder'geistigen Größe, die — auch weit über Israel hinaus — wahrhaft bildend und erleuchtend im Kreise der Menschheit gelebt und gewirkt. Ihre geistige Wiege hat —• bewußt und unbewußt — in Zion gestanden. Funken des Wortes aus Zion waren es, die ihren Geist geweiht, ihr Gemüt entzündet und sie zu Herolden an die Menschheit gesandt. n->nv amaa iao' 'n- „G'tt zählt, wenn er Völker verzeichnet." Auch die Größen anderer Völker, die heilbringend für ihre Nation gewirkt haben, stehen in G'ttes Weltenbuch." — — Der Glanz der Sinaistrahlen zog die Welt in ihren Bann; Zehngebot, Psalmen, die Bibel zählen alle großen Weltenvölker zum heiligen Schrifttum. Wer könnte sich der Wucht und Schönheit der lapidaren Worte entziehen, mit denen der Weltenschöpfer die Grundlagen der sittlichen Kultur in die Herzen seines Priestervolkes eingräbt und sie damit der ganzen Menschheit sichert! Solche Dinge wirft kein Verständiger leichterdings weg. Sie haben Ewigkeitswert, die Zionsstrahlen. Dies fühlt man unwillkürlich und instinktiv. Neider und Nörgler reißen und rütteln an den Ketten, mit denen sich die Menschheit an den Sinai gebunden fühlt. Bis Es ist nicht ganz klar, durch welchen; geschickten Schachzüg man die ynterzeichner.-dazu gebracht hat, sich für eine derartige «Aktion einzusetzen, die eine Demonstration ohne praktische Notwendigkeit darstellt. Die, Verteidigung der Angeklagten, von denen niemand; behauptet, daß sie vom englischpalästinensischen Gericht irgendwie in der Geltendmachung ihrer Rechte beeinträchtigt würden, liegt in den Händen von Horace Samuel, eines ausgezeichneten Juristen, der von der revisionistischen Partei zur Verfügung gestellt wurde, und der selbst Revisionist ist.;So hat der Aufruf zur Geldsammlung auf die Freunde des ermordeten Arlosoroff, die sich entschieden jedem Versuch widersetzen, die Affäre zu verdunkeln, sehr aufreizend gewirkt, und dem moralischen Gewicht, daß das Oberrabbinat in gewissem Maße auch bei den Arbeitern besitzt, ist mit dieser einseitigen Stellungnahme ein schwerer Stoß versetzt worden. Es liegt in der derzeitigen Situation gar kein Gr an d vor, aus der Stavskysache eine Dreyfusaffäre zu machen, eine Absicht, die schon deshalb unsinnig ist, weil ja noch gar keine Verurteilung erfolgt ist. Der Kampf um die S a b b a t h e i 1 i g u n g in Tel A w i w ist auf dem Höhepunkt. Es ist falsch, zu glauben, daß er eine Parteisache wäre. Es arbeiten bei den bald zur Tel Awiwer Tradition werdenden Demonstrationen gegen die öffentliche Sabbatentweihung Poale Agudath Jisrael, Poale Misrachi, unorganisierte Chassidim, Misnagdim, aschkenäsische und sefardische Juden nebeneinander. Man ist ja so bescheiden geworden in den Forderungen! Wenn wenigstens das unwürdige, geräuschvolle Treiben von Autos und Motorrädern aufhören würde, die in fast nicht abreißender Folge auf der Allenby-Straße, an den großen Synagogen vorbei, Korso fahren! Hier haben sich die Ole Germania, die deutschen Einwanderer, die mit ihren Autos hier erschienen sind, einen besonders schlechten Namen gemacht, denn hier wehrt man sich noch gegen die Sitten der deutschen „liberalen Vereinigung". Der allsäbbatliche, verzweifelte Kampf gegen dieses entwürdigende Getriebe ist auf die Straße, den Schauplatz der Provokationen, verlegt worden, nicht sehr zum Vorteil der äußeren Sabbatruhe. Aber diese Art passiver Resistenz, die die Straße einfach gegen Autos usw. ' absperrt, ist das einzige und letzte Mittel der sabbathaltenden Bevölkerung, und die Verhaftungen und das brutale Eingreifen der Polizei gegen Menschen, die in der jüdischen Stadt ihr Heiligstes schützen wollen, verfehlt nicht, Eindruck zu machen. Schon hat die Stadtverwaltung Entschlüsse . in die, jüngsten Tage fehlte und fehlt es nicht an Strebungen und Strömungen, den Sinaistrahl böswillig zu verdunkeln, ihn aus der geradlinigen Bahn zu drängen. Törichtes Unternehmen! Er leuchtet stets von neuem auf und sucht die alte Richtung. — Lichtstrahlen haben doppelte Fernwirkung: sie verbreiten Helle und Wärme zugleich. Die. Sinaistrahlen erleuchten nicht nur den Geist, sie erwärmen gleichzeitig das Gemüt. „Lernen" ist dem Juden keine Tätigkeit oder Betätigung des kühl abwägenden, kritisch eingestellten Verstandes. Der Jude „lernt" nicht nur mit dem Kopfe, das Herz arbeitet genau so emsig mit. Wenn man allgemein dem Gedankenhuldigt, Geistes- und Gemütsbetätigung müßten verschiedene Richtungen einschlagen, unter dem Sinaistrahl fließt Beides harmonisch ineinander. Unser Gebetbuch wollte und konnte daher kein „Erbauungsbuch" im landläufigen Sinne sein. Es nahm eine Menge Stoffe lehrhaften Charakters auf.*) Drohten doch die Grenzlinien zwischen Lehrforschung und Herzensandacht sich fast zu verwischen, so daß die Weisen hier ord-r nend eingreifen mußten mit dem Satze: ,Tmb nn^p •v\nb nbsn i»t, Lernen und Beten — alles habe seine eigene Zeit. Die Sinaistrahlen zeigen auch wie alle andren Strahlen ein Spektrum, sie brechen sich in wundervollem Farbenspiel. Gerade das macht ihre Schön- , heit aus, bildet nicht in letzter Linie ihren Reiz. Wie; das Leben selbst, schillern sie in allen Farbentönen. Als n"n nun greift das Sinaigesetz ins volle Menschenleben hinein und macht das Dichterwort „Greift *) Ganz abgesehen von den poetischen Teilen (nir? j—nn^o a'Bi'B)^ die erst recht auf Bibel, Talmud und Midrasch sich aufbauen. Spannungen und Entladungen im heiligen Lande. Der „Prozeß". — Ein zweckloser Aufruf. — Der Kampf um die Sabbatheiligung in Tel Awiw.

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