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Der Israelit · 1934-05-17 · Heft 20 (17.5.1934) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 20 (17.5.1934)
Date
1934-05-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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17. Mai 1934 Der Israelit Nr. 20 Seite 3 Vom Warten und Werden. (Fortsetzung von Seite 1.) Und dennoch gab es Perioden in der Geschichte^ in denen, je nach Lage und Umständen — immer mit dem Hinblick zur Sinaihöhe — das nWDW-Moment, das G'ttsinnen und G'ttsuchen, die Erlösungssehnsucht unter tränenreichem Harren und Zählen, oder das der DniD'a' der dankerfüllten Freude ob des Besitzes an unserem Feste in den Vordergrund trat. Schon zu Anfang unseres Volkswerdens geht Warten und Wandern fast unmittelbar in Ansässigkeit und feste Bodenständigkeit über. Seitdem bewegt sich Israels Geschichte zwischen niSTD» und QvyO'n zwischen Erwartung und Erfüllung und wird uns die Erlösung als reiche Frucht ausgiebiger Tränensaat verheißen. ... Gewiß leben wir heute in einer Zeit des Wartens wie kaum in einer anderen Zeit der (Geschichte. In Erwartung des Festes ziehen alle Helden unserer Geschichte an unserem Geistesauge vorüber, um uns zu skgen, daß auch sie geweint und; gewartet, auch geblutet haben für die Wahrheit, die einst unseren Vätern am Sinai, als kostbarstes Gut für die Menschheit anvertraut wurde. Aber anderswo, und nicht irgendwo in einer Weltenecke, sondern im Lande der Väter, ist es heute auch Zeit des Werden's. Dort feiern Erde und Menschen neben dem „Wochenfest" auch das „Fest der Bikkurim", das Fest der Kraft, das Fest der Städte, die, jung und kraftvoll ausgreifen, das Fest der Felder und Gärten, auf und in denen der Weizen wogt und die Orange blüht, das Fest der Arbeit in den Werkstätten, wo die natürlichen Schätze des Bodens den Menschen erschlossen werden, und in den Häfen, die des Landes goldene Frucht, von tausend jüdischen Händen gepflegt und betreut, aufnehmen, um sie, ein Zeugnis des Landes, auf dem „G'ttes Auge ruht vom Anfang des Jahres bis zu seinem Ablauf", in die Welt hinauszutragen. Es kann dort unser Fest CTD"»^ genannt werden. Wehe aber um all den Segen und all das Werden, wenn das ein „Bikkurim" ohne „Schwuaus", wenn all die Arbeit und all die Errungenschaften nur die Erdenschwere des Bodens trügen, ohne von der Höhensonne des Sinai bestrahlt zu sein; wenn all dieses nach sadduzäischer Weltanschauung diesseitig bliebe ohne inneren Zusammenhang mit dem, was uns durch die Jahrtausende erhalten hat; Israels Kraft liegt auch bei seiner Verwurzelung mit dem irdischen Boden auf der Linie D^nyn isn D^iyn ]»' der Linie, die nach oben weist. Fast mutet uns angesichts des Schreies, der in der jüdischen. Welt nach Arbeit, nach Umstellung und Umschichtung, nach Werkstätte und Wochenrundschau. Die neue Einwanderungsschedule für Palästina, 20 000 Zertifikate wurden für die Arbeitereinwanderung im nächsten Halbjahre verlangt, 5600 wurden bewilligt, weniger als ein Drittel. Es mag diese Zahl vielleicht der Stimmung der Araber im Lande entsprechen, sie mag auch die Aengstlichkeit der Behörden in Jerusalem und London widerspiegeln, es könnte auf die Blüteperiode: in Palästina eine Stagnation folgen, die die Arbeitsstätten vermindert. Der wirklichen Lage im Lande, wo Studenten und Schulkinder aus den Schulräumen in die Felder und Plantagen hinaus müs- Hachschara geht, der Satz Rabbi Eliesers, Sohn Jakobs in den Vätersprüchen (Abschn. 3) wie eine dringende Mahnung an unsere Zeit an: ntu na naim iijwöö p'osöi mwi "pfin "f?rmn. waaa a"nna i^Wd rn rtt'm. nw na m •pT! "f?nan' Schon nahezu 2000: Jahre, daß wir unterwegs sind, über Länder und Kontingente, nWl'-Was wir auf dieser Dauerwanderung getan und geschaffen haben? Wir lernten und lehrten. Wir schlugen, indes die Andern Länder und Städte eroberten und errichteten, Kanäle gruben und Brücken bauten, Leitern in die Höhe. Die Regale aller Weltbibliotheken sind ausgefüllt;; von den Schöpfungen unseres Geistes auf unseren langen Wanderungen, und uns selbst waren und sind sie das Licht, das uns in der Finsternis erstrahlte, daß wir nicht strauchelten noch wankten, ihJtPaa p'pSöV Nun sollten. wir plötzlich abbre- . chen alle Beziehungen zur Geistigkeit, zu jenen; Welten, in die wir uns, ach so oft, bedrängt und angewidert-von der Ebene des Lebens, flüchteten, lösen? "m m flRJ na ISIKV und mit dürstendem Auge nur am schönen Baume, an der blühenden Pflanze, am fetten Acker hängen, als machte dieses allein unser ganzes Leben, unser Glück und unsere Zukunft aus? WB3n S*»nna I^ÜS t*n* Das wäre Raub an unserer Seele, das könnte zur Seelenvernichtung führen (nicht gleich n^nna t'Tl' sondernn'Tina l^io) das könnte dahin führen, daß wir uns um das bringen, was uns alle Widersacher bis dahin nicht nehmen konnten: die Seele. Gesegnet jeder Stein, der sich auf heiligem Boden zum Steine findet, um ein jüdisches Haus zu ergeben; gesegnet jeder Schweißtropfen, der dort von jüdischer Stirn auf den Fruchtacker fällt; gesegnet die Hand, die vom jüdischen Baume die goldene Frucht pflückt. Allein ein Unsfestklammern an Boden und Arbeit nur, wäre ein Haus ohne Fenster zur Sonne, ein „Bikkurim" ohne „Schwuaus". Nein, auch Bikkurim nicht! Denn der jüdische Landmann zog eben mit Sang und Klang, den Korb der Erstlinge auf der Schulter, nach dem Berge G'ttes, um Türe und Fenster nach oben aufzureißen, um die bei der täglichen schweren Arbeit vielleicht zeitweise verlorene Verbindung mit G'tt und Geist, mit Israels Gemeinschaft wieder herzustellen, um die Uhr nach dem Sonnenzeiger des Sinai für ein Jahr wieder zurechtzurücken. Feiern wir das Fest der Bikkurim mit der wartenden und weinenden Sehnsucht des Schwua u s. Und beide, Schwuaus und Bikkurim, . werden und bleiben uns ein FestderGesetzg e b u n g. sen, um die Ernte einzubringen und die vielfachen Baupläne aus Mangel an Arbeitern nicht zur Ausführung gelangen können, entspricht diese Ziffer ganz gewiß nicht. Mit den 20 000 Zertifikaten, die die Jewish Agency für das nächste Halbjahr gewünscht hat, wollte sie gewiß kein Maximum fordern, um ein Minimum zu erreichen. Tatsächlich liegen die Dinge so, daß 20 000 Arbeiter ohne weiteres Arbeit' in Palästina hätten finden und zum Aufbau des Landes nach großzügigen Plänen hätten beitragen können, während das Minimum von 5600, von denen noch eine Anzahl für die Touristen zurückbehalten werden, eine schwere Notlage in der Wirtschaft des Landes schafft. Und dennoch sollte man sich von der künstlichen Aufregung, wie sie heute besonders die Arbeiterpartei unter Demonstrationen, Protesten und Streiks entfacht, nicht irre machen lassen und sich einer ruhigen Bewertung der Dinge befleißigen. Einsichtige Kenner des Jischuw weisen darauf hin, daß auch mit dieser Zertifikatenzahl das Ziel, 40 000 Juden im nächsten Jahre ins Land zu bringen, erreicht werden könne. Denn diese 5600 stellen, da die Zertifikate für Familien ausgestellt sind, eine Kopfzahl von etwa 13 000 dar. Den größeren Rest werden die Kapitalisten außerhalb der Quote stellen, für die die Einwanderung und Ansässigmachung sich eher leichter als schwerer gestaltet. Das soll nicht bedeuten, daß man sich mit der Reduzierung der berechtigten jüdischen Ansprüche auf kaum ein Drittel abfinden muß. Es gibt aber noch andere Wege der Intervention als die der Demonstration und der Kampfansage. Noch ungerechter finden wir die Opposition gegen die Maßnahme der Regierung, die das Postenstehen vor jüdischen Pflanzungsbetrieben, in denen arabische Arbeiter verwendet werden, verbietet. Die geharnischten Proteste gegen dieses Verbot werden mit denen gegen die verminderte Arbeitereinwanderung verbunden und damit eine gerechte Forderung durch ihre Verbindung mit einem ungerechten Vorgehen stark abgeschwächt. So sehr wir für die jüdische Arbeit in den Kolonien eintreten und so warm wir die Beschäftigung jüdischer Brüder unter dem Gesichtspunkte des ">ni •jay fflN als heilige Pflicht eines jüdischen Besitzers empfehlen, so müssen wir doch die grundsätzliche und gar unter Anwendung von Gewalt durchgeführte; Ausschließung arabischer Arbeitskräfte als verhängnisvoll für den Jischuw sowohl wie für das gute Verhältnis zwischen den beiden Volksteilen strikte ablehnen. Das Verbot des Postenstehens muß gebilligt werden, und wir können uns dabei auf den besten Kenner der agrarischen Wirtschaft in Palästina, auf Mosche S m i 1 a n s k i, den Vorsitzenden des jüdischen Pflänzerverbandes in Palästina berufen, der nach einem — freilich abfälligen — Bericht des „Dawar" im Verbot des Postenstehens einen Erfolg für die Interessen der jüdischen Pflanzer begrüßt. Hoffen wir, daß es mit legalen Mitteln gelingt, der Einwanderung jüdischer Arbeiter größeren Raum zu verschaffen. Dann wird der jüdische Pflanzer schon aus Brudergefühl dafür sorgen, daß sich Proteste und Postenstehen gegen nichtjüdische Arbeiter von selbst erübrigen. Eine endgültige Lösung des schwierigen Problems könnte freilich nur in der allmählichen Angleichung des Lohnniveaus des arabischen Arbeiters an das des jüdischen herbeigeführt werden. Jüdische Verfassungssorgen in Österreich. Der Präsident der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde, Dr. Desider Friedmann, sagte in einer großen jüdischen Versammlung, eine Verfassung, die mit den Worteni „Im Namen G'ttes, des Allmächtigen" beginnt, also im Namen G'ttes verkündet wird, kann nicht gegen die Juden gerichtet sein, dehn auch wir sind Kinder G'ttes; Die Bestimmung der Verfassung, daß Oesterreich ein christlich deutscher B u n d e s s t a a t sei, müsse nicht notwendig einen Ausschluß der Juden bedeuten. Der Artikel 16 lautet: „Alle Bundesbürger sind vor dem Gesetze gleich und dürfen nur soweit ungleich behandelt werden, als es sachliche Gründe rechtfertigen." Eine ungleiche Behandlung aus dem Grunde der Zugehörigkeit zum Judentum wäre aber kein sachlicher Grund und würde auch mit den Bestimmungen vieler anderer Artikel und den Bestimmungen des Friedensvertrages von St. Germain in Widerspruch stehen, wo ausdrücklich zu lesen ist: „Alle österreichischen Staatsangehörigen ohne Unterschied der Rasse, Sprache und Religion sollen gleich sein vor dem Gesetze und dieselben bürgerlichen und politischen Rechte genießen." Ob Juden in den Ratskörperschaften vertreten sein werden, wird, da diese Körperschaften berufsstän-

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