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Der Israelit · 1934-05-09 · Heft 19 (9.5.1934) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 19 (9.5.1934)
Date
1934-05-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 19 Der Israelit 9. Mai 1934 Oscher C h a s a n, bei dem die Angeklagten Achi Meiir und Stavsky wohnten, hat St. am Abend des Mordes gegen 7 Uhr in seinem Zimmer gesehen, etwa 5 Personen seien um diese Zeit in seinem Zimmer gewesen. In den späteren Abendstunden sah er ihn nicht mehr und auch am Samstag nicht. Da der Mord erst um 11 Uhr geschah, könnte St. um diese Zeit auch in Jerusalem gewesen sein. In der weiteren Verhandlung kommen die Vorgänge bei der polizeilichen Untersuchung zur Sprache. Auf Antrag des Verteidigers werden die bei Achi Meir beschlagnahmten Manuskripte, in denen er Mord im nationalen Interesse für zulässig halte, nicht verlesen, da A.chi Meir, wie der Verteidiger begründete, seine Anschauungen seitdem geändert hätte. Es wird betont, daß die Polizei von vornherein, und zwar auf Grund der Aussagen von Frau Arlosoroti, gegen Stavsky und Rosenblatt stark eingenommen war. dem Angeklagten Rosenblatt hatte Frau Arlosoroff auf den Kopf zugesagt, daß er ihren Mann getötet hätte und auf ihn eingeredet, ein Geständnis abzulegen und seine Hintermänner anzugeben. Am Freitag mittag kommt noch einmal die Selbstbezichtigung des jungen Araber Abdul Medschid zur Sprache. Er gab bekanntlich seinem Freund Issaar del Derwisch als Komplizen an, nahm aber nachher sein Geständnis, wie auch die Beschuldigung des Freundes zurück. Nach Vernehmung der Beamten, die Aussage und Gegenaussage des Arabers entgegengenommen hatten, scheint das Gericht diesem Momente keine große Bedeutung beimessen zu wollen. Schwer belastend für Achi Meir ist die Aussage des Studenten Meir Schlang, der über eine Rede Achi Meirs auf einer Studentenversammlung in Haifa berichtete, in der er den Studenten den Vorwurf machte, daß sie nicht imstande seien, aus nationalen Gründen einen Mord zu begehen. Vom Verteidiger in ein Kreuzverhör genommen, sagte der Zeuge, er könne sich nicht an alles erinnern, was A. damals in der kurzen Rede geagt habe, jene Stelle habe aber auf ihn gewaltigen Eindruck gemacht und sei ihm genau in Erinnerung geblieben. Damit schließt die zweite Verhandlungswoche ab. Süd-Amerika. „Tag des südamerikanischen Judentums" in Peru. Lima, 26. April. In Lima wurde von der dortigen jüdischen Kolonie der ,,Tag des südamerikanischen Judentums" gefeiert, der vor drei Jahren zum ersten Male als Symbol der Einigkeit des südamerikanischen Judentums eingeführt und seither jährlich begangen wurde. Bei der diesjährigen Feier hielten der Redakteur der Zeitung ,,Nos Otros", Robert Feldmann, und Vertreter jüdischer Verbände, darunter der „Union Israelita de Peru", des „Kulturzentrums", des Schulvereins u. v. a., Ansprachen. Personalien. Berlin, 7. Mai. Am 28. April d. J. verstarb in Jerusalem, wo er im Hause seiner verheirateten Tochter einen zufriedenen Lebensabend verbrachte, M. H u r w i t z , früherer Inhaber der Berliner hebräischen Druckerei Itzkowski. Im Hause des Sohnes hier in Berlin würdigte Herr Rabbiner Dr. Singerniann in einer Traueransprache die Persönlichkeit dieses allgemein geschätzten und weit und breit bekannten Verstorbenen. Die souveräne Beherrschung des gesamten jüdischen Schrifttums habe ihn dazu befähigt, seinen Auftraggebern nicht nur Setzer und Drucker, sondern Mitarbeiter und Mitformer ihrer Werke zu werden. Seine biedere Art, sein vornehmes Wesen und sein friedfertiger Charakter, haben ihm in weiten Kreisen des deutschen und außerdeutschen Judentumes Anerkennung verschafft. Seine Sehnsucht im Lande der Väter zu leben und zu ruhen, ist ihm wohltuende Erfüllung geworden, n'axjn« Karlsruhe, 6. Mai. Wehmut und Tränen bei vielen löste der Tod des schlichten und doch so innig irom-. men Kaufmanns Saly Rothschild aus. Seine Bescheidenheit, seine freundlich zuvorkommende Liebenswürdigkeit erwarben ihm die Zuneigung vieler, die des Verlustes sich bewußt geworden. Die Israelitische Religionsgesellschaft verliert in ihm ein treues Mitglied, auf das sie, wann immer es war, bei der Lösung ihrer Aufgaben zählen konnte. Die wnp man wußte, daß sie zu jeder Zeit bei der Erfüllung ihrer Ehrenpflichten auf seine Mitarbeit rechnen durfte. Die Armen von nah und fern, die zu ihm kamen, verlieren einen stillen Wohltäter, der in geheimer Verborgenheit Liebestätigkeit geübt. Im Elternhaus hatte er es vor sich gesehen, gestützt und gefördert wurde er.hierin durch seine gleichgesinnte Gattin, die schlichte Frömmigkeit als Familientradition ihm zugeleitet hat. rob yaxn- Ein keusches Wandeln mit G'tt war sein Leben, dem ein kurzes, schweres Leiden eine Grenze gesetzt. — Eine große Beteiligung bei der Beerdigung legte Zeugnis ab von dem Ansehen, das er genoß. In ergreifenden Worten gab der Rabbiner der Israelitischen Religionsgesellschaft Ausdruck dem Schmerz und der Trauer um diesen edlen Mann. ~ n~ Neckarbischofsheim (Baden), 2. Mai. Am 1. Mai trat die hiesige Freiwillige Feuerwehr aus einem Anlaß zusammen, der der ganzen Gemeinde Freude bereitete. Das Mitglied unseres Synagogenrats, Herr David J a k o b s o h n , erhielt mit ehrenden Worten di& Auszeichnung für 5 0 Jahre langen aktiven Dienst als Feuerwehrmann überreicht! Ein seltenes und ein nennenswertes Ereignis, zu dem man — heute gewiß! — den „Dekorierten" herzlich beglückwünschen kann. Vermischtes« Berlin, 26. April. Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden schreibt uns: Die Ausbildungsstätte für jüdische Kindergärtnerinnen und Hortnerinnen beginnt ihren Lehrgang Mitte Mai. Der Pensionspreis beträgt Mk. 50.— monatlich; das Schulgeld Mk. 25.— monatlich. Es sind noch einige Plätze im Internat frei. Anmeldungen sind unter Beifügung eines selbstgeschriebenen Lebenslaufes, des Schulabgangszeugnisses und des Nachweises der hauswirtschaftlichen Ausbildung und Betätigung an die Geschäftsstelle des Lehrgangs: Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, Berlin-Charlottenburg 2, Kantstraße 158 oder an den Jüdischen Frauenbund (Reichsgeschäftsstelle) ebenda zu richten. Lungenleidende können in zwei vorzüglich ausgestatteten, fachärztlich geleiteten jüdischen Anstalten, der Rothschild'schen Lungenheiltätte in Nordrach in Baden (nur für weibliche Kranke) und der Kuranstalt für Israeliten in Bad Soden im Taunus (für männliche und weibliche Kranke) Aufnahme finden. Die in Lungenheilstätten üblichen modernen Behandlungsmethoden werden angewandt. Beide Anstalten liegen in landschaftlich bevorzugter Gegend und verfügen über alle Kurhilfsmittel, wie Liegehallen. Terrassen usw. — Die Kuranstalt in Bad Soden ist neuerdings weitgehend modernisiert und auch ärztlich noch ausgebaut .worden. Privatpatienten, Versicherte und von jüdischen Organisationen betreute Patienten finden Aufnahme und ärztliche Betreuung zu mäßigen Sätzen. Die Reichsversicherungsanstalt für Angestellte belegt die Anstalten seit vielen Jahren. Es ist uns bekannt, daß sie entsprechenden Anträgen von Kranken, die auf rituelle Verpflegung Wert legen, im allgemeinen Rechnung trägt. In diesem Zusammenhang wird darauf hingewiesen, daß Versicherte, die ihre Stellung verloren und das freiwillige Weiterkleben der Beitragsmarken für die Reichsversicherung unterlassen haben, ihre Anwartschaft auf Versicherungsleistungen wieder herstellen können, wenn sie innerhalb von zwei Jahren nach Verlust der Stellung die fehlenden Marken nachkleben. Weitere Auskünfte erteilt die Reichsversicherungsanstalt für Angestellte oder ihre Vertrauensmänner an den einzelnen Orten. Berlin, 8. Mai. Herr Dr. Moses Auerbach, Berlin schreibt uns: Zu dem sehr dankenswerten Artikel H. Liebermanns über die Leistungen des alten Jischuw gestatte ich mir zu bemerken: Es fehlen einige der wichtigsten alten Institutionen des alten Jischuw, so die Jeschiwot und Talmud Thora-Anstalten Ez Chajim, Mea Schearim, Chaje Olam, Jeschiwoh Zion der Amsterdamer Pekidim, die Jeschiwot Torat Chajim Ohel Mosche. Ferner die sefardische Jeschiwa Perek Joseph, die sefardische T. T. Bne Zion der Aguda, die sefardische, von den Pekidim unterhaltene Schule Doresh Zion. Hamburg, 7. Mai. Im Verein Mekor Chajim hielt am 1. Mai Herr Ignaz Schwarzschild einen Vortrag, betitelt: „Aus den Piutim der Sefirasabbate". Der Redner behandelte, nach fünf Gruppen geordnet,.' sämtliche Einschaltungsgedichte der Äumerzeit und versuchte hauptsächlich an Hand von Zunz, Baer, Heidenheim und des Hamburger Machsors die Paitohim namhaft zu machen, die sämtlich am Schlüsse des elften Jahrhunderts gelebt haben müssen. Neben Jehuda Halevi und Gabirol nannte er mitteleuropäische Zeitgenossen Raschis, wie Rabbi Simon den- Großen und Rabbenu Jizchok usw. Er verlas eine Baer'sche Uebersetzung eines Ahawostückes sowie eine im S. R. Hirsch-Jeschurun 1855 von Rabbiner Dr. Lehmann s. A. veröffentlichte Beschreibung des Todes Simons des Großen. Altona, 24. April. Im Rahmen der Agudas Jisr o e l fand in AI to n a in diesem Winter in den Räumen der Gemeindeschule eine Reihe von gemütlichen Zusammenkünften statt, bei welchen in bunter Folge jüdische Themen behandelt wurden. Den Reigen eröffnete Herr Philipp Möddel mit einem Vortrag über „Jüdische Kunst". Herr B. S. Jacobson, Hamburg fesselte die Zuhörer durch seine Ausführungen über „Die Glaubenslehren des Rambam (Maimonides}", sodann bot Herr Hauptlehrer Sommer ein sehr interessantes Referat über „Die Geschichte des G'tteshauses". Herr Markus Lange, Hamburg sprach in anschaulicher Weise über „Verschiedene Wege jüdischer Geschichtsforschung und Deutung". Herr Rabbiner Dr. Benno Cohen, Friedrichstadt fand mit seinem aktuellen Thema „Psychologisches und Praktisches von der Aussprache des Neuhebräischen" rasch das Interesse der Besucher, Den Schluß des Winterprogramms bildete ein lehrreicher Vortrag des Herrn Rabbinowitz über „Die Gründe vieler Minhagim". — Alle Vorträge erfreuten sich eines guten Besuches und fanden lebhaftes Interesse bei den Besuchern. An die Vorträge schlössen sich regelmäßig musikalische Darbietungen an und bei einem Glas Tee fand eine rege Aussprache statt. Regensburg, 2. Mai. Vor zwei Jahren noch zählte unsere Gemeinde ca. 500 Seelen. Heute ist die Zahl auf rund 400 zurückgesunken. Von den 30 Familien, die während des letzten Jahres auswanderten, befinden sich die meisten in Palästina. Das Ziel der übrigen war Belgien, England, Frankreich und Holland. Natürlich wirkt sich der Wegzug am stärksten in der jüngeren Generation aus. Die hiesigen höheren Schulen (Realschule, Neues Gymnasium) werden somit nur noch von 7 jüdischen Schülern besucht. — Unser Synagogenchor ließ sich am vergangenen Peßach nach langer Zeit wieder hören. Nur der Initiative unseres überaus bewährten Dirigenten, des Herrn Oberlehrer Max B e h r , ist es zu verdanken, daß wir im Vereine mit unserem Kantor, Herrn Jakob Lewkowitz, zur Verherrlichung des G'ttesdienstes mitbeitragen konnten. M, L. Breslau, 3. Mai. Der Verein Jüdisches Museum E. V. zu Breslau hat sich in den letzten Jahren um die Entwicklung jüdischen Kulturlebens besondere Verdienste erworben. Nachdem er vor einigen Monaten eigene Räume bezogen hat, beabsichtigt er, diese auch in den Dienst der Pflege neuerer jüdischer Kunst zu stellen. Er veranstaltet deswegen in ihnen (Gräbschenerstr. 61—65) vom 13. Mai bis 24. Juni d. J. die erste Ausstellung von Werken jüdischer Künstler in Deutschland aus Vergangenheit und Gegenwart. Es kommen im besonderen Werke von Malern, Graphikern und Bildhauern zur Schau. Es ist Vorsorge getroffen worden, daß lediglich der künstlerische Wert für die Aufnahme in die Ausstellung den Ausschlag gibt. Zum ersten Male wird hier ein geschlossenes Bild jüdischen Kunstschaffens im Laufe der letzten hundert Jahre vor Augen geführt. Persönlichkeiten wie Israels, Liebermann, Chagall und viele andere, die bisher nur im Rahmen des allgemeinen Kunstlebens gekannt und beurteilt wurden, sollen* nun im Zusammenhange ihrer Volkszugehörigkeit erscheinen. Zugleich aber wird sich hier ein reiches Entwicklungsbild der verschiedenen zeitlich oder persönlich bestimmten Stilarten entfalten. Diese Ausstellung wird zweifellos über die Kreise Breslaus hinaus in der jüdischen Welt Deutschlands, großem Interesse begegnen. Nähere Anfragen, die sich auf die Ausstellung beziehen, wird die Geschäftsstelle des Vereins Jüdisches Museum, Breslau 6, Striegauerstr. 2 (Felix Perle) beantworten. Scheveningen, 5. "Mai. Am Donnerstag, den 3. Mai wurde der geplante Kindergarten der Höheren Werkschule Scheveningen in Scheveningen, Cornelis Jolstraat 93, eröffnet. Die Leitung des Kindergartens liegt in Händen der staatlich geprüften Jugendleiterin und Kindergärtnerin Frl. Käthe P e t z a 11, die bis vor kurzem in Köln einen eigenen Kindergarten geleitet hat. Frl. Petzall wird die kleinen Zöglinge nach modernsten Methoden beschäftigen, belehren, unterhalten, deutsche, holländische, natürlich jüdische und hebräische Lieder mit ihnen singen, in dem zugehörigen Garten Interesse für Blumenpfiege erwecken, den Kindern gewisse Selbständigkeit geben. An schönen Tagen werden sich die Kleinen am Strand oder in den Scheveningsche Boschjes aufhalten. Für den Kindergarten dürfen nach einem Bescheid der Hodfinspectie van het Rijkstoezicht op het Lager Onderwijs vom 8. September 1933 auch nichtschulpflichtige holländische Kinder aufgenommen werden. Deshalb wird als erste Hilfskraft eine Holländerin eingestellt. Es wird eine Vormittagsabteilung (täglich außer Sonnabend von 9,15 bis 11,45 Uhr) und eine Nachmittagsabteilung (Montag, Dienstag, Donnerstag von 2.30 bis 5 Uhr) eingerichtet. Die Kinder können entweder beiden Gruppen oder einer von ihnen angehören. Auf Wunsch können die Kinder, die vormittags und nachmittags teilnehmen, über Mittag im Kindergarten bleiben; sie erhalten dann ein Glas Milch zu ihrem mitgebrachten Brot, Anmeldungen können ab 1. Mai in allen Sprechstunden erfolgen, nämlich Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag von 4,30 bis 6 Uhr und Freitag : von 2,30 bis 3.30 Uhr,

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