Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 19 (9.5.1934)
- Date
- 1934-05-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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9. Mai 1934 _- ' ' _ Hierzu bemerkt das Communique: „Mit' den Bödenverkäufen, die jetzt in ..Palästinagetätigt1 worden, hat Seine Hoheit nichts zu tun." '1 <■ Prozentnorm für ausländische Aerzte in Palästina, Je r u salem , 26. April. Wie aus Kreisen der Palästinaregierung mitgeteilt wird, sollen mit Rücksicht auf die Ueberfülluhg des Aerztestandes in Palästina vom September an neue einschränkende Bestimmungen für die Zulassung zur ärztlichen Praxis in Kraft gesetzt werden. Den neuen Bestimmungen zufolge darf die Zahl neu zuzulassender Aerzte nichtpalästinensischer Staatsangehörigkeit nur 25 Proz. aller neu Zuzulassenden betragen. Diese Bestimmung erstreckt sich auch auf diejenigen Aerzte, die als Kapitalisten mit einem Eigenkapital von mindestens 1000 Pfund einwandern. Da : zur . Erwerbung der palästinensischen Landesangehörigkeit ein . mindestens zweijähriger ununterbrochener Aufenthalt im Lande erforderlich ist, werden somit neu einwandernde Aerzte im allgemeinen zwei Jahre warten müssen, bis sie zur Praxis zugelassen werden. Viele der aus Deutschland eingewanderten jüdischen Aerzte geben in letzter Zeit angesichts des AerzteüberfhlSses ihren Beruf auf und wenden sich verschiedenen neuen Berufen, darunter auch der Landarbeit, in den Kolonien und den Kwuzoth, zu. (ITA.) Vorbereitungen zur Neuwahl des Stadtrats von Jerusalem. Jerusalem, 2. Mai; Die seit einigen Jahren in Jerusalem bestehende Organisation „Hatoschaw" (Der Bürger) propagiert den Gedanken, daß eine besondere jüdische Stadtgemeinde in Jerusalem geschaffen werden soll. Die Vereinigung wendet sich dagegen, daß die Juden neuerdings gemeinsam mit den Arabern Wahlen in die Gemeindevertretung durchführen, aus der sie be? kanntlich vor einigen Jahren infolge eines Konflikts um die Besetzung eines Bürgermeisterpostens ausgeschieden sind. Im allgemeinen glaubt man nicht an einen Erfolg dieser Propaganda, da man die derzeitigen politischen Verhältnisse als ungünstig' für die Schaffung einer eigenen jüdischen Stadtgemeinde beurteilt. Nach der letzten i. J. 1931 durchgeführten Volkszählung lebten damals in Jerusalem 51.000 Juden, während die Zahl der Gesamtbevölkerung knapp 100.000 betrug. Unter der jüdischen Bevölkerung gab es 34.000 palästinensische Bürger, die zur Teilnahme an den Gemeindewahlen berechtigt waren. Obwohl die jüdische Bevölkerung Jerusalems heute bereits über 60.000 Seelen stark ist und weit mehr als die Hälfte der Gesamtbevölkerung ausmacht, ist sie im Stadtrat nicht vertreten. Die letzten Wahlen zum Jerusalemer Stadtrat wurden 1927 durchgeführt. Seither wurde keine Neuwahl angesetzt, obwohl von jüdischer Seite wiederholt dahingehende Forderungen an die Regierung gestellt worden waren. Neue jüdische Siedlungen in der Nähe Jerusalems, Jerusalem, 2. Mai. Eine der wichtigsten und produktivsten Aufgaben jüdischer Pionierarbeit in Palästina für die näqhste Zukunft ist die verstärkte planmäßige Anlage, von Obstplantagen in Verbindung mit gemischten Betrieben. Diese Form der Ansiedung ermöglicht auch solchen Einwanderern, die nicht über allzugroße Mittel verfügen, sich allmählich im Lande einzuordnen und ist noch stark entwicklungsfähig, da für den palästinensischen Obstbau — abgesehen von Orangen — bisher verhältnismäßig wenig geschehen ist. Gegenwärtig muß Palästina noch jährlich für ca. 500.000 Lst. Obst verschiedener Art einführen, obwohl die ausgedehnten Gebirgsgegenden Palästinas sich für die Anlage von Obstpflanzungen ganz vorzüglich eignen. Aus,, diesem Grunde hat vor kurzem; die Gesellschaft „El Hahar" den Anfang gemacht, den von ihr in großem Umfang an der Straße JerusalemrHebron erworbenen Boden zu parzellieren und, durch Anlage von jüdischen Mittelstandssiedlungen für den Obstbau vorzubereiten. Die Gegend ist. wegen des kühlen Klimas und der Nähe der Wasserquellen ,,namentlich für-, Europäer geeignet, also, besonders für .Juden aus, Deutschland. Der Bodenbeschaffenheit und. den Not-. ................ Der ..I s r a e 1 i t ., _ wendigkeiteri' der' palästinensischen Wirtschaft entsprechend, wetäen dort in erster Reihe die in Pa- 'lästiüa fehlenden Obstsorten angebaut werden, also: Aepfel, Birnen, Pflaumen, Kirschen, Erdbeeren, Persische usw. und in Verbindung mit Geflügel- und Bienenzucht, evtl. auch Milchwirtschaft den Siedlern eine feste Existenzgrundlage geschaffen werden. Der Boden'wird von der Gesellschaft zu einem verhältnismäßig billigen Preise und unter sehr günstigen Bedingungen abgegeben. Jeder Siedler kann über die Art der Bebauung und Bepflanzung im Rahmen des Ortsstatuts selbst bestimmen und erhält nach Abzahlung des Bodens'den Kuschan'zur freien Verfügung. Besonders in religiösen Kreisen herrscht starkes Interesse für dieses Unternehmen und zu dessen eif- Die Woche. 1 Mannheim. Auf der Verkaufsmesse, I die vom 6. bis 15. Mai in Mannheim stattfindet, hat man, nach einer Meldung des . „Hakenkreuzbanner", eine besondere Abteilung für die jüdischen Händler eingerichtet, die sich am Ende der Messe nach den Geschirrverkauf sständen befindet. Das Blatt sieht darin ein großes Entgegenkommen den Juden gegenüber, die man nicht ganz ausschaltet. Warschau; Der Literarische Preis der Stadt Warschau für dieses Jahr wurde dem jüdischen Professor Simon Askenazi, einem bekannten polnischen Historiker, zugesprochen. — In Warschau und in Bialystok veranstalteten Inationaldemokratische Studenten Ueberfälle auf jüdische Straßenpassanten. Die Polizei griff mit großer Energie durch. London. Ein nicht genannt sein wollender englischer 1 N i c h t j u d e hat den Betrag von 10 0 0 0 g Pfund der Hilfsaktion für die i deutschen Juden überwiesen. — Der I Londoner Rat der Akademiker ver- 1 öffentlicht einen Bericht, aus dem hervor- I geht, daß 178 aus Deutschland ausgewander- H Iten Wissenschaftlern die Fortsetzung ihrer 1 Arbeit an englischen Universitäten ermög- 1 licht werden konnte. Tel Awiw. Der High Commissioner, Sir Artlur W a u - c h o p e , hat seine Glückwünsche zum 25jährigen Jubiläum der Stadt Tel Awiw in einem herzlichen Telegramm an den Bürgermeister zum Ausdruck gebracht. — Anläßlich des 25jährigen Jubiläums der Stadt Tel Awiw wurde' dem Bürgermeister Meir Dizengoff, der gleichzeitig belgischer Konsul in Palästina ist, die höchste belgische Auszeichnung, der Leopolds- IO r d e n , verliehen. Der Sekretär des belgischen Konsulats, Isaak Kaf Z, Würde mit dem belgischen Kronen-Orden ausgezeichnet. Riga. Die lettische Regierung hat einen Juden, M. L i f s c h ü t z , als ehrenamtlichen Konsul Lettlands in Tel Awiw nominiert. An die Palästinaregierung wurde seitens der lettischen Regierung das Ersuchen gerichtet, Herrn Lifschütz das Agrement zu erteilen. ■BBDanmBHraBnBBBHBBnBnBBHnn rigen Förderern und Freunden gehört u. a. der Sadagorer Rebbe. Durch entsprechende Bedingungen in den Kaufverträgen und; durch kollektive Einrich- .tungen/wird Vorsorge getroffen'werden, daß die Entwicklung ,des religiösen Lebens zielbewußt :gefordert und begünstigt , wird,. Demnächst wird; ein'Vertreter der Gesellschaft, Herr teon Glaser, nach Deutsch-; land kommen, um hier in engerem Kreise die nötigen Informationen; zu gebenj und für den Plan zu interessieren. W. L. Geld und Menschen in Palästina. Jerusalem, 24. April. Auf Grund einer Umfrage bei den maßgebenden Finanzinstitutionen konnte der Vertreter der ITA. feststellen, daß im Verlaufe eines Jahres (April 1933 ,bi März 1934) weit mehr als sechs Millionen- Pfund von Juden..und jüdischen Gesellschaften in verschiedenen Unternehmungen Palästinas investiert worden waren. Die Summe übersteigt um das Doppelte die der Investierungen im vorangegangenen Jahre und gibt einen' Spiegel der Entwicklung, die Palästina jetzt durchmacht. Ein-Viertel der genannten Investitionssumme wurde in , privaten Plantagen _ Nr. 19 Seite 7 investiert; etwas weniger als anderthalb Millionen Pfund wurden vom Keren Hajessod, der Pica und Privatpersonen in landwirtschaftlichen Unternehmungen, etwas weniger als ein Million Pfund in Industrie- Unternehmungen investiert. Amerikanische Juden, die im Gebiete der Stadt A f u 1 e h im Emek Jezreel ausgedehnten Grundbesitz haben, haben sich zu einer Gesellschaft zusammengeschlossen, um dieser Stadt, auf die vor' Jahren große Hoffnungen gesetzt wurden, die aber in einen Zustand der Stagnation geraten war, zu neuer Entwicklung zu verhelfen. Es wurde beschlossen, vor allem die Wasserversorgung in Angriff zu nehmen. Die Bevölkerung von Afuleh glaubt, daß Afuleh alle Voraussetzungen hat, das Handelszentrum des Emek zu werden. , Während 1932 die jüdische Arbeiterschaft Palästinas erst 40.000 Mann stark war, werden jetzt über 60 000 jüdische Arbeiter in Palästina gezählt. In Tel Awiw allein leben jetzt über 20.000 jüdische Arbeiter. Die Zahl der jüdischen Arbeiter in Jerusalem beträgt einschließlich derjenigen, die in den Werken am Toten Meer beschäftigt sind, rund 10.000. Ebenso groß ist die Zahl der jüdischen Arbeiter in Haifa bei. Einrechnung der Arbeiterschaft der Zementfabrik „Nescher". Im allgemeinen rechnet man, daß 60 Proz. der Arbeiterschaft in den Städten beschäftigt sind. Die Zahl der jüdischen Arbeiter in den Kolonien wird auf über 20.000 geschätzt. - Der in Palästina herrschende außerordentliche Arbeitermangel hat zu einem Zustrom von Landarbeitern in die Städte geführt. Besonders stark ist im letzten Jahr die Zahl der jüdischen Bauarbeiter gestiegen. Die Zahl der bei Bauarbeiten Beschäftigten ist um über 4000 höher als im vorigen Jahr. Die Palästinaregierung hat den ihr vorgelegten Haushaltsplan der Stadt Tel Awiw für das Verwaltungsjahr 1934—35 genehmigt, der städtische Einnahmen in der Gesamthöhe von 200.000 Pfund vorsieht. Die Hälfte dieses Betrages soll aus Steuern und Lizenzgebühren eingehen, ein weiteres Viertel betrifft die Einnahmen aus der Wasserabgabe, der Rest soll aus verschiedenen kleineren Einnahmequellen stammen. Hierbei wird auch ein Beitrag der Palästinaregierung in der Höhe von 12.000 Pfund in Anrechnung gebracht. Die Einnahmen im neuen Verwaltungsjahr sind um 50.000 Pfund höher präliminiert als die Einnahmen des letzten Jahres. An Ausgaben sind für das neue Verwaltungsjahr über 90.000 Pfund vorgesehen. In diesem Betrag sind 27.000 Pfund inbegriffen, die die Stadt zur Rückzahlung alter Anleihen verwenden will, sowie die. Ausgaben für das städtische Sanitäts- und Schulwesen. Die weiteren Verhandlungen im Arlosoroff- Prozeß. Jerusalem, 1. Mai. Die Verhandlungen nehmen einen schleppenden Fortgang. Es werden mehrere Zeugen vernommen, zumeist Polizeibeamte, die der Verteidiger Samuel ins Kreuzverhör nimmt. Es gilt für ihn, nachzuweisen, daß der Mörder mit der linken H^nd geschossen haben müsse, während die Angeklagten alle rechtshändig seien. Auch die Vprnehmung der Frau A r 1 o - s o r o f f bringt keine neuen Momente. Sie hatte den Eindruck, daß die. Männer, die sich an sie und ihren J^lann herangemacht, haben, Juden waren, sie glaubt auch, Stavsky und Rosenblatt wieder zu erkennen, aber mit voller Gewißheit, die jede Verwechslung ausschließt, konnte sie die Aussage nicht machen. Weiter wurden die Angaben der Polizei und des Untersuchungsrichters über die Fußspuren an der Mordstelle, die von den Angeklagten stammen sollen, . genau besprochen, wobei sich wiederum viele Widersprüche ergaben. ■ Das Alibi Stavskys für die Mordnacht nimmt längere Zeit in Anspruch. Entgegen der Aussage Stavskys, er habe in dieser Nacht im Restaurant Hachscharon in Jerusalem geweilt, erklären zwei jüdische Polizisten, die St. genau kennen, daß sie ihn an jenem»1 Abend im Restaurant nicht gesehen hätten. .ÄucÜ: der Inhaber des Lokales kann nicht sagen, ob St* in der fraglichen' Zeit im Restaurant anwesend wan Antragendes Verteidigers, die die Aussagen der Zeugen entkräften sollen, werden abgelehnt.