Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 19 (9.5.1934)
- Date
- 1934-05-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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9. Mai 1934 Der Israelit Nr. 19 Seite 5 amerika und in verschiedene afrikan i sc he und asiatische Länder gelangt. Der Prozeß der Auswanderung und Verteilung geht dauernd ruhig weiter. An die Stelle überstürzter fluchtartiger Auswanderung ist eine -geordnete getreten. Dochsind die Zulassungsvorschriften in die an Deutschland grenzenden Länder verschärft worden. Deshalb sind in diese Länder in den letzten 4 Monaten wesentlich weniger Personen eingewandetr, als noch Ende 1933. Auch die Wanderung von Land zu Land, dieeine Zeitlang sehr beträchtlich war und eine Schätzung der Gesamtauswanderung schwierig machte, ist wesentlich schwächer geworden, einerseits infolge Erschwerung des Grenzübertritts seitens der betreffenden Staaten, andererseits durch die von den Ausgewanderten gewonnene Erkenntnis, daß solches Herumwandern zwecklos ist. Die Zahl derjenigen Ausgewanderten, die von Hilfskomitees unterstützt werden, ist wesentlich geringer als im Vorjahre und wird ständig weiter herabgedrückt. Die Organisationen müssen die Lage und die Stimmung in den Einwanderungsländern prüfen, damit der Emigranten dort nicht ähnliche Verhältnisse erwaretn wie in der Heimat. Die vom Völkerbunde dem Oberkommissariat gestellten Aufgaben können nur mit Unterstützung der Juden und Nichtjuden in Amerika und Europa gelöst werden. Auf das Staatenlosen-Problem übergehend, bemerkte der Oberkommissar, daß die polnische und die schwedische Regierung ausdrücklich erklärt hätten, sie würden die staatenlosen Auswanderer in gleicher Weise behandeln wie diejenigen, die eine Staatsangehörigkeit besitzen. Andere Staaten hätten jedoch eine solche Erklärung nicht abgegeben. Die Lage der aus Deutschland ausgewanderten Staatenlosen, deren Zahl einige Tausend beträgt, ist besonders schwierig, sowohl was Aufenthaltsrecht als Arbeitsbewilligung betrifft. In der Regel können sie außerdem dasg Land ihres vorübergehenden Aufenthalts nach Ablauf der ihnen gewährten Aufenthaltsfrist nicht verlassen, weil es kein Land gibt, in das sie zurückkehren könnten. Auf Grund der Empfehlungen der Völkerbundskonferenz vom Jahre 1927 ist der Staat, in dem ein Staatenloser b>eim Erlöschen seines Reisedokuments sich aufhält, berechtigt, diesem ein neues Identitäts- und Reise-Dokument auszustellen. Die Empfehlung des ständigen Komitees ging dahin, daß die Staaken von diesem Recht gegenüber den aus Deutschland ausgewanderten Staatenlosen Gebrauch machen. Aehnliche Empfehlungen wurden bezüglich der Auswanderer deutscher Staatsanman sich Licht machen lassen. Ein Licht auszulöschen ist verboten gleich dem Ein- und Ausschalten des Elektrischen. Sieben Sabbatbrote sind zu backen, da man sechsmal Kiddusch macht einschließlich mc?- Ein Brot jedesmal zum „Zulegen". Wer gewöhnt, am r-nw Nachmittag ein Brot anzuschneiden, muß 8 backen. Sie können ja kleiner sein. Die Nachmittagsmahlzeit ist für U"' keine Pflicht. Die Schrift bei versiegelten Flaschen ist schon Freitag zu entfernen. Dann ist das Entkorken gestattet, sogar am raw- Kaffeemahlen schon am Freitag für die B"'-Tage. Die Zichorie-Packung aufreißen! Kochen, Salatbesehen, Spülen usw. von einem Tag o"' auf den andern, ist verboten; für den gleichen Tag erlaubt. Es ist gestattet, ein größeres Quantum zuzusetzen, eine größere Mehlspeise zu bereiten, von der auch auf morgen übrig bleibt, wenn man am ersten Tag noch davon genießt. (Manches ist auch dabei zu bedenken.) Wer das „Lernen" hat, darf selbstredend am rotf keinerlei Vorbereitungen für den Abend treffen, auch das Zurechtstellen oder Servieren nicht. Da es heuer, weil a'isa-Gebet nebst Mahlzeit vorausgeht, ziemlich spät wird zum „Lernen", richte man alles schon am Freitag. . Das Gebäck bereite man minnich zu für den Lernabend, da die Leute meistens oder sogar gewöhnlich von der Fleischmahlzeit kommen. Der Leiter des „Lernens" mache auf Vor- und Nach- P3"i3 aufmerksam. Er kann am Schlüsse die kleine und große Nachbrocho laut vorsprechen. gehörigkeit gemacht. Der Oberkommissar ersuchte außerdem anläßlich der Uebermittlung dieser Empfehlung die einzelnen Regierungen, nichts zu unternehmen, um die staatenlosen Auswanderer zum Verlassen des Landes zu zwingen, bevor eine grundsätzliche Entscheidung in dieser Frage getroffen sei. Trotzdem wird häufig über Ausweisungen von Staatenlosen von einem in das andere Land berichtet. Der Oberkommissar hat sowohl bezüglich der allgemeinen Praxis bei der Behandlung der Staatenlosen wie auch in einer großen Zahl von Einzelfällen, in denen Staatenlose von Ausweisung bedroht waren oder kein Reise-Dokument erhalten konnten, Vorstellungen erhoben. Es wäre angesichts der herrschenden Wirtschaftskrise nicht angebracht, von den Regierungen der einzelnen Länder allgemeine Arbeitserlaubnis für die Ausgewanderten zu fordern. Im;- merhin haben einige der im Verwaltungsrat vertretenen Staaten einer Anzahl Ausgewanderter, die bestimmte Qualifikationen besitzen, Arbeitserlaubnis erteilt oder die Bildung von Kooperativ-Gruppen zugelassen. In vielen Einzelfällen hat der Oberkommissar interveniert, um die Erteilung oder die Erneuerung bereits erteilter Arbeitsbewilligungen zu veranlassen. Er hat verlangt, daß die Bestimmung des Vertrages über den internationalen Status der Nansen-Flüchtlinge, wonach die Gesetze zum Schutze der einheimischen Arbeit gegenüber dauernd in den ein- Korrespondenzen. Deutsches Reich. Vereinigung traditionell-gesetzestreuer Rabbiner Deutschlands. Altona, 2. Mai. Vom Vorstand der Vereinigung traditionell-gesetzestreuer Rabbiner Deutschlands wird uns geschrieben: „Die Reichsregierung hat der jüdischen Schülerschaft allgemeiner Schulen die Möglichkeit der Sabbatheiligung gewährt. Konsequent aber knüpft sie daran die Forderung, daß wer den Sabbat als seinen Ruhetag betrachtet, ihn auch ausschließlich seiner heiligen Bestimmung weihe und der Schule Soll man noch erst sagen müssen, daß das Benützen von Telefon und Radio am verboten ist? Am o""» Morgen wird bei Kiddusch nur nwa W1 gesagt, was mancher nicht weiß. (Der Zufall als Entdecker.) Unter diesem Schlagworte berichtet Walter Finkler in Nr. 19/1934 der Frankfurter (Bechhold'schen) „Umschau", daß der Wiener Arzt Dr. Sole im* Zuge seiner Studien über Farbreaktionen der Milch die wunderbare Entdeckung machte, daß die menschliche Muttermilch (keine tierische) einen Stoff enthält, welcher jede Blutung, selbst die der mit der furchtbaren Bluterkrankheit Behafteten, in bisher unerreichter Schnelligkeit und Sicherheit zum Stillstand bringt. Neben! dem allgemeinen, noch nicht auszudenkenden Segen für die ganze Menschheit ist diese Entdeckung von eminenter Wichtigkeit für die Mohelim. Es wird m. G. H. keine ny>n nnnn mehr geben, Laut dem oben angeführten, sehr instruktiven „Umschau"-Berichte ist das Referat, welches Dr. Sole in der Wiener Gesellschaft der Aerzte am 23. Fe-1 bruar 1934 hielt, in der „Wiener Klinischen Wochenschrift" Nr. 9, 1934 wiedergegeben. Leopold Mosbacher. (Der älteste Einwohner Berlins wird im jüdischen Krankenhaus operiert.) Einen sehr seltenen und schwierigen Auftrag hatte der bekannte Chefchirurg des Krankenhauses der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Professor Dr. Paul Rosenstein, auszuführen. Er wurde zu dem ältesten Berliner Einwohner, Herrn S. in der Witzlebenstraße, gerufen, einem 1 0 3 j ä h - rigen Manne, der an einem eingeklemmten Dünnzelnen Ländern ansässigen Nansenpaß-Inhabern nicht mit aller Schärfe gehandhabt werden sollen, auch gegenüber den aus Deutschland Ausgewanderten Anwendung finde. Es sei eine unrichtige Darstellung der Lage, wenn erklärt werde, die Auswanderer seien im allgemeinen eine Last für die Länder, in die sie gekommen sind. Diejenigen, denen die Errichtung eines Unternehmens gestattet wurde, haben vielfach Einheimischen Arbeitsgelegenheit geboten. Außerdem haben die Hilfsorganisationen in den einzelnen Ländern große Beträge, hauptsächlich aus dem Ausland stammende Gelder, ausgegeben, abgesehen von den Geldern, die von den Hilfsorganisationen unabhängigen Einwanderern selbst ausgehändigt worden sind. Die so durch die Einwanderer in gewissem Umfang herbeigeführte Belebung der Wirtschaft sollte bei der Frage der Erteilung von Arbeitserlaubnis mit berücksichtigt werden. Die Verhandlungen betreffs der Erleichterung in der Einwanderung haben in manchen Ländern Erfolg gehabt. Einzelheiten lassen sich darüber noch nicht sagen. Weitere Erleichterungen hängen von einer Besserung der Wirtschaftslage ab. Der Berufsumschichtung widmet der Oberkommissar das größte Interesse, wobei er neben der Arbeit der Ort-Öve und des „Hechaluz" auch die der Agudas Jisroel-Weltorganisation lobend erwähnt, fernbleibe. Sie hat damit jedem die Entscheidung in die Hand gegeben. Nur wer opferwillig ein Ganzes tut, hat das Recht, in seiner religiösen Ueberzeugung respektiert zu werden. Wir richten an unsere Eltern und Kinder, soweit sie allgemeine Schulen besuchen, die dringende Aufforderung, mit Mut und Freudigkeit den ihnen durch die Regierung ermöglichten Weg zu beschreiten. Die höhere Anforderung, die dadurch an die Selbstarbeit des jüdischen Schülers gestellt wird, kann nur befeuernd und anspornend wirken und wird reichlich belohnt durch das einzigartige Glück, den Sabbat in seiner vollen Schönheit und Weihe regelmäßig miterleben zu können." Wir bringen vorstehenden Aufruf der Vereinigung traditionell - gesetzestreuer Rabbiner Deutschlands zum Abdruck und empfehlen ihn der allgemeinen Beachtung. Unsere Jugend soll durchaus in Verbundenheit mit dem jüdischen Leben aufwachsen, für das der Sabbat ein besonders wichtiges Erziehungsmittel ist. darmbruche schwer erkrankt war. Auf dringendes Bitten der Angehörigen entschloß sich der Chirurg zur Operation und konnte tatsächlich durch einen sehr schnell in örtlicher Betäubung ausgeführten Eingriff den Kranken wiederherstellen. Der 103jährige Patient wurde nach 14 Tagen geheilt nach Hause entlassen. Es dürfte wohl das erste Mal sein, daß an einem über 100jährigen eine so schwere Operation mit Erfolg durchgeführt werden konnte. Für die geistige Rüstigkeit des Mannes ist es charakteristisch, daß er Herrn Professor Rosenstein auf die Frage, ob er nicht eine Zigarre rauchen wolle, die Antwort gab: „Das Rauchen habe ich mir schon mit 80 Jahren abgewöhnt." Professor Rosenstein ist mit seinem Patienten im Jüdischen Krankenhause mehrfach fotografiert worden. Wochenkalender. Vom 12. — 19 Mai 1934 I Vom 27. Ijar bis 5 Siwan 5694 f|T 'n pns Tipnn -im noio o-nn fa-un Samstag 12 27 10 Maulcd; Sonntag abends Sonntag 13?8 na 10 Uhr 2711/1* Min. Montag Mai 14 26 13 ]tap -I1Q3 DV> Dienstag 15 ]V0 1 T3 cnn vni Mittwoch 16 2 H3 Donnerstag 17 3 Ü3 ] Freitag;18 I4 b 1. roain 'x 1 Samstag!l6 15 K' 1 'i pia mjmtf'sr -mal