Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 19 (9.5.1934)
- Date
- 1934-05-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr, 19 D Israelit 9. Mai 1934 Die Forderungen nach Erneuerung der Berliner jüdischen Gemeinde. In Ergänzung unseres Berichtes über die Forderungen und Bestrebungen zur Umgestaltung der Berliner Jüdischen Gemeinde, wird uns heute über drei große zionistische Versammlungen ge-_ meldet, die am Lag beomer in Berlin stattgefunden haben und in denen zionistische Führer die Erinnerung an den Bar Kochba-Aufstand wachriefen, um die Jugend für die „nationale Umgestaltung der Gemeinde" zu entflammen. Neben den homiletischen Geschichtsdeutungen von Joachim Prinz, äußerte sich Dr. David Schloßberg etwas konkreter und sachlicher über das Zukunftsbild, das er und seine Partei sich von der Gemeinde machen. Es sei notwendig, den Kampf um die Gemeindestuben zu führen, weil die dort heute dominierenden Menschen längst überholten Anschauungen huldigen. Die Verwirklichung der von den Zionisten jahrelang erhobenen Forderungen werde dadurch gefälscht, daß der Geist, in dem sie geschieht, ein anderer sei als der, in dem jene Forderungen urpsrünglich gestellt wurden. Eine Schule mit jüdischen Schülern und jüdischen Lehrern allein sei noch lange keine jüdische Schule; zu einer solchen gehören jüdischer Geist und die jüdischen Inhalte. Die von der Gemeinde betriebene Berufsumschichtung könne nur dann sinnvoll sein, wenn sie im Hinblick auf den Palästinaaufbau gerichtet sei. Ein Vertreter des Makkabi-Verband e s zitierte neben dem Geiste Bar Kochbas auch den von Rabbi Akiba, um für die „innere Freiheit" zu plädieren, „die kollektive Emanzipation des jüdischen Volkes." Es sind stolze Worte, die ganz gewiß verwandte Saiten in unserer Brust arischlagen, und wir selber sprachen es an dieser Stelle aus, daß, wie in Wien und anderswo, auch in Berlin die Verhältnisse — mit oder ohne Wahlen — nach einer Erneuerung und Verjüngung der Gemeindel örperschaften geradezu schreien. Erneuerung aber im Sinne des Talmudwortes "»,T ÜV - byi> D'ttnrD fTira' wonach die alte Thora die Quelle aller Erneuerung und Verjüngung ist und bleibt. Wollten das die Herren in den Versammlungen, die am angeblichen Ehrentage Bar Kochbas unter zionistischer Aegide stattfanden? Herr Schloßberg, der so wunderschön und mit vollem Rechte betonte, daß die jüdischen Lehrer und die jüdischen Kinder die Schule noch nicht zur jüdischen Schule machen, wenn ihr der jüdische Geist und die jüdischen Inhalte fehlen, nahm uns im Nachsatze, in dem er sagte, was er unter jüdischem Geiste und jüdischen Inhalten versteht, leider mehr als er gab. Er verlangt das hebräische Lied auf den jüdischen Spielplätzen, die nationaljüdische Jugend auf den Jugendabenden der Gemeinde vertreten zu sehen. Auch das kann ruhig gewünscht werden. Aber ist das alles, was die jüdische Schule zur Pflanzstätte des jüdischen Geistes, die jüdische Jugend zur Trägerin der jüdischen Zukunft macht, das hebräische Lied? Ein anderes Lied gibt uns die alte Lehre als Quelle der Kraft und Verjüngung, als Seele des Judentums an: oynt 'an rosm ab -»a ivb visb nxrn n-pwn nmsn Auch das kann nicht akzeptiert werden, daß alle Berufsumschichtung einzig und allein auf den Palästinaaufbau gerichtet sein müsse, so lange, — leider — Palästina nicht imstande ist, das gesamte Judenproblem zu lösen, solange ein gut Teil der deutschen Juden doch seine Zukunft in ' anderen Ländern und nicht zuletzt auf dem deutschen Heimatboden selbst auf neuer Grundlage wird aufbauen müssen. Und der jugendliche Redner des Makkabi möchte anstelle der individuellen Emanzipation eine „kollektive Emanzipation des jüdischen Volkes" setzen. Wenn es nur nicht der Uebergang von einer individuellen Assimilation zu einer kollektiven nationalen Assimilasein soll! Nur so kann es auch der Redner gemeint haben, wenn er zum Schluß seinem Wunschtraum dahin Ausdruck verleiht, bei den westasiatischen olympischen Spielen die blauweiße jüdisc he Flagge neben der der übrigen Nationen prangen und die jüdischen Sportler unter den eigene ns Emblemen siegen: zusehen. Das nennt er „kollektive nationale Emanzipation", das: „innere Freiheit". Mit kollektiver Emanzipation und innerer Freiheit solcher Art ist aber Bar Kochba, der für die Aktion in der Gemeinde ganz ohne sichtlichen Grund bemüht wird, zusammengebrochen. Den Geist Rabbi A k i b a s sollten wir aber in diesen Tagen ja heraufbeschwören; nicht des Rabbi Akiba, der in erster Begeisterung dem Helden von Bethar zugejubelt hat, sondern den Geist des Lehrers Rabbi Akiba, der mit seinem Leben und Lehren und seinem Opfertode uns die bis zum letzten Atemzuge gültige Bindung der G'ttesliebe und G'tteslehre für alle Zeiten gezeigt hat. Mit Rabbi Akiba als Führer würde die Jugend auch in ihrem Kampfe um die Erneuerung der Gemeinde ganz gewiß siegen. Der Stand der Hilfsaktion für die jüdischen Emigranten und die Pläne zu ihrer dauernden C r*. Ql« r% f 4*-m #i stl* * Aus einem Berichte des Oberkommissar Macdonald im OeijnaiimaOnUn^x Verwaltungsrate des Emigrationshilfswerkes in London. Die Ansiedlung von Ausgewanderten in Palästina schreitet fort. Im vergangenen Jahre hat das Komitee zum Teil für Bodenkauf, zum Teil zur Schaffung von Unterkunftsmöglichkeit von beruflichen Schulen 150.000 Pfund ausgegeben, im nächsten Jahre sollen von englischen und amerikanischen Zentralfonds zu diesem Zwecke 250.000 Pfund aufgebracht werden. Alle anderen Siedlungspläne, (auch der in A n g o 1 a ,) sind erst im Vorbereitungsstadium. Greifbare Möglichkeiten erweisen sich bis jetzt nur in Argentinien, wo der ICA. größere unaufgeschlossene Terrains zur Verfügung stehen. Im Ganzen bleibt doch Palästina zur Zeit so ziemlich das einzige Gebiet, das Möglichkeiten für Ansiedlung bietet. Eine der Hauptaufgab«n des Oberkommissariats ist es, alle Anstrengungen zu machen, um eine Milderung der Einwanderungsvorschriften überall in der Welt herbeizuführen und bei der Aufbringung der notwendigen Mittel zu helfen. Der Oberkommissar hat an der Eröffnung der Campagne des Central British Fonds zur Aufbringung von 200.000 Pfund teilgenommen, jedoch seine Bemühungen in dieser Richtung hauptsächlich auf die Vereinigten Staaten konzentriert. Die Zahl der aus Deutschland ausgewanderten Juden kann schätzungsweise mit 60—70.000 angenommen werden. Der Eindruck, daß die Gesamtzahl der Ausgewanderten geringer geworden ist, rühre daher, daß es zu einer besseren Verteilung der ursprünglich in den an Deutschland angrenzenden Ländern angesammelten Auswanderer gekommen ist. Von den zehntausend Juden abgesehen, die in Palästina ein Heim gefunden haben, sind einige tausend Personen aus europäischen Ländern nach Nord- und Südiipis sSM&wR .HHf Wmmmä Die Sidra spricht zu uns . . . Tipna—ina „Auf den Berg nach meinen Satzungen", so lautet die Parole, die uns der heutige Sabbat in die Seele ruft. Du erhebst dich als Jisroelmensch über die Niederungen, wenn du nach meinem Gesetz handelst, ma Du erklimmst die Höhe, wenn du nicht nur solche Pflichten übst, die deinem schwachen Menschensinn einleuchten und verständlich sind, sondern vma wenn du die schwierigen, oft ganz unverständlichen Gebote mit gleicher Liebe und Sorgfalt, mit gleichem Pflichteifer übest. Du übest sie darum ohne Wahl, ohne Unterschied, die Mizwos sowohl wie die Chukim, weil du sie als vipn, als meine Gesetze wertest. Berghoch überragt daher dieses alte und älteste Gesetzbuch der Welt alle anderen seinesgleichen. G'ttes Gesetz unterliegt keinerlei Kritik und Vernunftsdeutelei, es kann nicht willkürlch wie andere vom Menschengeist entstammende Gesetze abgeändert werden. Es behält Wortlaut und Sinn für ewige Zeiten. v-pna—ina sagt uns aber noch was anderes. Ersteigst du, jüdischer Mensch, auch die Höhe des Glückes und Wohlstandes, erreicht dich G'ttes Segen in vollem Ausmaß, so soll dich diese Ehrung und Auszeichnung nicht vom Religionsgesetz abbringen, nicht zu Uebermut und Frevelsinn führen. Du würdest dich deinem Wohltäter undankbar zeigen. Gerade im Gegenteil: "ina, je höher du im Glücke steigst und emporgehoben bist, desto mehr "»npria bist du verpflichtet, durch unbedingten Gehorsam, durch unwandelbare Gesetzestreue diese meine Gesetze hoch und heilig zu halten. Das Wort 'iO in bz« mnv n» unserer Weisen dürfen wir im Zusammenhang so auffassen: „Gibt es ein Ruhen, ein Brachliegenlassen am Sinai, auf der Höhe, auf die dich dein G'tt gestellt? Bist du nicht infolge der geistigen Erkenntnis, die dir am flammenden Sinai geworden, weit mehr als irgend jemand berufen, Haschern die Treue zu wahren, das Panier der Thora hochzuhalten? Bist du nicht verpflichtet, dein ganzes Können und Wollen Ihm zu unterordnen?" 'npna/ wer diese meine ihm unverständlichen Satzungen beobachtet, eben nur weil es meine Satzungen sind, der beweist damit zugleich, daß er mein« ms», liebt. Denn auch die uns verständlichen Pflichten sollen wir nicht ausüben, weil wir gewissermaßen Gründe dafür angeben können, sondern weil es G'ttesgebote sind. Darum beginnt der zweite Abschnitt unserer Doppelsidra mit dem Satz isVn vipna üh> wenn Ihr in meinen Satzungen wandelt, eben weil es meine Satzungen sind, '13") 1ia»n 'mxö jiki werdet ihr auch die Gebote, deren Zweck eurem menschlichen Begreifen verständlich dünkt, nicht um dieses Begreifens willen üben, sondern wiederum als tiix-, meine Gebote, damit ihr Meines Segens würdig seid. Der Segen, den Jeremia in unserer Haftorah kündet — es ist dies ein uns geläufiger Wortlaut, der in unserem Gebet Aufnahme gefunden — lautet: ,ineon 'n ">ni 'na noa1» -)V& nain ina „Gesegnet der Mann, der auf G'tt vertraut, G'tt wird seine Stütze bleiben." Ein tiefsinniger beherzigenswerter Gedanke liegt darin geborgen. „G'ttvertrauen" ein geflügeltes Wort der Jetztzeit. Ist's aber wahres, inniges G'ttvertrauen, das erst dann in Erscheinung tritt, wenn menschliche Hilfe aussichtslos geworden? Nein, echtes G'ttvertrauen zeigt sich in allen Lebenslagen, ob in glücklch heiteren Tagen oder in Stunden der Not und Gefahr. Das 'i als Suffix im Worte "fn ist das bekannte fflrt -ias isnnn "i, das die Vergangenheit in Zukunftsform umwandelt, deutet darauf hin, daß die Basis des wahren und innigen G'ttvertrauens die Vergangenheit ist. Nur wenn die Zukunft sich auf die Vergangenheit stützt und aufbaut, dann hat das Bitochaun Wert in der Gegenwart und stärkt unsere bange Seele. Daher steht hier vielleicht "Da und ncht "W, hinweisend auf die Seelenstärke, die dem auf Haschern Vertrauenden innewohnt. Rabb. Donath, Frankfurt a. M. Kleines Feuilleton. Kleine Ratschläge für tD'"** Der jüdischen Hausfrau gewidmet von Menachemsohm. An beiden B"'-Abenden ist liVinw zu sprechen nach der ersten Brocho von ts*' bv u p^binb- Die Brochos können — weil —schon vor dem eigentlichen Anstecken gesagt werden. Doch auch nachher, wie am Sabbat bezw. Freitag Abend. Hat man nicht Oellicht, Kerze oder glühende Kohle, um daran sein Kerzchen anzuzünden, so muß