Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1934-05-09 · Heft 19 (9.5.1934) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 19 (9.5.1934)
Date
1934-05-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2450807-2450825--80400-2538229
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 1 Nr. 19 Der Israelit 9. Mai *1934; Sollen die Juden in Deutschland weiter „Verbrecherund Mörder und Teuf el in Menschengestalt" genannt werden dürfen? Die „Frankfurter Zeitung" schreibt in ihrer Ausgabe vom 8. Mai: „Ritualmord-Nummer" des „Stürmer". Die durch ihren aufs höchste zugespitzten Antisemitismus bekannte Nürnberger Wochenschrift „Der Stürmer" hat anfangs Mai eine Sondernummer „Ritualmord-Nummer" veröffentlicht, die in Text und Bildern alles überbietet, was uns in dieser Beziehung bisher zu Gesicht gekommen ist. In einer „Das Mördervolk" überschriebenen Einleitung heißt es, daß jeder, der die Anklage kenne, die gegen die Juden erhoben werde (nämlich die Anklage des Ritualmordes), in den Juden nicht nur ein eigenartiges, seltsam anmutendes Volk sehe, sondern „Verbrecher und Morde und Teufel in Menschengestalt". Diese ,,Ritr almord-Nummer" hat in Deutschland und, * vvie die Auslandspresse beweist, leider auch außerhalb der deutschen Grenzen das Aufsehen erregt, das nach ihrem Inhalt- und ihrem Zweck zu erwarten war, — Aufsehen und Entrüstung, die sich selbstverständlich keineswegs auf jüdische Kreise beschränken." Die „Reichsvertretung der deutschen Juden" hat durch ein Telegramm an den Herrn Reichskanzler in folgender Form gegen die „Stürmer"-Nummer protestiert: „Vor G'tt und Menschen erheben wir gegen diese beispiellose Schändung unseres Glaubens in feierlicher Verwahrung unsere Stimme." :: Wir haben seit Monaten immer wieder auf die katastrophale Schädigung des deutschen Ansehens in der ganzen Welt hingewiesen, die durch das journalistische Wirken des „Stürmer" hervorgerufen wird. Durch den Paroxysmus blinden Hassens, wie ihn diese „Mord"-Nummer des Blattes darstellt, wird nicht die Ehre der Juden und der g'ttlichen Offenbarung, der Mutterreligion des Christentums, getroffen, sondern die Ehre der deutschen Nation, wenn sie in ihrer Mitte diesen Paroxysmus mit seinen 1 eicht vorauszusehenden volkspsychologischen Folgen länger duldet. Wo bleiben die Professoren der evangelischen Theologie an den deutschen Universitäten, alle die Kenner der Religionsgeschichte, die — wenn sie schon zu vielen anderen Angriffen des „Stürmer" auf Juden und Judentum schweigen zu dürfen glauben — doch hier wenigstens ihre Stimme als deutsche Männer erheben und Zeugnis ablegen müßten für die Wahrheit! Der Herausgeber des „Stürmer", Julius Streicher, hat dieser Tage öffentlich erklärt, er verwerfe jede Gewalttat- und Gesetzlosigkeit gegen Juden, fühle sich aber verpflichtet, sein Volk „aufzuklären". Grade auf diesem Gebiete, dem der Ritualmordlegende, das wissenschaftlich ja recht einfach liegt, sollte es den Autoritäten der Wissenschaft nicht schwer fallen, den Herausgeber des „Stürmer" selber über die Wahrheit . aufzuklären. Einschränkung der Neuzulassung von Rechtsanwälten in Palästina. Jerusalem, 6. Mai. Die Palästinaregierung plant, die Zulassung zur Ausübung des Rechtsanwaltsberufs in Palästina einzuschränken. Wie die ITA. erfährt, wird beabsichtigt, jährlich nur noch fünf neue Rechtsanwaltslizenzen auszugeben. Man erwartet, daß die neuen einschränkenden Bestimmungen im September in Kraft treten werden. Es ist beabsichtigt, bei der Palästinaregierung Vorstellungen zu erheben, da durch die neuen Bestimmungen vor allem nach Palästina einwandernde deutsche Juden betroffen werden würden. Der jüdische Juristenverband Palästinas hat sich entschieden gegen die Einführung einer Quote im Rechtsanwaltsberuf ausgesprochen. Newyorker Handelskammer gegen Vorzugsbehandlung von Juden bei der Einwanderung. Newyork, 4. Mai. Die Handelskammer des Staates Newyork hat auf Grund des Berichtes einer Sonderkommission unter dem Vorsitz Dr, Laughlins vom Carnegie- Institut in Washington beschlossen, den Vorschlag zu machen, daß bei der Zulassung zur Einwanderung nach Amerika1 keine Ausnahmen zu Gunsten jüdischer Auswanderer aus Deutschland gemacht werden sollen. Die Einwanderung von Juden solle ebenso wie die der Angehörigen anderer Rassen im Rahmen der festgesetzten Quoten vor sich gehen. Jüdische Niederlassung in Syrien erwünscht. Jerusalem, 4. Mai, Der Präsident der Republik Libanon gibt in einer offiziellen Erklärung an die Presse bekannt, daß jeder Jude, der gesetzmäßig nach Libanon einzuwandern wünscht, als Siedler willkommen sei, und daß ihm gestattet werden soll, soviel unbewegliches Eigentum zu erwerben wie ihm beliebt. „Wir in Libanon," heißt es in der Erklärung, „machen keinen Unterschied zwischen Völkern und Rassen und werden jeden Einwanderer, der unsere Gesetze achtet, respektieren," Auf eine Frage, wie sich diese Erklärung; mit der Weigerung des französischen High Commissiorier von Syrien und Libanon vereinbaren lasse, den Verkauf von Grund und Boden an Juden und andere Ausländer zu gestatten, antwortete der Präsident, die Weigerung des High Commissjoner beziehe sich nur auf,das unmittelbar anderpal äst in e n s i's c he n StouuBeQQ. Pas fuh,Si&ruOL jruüLS^qobondQ, SpeaatlncudS. Grenze liegende Gebiet, nicht aber auf Ländereien, die von dieser Grenze weit entfernt liegen, "Nach den soeben veröffentlichten neuen Statistiken hat Syrien etwa zwei Millionen Einwohner, unter ihnen 21.730 Juden, Keine jüdische Massenansiedlung in Angola. Lissabon, 4, Mai, Der Minister für die Kolonien wendet sich in einer Erklärung gegen den von uns mit starkem Vorbehalte gemeldeten angeblich bestehenden Plan jüdischer Massensiedlung in Angola, Die portugiesische Regierung werde Vorschläge betreffend jüdische Massensiedlung niemals in Betracht ziehen. Einzeleinwanderung nach Angola und andere Kolonialgebiete werde sie jedoch in jeder Weise erleichtern und ermutigen, Der arabische Krieg. Der Sieg Ibn Sauds und die Eroberung eines großen Teiles von Jemen durch die W a - h a b i t e n ist auch für die Juden von größtem Interesse, nicht allein mit Hinblick auf eventuelle Rückwirkungen in Palästina, sondern in erster; Reihe hinsichtlich der großen Judengemeinden in Jemen, die :ge!wiß nicht unterrosigen Verhältnissen leben. Unter den Kriegswirren werden auch Jemens Juden nicht wenig zu leiden haben. Man darf hoffen, daß den jemenitischen Judengemeinden, die unter die Herrschaft Ibn Sauds kommen, eine gerechte Behandlung zuteil wird. Das gerichtliche Nachspiel der Demonstranten gegen die Sabbatentweihung. Tel A w i w , 8. Mai. Die spontane Demonstration gegen die Sabbatentweiher in den Hauptstraßen, und, vornehmlich auf dem Platze vor der großen Synagoge in Tel Awiw, am vorletzten Sabbat, an der sich Tausende, beteiligten,„fand Dienstag ^in gerichtliches Nachspiel. , •; Mitglieder <: des Schomre S c h a b b o s v e r b ä n des ständen vor Gericht unter der'Anklage/ den Aütover4;kehr auf |de;r' Straße ge w a 11 s a mj b e -j. hindert zu haben. Zwei wurden zu je'lQ ' -; ' .ü"i;)l't'';]!,;;' ■ Pfund und drei zu je 5 Pfund Geldstrafe verurteilt. Sieben'Angeklagte mußten,-eine Sicherstellung für ordentliches Verhalten für ' di'e' Dauer von sechs Monaten leisten. Die fünf weiteren Angeklagten wurden freigesprochen. Anklage und Verurteilung unter dem Gesichtspunkte einer „Behinderung i l des i Autoverkehres", da wo es sich um einen spontanen Notschrei aus;. verwundeter . jüdischer \ Seele heraus handelte;!i wirkt schon geradezu grotesk. Ob dar. .mit die Prozeßakten";abgeschlossen sind? .iji• i> 1 ' I ' 11 l ' I *' Wie man hört, soll , die I r i j a von sich aus 'beschlossen: haben, alle Maßnahmen zu . treffen, um solche Demonstrationen für die. Zukunft .unmöglich zu machen. Die einzige und beste Maßnahme wäre natürlich ein st r ik t e\s V e rbot der Sabbatentweihung! :

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.