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Der Israelit · 1934-05-09 · Heft 19 (9.5.1934) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 19 (9.5.1934)
Date
1934-05-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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:11.MAL34 Frankfurt a. M. 9. Mai 1934 25. Ijar 5694 Nummer 19 Neue Palästma-Einwandferangs-Schedule und eine neue Palästina-Anleihe. Jerusalem, 4. Mai. Das palästinensische Amtsblatt „Official Gazette" gibt bekannt, daß die Zahl der von der Palästina-Regierung der Jewish Agency für das nächste Halbjahr bewilligten Arbeitereinwanderung s -Ze rtifikate 5600 beträgt. Wie die ITA. erfährt, entspricht dies einem Drittel der Zahl von Zertifikaten, die von der Jewish Agency angefordert wurde. Die Palästina-Exekutive der Jewish Agency teil der „Jüdischen Telegraphen-Agentur" mit, daß von den ihr zur Verfügung stehenden Zertifikaten keines zur Einwanderung von Angehörigen in Palästina ansässiger Personen verwendet werden darf, da diese Zertifikate von der Regierung ausschließlich für die Einwanderung von Chaluzim und Handwerkern bestimmt wurden. An Angehörige von Palästina-Einwohnern gibt die Agency Empfehlungsschreiben aus, auf Grund derer die Bewerber von den Palästina- Aemtern Zertifikate erhalten sollen, sobald solche im Rahmen der neuen Schedule ausgegeben sein werden. Zur Erläuterung eines Gesetzesvorschlags, durch den das englische Schatzamt ermächtigt werden soll, Kapital und Zinsen einer von der Palästinaregierung aufzunehmenden Anleihe bis zu einem Höchstbetrag von zwei Millionen Pfund zu garantieren, wurde in London ein Weißbuch veröffentlicht. Die geplante Anleihe soll folgendermaßen verwendet werden: 250.000 Pfund für Wiederansiedlung dislozierter Araber, 933.000 Pfund für Wasserversorgung und Kanalisation in Jerusalem und Haifa, Wasserversorgung von Hebron und verschiedenen Dörfern und Erforschung verwertbaren Wasservorkommens; 200.000 Pfund für Agrarkredit; 210.000 Pfund für den Ausbau von Erdöl-Verladungsanlagen in Haifa; 407.000 Pfund für die Errichtung öffentlicher Gebäude, u. a. eines Hauptpostamts in Jerusalem und verschiedener Schulgebäude, sowie für zusätzliche Kosten im Zusammenhang mit den oben genannten Zwecken einschließlich der Kosten für die Aufbringung der Anleihe. Zu dem Posten von 250.000 Pfund für Wiederansiedlung von Arabern wird bemerkt, daß die Einsetzung dieses Betrages der 1930 von der englischen Regierung gegebenen Zusage entspricht, für die Wiederansiedlung derjenigen Araber sorgen zu wollen, bei denen auf Grund einer Untersuchung festgestellt werden würde, daß sie ihres; Bodens dadurch verlustig gegangen sind, daß dieser in jüdische Hände überging, und die weder Ersatzländereien noch eine sie in gleicher Weise zufriedenstellende Beschäftigung erhalten hätten. Die vorgesehenen öffentlichen Arbeiten, insbesondere die geplanten Wasserversorgungs- und Kanalisationsanlagen seien dringend notwendig. Diese Anlagen würden in ihrer Mehrheit Ertrag liefern. Die 200.000 Pfund für Agrarkredit seien dazu bestimmt, der Palästinaregierung die Gewährung von langfristigen Darlehen an arabische und jüdische Landwirte in den Ebenen und an arabische Landwirte in den Gebirgsgegenden zu ermöglichen. Die Errichtung von Verladungs-Anlagen und die hierfür notwendigen Bodenkäufe würden den Erdöl-Export vom Endpunkt der Oelleitung der Irak-Petroleum-Gesellschaft in Haifa erleichtern. Diese Arbeiten würden gemäß einer Vereinbarung mit der Gesellschaft durchgeführt. Der Posten „Oeffentliche Gebäude" schließe 156.000 Pfund für die Errichtung eines neuen Postamtes mit Telefonzentrale in Jerusalem und 106.000 Pfund für die Errichtung von Schulgebäuden für die arabische Jugend ein. An solchen Schulgebäuden herrscht ernster Mangel. Aus dem Inhalt: Zur „Ritualmord-Nummer" des -„Stürmer" Seite 2 Jüdische Niederlassung in Syrien Seite 2 Der arabische Krieg........Seite 2 Ein liberaler Uebergriff......Seite 3 Zur Erneuerung der Berliner Jüdischen Gemeinde..........Seite 4 Die Hilfsaktion für die jüdischen Emigranten ..........Seite 4 Die bürgerliche Gleichberechtigung in Oesterreich.........Seite 6 Der Arlosoroffprozeß.......Seite 7 Jüdische Krankenhäuser in Palästina Seite 10 Die Sidra spricht zu uns.....Seite 4 Zu den Verhandlungen der Agudas Jisr o e 1 in Jerusalem mit dem Waad Haleumi in Sachen des Oberrabbinats, in denen manche einen Widerspruch zu der sonstigen Politik und Taktik der A. J, erblicken, nimmt Rabbi Mosche Blau, Jerusalem, in einem instruktiven Artikel im „Kol Jisrael", Stellung: Man dürfe nicht die Begriffe „Frieden" und „Zusammengehen" verwechseln. Nicht jedes Auseinandergehen muß schon gleich Haß bedeuten. Wenn zwei Menschen Frieden miteinander halten, ist es noch nicht gesagt, daß sie. in ihren Anschauungen eins sind, gehen sie verschiedene Wege, so muß es noch nicht Feindschaft sein, die sie auseinanderführt. Wie oft dient gerade das Auseinandergehen dem Frieden, wenn ein Zusammengehen zu Reibungen und Unstimmigkeiten führen könnte. Wie oft erlebt man es, daß Menschen, die freundnachbarlich miteinander lebten, gerade durch engeren Zusammenschluß einander entfremdet wurden und ein Haß an die Stelle der Liebe trat, der nie gekommen wäre, wenn sie die Beziehungen nicht gar zu eng geknüpft hätten. Auf Agudas Jisroel übertragen: Agudas Jisroel lehnte niemals den Frieden ab, sie hat auch keine Ursache, feindselig dem Waad Leumi gegenüberzustehen. Es mag schon sein, daß einzelne Fromme die G'ttesleugnung nach dem Psalmsatze:"i ■»KJWö'auch mit Haß zu bekämpfen suchen, allein Agudas Jisroel als Organisation hatte niemals diese Aufgabe übernommen, die Gemeinschaft kann keinen Haß nähren gegen Einzelne und geschweige denn gegen Gemeinschaften. Mag die Aguda deswegen von einigen auch der Inkonsequenz geziehen werden, es ist aber nun einmal so, daß die orthodoxe Weltorganisation nur dem Frieden dienen und aus dem Frieden heraus, fern von jeder Feindseligkeit, ihre Aufgaben lösen möchte. Aber dieser Friede muß ja nicht gleichbedeutend mit Vereinigung sein, vielmehr ist dieser Friedenswille einer der Hauptgründe für Absonderung von der freigesinnten Gemeinschaft. Ja, auch die Vereinigung kann bis zum gewissen Grade angestrebt werden, aber dem Einigungswillen sind bestimmte Grenzen gesetzt, und zwar in Israels Thora, deren Diktat sich die Agudas Jisroel in all ihren Bestrebungen und Belangen unterstellt. (Fortsetzung auf Seite 3.)

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