Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1934-05-03 · Heft 18 (3.5.1934) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 18 (3.5.1934)
Date
1934-05-03
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2450807-2450824--80395-2538223
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 14 Nr. 18 Der Israelit 3. Mai 193* Familien-Nachrichten. Geburten: Eine Tochter, Naftali Berlinger und Frau Rachel geb. Cohen, Lugano, Via Canova. ]D»a Barmizwoh: Hermann. Sohn des Herrn Josef Sonnenblick, Frankfurt a. M-, Schützenstr. 7, 2., Synagoge Börneplatz, 12, April 34, 'npra ma. Gestorben: Moritz S. Wolff aus Hamburg — Luzern. Briefkasten. K. in N. Wir werden Ihrer Anregung zufolge von einem zuständigen Herrn über den Gegenstand referieren lassen. Besten Dank. ' Personalien. Feier für Dr. MeJer Hildesheimer. Berlin, 27. April Die Eröffnung des 122. Semesters am Rabbiner- Seminar, die am 23. April 1934 durch den Dozenten Rabb. Dr. J, Weinberg erfolgte, stand ganz im Zeichen des 70jährigen Geburtstages Dr. Meier Hildesheimers. Nachdem Dr. J. Weinberg in seiner Eröffnungsrede den Ernst und die Tragik unserer jüdischen Lage hervorgehoben hatte, richtete er an die Hörer den Appell, jüdischer Tradition gemäß, gerade in der Zeit der Not das Studium der talmudischen Literatur und der jüdischen Wissenschaft intensiv zu betreiben. Einen Beitrag zur wissenschaftlichen Arbeit auf dem Gebiete des Talmuds gab sein ausführliches Referat ,Ueber die Notwendigkeit der Quellenforschung auch in der Halacha", in dem er den wissenschaftlichen Wert des Pilpul, aber auch seine (grenzen darstellte.. An einigen instruktiven Beispielen zeigte er, wie notwendig auch für die Halacha die Prüfung der literarischen Quellen sei. Zum Schluß ging der Redner zur Würdigung der Persönlichkeit des Jubilars über, und damit begann die Feier zu Ehren des Geburtstages Dr. Hildesheimers. Dr. Hildesheimer habe, so führte Dr. Weinberg aus, sein ganzes Leben in den heiligen Dienst der Arbeit für das Rabbiner-Seminar gestellt. Der Jubilar habe dem Seminar über die schwierigsten Situationen hinweggeholfen und ihm erst seine Existenzmöglichkeiten geschaffen, lieber seine Tätigkeit im Seminar hinaus sei Dr. Hildesheimer eine von allen jüdischen Bevölkerungskreisen geehrte und geliebte Persönlichkeit. Bei der Jugend und den Erwachsenen erfreue er sich gleich, breiter Sympathien, besonders aber bei den Hörern des Seminars, die in ihm mit Recht ihren väterlichen Freund erblicken. Nachdem Oberkantor Spitz einen besonders zu diesem Zweck verfaßten Mi-scheberach gesungen hatte, übermittelte Rabb. Dr, Jakob F r e i m a n n die Glückwünsche des Kuratoriums in einer mit biblischen und talmüdischen Zitaten, geschmückten Ansprache. Ebenfalls in hebräischer Sprache dankte Dozent Rabb. Dr. Moses Auerbach, der erst vor einigen Tagen von seiner Palästinareise zurückgekehrt ist, dem Jubilar für seine Klall-Tätigkeit im Namen der ehmealigen Hörer des Seminars und vor allen Dingen im Namen der fast 50 ehemaligen, jetzt in Erez Israel wohnenden Hörer. Dr. Auerbach hob besonders hervor, welche immensen Verdienste sich Dr. Hildesheiner auf dem Gebiete der Wohltätigkeit und der Arbeit für die Gesamtheit des Judentums erworben iahe. Mit den persönlichen Wünschen an den Freund )r. Hildesheimer verknüpfte er die Wünsche aller ehemaligen Seminaristen, daß es dem Jubilar noch ange Zeit vergönnt sein möge, für die Judenheit in em Galuth wie auch in Erez Israel segensreich zu rirken. Im Namen der Hörerschaft des Seminars feierte >r. Aron Keller den Jubilar als einen an dem chicksal jedes Hörers persönlich Anteil nehmenden tenschen, er sei nicht nur Vater ai«s Seminars, sonzvn auch der Vater der Seminaristen. Einen immerährenden Zusammenhang mit der Jugend sicherten m zwei Kräfte seiner an Vorzügen so überreichen arsönlichkeit: Seine Aktivität und sein Optimsmus. In seiner Antwortrede betonte Dr. H i 1 d e s h e i - e r, daß er durch diese Ehrung ganz überrascht orden sei, weil er allen Ehrungen aus dem Wege be gehen wollen. Er habe zwar sein ganzes Leben r jüdischen Arbeit gewidmet, glaube aber nicht;hr als seine Pflicht getan zu haben. Nach dem Ab- )en seines Vaters, Dr. Esriel Hildesheimer s. A., ihm die Aufgabe zugefallen, für die Erhaltung des benswerkes seines Vaters zu sorgen. Diese Auf- }e sei keine leichte gewesen, aber er gelobe, auch iterhin mit derselben Energie an die sich türmenden lwierigkeiten heranzutreten. In besonders rühreni Worten gedachte er dabei seiner Gattin, die in . Stille wirkend, einen großen Anteil an der Mög- . ikeit seiner Tätigkeit trage. Er danke den Redn für ihre ihn ehrenden Worte, müsse aber seinen ßten Dank G'tt abstatten, der ihm vergönnte, für Judentum arbeiten zu dürfen und den er um noch teres Leben bitte, um im selben Sinne weiter wir- ' zu können. Auf das Publikum, das sich aus den Dozenten und der-Hörerschaft des Seminars, vielen Gemeinderabbinern und engsten Freunden des Jubilars und des Seminars zusammensetzte, hinterließ die Feier einen tiefen Eindruck. Budapest, 27. April. Die Budapester orthodoxisraelitische Gemeinde hat in einer festlichen Generalversammlung ihren Präsidenten Abraham Freudiger von Obuda aus Anlaß seiner zwanzigjährigen .Präsidentenschaft gefeiert. Erschienen waren zahlreiche Persönlichkeiten von den jüdischen Institutionen und den staatlichen Behörden, ■ die in herzlichen Ansprachen dem Jubilar für seine in Jahrzehnten der Allgemeinheit geleisteten Dienste dankten. Abraham v. Freudiger ist der Sohn des 1911 in Budapest verstorbenen Großindustriellen Moses Freudiger V"xt von Obuda, der 1856 die erste Musterschule begründete und eine Jeschiwa leitete, später die Budapester orthodoxe Gemeinde begründete lind sie 25 Jahre lang leitete. Moses Freudiger, der von mehreren Gemeinden zum Rabbiner gewählt wurde, wurde 1908 von Franz Josef I. mit dem Prädikat „de Obuda" geadelt. Sein Sohn, der jetzige Jubilar Abraham v. Freudiger, gab seine hinterlassenen exegetischen Schriften „Wajedabber Mosche" 1927 mit seiner Biographie heraus. Er wurde auch der Nachfolger seines Vaters in der Präsidentschaft der vereinigten Budapester orthodoxen Gemeinden, die er zu hoher Blüte brachte; er ließ die Große Synagoge, mehrere Schulen und sonstige Institute erbauen, Kopenhagen, 15. April. Am 9. April beging der Kopenhagener Oberrabbiner Dr. M. Friediger seinen 5 0. Geburtstag. Dieser Tag gab der ganzen Gemeinde Anlaß, sich ihrem verehrten Rabbiner in großem Ausmaße erkenntlich zu zeigen. Es gibt wohl kaum eine Predigt, in der Dr. Friediger nicht das Lernen und den Chinnuch aufs schärfste pointiert. Anhand der täglichen Ereignisse zeigt er, wie der Jude nur durch die unverfälschte Tauroh leben kann, durch eine. Tauroh, die nicht von der Willkür der Zeit bedingt ist. Man kann Palästina lieben, die hebräische Sprache pflegen, aber erst durch die Tauroh wird jenes Erez Hakedauschoh, diese Loschaun Hakaudesch. Diesen Grundgedanken hat der Jubilar in der Praxis durchgeführt, indem er eine Hachscharah für orthodoxe Juden in der Nähe Kopenhagens gegründet hat. (Schreiber dieser Zeilen hat sich überzeugt, daß diese Hachscharah mustergültig dasteht.) Auch war es Oberrabb. Dr, Friediger, der ohne Scheu vor Arbeit und Mühe die Schechitohfrage in idseller Weise geordnet hat. Ich hatte Gelegenheit, u. a. das ausführliche Glückwunsch- und Dankschreiben des Synagogenverbandes zu Hamburg zu lesen. Der Vorstand weiß es hoch zu schätzen, welch heilige Aufgabe Friediger für den Klal gelöst hat. Den Höhepunkt'des Tages bildete wohl eine Audienz, die der Jubilar bei König Christian X. hatte. Der Oberrabbiner überreichte dem König sein selbstverfaßtes Buch „Die Geschichte des Juden". Der König zeigte großes Interesse für dieses und kam auf gegenwärtige Judenfragen zu sprechen in einer Weise, die uns wohltut, und die wir mit innerem Stolz registrieren dürfen. Noch heute spricht der König von seinem vorjährigen Besuche in der Synagoge und hat seinen Leuten erzäht, er habe noch niemals einen solch erbauenden G'ttesdienst miterlebt. Die Juden in seinem Königreiche genießen vollständige Freiheit und bürgerliche Gleichberechtigung, weil sie auch ihren Pflichten durchaus nachkommen. So wünschen auch wir, daß der gefeierte Jubilar in ungeschwächter Kraft auch fürderhin zum Segen wirken kann. —ren. Ladenburg, 23. April. Ein unübersehbarer Leichenzug bewegte sich Montag durch die Straßen unseres Städtchens, um Frau Thekla Kaufmann II, geb. Lindauer die letzte Ehre zu erweisen. Noch am Morgen nach dem Sabbatg'ttesdienst froh im Kreise ihrer Lieben weilend, wo man immer die Sabbatpsalmen sprach, ist sie aus einem kurzen Schlummer hinübergegangen in die Ewigkeit. Was sie in den 53 Jahren ihrer Ehe mit ihrem verehrten Gatten Julius Kaufmann II für das Judentum geschaffen, wie sie Gutes säete und Tränen trocknete, das zog augenfällig an uns vorüber in den zahlreichen Leidtragenden aus allen Bekenntnissen, das fand Widerhall in den anerkennenden Worten der Gedenkreden. Rabb. Dr. P i nkus, Heidelberg, pries die große Frömmigkeit der Entschlafenen, ihren milden Sinn und rühmte den großen, erzieherischen Einfluß, den sie über ihr Haus hinaus auf weite Kreise ausübte. Lehrer Goldstein, Baisingen, ein entfernter Verwandter, war herbeigeeilt, um der Heimgegangenen die letzten Grüße der Familie zu überbringen. ^~i'iin Basel. 26. April. Am letzten Peßachtage hat im blühenden Alter von nur 29 Jahren Frau Else R o - k'o w s k y-Finkel ihre reine Seele ausgehaucht. Mit ihr scheidet eine von wirklicher Herzensfrömmigkeit beseelte Frau, die in ihrer kurzen irdischen Tätigkeit viel Segen verbreitet hat. Als Frucht ihrer echt jüdischen Erziehung im Kölner Elternhaus sah sie in altjüdischer Waise vor allem in ihrem Hause ihren vornehmsten Wirkungskreis. Dort übte sie liebevoll und nie ermüdend n-m und K"n und wirkte gemeinsam mit ihrem gleichgesinnten Gatten, um Leid zu lindern. — Die tiefe Anteilnahme fand in einer überaus großen Beteiligung aller jüdischen Kreise an der Bestattung ihren Ausdruck. In den warmen Abschiedsworten von Herrn Rabbiner Dr. A. Weil am offenen Grabe und in einem großangelegten Lernvortrage des Leiters der Jeschiwah in Montreux, R. Eliahu Botschko, im Trauerhause, fanden die Verdienste der Verewigten ihre eingehende Würdigung. n~3X3h Vermischtes. Haiberstadt, 28. April. Am Sabbat sprach hier in der A. J.-Orts- und Jugendgruppe Herr Dr. Moses Auerbach, Berlin, der sich auf der Heimfahrt von Erez Israel befand, über seine Eindrücke im heiligen Lande. Herr Dr. Auerbach schilderte äußerst interessant die politische und wirtschaftliche Lage und ging besonders auf die Schulfrage in Erez Israel ein. Die Beteiligung war so stark, daß ein großer Teil der Gemeindemitglieder keinen Einlaß mehr fanden. H. A. Würzburg, 29. April. Um den jüdischen Lehrer zu befähigen, insbesondere in seinem ländlichen Wirkungskreis an den Aufgaben des Hilfs- und Aufbauwerkes tätig mitzuwirken, läßt die Leitung der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg nunmehr in der Oberklasse auch die Schulung in den praktischen Fragen jüdischer Sozialarbeit durchführen. Die Abhaltung des Kurses wurde dem Leiter der Arbeitsgemeinschaft für Beratung und Wirtschaftshilfe bei der Israelitischen Kultusgemeinde Würzburg. Herrn Assessor Dr. Freudenthal, übertragen. r Bad Kissngen, 30. April. Man schreibt uns: Zu denjenigen Kreisen, die durch die Zeitverhältnisse am empfindlichsten in Mitleidenschaft gezogen sind, gehören vor allem die zahlreichen an den deutschen Badeplätzen tätigen jüdischen Familien, die Badeärzte, die Hotels, Restaurants, jüdische Kurhäuser und Kaufleute. Und da vermag nur die Solidarität der Juden diese an den Badeplätzen ansässigen Kreise vor der völligen Vernichtung zu retten. Es ist daher ein Gebot der Stunde, daß die kurbedürftigen Juden, auch des Auslandes, in erster Linie die vortrefflichen deutschen Badeplätze aufsuchen und daß andererseits die Aerzte in der Stadt ihre Patienten, soweit es eben in ihrer Macht liegt, in deutsche Kurorte verweisen. Es ist, um einen Einwand zu beheben, vollste Garantie geboten, daß wie in Bad Kissingen, so auch anderwärts alle Kurgäste, auch die aus dem Ausland, völlig ungestört und in Ruhe ihrer Kur obliegen können. Eine wirkliche Sympathie für die deutschen Juden kann doch nur darin bestehen, daß die Juden aus dem Inland und Ausland die deutschen Kurorte aufsuchen und ihre daselbst ansässigen Glaubensbrüder in ihrer bedrohten Existenz unterstützen! Oradea (Großwardein), 18. April. Die Stelle des Chefarztes der chirurgischen Abteilung des Jüdischen Spitals in Oradea (Großwardein) ist infolge Ablebens des bisherigen Leiters neu zu besetzen. In Betracht kommt ein erstklassiger junger jüdischer Chirurg, der schon eine größere chirurgische Abteilung selbständig geleitet hat und rumänischer Staatsangehöriger ist. Das Spital zählt 100, die chirurgische Abteilung hiervon 35 Betten. Die Stelle ist mit einem Gesamteinkommen von ungefähr 300.000—400.000 Lei verbunden, welcher Betrag den hiesigen Verhältnissen angemessen einen standesgemäßen Lebensstandard sichert. Weitere Auskunft gibt die Direktion des Jüdischen Spitales Oradea Galea Victoriei Nr. 38 (Rumänien). Die Frankfurter Woche. Erez Israel-Vortrag des Herrn Dr. Isaak Breuer. Eine wogende Menge füllte den großen Saal, weiterer Andrang vor dem Eingang konnte nur mit Polizeizugriff abgehalten werden — dies das äußere Bild des Vortragsabends am Mittwoch, den 25. April, in der Frankfurt-Loge, Nach einem kurzen Begrüßungsworte des Herrn Dr. S. Ehrmann ergreift der Redner das Wort. Wer jetzt den Boden Palästinas betritt, kann sich des Eindruckes nicht erwehren, daß der Bann gebrochen sei, daß das Land aus der Verzauberung zum neuen Leben erwache. Drei Faktoren wirken für den Aufbau zusammen: Völkerbund, England und die Juden selbst. Es folgt eine Schilderung der Gegensätzlichkeit der Menschen, wie auch der Landschaft, in der Kultur und im Wirtschaftlichen im Lande, wo Palast neben Hütte, Auto und Flugzeug neben Kamel, Altes und Neues unvermittelt nebeneinander wohnen. Aus dem Werden und dem Gewordenen in Erez Israel ergibt sich für die Orthodoxie die Konsequenz, daß der Zionismus von der Vorsehung eine gewisse Bestätigung erhalten habe, Man müsse, den Mut haben, dieses einzugestehen, womit noch nicht gesagt sei, daß Misrachi im Rechte sei und daß der Kampf gegen den Zionismus eingestellt werden sollte, aber man könne nicht mehr an den Tatsachen blind vor-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.