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Der Israelit · 1934-05-03 · Heft 18 (3.5.1934) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 18 (3.5.1934)
Date
1934-05-03
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 Nr. 18 Mehrung ihrer jüdischen Substanz haben legen können und durch Beschränkung und Spezialisierung auf die jüdischen Bildungsgüter größere Meisterschaft und Tüchtigkeit gerade auf den jüdischen Gebieten erlangt haben. Es ist aber eine unbestreitbare und durch jahrzehntelange Erfahrung auf allen jüdischen Lehrerbildungsanstalten erhärtete Tatsache, daß dieses Ziel -bei der Ueberlastung der Zöglinge durch die staatlichen Anforderungen nur äußerst selten und höchst unvollkommen erreicht werden kann. Dagegen bietet das Programm der Kölner Akademie, das, abgesehen von einer vollwertigen pädagogischen und methodischen Ausbildung, alle Kräfte und die ganze Zeit ihrer Schüler auf'djp jüdischen Fächer — Thora mit Kommentaren, Nach, .Mischna und Talmud, Dinim, hebräische Sprache, jüdische Religionsphilosophie, Gebete, Liturgik und Kantorat — konzentriert, die Gewähr für die Heranbildung von Lehrern, die in einer nach jüdischen Werten mehr denn je durstenden Zeit dazu berufen sind, religiöse Führer der von ihnen zu betreuenden Gemeinden^ . vor allem deren heranwachsender Jugend, zu werdenV Wir glauben, daß gerade eine Stadt wie Köln, eine Stadt pulsierenden jüdischen Lebens und auch großer allgemein-bedeutsamer geistiger Institutionen!' den besten Rahmen für diese Ausbildung gibt. Eine eigene jüdische Uebungsschule, die Volksschule „Moriah", bietet Gelegenheit zum Hospitieren und zu praktischen Unterrichtsübungen. Der große Kreis der hier wirkenden Pädagogen gibt den Zöglingen Möglichkeit der fachlichen Anregung auch im privaten Verkehr. Die alte Tradition der Kölner Anstalt bringt dem Zögling eine P^.Ue wertvoller Erfahrungen auf allen Gebieten des Unterrichts entgegen und kann für den alt-neuen Aufgabenkreis in voller Weise ausgenutzt werden. Die bewährten früheren Lehrkräfte des Seminars haben sich dem neuen Werk zur Verfügung gestellt. Die Rabbinen Kölns lassen ihre rabbinische Wissenschaft durch ihre Mitwirkung im Kuratorium oder durch direkten Unterricht der Anstalt zugute kommen. Die bei der Aufnahme der Hörer grundsätzlich geforderte allgemeine und jüdische Vorbildung stellte die Anstalt von vorneherein auf ein so hohes geistiges Niveau, daß die Arbeit in allen Fächern auf das für einen Lehrer denkbar höchste Ziel zusteuern durfte. Nach all dem bliebe nur noch die Frage der praktischen Aussichten für den speziellen Religionslehrer zu erörtern. Da mag denn die Tatsache von Bedeutung sein, daß ein großer Teil der vom Kölner Seminar noch als Volksschullehrer ausgebildeten Herren der letzten Jahrgänge an Gemeinden berufen wurde, die keine Volksschule mehr unterhalten, sondern mir einen Religionslehrer und Kantor benötigten. Selbst wenn also Kleingemeinden, die noch eine Volksschule unterhalten — daß von solchen neue Volksschulen gegründet werden, ist wohl auch in heutiger Zeit nur in den seltensten Fällen zu erwarten! — die Kosten für einen besonderen Religionslehrer und Kantor nicht aufbringen können, ist nach unseren Erfahrungen die Nachfrage nach tüchtigen Religionslehrern so groß, daß um die Unterbringung der Absolventen einer Religionslehrerakademie keine Sorge besteht. So können wir denn davon überzeugt sein, daß die auf' der Grundlage konzentrierter jüdischer Bildung, vertiefter Formung der jüdischen Lehrerpersönlichkeit und qualifizierter pädagogisch-methodischer Schulung aufgebaute Kölner jüdische Religionslehrerakademie zur Hebung unserer Gemeinden, zu einer segensreichen Entwicklung des gesamten deutschen Judentums beitragen wird. Sorge um die Landgemeinden. Vor einiger Zeit ging nachfolgende Notiz durch die jüdische Presse: Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden hat nach eingehender Aussprache über die gesamten Fragen der Lehrerbildung die Er-., richtung einer jüdischen Volksschullehrer-Bildungsanstalt liberiaer Richtung in Berlin zum 1. April 1934 beschlossen. Er hat ferner beschlossen, eine gleiche Anstalt konservativem Richtung in Preußen zu gründen, falls sich diese Neugründung neben der Würzburger Lehrerbildungsanstalt als notwendig erweisen sollte. Wir wollen uns nicht mit der Frage beschäftigen, ob zur Zeit neben der Würzburger Anstalt noch eine weitere Anstalt „konservativer Richtung" zur Ausbildung jüdischer Volksschullehrer notwendig ist. Was aber seitens des Preußischen Landesverbandes nicht in den Kreis seiner Betrachtung gezogen zu sein scheint, das ist das Schicksal der kleinen Landgemeinden. Die Landgemeinden brauchen für ihre religiöse Betreuung keinen Volksschullehrer, sondern einen Religionslehrer, der auch als Kantor und Prediger tätig ist.- Ist es notwendig und angebracht, auch die Ausbildung der Kultusbeamten ganz auf die Volksschullehrerbildung abzustellen? In der Praxis wird die Sache sich in der Regel doch so aus- Der Israelit wirken, daß die besseren Kräfte in den Volksschuldienst kommen, die anderen sich dagegen mit Religionsschulstellen begnügen müssen, obwohl das geringe jüdische Wissen, das sie sich angeeignet, sie auch dafür nicht sehr geeignet erscheinen läßt. Wir erinnern uns, es sind schon einige Jahrzehnte her, daß wir während unsrer Seminarjahre fast einzig und allein den staatlichen Lehrplan für preußische Volksschullehrerseminare vorgesetzt bekamen'. Dabei hatten nur die wenigsten unsrer 'Kollegen das Glück," an eine Volksschule zu kommen. Die meisten mußten sich trotz ihrer Volkschüllehrerbildung mit dem Amte eines Religionslehrers und Kultusbeamten zufrieden geben. Für das Amt eines Religionslehrers war jedoch das errungene jüdische Wissen entschieden zu gering. Die Religionsschulkollegen blieben, wenn sie nicht Gelegenheit zur Weiterbildung hatten und suchten, in ihrem Amte ihr Lebenlang unzulängliche Stümper. Denn die Volksschullehrerausbildung und die Ausbildung zum Kultusbeamten zugleich in den drei Seminarjahren zu bewältigen, ist eben eine Unmöglichkeit. Schon vor 40 Jahren wurde uns darum geraten, nach unsrer Seminarzeit ein Jahr lang eine m'-v> zu besuchen. Es waren aber nur ganz vereinzelte Ausnahmen, die sich dazu entschließen konnten. Denn . man wollte und konnte nicht länger den Eltern auf .der Tasche liegen. Wenn man jetzt darangeht, neue jüdische Volksschulen ins Leben zu rufen, so wird in vorstehendem Artikel schon darauf hingewiesen, daß das nur in Gemeinden erster und zweiter1 Größe geschehen kann. Ob diese Neugründungen bei' dem immer größer werdenden Geburtenrückgang Bestand haben werden, ob nicht vielmehr"manche von ihnen nach wenigen Jahren wieder schließen müssen, das sei hier nur in Parenthese bemerkt. Die seither in den Landgemeinden vorhandenen Volksschulen stehen aber heute schon auf dem Aussterbeetat. Aber trotzdem wollen und jnüssen auch die Landgemeinden. weiter leben. Das Leben kann ihnen nur der Religionslehrer und Kultusbeamte erhalten. Nicht der Beamte ohne jegliche Vorbildung und Lehrberechtigung, von dem der Artikel „Jüdisches Lehrerelend" in der letzten Nummer dieser Blätter erzählte, der wohl kaum imstande ist, zum Wohle der Gemeinde und des Judentums zu wirken. Der Seminarabsolvent mit zurückgelegtem Volksschullehrerexamen wird sich auch nicht bereitfinden, um eine Religionslehrerstelle in Wüstensachsen oder Neckarsteinach sich zu bewerben. Sein Sinn steht nach Höherem. Das Kölner Lehrerseminar hat als solches im April des vorigen Jahres sein Dasein beendet und lebt als ReKi gionslehrerakademie weiter. Es ist imstande und hat sich zur Aufgabe gesetzt, Religionslehrer und Kultusbeamte auszubilden, die, ausgerüstet mit gründlichem jüdischen Wissen, fähig sein werden, Führer der von ihnen betreuten Gemeinden zu sein. Von Köln aus können also vor allem die kleinen Gemeinden mit geeigneten Beamten versorgt werden. Denn auch die kleinen und kleinsten Landgemeinden dürfen in Ihrer geistigen und religiösen Not nicht sich selbst überlassen bleiben, .auch sie sind ein Teil der deutschen Judenheit und erwarten, daß man sie nicht im Stiche läßt, w r^np nemo nvn nb nis min Die nun ist das Erbteil nicht nur der großen Gemeinden, auch die kleine nVnp kann und soll zu einer Keimzelle echten Judentums werden, dadurch daß man ihr den rechten Führer gibt. Wenn man in Berlin daran denkt, ein neues Volksschullehrerseminar ins Leben zu rufen, vorausgesetzt, daß man über die nötigen Gelder verfügt, so vergesse man auch nicht, daß wir der Kultusbeamten und Religionslehrer für die kleinen und armen Landgemeinden benötigen. d,,37 ■. nrnn- Der preußische Landesverband hatte ja selbst schon die Notwendigkeit der Heranbildung jüdischer Kultusbeamten erkannt und dafür vor einigen Jahren in Berlin eine Kultusbeamtenschule ins Leben gerufen. Es bedarf jedoch nicht der Gründung einer neuen Anstalt. Die Religionslehrerakademie in Köln besitzt in jahrzehntelanger pädagogischer Arbeit geschulte Lehrkräfte und alle sonstigen Einrichtungen und Möglichkeiten, die ihräm Zwecke fördernd dienen können. Es geht - um die Erhaltung des religiösen Lebens in den Landgemeinden und deren Versorgung mit Lehrern, die den Willen und die Eignung besitzen, sich der (ihnen anvertrauten jüdischen. Seelen anzunehmen und sie mit dem Willen zu lebendigem^ tatfrohem Judentum zu erfüllen, denen ihr Beruf in erster Linie Dienst am Heiligtum cnpn nasb» ist. Der Prophet Hosea. Von J. Speyer, Konrektor i. R., in Frankfurt , a. M. Ein jüngerer Zeitgenosse des Propheten Arnos.war Hosea. Seine Wirksamkeit begann noch unter Jerobeam II. Während Arnos aus dem Reiche Juda stammte, war er ein Bürger des Nordreiches Israel. Von seiner Herkunft wissen wir fast gar nichts; es wird uns nur erzählt, daß er ein Sohn Beeris gewesen sei. Dagegen•. erhalten wir aus dem Buch selbst Einblick in,seine Familienverhältnisse. Seine Frau wird ihm' untreu,' und er muß die verschiedensten Mittel anwenden, um sie wiederzugewinnen. >'; '•: .; .. _ 3. Mai 1934 Einmal eignen sich diese Dinge an sich nicht zwtr Besprechung in der Religions- und Volksschule. Sodann behandelt der Prophet das Verhältnis G'ttes zu Israel unter dem Bild einer Ehe und zwar seiner eigenen unglücklichen Ehe. Auch solche Ausführungen passen für; die Schule nicht. Daruin darf man ' ein Lebensbild Hoseas Kindern nicht darbieten. 'Aber ihn vollständig übergehen, darf man erst recht nicht; denn er bringt eine Ergänzung zu Arnos. Während' der droht und Unkel! verkündet, sucht Hosea durch Schilderung der Liebe und Langmut G'ttes das Volk zu gewinnen. Arnos geht nur auf die augenbli etlichen sittlichen und religiösen Zustände ein, während Hosea die ganze Geschichte des Volkes Israel berücksichtigt. Daher müssen einige bezeichnete Stellen erwähnt werden. / ■" Die Zeitverhältnisse, unter denen Hosea wirkte, waren dieselben, wie sie auch Arnos vorgefunden hatte, nur daß nun nach dem Tode Jerobeams IL die politische Machsttellung des Volkes zurückging; denn Mord und Totschlag herrschten auf dem Königsthron. Der Sohn Jerobeams regierte sechs Monate und wurde ermordet. Sein Mörder und Nachfolger war nur einen Monat König und. wurde vom gleichen Schicksal ereilt. Unter diesen Umständen gelang es dem König Phul von Assyrien leicht, Israel zu besiegen und ihm eine schwere Tributzahlung aufzuerlegen. Als der König Phul von Assyrien in das Land Israel eingerückt war, mußte sich Menahem, der König von Israel, mit 1000 Zentnern Silber loskaufen. Er konnte die für jene Zeit große Summe nur dadurch zusammenbringen, daß er einem jeden wohlhabenden Bürger die Zahlung von 50 Silberlingen auferlegte. Das war eine harte Steuer, die eine plötzliche Verarmung herbeiführen konnte. Weite Kreise im Volke waren mutlos. Da tröstet und bittet Hosea: 'n bx mwai iaV- „Kommt, laßt uns — ia»an>i y iiksvi tpo xin 'a zurückkehren zu dem Ewigen! Denn er hat zerrissen und er wird uns auch heilen, er schlägt, und er verbindet uns." (Hosea 6, 1.) Zugleich zeigt er seinen Mitbürgern, warum der Herr habe zürnen müssen. Sie hatten den Baal verehrt und hatten sich Götzen angefertigt, die sie anbeteten. Darum mahnt der Prophet: wpbK tw naxi sb »-pisa nbvs 'D ypbti 'n iv bR*w> nait? /Diri' am' -p ntPN u't nvsnb Kehre zurück, Israel, zu dem Ewigen, d. h,: deinem G'tte, denn du strauchelst durch deine Schuld. Wir wollen nicht mehr sprechen von unseren Göttern, den Werken unserer Hände, o du, bei dem die Waise Erbarmen findet. (Hosea 14; 2, 4.) denn der Ewige spricht: •jwixi ,D'arnai ionai corsai jma ■•>'? Tnenai ,d^ij?^ ->b Traniti Und ich verlobe dich mir, d. h., 'n rix ny-ri miöNS ->b' auf ewig; ich verlobe dich mir durch Recht und Gerechtigkeit, durch Liebe und Barmherzigkeit; ich verlobe dich mir in Treue, auf daß du G'tt erkennest. (Hosea 3; 21, 22.) G'tt ist die Liebe, die Gnade, das Erbarmen. Er streckt den sündigen Menschen seine Gnadenhand entgegen. Das tut er immer wieder und die Menschen haben es nur nötig, diese Gnadenhand zu ergreifen, dem Götzendienst zu entsagen, dann werden sie von der g'ttlichen Liebe umfangen. Es ist so, als hätten wir in den Worten Hoseas eine Erläuterung der Worte der heiligen Schrift: 2. B. M. 34; 6, 7, wo es heißt: G'tt ist barmherzig und gnädig usw. — Während bei Elia und Arnos G'tt als der strafende erscheint, wird er durch Hosea als der G'tt' der Liebe verkündet. Sodann hat Hosea für das Verhältnis G'ttes zum Volke Israel und damit für das Verhältnis G'ttes zu den Menschen überhaupt das Bild der Ehe eingeführt. G'tt ist mit Israel, seinem erwählten Volke, eine Ehe eingegangen. Aber das Volk ist durch die Abgötterei und Sündhaftigkeit immer. untreu geworden. Darum mahnt. der Prophet zur Treue. Wenn Israel Treue seineni G'tte und dem ihm gegebenen Lebensgesetze' bewahre, dann werde auch das Treueverhältnis G'ttes zu seinem Volke ewigen Bestand haben. Zulassung von jüdischen Privatschulen in Hessen. Die Ministerialabteilung des Hessischen Staatsmihisteriums hat die Einrichtung vonjüdischen Privatschulen als Bezirksschulen in Darmstadt, Mainz und Offenbach a. M.' zugelassen. Jüdische Schüler in Hessen können jederzeit, so heißt es in der Mitteilung, in eine der genannten Schulen übertreten ohne Rücksicht auf den Wohnsitz des Erzie-: hungsberechtigten.

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