Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 18 (3.5.1934)
- Date
- 1934-05-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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3. Mal 1934 .D e ,r I s;r a e 1 i t Nr. 18 Seite 7 gebfacht, den alten Jischuw J auszubauen, die riesigen Häuser und die jüdischen Schechunoth zu' errichten? Die meisten jüdischen Häuser Jerusalems sind aus der Liebe der jüdischen Orthodoxie entstanden. Aus dieser Liebe sind auch all jene wunderbaren Institutionen, die Jeschiwoth, Kranken-, und Waisenhäuser, Altersasyle und all die ähnlichen Institute: hervorgegangen. Mit einem Worte: Die ganze Last 'des alten Jischuw, der über . 100 000 jüdische Seelen umfaßte, lag auf den Schultern der Orthodoxie. Hätte das orthodoxe Judentum nicht mit Hilfe der frommen Spenden aus der ganzen Welt die mainn ">1öHP unterstützt, es gäbe heute keinen Jischuw mehr in Jerusalem. Es sollen hier nicht die historischen Daten aufgeführt werden, die beweisen, wie oft in der Geschichte die großen jüdischen Lehrer, indem sie sich selbst opferten und die Herzen der ganzen Golah entflammten, Jerusalem und Erez Israel vor dem Untergange gerettet haben. Es soll hier nur von den Instituten die Rede sein, die in den letzten Jahren und bis auf den heutigen Tag einzig durch ihre Betriebe das jüdische Jerusalem erhalten haben, die Rede sein. Es ist schwer, im Rahmen eines Zeitungsartikels, diese Institutionen, leuchtende Denkmäler des alten Jischuw, auch nur teilweise aufzuzählen. Beginnen wir nur mit den J e s c h iw o t h. Die Jeschiwah „Sefath Emeth''. ist eine der angesehensten Thoraanstalten in Jerusalem. Ihrem stattlichen Bau in Schechunah „Rechanah" werden jetzt neue Bauten angegliedert. Es ist eine Lehranstalt von alter chassidischer Observanz aus der bereits mehrere Rabbinen, Lehrer und Schochtim hervorgegangen sind, die in Kolonien eine segensvolle Tätigkeit ausüben. Eine andere Jeschiwah unter dem Titel „Merkas Haraw" hat die Aufgabe, jüdische junge^ Leute aus der bolschewistischen Hölle herauszuretten und ihnen in der heiligen Stadt die Möglichkeit ungestörten Thorastudiums zu sichern. Die Jeschiwa von Hebron, als Slobodkoer Filiale reichlich bekannt, die nach den furchtbaren Tagen vom August 1929 ihren Sitz nach Jerusalem verlegt hat, zählt zur Zeit 150 Bachurim und verfügt über einen eigenen Bau in Jerusalem. Nach dem Tode ihres genialen Begründers, Rabbi M. M. Epstein ^"ST» geht der Lernbetrieb in der Jeschiwa unter Leitung geeigneter Lehrer in alter Weise weiter. Von der Gründung der Jeschiwa des Ober-. rabbiners Duschinski ist bereits berichtet worden. Als erste machte sich die Lomschaer Jeschiwa zur Aufgabe, das intensive Thorastudium in die Kolonien zu tragen. Ihr machte Korrespondenzen. ' >.'• f,mi i'üft'.iifMI'J'1 ■{' f'' '•'.V.'^i. \' Deutsches Reich. ,t, '' ,. fllichtarier in der Wirtschaft. L!1, H ' •.• •': '. <• , ■' » jjl'. 'm: *!;'■!i \\; Frankfurt a. M.^,30. Aprjl. : Zur Frage der nichtarischen Betriebs - f ührer berichtet die „Frankfurter Zeitung" vom 29. April nochmals wie folgt: Die"Frage',' der nichtarischen. Betrietsführer ist nach der g.e s e t z 1 i c h e n S e i t,e hin geklärt; nicht nur würde von maßgebender); Seite und von den zuständigen Stellen der Reichsregierung — zum Teil in wiederholten Erklärungen — darauf hingewiesen, daß die Grundsätze der Rassengesetzgebung auf dem Geriete Aar Wirtschaft k e i n e. Anwendung, finden sollen, sondern.es ist auch immer erneut auf jene amtliche Bekanntmachung vom 12, März zu verweisen, in die zur fvlärung von. Zweifeln und irrigen Auffassungen ausdrücklich der Satz .aufgenommen wurde:,, es dann die Nowogrudoker Jeschiwa „Beth Josseph" .nach, so daß außer Tel^.wiw und selbstverständlich Petach Tikwah, heute auch andere Kolonien, so Bne.Brak und R e c h o w o t h Jeschiwoth besitzen. Und nun gar die anderen monumentalen In-1 stitutionen, die uns die frühere orthodoxe Generation in Jerusalem geschaffen hat und die heute sozusagen dem jüdischen Jerusalem sein Gesicht geben! Das Diskin'sche Waisenhaus, dieses von Rabbi Josua Löb Diskan b"M gegründtee Riesenwerk, befindet sich heute in einem fünfstöckigen Hause auf einem Hügel vor der Stadt und stellt eine der größten Sehenswürdigkeiten Jerusalems dar. Etwa 300 Waisenkinder finden hier in der schönsten Gegend in luft- und lichtreichen Räumen eine echtjüdische Erziehung. Ihm würdig reiht sich das Mädchenwaisenhaus fbbsn fiiaifrn fi'ü an, das unter Leitung von Frau Anna Feuchtwanger steht und über 200 Waisenmädchen zu gutjüdischen Menschen erzieht. Von ähnlicher Qualität ist das W a i s e nhäus Blumenthal und das seph ardische Waisenhaus. Unter den Spitälern der Stadt nimmt gewiß das „Schaare Zedek-Spital" mit seinen herrlichen Anlagen, seinen modernen Einrichtungen und vor allem seinem bekannten Leiter, Sanitätsrat Dr. W a 11 a c h , den ersten Platz ein. Wieviele Gelehrte, die Besten Jerusalems, dort jährlich liebevolle unentgeltliche Aufnahme und Genesung finden, ist kaum zu sagen. Zu den größten Krankenhäusern gehört auch das B i k - kur Cholim-Spital, das eine rein religiöse Anstalt ist, deren gesamter Beamtenstab sich aus frommen Thoragelehrten zusammensetzt. Der Riesenbau repräsentiert einen Wert von 50.000 Pfund. Von kleineren Spitälern seien „Misgaw Ladach" genannt, neben anderen zahlreichen sanitären Hilfsstellen, die von der Orthodoxie erhalten werden. Unschätzbare Werte sind in all diesen Anstalten investiert. Allein in der Jerusalemer Altstadt hat der jüdische Jischuw viele Hunderttausend Pfund in Baulichkeiten stecken. Wäre nicht der alte Jischuw und wären nicht diese Anstalten, Jerusalem wäre heute längst judenrein und in arabischen Händen. Was wäre dann noch Palästina für .uns, wenn seine Hauptstadt uns verschlossen bliebe, Wer wagte nach alldem noch die Frage an uns: „Was habt ihr für Erez Israel getan?" Wir haben die schwerste und wichtigste Arbeit geleistet, wir haben den Jischuw für die Gegenwart und die Zukunft gerettet. '„Auch nichtarische Unternehmer können daher Führer des Betriebes sein." Daß mit solcher Klarstellung der gesetzlichen Bestimmungen die Schwierigkeiten vielleicht noch nicht behoben sein würden,,, daß die Lösung der ganzen Frage in erheblichem Umfang von dem praktischen Verhalten auch der verschiedenen Organisationen mitbedingt sein würde, ist hier schon vor Monatsfrist hervorgehoben worden. Nach dem neuen Ar- .beitsgesetz sollen alle Angehörigen des Betriebes in Vertrauen; und- Gemeinschaft zusammenstehen. Das aber ist unter Umständen eine Frage des besonderen Standpunktes lokaler Führung. Ueberhaupt sind heute viele Angelegenheiten, die früher Fragen des Gesetzes waren, eigentlich zu Führungsproblemen geworden. . . Nun veröffentlicht die Zeitschrift „Der Betrieb" in ihrer Folge 3 des 4. Jahrgangs einen Aufsatz des' Gaubetriebszellenobmanns Unterfranken, des Abgeordneten Jos. :1R einhart, der sich unter Formulierung von 30 .Punkten schroff dagegen wendet, daß Juden,, also Nichtarier, Führer von Betrieben werden. Dieser Aufsatz ist zunächst für den örtlichen Gau geschrieben worden, jedoch die Tatsache, daß „Der Betrieb" den Ausführungen Raum gibt, verleiht ihnen ein besonderes Gewicht und macht es unmöglich; sie zu übersehen; denn diese Zeitschrift trägt d^eri Untertitel ,,E;:ü h r e r und In formationsorgari d e r NSBÖ",; und -wird herausgegeben von der Obersten Leitung der PO. der NSDAP., Nat.-Soz. Betriebszellen-Organisation. Es ist gewiß nicht nebensächlich, welche Informationen die NSBO., deren Aufgaben bei, der praktischen Durchführung der neuen Arbeitsverfassung sehr bedeutende sind, durch ihr Organ erhält. Reinhart, wendet sich in seinen 30 Punkten gegen die Auffassung, daß das Gesetz, zur Ordnung der nationalen Arbeit es den nichtarischen Betriebsführern freigestellt habe, selbst Führer ihrer Betriebe zu werden. Jene amtliche Bekanntmachung, die gleich eingangs von uns zitiert wurde, bleibt unerwähnt. Daß der Verfasser im Grunde jedoch die tatsächliche Rechtslage anerkennt, läßt sich daraus entnehmen, daß . er im letzten seiner 30 Punkte erklärt: „Wir müssen bei allen Folgen, die bei Nichtanwendung dieser Punkte entstehen könnten, jede Verantwortung ablehne n." Darin allein liegt schon die Anerkennung des Rechtes auch des nichtarischen Unternehmers, Führer seines eigenen Betriebes zu werden, zugleich aber auch der Wille, die praktische Ausübung, solchen Rechtes nach Möglichkeit nicht zu dulden. Ernster fast noch als diese Tatsache sind die A rgumente, mit denen der Verfasser seinen Stand*- punkt begründet. Wir können nur wenige davon erwähnen. Er beruft sich auf die Unterscheidung, die vor kurzem Dr. L e y in einer Rede getroffen habe, die Unterscheidung zwischen der Menschenführung und der Sachführung im Betriebe. Das Recht auf Sachführung solle auch den nichtarischen Unternehmern nicht im geringsten bestritten werden. Die Menschenführung aber sei eine Erziehung im nationalsozialistischen Geist, ihre Aufgabe bestehe darin, die Gefolgschaft zu Nationalsozialisten zu machen. Zum Wesen des überzeugten Nationalsozialismus gehöre aber unbedingt der Antisemitismus. Und dann heißt es unter Punkt 16: „Es würde der nationalsozialistischen Anständigkeit widersprechen, wollte man dem Juden zumuten, seine Gefolgschaft zur Gegnerschaft seiner Rasse zu erziehen." Diese Argumentation geht über alles hinaus, was zu diesem Thema bisher zu vernehmen war. Wie ließe sich glauben, daß die maßgebenden Instanzen, die — wie gesagt — aufs entschiedenste der Anwendung der Arierbestimmungen in der Wirtschaft widersprochen haben, damit gemeint haben sollten, es sei die berufliche Arbeit in Deutschland, statt unter dem Gesichtspunkt der gemeinschaftlichen Verbundenheit im produktiven Zusammenwirken und der gegenseitigen Treue in den sozialen Beziehungen, unter einen beherrschenden Aspekt der Erziehung zur Gegnerschaft gegen die jüdische Rasse zu stellen! Wir haben keinen Zweifel daran, daß der Betrieb, daß die Wirtschaft überhaupt, nicht die Stellen seien und nicht die Stellen sein sollen, in denen eine andere nationalsozialistische Erziehungsarbeit erwartet wird, als die zur Leistung, die zum sozialen Zusammenstehen aller Beteiligten. Es ist gar nicht denkbar, daß der Führer des Betriebs andere als soziale Funktionen haben 'sollte! (Ueberdies ist es nicht zu verstehen, wodurch der Verfasser der 30 Punkte zu,uder Meinung gelangt, es werde den nichtarischen Unternehmern leichter fallen, einen Stellvertreter für sich als Führer des Betriebes auszuwählen, damit dieser dann die Gefolgschaft des Unternehmers zur Gegnerschaft gegen die Rasse des Unternehmers erziehe!) Wir haben in einem Leitartikel vom 13. April schon einaml allgemein (und ohne Bezugnahme auf das Sonderproblem nichtarischer Betriebsführer) dargelegt, daß das Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit nicht zufällig jenen Fall, in welchem der Unternehmer selbst Führer seines Betriebes werde, als den Normalfall betrachte. Eine Trennung der Funktionen zwischen „Sachführung" und „Menschenführung" ist eben nur dort gewissermaßen natürlich am Platze, wo sie ohnehin aus wirtschaftlichen und technischen Gründen schon bestand, wie z. B, in den ganz großen Betrieben. In zahllosen anderen Fällen kann eine solche Trennung der Funktionen zu einer erheblichen'Erschwerung der Gesamtdispositionen durch den Unternehmer führen, für den