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Der Israelit · 1934-05-03 · Heft 18 (3.5.1934) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 18 (3.5.1934)
Date
1934-05-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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3. Mai 1934 Der Israelit Nr. 18 Seite 5 allein sich die Zerstreuten Israels auf dem Erdenrunde über Raum und Zeit hinaus fanden — ^>i:m up-s.-x ötym —. es gäbe keinen Aufmarsch von roten gegen blauweiße Fahnen, es gäbe keine Streikposten und keine blutigen Schlägereien, die oft dem jüdischen Heimkehrer, der aus Not und Fremde in das Land der Väter geflüchtet ist, schon am ersten Tage die Freude an der Heimat verderben. Wir hätten es gern gelesen, wenn die würdigen Altmänner vom „Bilu", deren Wort immer -noch Gewicht hat, den Jungen zugerufen hätten: .Wir haben uns genannt, haben nur die vier- Worte des schönen Satzes auf unsere Fahne geschrieben, vielleicht weil uns der Nachsatz selbstverständlich und zu gut für ein Aushängeschild schien. Gehet Ihr einen Schritt weiter und nehmet noch die zwei weiteren Worte hinzu: "ilio Im Lichte,G'ttes eröffnen sich Euch neue Perspektiven, die auch jenen kleinlichen Hader aus der Welt schaffen, im Lichte G'ttes^ nur werdet Ihr den Weg finden, der allein zum Ziele führt! Gemeindewahlen, die nicht stattfinden. Daß die Entwicklung der Dinge eine neue "Situation auch für die jüdischen Gemeinden geschaffen hat und daß deren Vertretungen nicht mehr überall Trägerinnen des besonders in der Jugend herrschenden Geistes sind, ist nicht allein für Wien wahr, sondern auch und vielleicht in noch höherem Maße für die Gemeinden im deutschen Reiche richtig. Andererseits hat man überall das begreifliche Bestreben, innerjüdische Auseinandersetzungen in dieser Zeit zu vermeiden oder wenigstens auf ein Mindestmaß zu beschränken. Der innerliche Konflikt, -der sich in Dresden aus der Notwendigkeit 'einer Erneuerung einerseits und dem Gebote der -Stunde, Wahlkämpfe zu vermeiden, andererseits -ergeben hat, ist dieser Tage von einem Schiedsgericht der Reichsvertretung dahin gelöst worden, ■daß unter Umgehung von Neuwahlen durch Erweiterung des Vorstandes und der Verwaltungsorgane den Veränderungen, die sich :in der geistigen wie gesellschaftlichen Struktur des deutschen Judentums vollzogen haben, Rechnung zu tragen ist. Die Frage wird auch für Berlin aktuell, das «einen wesentlichen Teil der deutschen Judenheit l>eherbregt. Turnusgemäß müßten für Herbst 1934 Neuwahlen für die Gemeindekörperschaft -ausgeschrieben werden. Aber auch hier wünscht der jetzt amtierende Gemeindevorstand den Berliner Juden in dieser Zeit innere Kämpfe zu ersparen. Die vom Vorstande in einer öffentlichen Stellungnahme entwickelten Pläne, die eine Befragung der Gemeinde ersetzen sollen, erregen aber das starke Mißfallen besonders der zionistischen Stellen, die an sich mit einer Aufschiebung der Wahlen sich einverstanden erklären. Sie rügen insbesondere, daß man den Eintritt junger Elemente in die verantwortlichen Gemeindeämter nach wie vor ablehnt. Sie verlangen die Heranziehung der jungen Kräfte zur Gemeindearbeit nicht allein der Verjüngung wegen, die gewiß nicht minder notwendig sei, sondern vor allem im Interesse der Verstärkung der Kräfte, die eine Ausweitung der Gemeindeaufgaben von jeher verlangt haben und die unter den neuen Verhältnissen auch allein dazu imstande seien, den Zeiterfordernissen voll zu entsprechen und die Gemeinde zum wirklichen Mittelpunkt des jüdischen Lebens zu machen.. In ein gemeinverständliches Deutsch übertragen, soll es doch wohl bedeuten: Stärkere Heranziehung derer, die die Stunde für gekommen sehen, ihren langersehnten Wunsch, die Gemeinde zu einer Volksgemeinde zu erweitern, in Erfüllung zu bringen. Wie man weiter hört, hat bereits der Geschäftsführende Ausschuß der Zionistischen Vereinigung für Deutschland einige weitgehende Beschlüsse zu den erforderlichen Verhandlungen mit dem Gemeindevorstande in dieser Hinsicht gefaßt. Auch wir glauben nicht, daß, bei aller Notwendigkeit, Wahlkämpfe zu vermeiden, durch eine mechanische Verlängerung von Körperschaften, die das Gesicht der Zeit nicht mehr widerspiegeln, die Interessen der jüdischen Bevölkerung gewahrt werden können. Aber wenn von einer Erneuerung in den jüdischen Gemeindeinstanzen die Rede sein kann, so doch nur in der Richtung, die von der allgemeinen Strömung gewiesen und bedingt wird. Und trifft es zu, daß große Scharen besonders unter den Jugendlichen heute mehr denn je auf dem Wege sind, ihr Leben, das nach außen den Halt verloren hat, mehr im Geistigen, im Jüdischen und im Religiösen zu verankern suchen, so wird die Gemeinde in ihren Organen nicht umhin können, sich durch Männer, — ob ältere oder jüngere, bleibt gleichgültig — zu ergänzen, die durch Leben und Gesinnung imstande sind, den Suchenden entgegenzukommen und ihnen neue, oder sagen wir lieber, alte Ziele zu zeigen. als Zeugnis der Schöpfung viel älteren Datums ist und als Denkmal des Sechstagewerkes •G ' 11 e s von Ihm selbst und von uns überall gefeiert wird? Angesichts der Konstellation in unserem Abschnitte muß aber die Wendung im Kidduschgebete so gelesen und verstanden werden: „Denn er ist Tag des Anbeginns für die heiligen Einberufungen (die Feste) die, (nämlich die Feste), an den Auszug aus Mizrajim gemahnen. Das Ganze wäre damit nur eine Anspielung auf unseren Thoraabschnitt, der an die Spitze der vom Auszuge herrührenden Feste den Sabbat stellt, Ein Wort des Wilnaer Gaon zu dieser Stelle bleibe Jiicht unerwähnt: Auch dieser Satz ' " — handele nach seiner Ansicht nicht vom Sabbat, sondern ebenfalls von den Festen. Im Ganzen haben wir (nach strenger Thoravorschrift) nur sieben Festtage: -zwei Tage Pessach, einen Tag Schwuoth, einen Tag üosch Haschanah, einen Tag Jörn Kippur und zwei Tage Sukkoth. Von diesen sieben Festtagen ist nur einer, und zwar Jomkippur, ein absoluter Ruhetag, während an den anderen sechs Festtagen Arbeiten zur Zubereitung der Nahrung bis zum gewissen Grade erlaubt sind. Danach stellt sich der Zusammenhang der Sätze folgendermaßen dar: "nyia an „Diese sind meine Festtage" rmVn npyn nvv von diesen aber sind es sechs, an denen Arbeiten unter gewissen Voraussetzungen verrichtet werden, dürfen, jinafr naw -»yapn ovav „E i n Tag im Kreise dieser sieben aber, Jomkippur, ist Sabbat der Sabbat e." Nach dieser allgemeinen Feststellung kann dann der Text auf die einzelnen Feste übergehen und mit Peßach beginnen. Unter diesem Gesichtspunkte wird auch ein weiterer Zusammenhang in der Fortsetzung des Kapitels erklärlich. Da lesen wir vom Jomkippur (Satz 28), "ill wyn xb nas^n Vai „Und keine Arbeit sollt ihr an diesem Tage verrichten, da er Tag der Sühne ist. Denn (Satz 29) jede Seele, die an diesem Tage nicht fastet, soll ausgerottet werden aus dem Kreise ihres Volkes." Wiefkann hier das Fasten eine Begründung für das Arbeitsverbot sein? Nach Erklärung des Gaon sehr wohl. An den anderen sechs Festtagen ist man darauf angewiesen, uQi Vax »ans, all das, was man zum Festesmahle braucht, sich zu bereiten, darum die Arbeit in einem bestimmten Maße erlaubt ist. Am Jomkippur habe man sich jeder Arbeit zu enthalten, da es keine voi ^3K vns. kein Festmahl gibt, da „jede Seele, die nicht fastet, ausgerottet wird aus dem Kreise ihres Volkes." Das eine greift hier ins andere und das Ganze wird klar verständlich. Vom 5. — 2. Mai 1934 / Vom 20 ••»Y» *p ntno Samstag 5 20 V Sonntag 6 T»K 21 n> Montag Mai 7 22 V Dienstag 8 23 3 Mittwoch 9 24 K3 Donnerstag 10 25 33 Freitag 11 26 33 Samstag 12 27 'n pia 'npma snnn pa'ian Mauled; Sonntag abends 10 Uhr 27»/18 M»n. Zum jüdisch-arabischen Problem. Im Stammbuche des „Hechaluz" kommt E. Liebenstein in einer durch gute Sachkenntnis sich auszeichnenden Artikelserie über das jüdisch-arabische Problem zu folgenden Schlüssen: „Politisch gesehen, kann wahrscheinlich nur eine jüdisch-arabische Föderation das psychologisch so heikle Problem von Mehrheits- und Minderheitsvolk in Palästina einer tragbaren Lösung näherbringen. Das Einbeziehen Palästinas in einen großen föderativen Staatenbund, in dem die Araber auf lange Sicht die Mehrheit haben werden, wird es dem arabischen Nationalismus und dem palästinensischen Araber innerlich und politisch ermöglichen, sich mit einer Minderheitsstellung innerhalb Palästinas, die die notwendige Folge des jüdischen Nationalheims sein muß, abzufinden. Die organisch-föderative Verbindung Palästinas in wirtschaftlicher als auch in politischer Hinsicht mit einer großen arabischen Förderation, wird die palästinensischen Araber nicht nur ethisch, sondern auch machtpolitisch vor irgendeiner eventuellen Zurücksetzung von Seiten einer jüdischen Mehrheit sichern. Wie schon manche Anzeichen besagen, ist es einer arabischen Emanzipationsbewegung, deren Ziel die Bildung eines großen föderativen Staates ist, viel leichter mit dem Zionismus zu einem Einverständnis zu kommen, als einer spezifisch palästinensisch-arabischen Bewegung, deren Horizont auf $as palästinensischarabische Problem verengt ist. Auf weite Sicht ist eine mit einem autonomen Palästina verbundene arabische Föderation eine viel größere Sicherung gegenüber dem ständigen Gefahrenquell aus der Wüste, als eine noch so starke europäische imperialistische Macht. Je größer der jüdische Jischuw im Lande wird, je mehr seine wirtschaftlichen und kulturellen Potenzen eine unabhängige politische Sicherung fordern, desto klarer wird sich zeigen, daß diese Sicherung nur auf Grund einer Verbindung mit dem Volke zustande kommen kann, mit dem wir durch eine natürliche Nachbarschaft verbunden sind." Man kann im Zweifel sein, ob ein auf dem Wege eines föderativen Staatenbundes zur Macht gelangtes Arabertum sich mit einer Minderheitsrolle und einer arabischen „Irredenta" in Palästina wird abfinden lassen. In der Geschichte Europas haben wir es im Gegenteil erlebt, daß jeder machtpolitische Aufstieg neuen Machthunger erzeugte. Wahr ist, daß eine Lösung des jüdischarabischen Problems nur mit den Arabern und nicht durch Gewalt oder Diktat von außen und oben — ohne oder gegen sie — erfolgen kann, und wichtig ist, daß Liebenstein hier nicht vom Wirtschaftlichen oder Politischen, sondern vom Psychologischen her an die Frage heranzukommen sucht. Das tun zur Zeit auch Andere. Nahum S o - k o 1 o w sagte vor kurzem auf einer Pressekonferenz der Exekutive, man werde früher oder später in Palästina durch mehr Orientalisie r u n g des jüdischen Lebens den Arabern näherkommen müssen. Da Sokolow mit dieser Parole gewiß nicht verlangt, daß die Juden in Lehmhütten mit ihren Kamelen zusammen wohnen und Nargilehpfeifen rauchen sollen, so kann es nur ein neues Wort für einen alten Begriff sein; Vereinfachung, sagen wir „Verjüdischung" des Lebens im Kleinen und Großen, Vermeidung all der Kulturauswüchse, die der Araber als Fremdartiges und deren Träger er darum notwendig als Fremde im Lande empfindet. Eine Orientalisierung in diesem Sinne wäre gewiß die beste Brücke zwischen den beiden Brudervölkern. Beweis: das unegstörte freundnachbarliche Verhältnis zwischen Juden und Arabern in der Periode des alten Jischuw. Mehr jüdische Einfachheit in religiösem Sinne in Erez Jisroel verlangten wir aber immer schon, wozu die neuen Worte?

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