Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1934-05-03 · Heft 18 (3.5.1934) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 18 (3.5.1934)
Date
1934-05-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2450807-2450824--80383-2538211
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 8 Nr. 17 Der Israelit 26. April 1924 Bürgerliche Gleichberechtigung in der neuen österreichischen Verfassung. Wien, 29. April. In einer Pressekonferenz besprach der österreichische Verfassungsminister, der ehemalige Bundeskanzler und Landeshauptmann von Vorarlberg, Dr. Otto Ender, die hauptsächlichen Bestimmungen der neuen österreichischen Verfassung, deren Verküridung unmittelbar bevorsteht. Auf eine Frage des Vertreters der ITA. erklärte der Mniister, die neue Verfassung London, 30. April. „Daily Herald" bringt heute die sensationelle Meldung, die Verhandlungen für die „Ansiedlung von mehrerenMillionen Juden" in der portugiesischen Kolonie Angola" ständen vor dem Abschluß. Ueber die Einzelheiten dieses Projektes soll zurzeit noch in Lissabon verhandelt werden. Dabei soll die Frage gelöst werden, ob den Juden ein Teil Angolas zur Bildung eines republikanischen Staates, der dann dem Völkerbund unterstehen würde, überlassen werden soll, oder ob sie lediglich als Ansiedler zugelassen werden*. Portugal wehre sich noch gegen den Gedanken. eines selbständigen In einer Bekantmachung der Landesbauernschaft Oldenburg wird darauf hingewiesen, daß die zionistische Vereinigung in letzter Zeit versucht habe, junge Juden in landwirtschaftlichen und gärtnerischen Betrieben unterzubringen, mit der Begründung, sie durch einjährige praktische Tätigkeit in solchen Betrieben für die Auswanderung und Ansiedlung in Pa- Tel Awiw, 27. April. Die Eröffnung der Levantemesse wurde am 26. April mit dem Tel Awiwer fünfundzwanzigjährigen Stadtjubiläum begangen. 24 Delegationen ausländischer Staaten und zahlreiche Vertreter jüdischer Großgememden in allen Ländern Europas waren zugegen. Auch der High Com missioner war dem Rufe gefolgt, um als Protektor die große Warenschau zu eröffnen. Unter der großen Menge sah man auch viele Araber. Die arabische Exekutive als solche fand es aber leider für gut, den Jubiläums- und Eröffnungstag mit einem Boykottaufruf zu begehen. Das schwache Echo, das dieser Aufruf unter den Arabern gefunden hat, wird hoffentlich auch die arabischen Führer bald darüber belehren, daß es doch besser sei, mit dem jüdischen Nachbarn mitzuarbeiten, als ihm Steine in den Weg, den er für das arabische Volk mitebnet, zu legen , . . Die Eröffnung war eine gewaltige Kundgebung des wirtschaftlichen Palästina. Eine Riesensirene gab das Signal zur Eröffnung, worauf von der Irijah (Stadthaus) aus, das im Fahnenschmuck prangte, sich der Festzug durch die men: henangefüllten Straßen unter Anführung von Bürgermeister Dizengoff begab. Bei Ankunft des Festzuges auf dem Messegelände, eröffnete der rügh Commissioner Sir Arthur Wauchope mit einigen Worte die Messe, über die er bekanntlich das Patronat übernommen hatte. In werde ebenso wie die frühere allen Bürgern ohne Unterschied von Rasse, Konfession oder Nationalität die gleichen bürgerlichen Rechte garantieren. Auch die Bestimmungen des Minderheitenschutzes würden in der neuen Verfassung ebenso wie bisher berücksichtigt werden. Staates und verlange, daß die Einwanderer die portugiesische Staatsangehörigkeit annehmen und dazu noch die Kosten für .die in dem ihnen zur Verfügung gestellten Gebiet bereits vorhandenen Straßen, Eisenbahnen usw. übernehmen. Das Ergebeis der Beratungen soll bereits am Mittwoch vom Flüchtlingskommissar Macdonald in London bekannt gegeben werden. Dabei werde der Kommissar gleichzeitig die Auflegung einer internationalenKolonisierungsanleihe anregen. Der Hauptteil der Anleihe solle in den Vereinigten Staaten aufgebracht werden. Wir geben die Nachricht des englischen Blattes mit allem Vorbehalte wieder. lästina vorzubereiten. Das oldenburgische Staatsministerium habe es abgelehnt, sein Einverständnis mit der Unterbringung von jungen Juden in landwirtschaftlichen Betrieben zu erteilen. Es werde daher die Erwartung ausgesprochen, daß sich keine Gartenbaubetriebe bereit fänden, Juden einzustellen. einer Reihe weiterer Reden von palästinensischen Regierungsvertretern und Leitern ausländischer Delegationen wurde auf die außerordentliche Bedeutung der Messe für die wirtschaftliche Entwicklung Palästinas und darüber hinaus für die wirtschaftliche Erschließung des gesamten vorderen Orientes, sowie für den Ausbau der Handelsbeziehungen zwischen Palästina und der Nachbarländer auf der einen und den großen, europäischen und amerikanischen Märkten auf der anderen Seite hingewiesen. Die Messe hat einen Massenbesuch aus allen Ländern der Welt angelockt, so daß die Straßen noch mehr als sonst von Menschen angefül*> sind. Die jüdischen Zeitungen haben alle Sonderausgaben hergestellt. Von der Aufforderung der arabischen Exekutive, die Messe zu boykottieren, machen die Araber glücklicherweise so gut wie gar keinen Gebrauch. Eine Sabbatdemonstration in Tel Aviv mit Verletzten und Verhafteten. Nach einem Radiotelegramm an das „Jüdische Togblatt" vom Montag, den 30. April, führte eine Demonstration in Tel Awiw gegen die Sabbatentweihung zu großen Krawallen. Im Massenverkehre aus Anlaß der Levantemesse wagte sich am letzten Samstag die Sabbatentweihung auf den Straßen noch herausfordernder! denn sonst hervor. Das veranlaßte viele Tause^de Juden aus allen Schichten der Bevölkerung, s:ch zu einem Demonstrationszug zusammenzuschließen, der sich ruhig durch die Hauptstraßen bewegte. Sofort erschienen stärke Pili, zeiaufgebote, die in brutalster Weise die Manschen auseinanderjagten, wobei eine erhebliche Anzahl verwundet wurde und viele andere in Haft genommen wurden. Die Aufregung in der .gesamten religiös eingestellten Bevölkerung über die Sabbatentweihungen und das Vorgehen der Polizei ist sehr grtS. Eine Delegation begab sich sofort zum Polizeichef, die die Freilassung der Verhaftetenforderte und auch bewirkte. Aus allen Teilen de* Landes gelangen Sympathiekundgebungen nach Tel Awiw, in denen der um den Sabbat kämpfenden Orthodoxie jegliche moralische Unterstützung versprochen wird, Gesetz gegen Rassenhaß vor dem Staatsparlament in New York- Newyork, 25. ApriL Der Senat des Staates Newyork in A1 b a n y hat zwei in erster Reihe gegen antisemitische Propaganda gerichtete Gesetzentwürfe angenommen, denen zufolge öffentliche Aufreizung zu Verachtung, Haß oder Verspottung einer Bevölkerungsgruppe aus Gründen der Rasse, der Hautfarbe oder des Religionsbekenntnisses strafrechtlich verfolgt werden soll. Die Gesetzentwürfe wurden nach ihrer Annahme im Senat an das Unterhaus des Staatsparlaments zur weiteren Behandlung geleitet. Man erwartet, daß von liberaler Seite gegen die Gesetzentwürfe Stellung genommen werden wird, weil man ihre Fassung für zu allgemein hält und die Möglichkeit voraussieht, daß die Gesetze auch gegen solche Ogranisationen gehandhabt werden könnten, deren Tätigkeit zu behindern nicht in der Absicht des Gesetzgebers lag. Die Quote New Yorks in der vereinigten Aktion für deutsche Juden. Newyork, 25, April. Die Leitung der Vereinigten Hilfsaktion für deutsche Juden hat die von der Stadt Newyork aufzubringende Quote mit 1.200.000 Dollar festgesetzt'. Durch die Gesamtaktion sollen drei Millionen Dollar aufgebracht werden. Abwanderung jüdischer Hafenarbeiter aus Saloniki nach Palästina. Saloniki, 26. ApriL Die dauernde Abwanderung jüdischer Hafenarbeiter aus Saloniki nach Palästina hat die Leitung der Salonikier Freizone veranlaßt, Schritte zu unternehmen, um diese wertvollen und erfahrenen Arbeitskräfte für Saloniki zu erhalten. Die Leitung der Freizone hat sich der Gewerkschaft der Hafenarbeiter gegenüber verpflichtet, jenen jüdischen Arbeitern, die sich bereit erklären, in Saloniki zu bleiben, dauernde Beschäftigung zu besseren Bedingungen als bisher zuzusichern. Inzwischen geht die Abwanderung jüdischer Hafenarbeiter unvermindert weiter. In der letzten Woche sind wieder 30 Hafenarbeiterfamilien aus Saloniki, die sich in Haifa und Jaffa niedergelassen haben, auf etwa 250 gestiegen. Judenansiedlung in Portugiesisch-Angola? Gegen jüdische Lehrlinge in landwirtschaftlichen Betrieben. Feierliche Eröffnung der Levante-Messe.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.