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Der Israelit · 1934-05-03 · Heft 18 (3.5.1934) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 18 (3.5.1934)
Date
1934-05-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Ein Centraiorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Mainz Frankfurt a* M. 3. Mai 1934 18. Ijar 5694 Nummer 18 Verstärkte Jerusalem, 27. April. Aus zuverlässiger Quelle erfährt der Vertreter der ITA,, daß in den Kreisen der Palästina-Regierung hinsichtlich der jüdischen Einwanderung eine weitherzigere Auffassung als bisher platzgegriffen hat und daß die Regierung berei ist, im Verlauf des Jahres 1934 40 000 neue jüdische Einwanderer in das Land kommen zu lassen. Diese liberale Auffassung bezieht sich vorläufig aber nur auf sogenannte Kapitalisten mit mindestens 1000 Pfund Eigenvermögen, denen keine Schwierigkeiten mehr gemacht werden sollen; hingegen nimmt die Regierung in der Frage der C h a 1 u z- Einwanderüng noch immer eine vorsichtige . Stellung ein; obwohl der Mangel an Arbeiterhänden immer mehr fühlbar wird, zeigt sich die Regierung nicht geneigt, die ihr von der Jewish Agency überreichte Forderung nach einer bestimmten Zahl von Zertifikaten, die kleiner ist als die für das abgelaufene Halbjahr angeforderte, aber nur zu einem Teil bewilligte Zahl, ganz zu befriedigen. Die Regierung ist der Ansicht, daß von der Kapitalisteneinwanderung nicht nur die Regierungsfonds, sondern auch die Araber stark profitieren. Hingegen läßt sich die Regierung nicht davon überzeugen, daß die jüdischen Arbeitgeber gerade jüdische Arbeiter beschäftigen möchten und sie will auch weiterhin nicht die speziell jüdische, sondern die allgemeine Arbeitslage im Lande zur Richtschnur für die Höhe der zu vergebenden Zertifikate nehmen. Die Regierung hat für Rechnung des laufenden Halbjahres der Jewish Agency 48 Zertifikate für die jüdischen Flüchtlinge aus Buchara, die sich in Afghanistan und Persien aufhalten, gegeben. Tag der interkonfessionellen Verständigung in Amerika. Newyork, 30. April. Unter dem Protektorat des Präsidenten Roosevelt wurde am 29, April in allen Teilen' der Vereinigten Staaten Nordamerikas ein sogenannter „Brüderlichkeitstag" abgehalten, der der interkonfessionellen Verständigung dienen sollte. In allen Städten wurden Massenversammlungen veranstaltet1, auf denen christliche Geistliche und Rabbiner Ansprachen hielten. Auch der Rundfunk wurde in den Dienst der interkonfessionellen Verständigung gestellt. In einer von Zehntausenden besuchten Massenversammlung in Newyork forderte der Vorsitzende der National Conference, Rev, Dr. Parkes C a d m a n , das amerikanische Volk auf, sich einmütig in den Dienst der Liebe und Verständigung der Nationen und Konfessionen zu stellen. Am gleichen Tage fand in Newyork die „Mobilisierung'5 der freiwilligen Mitarbeiter für die Durchführung der gemeinsamen Hilfsaktion der jüdischen Organisationen Amerikas zugunsten der deutschen Juden statt. Die Straßensammlungen wurden mit einer Rede des Gouverneurs, Cölonel Herbert H. Lehman, eingeleitet, in der er seiner Ueberzeugung Ausdruck gab, daß die Juden Amerikas das Aeußerste aufbieten werden, um die Hilfsaktion erfolgreich zu gestalten. Das. Sammelwerk in Newyork hat sich die Aufgabe gestellt, der Hilfsaktion zum Erfolge zu verhelfen. Aus dem Inhalt: Bedeutende Erklärung zur österreichischen Veria:sung ..........Seite 2 Judenansiedlung in Angola.....Seite 2 Eröffnung der Levantemesse in Tel Awiw Seite 2 Sabbatdemonstrationen in Tel Awiw Seite 2 Noch einmal die religiöse Erneuerung in Oesterreich ........Seite 3 Jubiläen in Palästina . . . Seite 4 Zum jüdisch-arabischen Problem . Seite 5 Optimismus Von Oberrabbiner Dr. Altmann Seite 6 Nichtarier in der Wirtschaft . Seite 7 Minderheitsschutz in Oberschlesien Seite 8 Der Arlosoroff-Prozeß ......Seite 13 Beilage: „Erziehung und Lehre". Deutsche und jüdische Kultur. In dem führenden Organ des deutschen Nationalsozialismus hat dieser Tage ein durch Sachkenntnis legitimierter Mitarbeiter zum Problem der „Dissimilation" der Juden in Deutschland ernsthaft Stellung genommen. Für den Verfasser ist die deutsche Ariergesetzgebung, die die Emanzipation rückgängig macht und die Juden aus jeder halbwegs führenden Stellung in irgendwelchen Bezirken der deutschen Kultur hinausdrängt, ein rein äußerlicher, weil negativer Vorgang, der seinen historischen Sinn erst durch ein entsprechendes positives Echo auf jüdischer Seite erhalten kann. Dieses Echo kann nur in der Dissimilation bestehen, das heißt in dem bewußten Streben der Juden, sich selber den Deutschen „unähnlich", statt wie bisher möglichst ähnlich, zu machen, und diese Unähnlichkeit durch reine Ausprägung urjüdischer Eigenart herbeizuführen. Der Liberalismus, so sagt der Verfasser mit vollem Recht, war zwar nicht judenfeindlich, wohl aber „ j u d e n t u m s f e i n d 1 i c h ". Er verlangte von den Juden als Preis der Emanzipation die Aufgabe des Judentums. Und er fährt dann fort: „Gegen die jüdische Assimilation trat gegen Ende des vorigen Jahrhunderts der Zionismus erfolgreich hervor ... Im Verlauf der zionistischen Propaganda ist der Begriff der „Assimilation" jedoch wesentlich verfälscht, zumindest aber undeutlich gemacht worden. Man glaubte, bereits durch ein bloßes Bekenntnis zum Zionismus, durch die Bejahung seiner Ziele oder durch die persönliche „Alijah" (Einwanderung nach Palästina) die Assimilation überwunden oder, wie wir heute sagen, sich dissimiliert zu haben. Wenn man aber auf den Sinn des Wortes Assimilation sieht, so trifft das auf einen großen Teil der Zionisten, besonders auf den Begründer der modernen Form der Bewegung, Theodor Herzl, nicht zu. „Assimilation" bedeutet Angleichung. „Similis" heißt ähnlich. Durch die bloße ideologische Bejahung der zionistischen Theorie aber war der geistige Inhalt der Juden noch nicht . „ u n ä h ni lieh", nämlich dem geistigen Inhalt der Umwelt. Der politische Zionismus selbst, wie ihn Herzl gepredigt und wie er in seiner klassischen Form im heutigen „Revisionismus" wieder auflebt, war als System selbst assimiliert an die europäischen Nationalismen ... Gegen die formal-nationale Auffassung Herzls setzte Achad Haam den „Kulturzionismus" und gegen den marxistischen Sozialismus der „Poale Zion" setzte A. D. Gordon den antimarxistischen „nationalen Sozialismus", des „Hapoel Hazair" („Der junge Arbeiter"). Beide Auffassungen waren eigenständiger, jüdischer; hier hatte der Zionismus die Assimilation in einem tieferen Sinne überwunden, hier war er wirklich zur (Fortsetzung auf Seite 3.)

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