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Der Israelit · 1934-04-26 · Heft 17 (26.4.1934) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 17 (26.4.1934)
Date
1934-04-26
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 10 Nr. 17 Der Israelit 26. April 1934 Kinderecke. Was ist das mit dem „Dreiunddreissigsten im Omer"? Die Bedeutung des Halbfeiertages „Lag Beomer" liegt nicht so klar wie die der anderen Fest- und Gedenktage. Der Tag mutet wie eine kleine grüne Insel mitten in der etwas trüben und trauervollen Landschaft der Omertage an. Warum? Das ist historisch nicht mit aller Genauigkeit festzustellen. Nach talmudischer Angabe (Traktat Jebanoth 62) sind in den Tagen des Omer 24 000 Jünger Rabbi Akibas nacheinander gestorben, und zwar im Zeiträume von 33 Tagen (vielleicht im Zusammenhange mit den Kämpfern Barkochbas gegen Rom). Wann das große Sterben begann und wann es zu Ende ging, steht nicht ganz fest, jedenfalls faßte man die Zahl Dreiunddreißig ins Auge und machte den dreiunddreißigsten Tag des Omers zum Halbfeiertage, an dem die sonst in diesen Wochen übliche Trauer, wie Verbot der Eheschließung, des Haar- und Bartschneidens aufgehoben ist. Auch was die Sefirahtrauer selbst angeht, ist der Brauch nicht in allen Ländern und Gegenden einheitlich. Mancherorts setzt die Trauer und die Enthaltsamkeit schon gleich nach dem Peßachfeste ein und hört auch dementsprechend früher auf, in anderen Gegenden, so auch in Frankfurt a. M., treten die Sefirahvorschriften erst nach Ausgang des Nissan ein und bleiben mit der Unterbrechung am Lagbeomer bis zum ersten Siwan in Kraft. Selbstverständlich hat sich jeder dem Brauche zu fügen, der in seiner Heimat üblich ist. Im ,,Chatam Sofer" (Ihr habt vielleicht den Roman „Licht aus dem Westen" gelesen, in dem die ganze Lebensgeschichte dieses Rabbi Mosche Sofer von der Stunde seiner Geburt in Frankfurt bis zu seinem Tode in Preßburg erzählt wird) wird noch aus älteren Quellen angeführt, daß das Manna in der Wüste am 18. Ijar, — bis dahin reichten die Vorräte aus — das ist am 33. im Omer, zum ersten Mal vom Himmel gefallen ist und darum schon in den frühesten Zeiten, also lange vor Rabbi Akiba und Bar Kochba, als Ge-- denktag gefeiert wurde. In der Art, wie Lagbeomer begangen wird, gehen die Bräuche auch weit auseinander. Während er im Osten wie auch sonst fast überall als richtiger Halbfeiertag gehalten wird, wird beispielsweise in Frankfurt a. M. schon am Nachmittag „Tachanun" gesagt und Hesped gehalten. Auch am Vorabend zu Mincha sagt man „Tachanun". Die alten Frankfurter pflegten zu sagen, Lagbeomer habe in Frankfurt kein Nachtquartier. Die Chederschulen im Osten pflegten an diesem Tage Ausflüge zu veranstalten, was in jenen Schulen, wo man sonst keinen Turnunterricht und keine Spaziergänge kannte und sich die Kinder den ganzen Tag hindurch in luft- und lichtarmen Räumen aufhielten, ein ganz gewaltiges Ereignis bedeutete. Zuweilen pflegten sich die Kinder an dem Tage mit Pfeil und Bogen zu bewaffnen, um so ein bißchen Heldentum zu markieren und vielleicht auch an die Bar Kochba- Scharen zu erinnern. Die Schulen Palästinas haben diesen schönen Brauch aufgenommen und veranstalten an dem Tage große Schülerspaziergänge durch die blühende Frühlingslandschaft des heiligen Landes. Bekannt sind die großen Feierlichkeiten am Grabe von Rabbi Schimeon ben Jochi in M e r o n bei Safed im Norden Palästinas, wo Freudenfeuer die ganze Nacht hinduch den Jubel, der Festgemeinde ins ganze Land hinaus verkündet. Bei großem Festtreiben werden die Flammen immer mehr genährt und oft auch kostbare Gegenstände verbrannt. Gegen Morgen geht das Fest des Haarscherens unter Sang und Klang und Tanz vor sich, bei dem die jungen Knaben zum ersten Mal ihr Haar geschnitten bekommen. Sie sitzen dabei auf kleinen Eselchen und sind von einem Reigen umringt, der unter Psalmgebeten und kabbalistischen Sprüchen immer mehr in Ekstase gerät. Diese Bräuche und das Fest am Grabe werden bereits in alten Reisebeschreibungen von 1522 erwähnt. Auch Rabbi Chajim W i t a 1 teilt mit, daß dieser Brauch seinem Lehrer, Rabbi Jizchak Luria (1500) bekannt war und von ihm gebilligt wurde. Ursprünglich also ein Fest der Kabbalisten, hat sich Lagbeomer nach und nach, mit der neuen Entwicklung Palästinas, zu einem Volksfeste ersten Ranges herausgebildet, bei dem sich das alte und das neue Palästina. brüderlich finden. Viele Zehntausende strömen aus allen Teilen des Landes und der Gola an dem Tage in Meron und Safed zusammen, so daß alle Hotels, Gasthöfe und Herbergen, schon Tage und Wochen vorher voll besetzt sind. Man sieht viele Hunderte orientalische Juden unter freiem Himmel kampieren. Viele kleine Geschäftsleute in der Gegend von Safed, aber nicht zuletzt die Bet- und Lehrhäuser in Meron leben das ganze Jahr von diesen Tagen, die halb religiöses, halb Volksfest sind. Die Eisenbahn in Palästina gibt für diese Tage Fahrkarten zu halbem Preise von allen Stationen nach Safed aus. Es sei noch erwähnt, daß in Krakau am 33. des Omer der Todestag von Rabbi M o - schelsserles, genannt „R'rao" (er starb 1572 und machte uns den Schulchan Aruch durch seine Randglossen erst gebrauchsfähig) durch zahlreichen Besuch des Grabes hinter der Rmo-Schul begangen wird. Es ist nun mal im Leben so..- Von Siegfried Geller in Berlin. Kampf auf der Landstraße! Diesmal aber nicht zwischen Menschen, sondern zwei Insekten gehen aufeinander los; eine Biene und ein bedeutend kleinerer Käfer. Sie streiten sich mitten auf der Landstraße in der größten Mittagshitze. Wer der Angreifer war, das weiß ich nicht; denn als ich" des Weges daher und an der Kampfstätte vorbeikam, da kämpften sie schon. Beide machen von ihm natürlichen Waffen Gebrauch. Es scheint so, als möchte einer den anderen töten, denn eine Sache, um die die beiden Geschöpfe G'ttes sich vielleicht hätten streiten können, ist nicht zu erblicken. Es geht also sicherlich auf Leben und Tod. Mich interessiert dieser Kampf. Er macht mich spannend. Wer wird wohl der Sieger sein? Ich setze mich auf einen Kilometerstein ganz in der Nähe der beiden Kämpfer, und spiele den „Schiedsrichter", Wenn ich glaube, daß der Kampf „illegal" vonstatten geht; bringe ich die Beiden mittels eines Holzstabes wieder auseinander, so daß sie gezwungen sind, den Kampf von Neuem aufzunehmen. Und sie tun es auch, mit welch einer inneren Rachsucht. Man erkennt deutlich die Wut, mit der sie wieder aufeinander losgehen. Aber bis jetzt scheint der Kampf noch unentschieden zu sein. Es ist eine Rauferei und Balgerei, wie man sie sonst vielleicht nur unter Menschen beobachten kann. Der kleine, listige Käfer umklammert jetzt mit seinen Mundwerkzeugen die arbeitsame Biene. Und schon scheint der Kampf auch eine Wendung zu nehmen! Der unscheinbare Käfer, der die fleißige Honigspenderin jetzt auf den Rücken gelegt hat, stößt ihr sein Mordwerkzeug in den Leib! Vielleicht auch mit etwas Gift? ... Die Tat ist vollbracht! Der Schwächere hat gesiegt! Die Biene ist tot. Der Mörder eilt davon, ohne seine Beute mitzunehmen. Er wollte also sicher nur Rache nehmen, Rache aus irgendeinem Grunde . . . Vielleicht war es aber auch der Neid? Neid auf die Tüchtigkeit des anderen? Es ist nun mal im Leben so . . . Ich war damals mutterseelenallein auf der Landstraße, Es war ein wunderschöner Sommertag. Ich hatte mich aufgemacht zu einem Spaziergang in die herrliche Gebirgsgegend. Aber der Genuß der schönen Natur war mir an dem Tage nicht mehr ganz zuteil geworden. Denn als ich weiterging, da war ich doch etwas verstört über den tragischen Ausgang des Kampfes. Ich wurde von einem eigenartigen Gefühl benommen. Noch heute drängt sich in mir die Frage auf: „Hattest du nicht auch Schuld? Hättest du nicht verhindern sollen, daß dieses Geschöpf, das genau so von G'tt erschaffen wurde wie wir Menschen, am Leben erhalten bliebe?" Was meint ihr, liebe Kinder? Jüdische Jugend, die Zukunft des Judentums. Eine schwere Zeit ist für uns Juden angebrochen. Unsere Eltern, die uns mit Mühe und Sorgfalt erzogen haben, leiden unter dem Gedanken, wie unser weiterer Lebensweg wohl sein mag. Aber sie verzweifeln nicht, denn alles, was G'tt uns schickt, ist zum Guten. An uns ist es jetzt, ihnen zu zeigen, daß wir ihre Lehren beherzigen. Wir setzen unsere Hoffnung auf Palästina. Wir müssen uns bemühen, fromm und gut zu sein, denn sonst sind wir es nicht wert, nach Palästina zu kommen. Viele bemühen sich, Zertifikate zu erhalten, aber wenn sie dort sind, vergessen sie ihr höchstes Gut, die Thora. Sie leben in den Tag hinein und kümmern sich nicht um ihre Mitmenschen. Es ist falsch, wenn man meint, es genüge schon, in Palästina zu leben und zu arbeiten. Viele, die hier nicht fromm sind, sagen: „Wenn wir dort sind, werden wir schon fromm werden!" Früher wurden die Juden aus Palästina vertrieben, weil sie nicht fromm waren. Wenn die Juden jetzt auch nicht fromm sind, dann ist alle Mühe vergebens. Wir müssen die Thora beachten, denn sonst sind wir es nicht wert, Juden zu sein und haben kein Anrecht auf Palästina. Gerade die Thora ist es, die uns an Palästina kettet. Wir müssen die Lehre beachten und beweisen, daß jedermann Achtung vor dem Judentum haben muß. Das G'ttvertrauen stärkt uns und so schauen wir mit freiem Blick in die Zukunft. Edith Häusler, 14 Jahre. Worträtsel- 1. Ein Wort mit drei Buchstaben, Es kann nicht schnell traben. 2. Du wirst es finden ohne Müh', Wenn nicht heute, morgen früh. 3. Kannst es treffen am Ende von > 3 Der Erstgeborene weiß es ganz genau. 4. Eine Tugend, die jeder besitzen muß. 5. Die Zahl, sie geht von Kopf bis Fuß. 6. Der ganze Körper wird so genannt. 7. In Mizrajim haben wir' gebrannt. 8. Wenn der Priester dies Wort besitzt, Sein heil'ger Dienst erledigt ist.; 9. Ein Eifriger nahm es in die Hand, Als ein Fürst sich hingab der Schand. 10. Das erste Wort, wenn nicht im Stall du findest, Dann im Keller, vom Faß du trinkest. Es sind zehn Wörter mit gleichen Buchstaben zu nennen, deren jedes den Zahlenwert des Stammvaters ergibt. Auflösungen der Rätsel in Nr. 13-14. I. Die nr>ma 3?n*ix Ii. •namn 'jimpn Richtige Lösungen sandten ein: Naftaly Berger, Frankfurt a. M.; Israel Rheinitz, Frankfurt a. M.; Zerline, Schlaume und Eliohu Carlebach, Baden b, Wien; Gustel und Sara Waldmann, Frankfurt a. M.r Israel Goldschmied, Frankfurt a. M; David Wilder, Dresden; Melech Lipschütz, Frankfurt a. M.; Jakob Freimann, Frankfurt a. M.; Oskar Breßrhann, Frankfurt a. M.; B. Goldstein, Frankfurt a. M.; E. und Ch. Pfeffer, Dresden; I. Weinreb, Frankfurt a. M.; Helene und Lilli Lidzbarski, Frankfurt a. M.

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