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Der Israelit · 1934-04-26 · Heft 17 (26.4.1934) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 17 (26.4.1934)
Date
1934-04-26
Page
– (sequence 11)
Language
German
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26. April 1934 Der Israelit Nr, 17 Seite 11 Die Frankfurter Woche. Semestereröffnung und Empfangsfeier in der Jeschiwa. In der Thoralehranstalt Jeschiwa nahm der Rosch Jeschiwa, Herr Rabbiner Dr. Breuer, am Donnerstag abend seine Tätigkeit wieder auf. Im großen Hörsaale, dessen Enigang und Wände Willkommensgrüße schmückten, versammelte sich gegen Abend das ganze Schülerauditorium sowie sämtliche Dozenten, die Mitglieder des Kuratoriums und viele Freunde der Jeschiwa und ihres Leiters, so daß der große Raum vollgefüllt war. Ein lautes „Jechi" der Bachurim begrüßte den Rosch Jeschiwa. Dann entbot Herr R.-A. Dr. Schlesinger, der zusammen mit Herrn R.-A. Dr. E. Posen in der Zwischenzeit' die Jeschiwa leitete, in einer herzlichen Ansprache mit den Worten aus Secharja; '"\b Kia' isba run ivs m tk» den Gruß der Dozenten und Jünger an den zu seiner Jeschiwa heimkehrenden Leiter. Herr Rabbiner Dr. Jos. Breuer ergriff dann selbst das Wort zu einer längeren Rede, in der er unter Zugrundelegung des Talmudwortes sxi -j3*>pa "i^nn nur kurz den Zweck und Sinn seiner Reise und Rückkehr streifte, wobei er mit lobenden Worten die Bemühungen der Gemeinde Fiume, all seine an das Experiment geknüpften Hoffnungen in Erfüllung zu bringen, hervorhob. Dann schlug gleich die Rede nach innen um und wurde eine dringende Mahnung an die Bachurim, in dieser schweren Zeit auf der Jeschiwa ihren Lebensbaum tief in den jüdischen Gründen zu verwurzeln, damit sie, egal wo sie ihre Zukunft aufbauen, in Palästina oder in der Golah, ihren Lebensweg finden und ihrer Arbeit Gelingen beschieden wird. Ein Jerusalem ohne Zion würde die Golustragödie noch ernster und schlimmer gestalten. Es folgte dann ein ergreifender Nachruf auf Prof. Dr. Caro,. dem der Begründer der Jeschiwa das Vertrauen schenkte, Jünger in die profanen Wissenschaften einzuführen, ohne daß sie Schaden an Geist und Seele nehmen und der das Vertrauen in vielen Jahrzehnten so herrlich gerechtfertigt, — weil er selber sein Wissen und seine Lebensanschauung aus dem ~" der Ganzheit seines Wesens, zu der uns auch die Sfirah erziehen will, geschöpft hat. Mit erneuten Mahnungen der Liebe an die Bachurim, denen Wortbilder und Gedankengänge aus Propheten die Tiefe gaben, schloß diese Mussarrede. Mit a'IS?» nahm die Feier ihr Ende. Die Thoralehranstalt zählt zu Anfang dieses Semesters über 70 Bachurim, fast durchwegs aus Deutschland. Eine Gedenkfeier für Professor Caro V"XT in der S. R. Hirsch-Schule. Das Andenken Professor Caros ^"XT wurde in einer stilvollen Gedenkfeier am Sonntag vormittag in den Räumen der Schule, die über vierzig Jahre seine Wirkungsstätte war, begangen. Ein Doppelquartett, unter Leitung Max Neumanns leitete die Feier mit einem ti-ot ein, worauf Herr Direktor Dr. Elias in großen Strichen. ein packendes Lebensbild des Menschen, des Jugendbildners und des Gelehrten Caro entwarf. Er schöpfte die Kunst des Lehrens und Erziehens aus den tiefen Quellen des Menschlichen in ihm, denn Werk und Wesen flössen in ihm in eins zusammen. Alle Liebe und Anhänglichkeit, die er empfangen, gab er hundertfach wieder. Die Methode war für ihn stets nur eine Frage der Menschenbehandlung. Ihm, dem die Kinder genommen wurden, erwuchsen viele Kinder, eine große Gemeinde über Frankfurt und Deutschland hinaus. Bei all seiner Kunst und strengen Wissenschaftlichkeit galt für ihn Viaanb r.»Tip in«- ■»/ die schlichte G'ttesfurcht mehr als alles Wissen. In der Schulbibliothek, der er seine Kraft bis zuletzt widmete, konnte sich so recht seine Liebe zur Jugend und zum Buche auswirken. Noch seine letzte Tat kurz vor seinem schönen Tode am Festesmorgen war, die ärmeren Kinder mit Schulbüchern zu versorgen. Als zweiter Redner schilderte Herr Direktor Dr. Fink in einer längeren Gedenkrede Charakter und Wesensart seines langjährigen Freundes und Kollegen und entsandte letzten Gruß im Namen des Lehrerkollegiums, der Israelitischen Waisenanstalt und anderer Verwaltungen. Für die wissenschaftliche Bedeutung Caros ließ Redner die vielen Beiträge aus seiner Feder in den Schulberichten und Festschriften sprechen, die er zum Teile anführte. Auch im Nachlaß Caro's befinden sich noch manche wertvolle Beiträge zur Lösung jüdisch-wissenschaftlicher Probleme. Er schildert den liebevollen Menschen und hilfreichen Freund Caro, dem schwere Prüfungen und Schickungen vieles nahmen, aber nicht die Kraft und die Liebe für seinen Beruf und die wissenschaftliche Arbeit. Einige agadische Stellen in geistvoller Ausdeutung ergaben den Hintergrund für das Bild des Heimgegangenen, das der ehrwürdige Redner uns noch einmal vor das Geistesauge führte. Im Namen der Thoralehranstalt Jeschiw a, deren Leiter bereits bei der Semestereröffnung am Donnerstag abend Caros in Dankbarkeit und Verehrung gedachte, sprach jetzt H err R.-A. und Dozent Dr. E. Pos e n. Im Hirschischen Sinne wußte der Heimgegangene die profanen Disziplinen den Bachurim so beizubringen, daß sie sich dem Thorastudium im Mittelpunkte dienend unterordneten. Gerade auf den Bachur aus dem Osten, wo sich die Bildung gegen die Thora richtete, war der Einfluß des Mannes, der es verstand, Weisheit und Wissenschaft mit der Thora zu lehren, ungeheuer groß. Professor Caro habe seine Kraft der Jeschiwa noch lange Zeit geweiht, nachdem er sich von seiner Schultätigkeit schon zurückgezogen hatte, er möge auch für sie ein Mit einem "rn -Gebet des Herrn Herzog, das vom großen Auditorium stehend angehört wurde, nahm die Feier ihr Ende. „Geistige Fortpflanzung". Der Frühjahrslehrgang des Jüdischen Lehrhauses wurde mit einem akademischen Festakt eröffnet, in dessen Mittelpunkt eine Ansprache des Lehrhaus-Leiters, Prof. Dr. Martin B u b e r über „Lehre und Tat" stand. Die Wiedergabe der Ouvertüre zum Oratorium „Esther" von G. F. Händel durch die Frankfurter Kammerstreichvereinigung unter Leitung von Kapellmeister Holde bildete den stimmungsvollen Auftakt zu der Feier. In seiner Rede stellte Martin Buber die neben der biologischen Form der Fortpflanzung in der jüdischen Gemeinschaft immer lebendige Form der „Fortpflanzung der Werte" dar, die im Judentum ebenso organisch, natürlich und lebensnotwendig wirke wie die biologische. Das Verbleiben des jüdischen Volkes bei der biologischen Fortpflanzungallein sei immer von Gefahren begleitet gewesen. Die „geistige Fortpflanzung", diese Neuschöpfung der Werte durch Ueberlieferung, hebe zwar das Judentum nicht über andere Völker hinaus, es hebe es aber deutlich von den anderen Völkern ab und zeige, daß das geistige Leben im Judentum immer verpflichtend und lebensnotwendig gewesen sei. Die jüdische. Ueberlieferung sei ja keine bloße Uebergabe fertiger geistiger Werte, sondern eine stete Neugestaltung, und hier liege auch das eigentliche Problem der Tradition: die Begegnung der Generationen im Judentum durch die Ueberlieferung der Lehre vom Lehrer zum Schüler, die ein zentrales Faktum sei. Diese jüdische „Seins-Tradition" stehe im Gegensatz zur „inhaltlichen" Tradition, zur Tradition der bloßen Form. Die Lehre sei untrennbar an die Tat gebunden und es gebe kein Lehren ohne die Tat; Lehre existiere eben nur in der Ganzheit der wirkenden Person oder sie existiere überhaupt nicht. Andererseits sei die Tat die Ganzheit der jüdischen Lehre, im Gegensatz z. B. zur Sophia der Griechen. Die Tat sei Gehalt und Ziel der Lehre. Der Jude beschränkt sich nicht auf das bloße Erkennen der Lehre, nach vielen Grundsätzen der jüdischen Lehre sei derjenige höher einzuschätzen, der mehr Tat als Lehre besitzt. Wie wir ohne die Tat die Lehre verneinen würden, ebenso könnten wir auch die Tat ohne die Lehre nicht ertragen. Das Frankfurter Jüdische Lehrhaus wolle diese Einheit von Lehre und Tat, von echtem Judentum und echtem Menschentum, lehren, es wolle lehren, durch diese Einheit standzuhalten. Das Tagesheim der erwerbslosen jüdischen Jugendlichen Frankfurt a. M., Königswarterstr. 26. Als vor zwei Jahren die erwerbslosen jüdischen Jugendlichen in einem Heim zusammengefaßt werden sollten, kam es den Gründern dieses Heims, der Jugendkommission der Israelitischen Gemeinde, in erster Linie darauf an, die menschlichen und gesellschaftlichen Gefahren, die ganz besonders für den Jugendlichen in der Erwerbslosigkeit liegen, dadurch zu beseitigen oder zumindest einzudämmen, daß man ihm half, seine Freizeit auszufüllen und sich in einer jüdischen Gemeinschaft daheim zu fühlen. Als dann infolge der äußeren Entwicklung die Erwerbslosigkeit immer mehr um sich griff im Kreise der jüdischen Jugend, wurde das Erwerbslosenheim zu einer Stätte der Berufsumschichtung, der Weiterbildung und d3r Pflege des jüdischen Gemeinschaftsbewußtseins. So besteht die Arbeit des Heims heute darin, durch zahlreiche kostenlose Kurse und Lehrgänge die Zeit der Arbeitslosigkeit in eine Zeit der Vorbereitung auf neue Arbeitsmöglichkeit zu verwandeln. Kurse in neuhebräischer, französischer, englischer Sprache, in Stenographie, deutscher Korrespondenz und Plakatschrift, gemeinsame Besprechung der Probleme der jüdischen Geschichte, gemeinsame Zeitungslektüre usw. dienen der Erweiterung des beruflichen und gesellschaftlichen Horizontes; in einer dem Heim angegliederten, von einem Schreinermeister geleiteten Schreinerlehrwerkstätte, zu der in nächster Zeit noch andere Lehrwerkstätten treten sollen, wird die Anlernung des Schreinerhandwerkes ermöglicht. Durch zahlreiche Spiele (Brettspiele, Tischtennis, Fußball usw.), durch eine reichhaltige Bibliothek und durch Musik ist für gesellige Unterhaltung gesorgt. Den Be- . dürfnissen des Magens ist durch nachmittägliche freie Verköstigung Rechnung getragen. So ist das Erwerbslosenheim, das von Montag bis Donnerstags von 10 bis 12 und 3—7 Uhr und Sonntags von 3—6 Uhr geöffnet ist, bestrebt, jedem jüdischen Erwerbslosen ein Heim und gleichzeitig eine Ausbildungsstätte zu sein. Zur Jabrzeit von Nathan Sondheimer ^"£T* Am Donnerstag, den 3, Mai, abends 8 Uhr, wird aus Anlaß der ersten Jahrzeit von Nathan Sondheimer ■'"si. in der Synagoge Hermesweg ein Jahrzeitslernen von Herrn Rabbiner Dr, Jakob Horowitz geleitet. Chaluzimheim des Noar Agudati. Es ist beabsichtigt, für die sich hier in Frankfurt auf rr~* n befindlichen Chaluzim des Noar Agudati ein Chaluzim-Heim zu eröffnen. Die Eröffnung soll in Bälde erfolgen. Zur Einrichtung werden noch Einrichtungsgegenstände benötigt: Schränke, Tische, Stühle, Betten, Nähmaschine usw. Spender wollen sich mit Frau Dr. Rosenbaum, Grünestraße, in Verbindung setzen. Sabbat-Anfang und Ausgang ö»«np ,tainx nn^ Ort Anfang Uhr | Min. Datum Ausgang Uhr | Min. Frankfurt am Main 7 05 28. 8 30 Berlin 7 20 April 8 12 München 7 00 1934 8 05 Köln 7 15 8 35 Stuttgart 7 20 13. 8 20 Breslau 7 20 ' 54 Nürnberg 7 05 Tjnn 8 14 Hamburg 7 30 8 36 Würzburg 7 20 8 20 METALLPUTZ Kernseife, Schmierseife, Seifenpulver, Seifensand (Streudosen) Scheuersand zu billigsten Preisen direktab Fabrik Chemische und Seifenfabrik VICTOR-VICTOR, FFM.-FECHENHEIM Unt. Aufsicht d. Israelitischen Religionsges. Frankfurt a. M. Wäsche Strümpfe Kurzwaren zu billigsten Preisen SpifzenhmiS DAVID KELSEN nac geschlossen ZEIL 26 Sie kaufen doch in der SCHNEEMANN? ISchillerstr. 2 I Telefon 22273 I HERMON DRUCKEREI SCHÜTZENSTRASSE 12 LIEFERT ALLE IHRE DRUCKSACHEN Hirsch, Pentateuch 5 Lwdbde.nur<Ä25.r Hirsch, Gebete Lwdbd nur M8. Hirsch, Jeschurun Bd. 1—10 nur JH. Hirsch, 19 Briefe geb. nur M 3.50 Hirsch, 19 Briefe igl. Ausg. Lwdb nur Jld- Jüd. Monatshefte hrsg. v. S. Breuer u. P. Kohn Jg. 1—6 nur M 35.- Sonstige Hebraica u. Judaica billigst. Der soeben erschien. 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