Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 17 (26.4.1934)
- Date
- 1934-04-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 17 Der Isra<*l't 26. April 1934 0CLS ftbbSfeflWL Fortgang der Verhandlungen im Arlosoroff-Prozeß. Am Nachmittag wird zuerst der Bürgermeister von Tel Awiw, Meier Dizengoff, vernommen, der als erster Arlosoroff nach dem Attentat im Krankenhaus besucht hatte. Seine letzten Worte waren: „Sehen Sie, was man mir angetan hat!" Krankenschwester Lola B lu m e n s t e i n , die - den tödlich Verletzten auf dem Transport ins Krankenhaus begleitet hatte, weiß ebenfalls keine besondere Aeußerung des Verletzten über den Mörder anzugeben. Auch der Polizist Selig Kampf konnte auf seine Frage nach dem Mörder von A. keine Antwort erhalten. Nach weiterer Zeugenvernehmung erkundigt sich der Staatsanwalt Musa A1 a m i, ein Araber, ob in dem Polizeibericht irgendwie von Arabern die Rede gewesen sei. Die Polizisten glauben nicht, daß A. etwas von Arabern gesprochen habe. Am Dienstag vormittag verlas Polizeikommissar S h i t r e e t, der das Vorverfahren in Jaffa geleitet hat, die früher gemachten Aussagen von Stavsky und Rosenblatt, ihre Unschuldsbeteuerungen und ihren Alibinachweis, wonach sie zur Zeit der Tat in Jerusalem geweilt hätten. Der Kommissar macht seine Aussagen in hebräischer Sprache. Stavsky und Rosenblatt bestätigen die Aussagen des Kommissars. Der Polizist Ostdes Agudas JisroeL W arschau, 20. April. Oberrabbiner Aron Lewin, Rzeszow, als Präsident des Zentralrates der Agudas Jisroel, hat diesen zu einer Tagung nach Warschau für den 14. bis 16. Siwan 28. bis 30. Mai) einberufen. Die Tagesordnung lautet: 1. Bericht des Geschäftsausschusses; 2. Allgemeine Aussprache; 3. Ergänzung des Großen Rabbinischen Rates" d. A. J.; 4. Die Frage der Einberufung der Kenessio Gedaulo; 5. Die Organisation und Orientierung der Agudas Jisroel in Erez Jisroel; 6. Sonstiges. Im Anschluß an die Tagung des Zentralrates findet eine Tagung des Keren Hajischuw und des Keren Hathora statt. Wien, 20. April. Das Wiener orthodoxe Organ „Jüdische Presse" begrüßt das Zusammentreten des Zentralrates der Agudas Jisroel und führt u. a. aus: Die Noch einmal die Mannheimer Bäder. Die Meldung Wiener Blätter, daß vor dem Luft- und Sonnenbad in Mannheim eine Tafel aufgestellt sei, die Nichtariern den Zutritt verbiete, wurde in jüngster Nummer als unzutreffend bezeichnet. Dazu wird jedoch der „Frankf. Ztg." vom 24. ds. ergänzend mitgeteilt, daß in der Badeverordnung allerdings sich die Bestimmung befinde: ,, Nichtarischen Personen ist der Zutritt nicht gestatte t." Blasphemien des palästinensischen Arbeiterblocks. „Dawar", das Arbeiterorgan, brachte jüngst einen Artikel, in dem es heißt: „Der Stolz auf die Propheten, die Heiligkeit der Tradition, der Glanz der Väter existieren r o w s k y bekundet, daß sich zuerst der Verdacht auf arabische und jüdische Kommunisten gelenkt hatte, die aber bald alle freigelassen werden mußten, da man ihnen nichts nachweisen konnte. Die Verhandlungen gehen bei gespannter Aufmerksamkeit weiter. Ueber die Stimmung im Lande ist zu sagen, daß die öffentliche Meinung aufgrund der letzten Momente der Untersuchung vollkommen zu Gunsten der Angeklagten umgeschlagen ist und daß keiner mehr an ihre Schuld gaubt. Selbst in weiten Kreisen der Antirevisionisten besteht, wie aus einem Leitartikel des ,,Haarez" zu ersehen ist, der Wunsch, die drei Angeklagten mögen freigesprochen werden, damit eine Blutbeschuldigung von jüdischen Menschen abgewälzt werde. Geldsammlungen zum Zwecke der Verteidigung der Angeklagten werden veranstaltet. Im O b e rrabbinate soll die Absicht bestehen, mit einem allgemeinen Fasttage zu proklamieren, wie sehr jener Mord die jüdische Gemeinschaft erschütterte und daß diese nicht glauben könne, der Mord sei von jüdischer Hand ausgeführt worden. Enttäuschung über die zerflatterte Hoffnung einer Kenessio in diesem Jahre wird durch die Einberufung des Zentralrats doch teilweise wettgemacht. Alle Probleme, welche die agudistischen Gemüter bewegen, werden nun in dieser Tagung zur Erörterung kommen. Die Erez Jisroel-Sehnsucht wächst in diesen aufgewühlten Zeiten sehr erheblich an und die Befriedigung dieser Sehnsucht ist nun einmal ein Hauptproblem der Aguda geworden. Die Lösung des Erez Jisroel-Problems kann aber nur eine Teillösung in dem großen agudistischen Programm bilden. Auch die religiöse Not unserer Jugend ist besonders in Mitteleuropa gefahrdrohend herangewachsen. Die materielle Lage der Jeschiwoth und die wirtschaftliche Plazierung der Jeschiwah-Jünger ist eine Frage, die Tausende unserer Jugendlichen beschäftigt und auch die Aguda-Führer beschäftigen muß. nicht mehr für das heutige Geschlecht. Die Erziehung bei den Arbeitern muß radikal der Vergangenheit entgegengesetzt sein. Wir brauchen G'tt nicht mehr . . ." Nach solchen Proklamationen braucht man sich über die Vorgänge in der Arbeiterschaft nicht mehr zu wundern. Palästina-Regierung fordert Sicherstellung für die aus Deutschland auswandernden Jugendlichen. Jerusalem, 19. April. Die Palästinaregierung hat der Exekutive der Jewish Agency bekannt gegeben, daß sie für alle durch die Jewish Agency nach Palästina gebrachten Jugendlichen aus Deutschland eine vom Schat2meister der Agency unterzeichnete schriftliche Erklärung, daß der betreffende Jugendliche niemandem im Lande zur Last fallen werde, verlangen wird. Für jeden Jugendlichen im Alter von 15 Jahren wird von der Jewish Agency eine schriftiche Garantie in der Höhe von 144 palästinensischen Pfund gefordert; für 16jährige beträgt die Garantie bloß 96, für 17jährige 48 Pfund. Um der Forderung der Palästinaregierung entsprechen zu können, ist die Jewish Agency genötigt, für jeden Jugendlichen den Erlag seiner 36 Pfund betragenden Sicherstellung auf den Namen der Jewish Agency einer palästinensischen Bank zu verlangen. Von diesem Betrag können von Zeit zu Zeit Abhebungen zur Deckung von Auslagen für den betreffenden Jugendlichen vorgenommen werden. Es sollen vorläufig nur solche Jugendliche nach Palästina gebracht werden, die nicht jünger als 15 und nicht älter als 17 Jahre sind. 18jährige und ältere Jugendliche können nach Palästina nur auf Grund der gewöhnlichen Einwanderungs- Zertifikate oder als Studenten mittels besonderer Studenten-Visen einreisen. Gesetz gegen Rassen- und Religionshaß in Canada. Montreal, 15. April. Der Provinziallandtag von M a n i t o b a hat auf Antrag des Abgeordneten Marcus H y m a n einstimmig ein Amendement zum Gesetz gegen Verleumdung angenommen, durch das jedem Angehörigen einer Rasse oder eines Glaubens, die durch Veröffentlichung und Verbreitung verleumderischer Beschuldigungen angegriffen werden, das Rechteingeräumt wird, Klage gegen die Urheber dieser Angriffe zu erheben. Der Beschluß des Provinziallandtags schafft zum ersten Mal in Canada ein Gesetz zum Schutz gegen antisemitische Propaganda. Sämtliche Zeitungen von Manitoba hatten sich für die Annahme des Gesetzentwurfes, der in nächster Zeit auch den übrigen Provinziallandtagen vorgelegt werden soll, eingesetzt. Um der in letzter Zeit von den Leitern der faschistischen Klubs in Canada mit Hilfe des Rundfunks getriebenen antisemitischen Propaganda entgegenzuwirken, hat die canadische Rundfunkkommission die Einführung der Zensur für private Radiostationen beschlossen. „Die Juden Südafrikas brauchen um ihre Zukunft nicht besorgt zu sein." Kapstadt, 18. April. Am 18. April fand in Gegenwart zahlreicher Festgäste die Grundsteinlegung zur neuen Kapstädter Synagoge statt. Bei der Feier hielt der Justizminister und ehemalige Ministerpräsident von Südafrika, General Smuts, eine Ansprache, in der er u. a. erklärte: „Ich bin fest davon überzeugt, daß der Antisemitismus bei uns nicht erfolgreich sein wird. Solange ich Justizminister sein werde, wird es gleiches Recht für alle geben. Es wird in Südafrika nicht zu Zurücksetzungen und zur Errichtung eines Ghettos kommen. Die südafrikanischen Juden brauchen um ihre Zukunft nicht besorgt zu sein." Zum Schlüsse gab General Smuts seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß die Entwicklung letzten Endes überall zu einer Rehabilitierung der Juden führen werde. Einberufung des Zentralrates