Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1934-04-19 · Heft 16 (19.4.1934) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 16 (19.4.1934)
Date
1934-04-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2450807-2450822--80357-2538183
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 10 Nr. 16 Der. Israelit 19. April 1934 Agency ein Dementi dieser Nachricht. Wir denken aber, daß es kein Unterschied sei, ob die Jewish Agency oder die Jüdische Arbeiterorganisation die Verantwortung trägt, denn die erstere ist für das Tun der letzteren verantwortlich. Wir fragen: Sind die jüdischen Hafenarbeiter in Haifa am Sabbat von der Arbeit befreit oder nicht? Wir fragen: Was' haben die Jewish Agency und die sonst stets so aktive Jüdische Arbeiterorganisation bis heute dagegen unternommen, daß in der großen Zementfabrik „Nescher" in Haifa am Sabbat gearbeitet wird? Brief aus Erez Jisroel. T e 1 A w i w , 10 April. Ja, wenn . . . wenn das Beth Jak o w -Schulwerk einige Jahrzehnte früher gegründet worden wäre, dann wäre heute auch der neue Jischuw in Erez Israel religiös tiefer fundiert. In der osteuropäischen Judenheit war seit langem die weibliche Erziehung zu leicht genommen worden. Es hieß im allgemeinen: „Die Tochter lernt die Praxis der zukünftigen jüdischen Ehefrau von der Mutter, wie diese sie von ihrer Mutter gelernt hatte. Die theoretische jüdische Erziehung ist für ein Mädchen belanglos," Die osteuropäische Jüdin hat nun aber den weiblichen Hauptteil des neuen Jischuw gestellt, seine Männer beeinflußt, seine Jugend erzogen, — und ihre theoretische Unwissenheit im Judentum hat sie den neuen Lebensverhältnissen gegenüber nicht standhalten lassen. Unter diesem Gesichtspunkte muß es warm begrüßt werden, daß das bisher hauptsächlich in Osteuropa tätige Beth Jakow-Schulwerk sein Wirken nun endlich nach Erez Israel selber ausgedehnt hat, um so auch hier künftige jüdische Ehefrauen und Mütter zu erziehen, die das Judentum, wie es in unserer heiligen Tauroh niedergelegt ist, kennen und lieben. Sarah Schenirer hat vor 13 Jahren in Krakau mit der ersten Beth Jakow-Schule den Grundstein zu der heute zehntausende Mädchen erziehenden Organisation gelegt. Ihren Aufruf „Die Aufgabe einer jüdischen Tochter" hat jüngst Meier Scharanski, der Sekretär der Beth Jakow-Schule in Tel Awiw, in hebräischer, jüdischer und deutscher Sprache als Broschüre in großer Auflage erscheinen lassen. Der Jischuw in Erez Israel, soweit er religiös interessiert ist, soll auf diese Weise mit der Bedeutung des Beth Jakow-Schulwerks bekantgemacht und auch zu einer finanziellen Förderung des für das orthodoxe Judentum so überaus wichtigen Schulwerks angeregt werden. Denn was nützen die edelsten Absichten, wenn der Mangel an finanziellen Mitteln auf Schritt und Tritt kommt? Die Broschüre veranlaßte den Schreiber dieser Zeilen, die vor einem halben Jahre in Tel Awiw errichtete Beth Jakow-Schule zu besuchen. Sie bestand bisher aus drei Klassen, wird aber mit Beginn des neuen Schuljahres ein besonderes und geräumiges Gebäude beziehen und soll dann auch in der Zahl der Schülerinnen eine entsprechende Ausdehnung nehmen. Die sauber gekleideten, freundlichen Kinder machten schon einen empfehlenden Eindruck für den Geist der Schule. Der Unterricht schloß sich harmonisch diesem Bilde an. Hier lernen Mädchen den Glanz der Tauroh kennen, hier erwacht in ihnen das Streben, sich mit den Edelsteinen der Tauroh zu schmücken; hier wird auch im Lichte der Tauroh das sogenannte elementare Wissen erworben und so ein ruhiges, überlegtes jüdisches Verhältnis zum Leben und seinen Gefahren gewonnen. Chaos herrscht in der Menschheit. Der Geist G'ttes schwebt über ihr, — doch sie sieht nicht G'ttes Licht, das erst all ihrem Tun Form und Gestalt, Sinn und Zweck gibt. G'ttes Licht ist Seine Tauroh; es in Seinem Lande zu entzünden, daß die Juden aller Länder von seinem Leuchten angezogen, aber daß auch die Völker aufmerksam werden, — welch' wunderbare Aufgabe! Einst geschah die Erlösung aus Mizrajims Knechtschaft um der Verdienste der Frauen willen. Möge das Beth Jakow-Schulwerk die große Mizwoh meistern, daß wieder um der Frauen Willen die Erlösung komme! Größtes geschichtliches Geschehen vollzieht sich in der Gegenwart. Mit starker Macht hat G'tt wieder in die Speichen der Geschichte eingegriffen. Nie Gewesenes, nie auch nur Geahntes ist Ereignis geworden, damit Israel wieder G'ttes Volk werde. Die untergehen wollten in den Völkern, sie werden, indem die Völker sich gegen dieses Wollen heute wenden, zur Erkenntnis ihrer Berufung gezwungen. Millionen Juden, die noch vor wenigen Jahren an Erez Israel nicht einmal denken wollten, da ihr Geburtsland ihnen ein Erez Israel sein sollte, begreifen und erhoffen heute Erez Israel als das Land der Erlösung aus Galuth-Bedrückung und -Pein. In Erez Israel aber entzündet sich neues Licht. Eine landwirtschaftliche Siedlung orthodoxer junger Leute, Gründung von dörflichen Zellen orthodoxer Familien, in den Städten neue orthodoxe Familien, mit neuen Minjanim und Schulen. Bescheiden ist heute dieses neue Licht, bescheiden wie das Licht am ersten Tage Chanukah, — doch gibt es Hoffnung zum Wachsen und Wachsen bis zum Lichtmeer des achten Tages. Diese neuen Familien haben zu der Tauroh auch den Derech-Erez mitgebracht. Im Galuth ging bei ihnen meist der Derech-Erez der Tauroh voran, und bei vielen von ihnen herrschte der Geist des Kenaani, des Krämers, im Hause des Herrn, an diesem Zwiespalt erwuchs die Tragödie. Daß in Ere2 Israel die Tauroh bestimmend sei und den Derech-Erez läutere, entscheidet für die Erlösung. Um wieviel günstiger als draußen ist in Erez Israel die Situation für diese Devise! Ein Spaziergang vor und am Pessach durch Tel Awiw überzeugt schon, daß doch noch viel Jüdisches selbst in den zahlreichen unreligiösen Elementen der Stadt pulsiert. Im ganzen Weichbild herrscht der Geist des Pessach. In den Tagen vor dem Feste wird in allen Häusern alles auf den Kopf gestellt und gesäubert. Wo Lebensmittel feilgeboten werden, erscheinen die Hechscherim-Plakate des Rabbinats. Am Chaul-hamaued arbeitet die halbe Stadt nicht und Jomtow-Atmosphäre erfüllt sie selbst an diesen Tagen. Wahrlich, wir Juden sind das Volk G'ttes, doch brauchen wir Führer, die G'ttesmänner sind. Saly Geis, Tel Awiw. 2 Chile. Zur Frage der Einwanderung deutscher Juden nach Chile. Santiago de Chile, 8. April. Der Außenminister von Chile gibt amtlich den Wortlaut einer Erklärung bekannt, die er als Antwort auf Bitten, die Einwanderung deutscher Juden nach Chile zu erleichtern, abgegeben hat. Die Erklärung lautet: „Die Regierung steht den verschiedenen an sie gelangten Gesuchen betreffend die Einwanderung deutscher Juden nach Chile mit großer Sympathie gegenüber. Die Regierung wartet Informationen und die Beantwortung von Anfragen zwecks Herausgabe eines detaillierten Communiques zu diesem Gegenstand ab. Von Spanien hat die Regierung das Ersuchen um Einwanderungserlaubnis für 2000 deutsche Juden erhalten. Obwohl die chilenische Regierung in Einwanderungsfragen keinen Unterschied zwischen Juden und Nichtjuden macht, hält sie doch eine Einwanderung solchen Ausmaßes mit Rücksicht auf die starke Arbeitslosigkeit im Lahde nicht für wünschenswert. Die gegenwärtig in Chile lebenden 12.000 Juden stellen ein arbeitsames Bevölkerungselement dar, das sich den Landesverhältnissen gut angepaßt hat." (ITA) Kanada. Kein antisemitischer Bürgermeister! Montreal, 10. April. Bei der am 9. April stattgefundenen Wahl des Bürgermeisters von Montreal wurde Camillien H o u d e mit 90.000 Stimmen gewählt. Sein Gegenkandidat Saluste L a v e r y , der die Wahlkampagne auf antisemitischer Basis unter Verwendung von uniformierten Sturmabteilungen durchgeführt hatte, konnte nur 2000 Stimmen auf sich vereinigen. Von den drei als Stadtratskandidaten aufgestellten Juden wurden zwei, Josef Schubert und Max Seigier, gewählt. Personalien. Einführung des orthodoxen Rabbiners. Kopenhagen, 17. April. Gestern fand die feierliche Amtseinführung unseres Rabbiners, Herrn Wolf S. -Jacobson, statt, der schon über die Feiertage bei uns geweilt hatte und in einer außerordentlichen Generalversammlung unserer Machsike Hadaß am 25. Nissan einstimmig zum Nachfolger unseres unvergeßlichen Rabbiners Dr. Winkler gewählt worden war. Festliche Gesänge unseres Synagogenchors wechselten mit den Soli unseres Kantors, Herrn Kupferstick, ab. Nach Vortrag des Minchagebetes richtete der Senior der Gemeinde, Herr S. Philipp, herzliche Worte der Begrüßung an die Anwesenden, unter denen man neben den vollständig erschienenen Mitgliedern der Machsike Hadaß auch zahlreiche Freunde aus dem Kreise der Jüdischen Gemeinde bemerkte. Herr R. S. Knöpfelmacher richtete alsdann namens des Vorstandes der Machsike Hadaß in ausführlicher Rede herzliche Worte des Willkommens an den neuen Rabbiner, der in Kopenhagen das Erbe eines großen Mannes übernimmt, der aber , gewiß sein könne, daß niemand mehr als Dr. Winkler sich freue, daß ein Mann seines Schlages, ein Mann, der seit vielen, vielen Jahren mit Herrn Dr. Winkler durch die Klallarbeit verbunden war, seine Nachfolge antrete. Seiner Einführungsrede legte unser Rabbiner das Wort Akabjas zugrunde: „Wisse, woher Du kommst, wisse, wohin Du gehst," das er in vielfacher Weise abwandelte, um aus eigenem Schicksal, aus der Geschichte der Machsike Hadaß, aus der Geschichte des jüdischen Volkes und seiner Führer den Weg für seine zukünftige Arbeit zu suchen und zu finden. Im Namen Dr. Winklers sieht er seine Aufgabe angedeutet: "bv bso^a den großen jüdischen Frieden, der keinebillige Phrase ist, mit dem man es allen und jedem recht macht, den Frieden, der das „Bündnis G'ttes" ist, ihn gilt es in dieser Zeit zu sichern. Es gilt in dieser Zeit der G'ttentfremdung, die Sehnsucht und das Verlangen nach G'tt zu wecken — >X3'a — und so Vollendung zu erstreben,' "bv- Ihren Abschluß fand die synagogale Feier durch das ansrn-Gebet. Alsdann fand im Hause des Vorsitzenden der Machsike Hadaß, Herrn Abraham Samson, ein Festbankett statt, zu welchem die b&~\W mi3K ,*T'5?S geladen hatten und an welchem neben den angesehensten Mitgliedern der Machsike Hadaß fast die ganze agudistische Jugend Kopenhagens teilnahm. Für die leiblichen Genüsse hatten die bewährten Mitglieder der Mädchengruppe gesorgt; die geistigen Genüsse bestanden in zahlreichen gesanglichen und rednerischen Darbietungen, von denen insbesondere die unseres Herrn Abraham Samson hervorgehoben werden soll, der vom ersten Tage an der treueste Hüter des Machsike Hadaß-Gedankens ist, und die feurige, von agudistischer Begeisterung durchglühte Rede des Herrn Rabbiner Dr. W o h 1 s t e i n aus Malmö, der, wie er sich ausdrückte, als Agudist, als treuer Mitstreiter, zu diesem Fest der Aguda gekommen war. Er forderte die Anwesenden auf, die Vor- und Anwürfe gegen Agudas Jisroel, die man in Skandinavien in letzter Zelt wieder besonders kämpferisch gegen, sie erhoben habe, durch eine zielbewußte Arbeit zu entkräften, er, Redner selber, stehe dem jüngeren Kopenhagener Kollegen jederzeit zur Mitarbeit bereit, wenn es gilt, die Fahne der A. J., das ist die Fahne der Wahrheit, zu entrollen. Für die Jugend sprachen u. a. eindringlich und überzeugend Markus S c h a - 1 i m t z e k und Julius Samson. Zwischendurch verlas unser Tischmarschall, Herr Josef Kahn, der seines Amtes in gewohnter Routine waltete, die Briefe und Telegramme, die von den großen agudistischeri Führern in Ost und West eingegangen waren und die die nun verstärkte Verbundenheit unseres Kreises mit der Weltorthodoxie zum Ausdruck brachte. Vor dem Benschen erwiderte unser Rabbiner auf alle ihn ebenso ehrenden wie verpflichtenden Ansprachen: Das Ideal' der A. J. in die Herzen zu pflanzen, sei ihm seit der Kindheit Tagen Lebensaufgabe gewesen. Diesem Ideal hoffe er nun auch in Skandinavien dienen zu können, um dort aller Welt zu zeigen, daß nicht gehässige Zeitungsschreiber den Sinn der A. J. bestimmen, sondern G'ttes Gesetz und reine, untadelige Träger dieses Gesetzes. Längst nach Mitternacht trennte man sich. Hoffen wir, daß aus diesem Doppelfest in Synagoge und Haus ein starkes jüdisches Leben für unsern orthodoxen Kreis hier in Kopenhagen und darüber hinaus erblühen möge. J. K., Kopenhagen. Familien-Nachrichten. Geburten; Ein Sohn, Lehrer M, Opoljon und Frau Johanna geb. Mehrl, Biblis, Engg. 3.?":>• Barmizwoh: Perez, Sohn von Dr. Isaak Posen, Haag (Holland), Adelheidstraat 156. a->wip m» -nnx- Verlobte: Rosi Hamburger, Alzenau (Ufr.), mit Lothar Frank, Laudenbach b. Karlstadt a. M. Silberne Hochzeit: Julius Freudenberger u. Frau, Fany geb. Jorol, Veitshöchheim, Lag-beomer 3. Mai. — Zugleich 30. Geschäftsjubiläum als Schneidermeister.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.