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Der Israelit · 1934-04-19 · Heft 16 (19.4.1934) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 16 (19.4.1934)
Date
1934-04-19
Page
– (sequence 9)
Language
German
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England. Hilfsarbeit in England für jüdische Aerzte und Zahnärzte aus Deutschland. London, 10. April. Der Hilfsverband jüdischer Aerzte und Zahnärzte hat soeben seinen Jahresbericht veröffentlicht, der der am 15. April stattfindenden Generalversammlung vorgelegt werden soll. In dem Bericht wird mitgeteilt, daß die Zahl der medizinischen Berufen angehörenden jüdischen Auswanderer aus Deutschland, die sich gegenwärtig in England aufhalten, 180—200 beträgt. Es sei damit zu rechnen, daß diese Zahl stabil bleiben wird, da jetzt nur noch sehr wenige jüdische Aerzte nach England kommen, um sich dort um die Zulassung zur Ausübung der Praxis zu bewerben. Der Hilfsverband hat die Unterbringung des größten Teils dieser Auswanderer in medizinischen Fakultäten zahlreicher Universitäten Großbritanniens und Irlands ermöglicht. Davon abgesehen, wurden in hunderten anderer Fälle brieflich Ratschläge erteilt. Der Verbandsvorstand beschäftigt sich derzeit intensiv mit dem Problem der beruflichen Unterbringung dieser Auswanderer nach erlangter Qualifikation. Anfrage im Englischen Unterhaus über das Frauenwahlrecht in Palästina. London, 13. April. Im Unterhaus richtete der Abgeordnete R h y s - Davis an den Minister für die Kolonien die Frage, ob es ihm bekannt sei, daß durch eine kürzlich in Palästina erlassene Verordnung alle Frauen mit Ausnahme der Einwohnerinnen von Tel Awiw des Wahlrechts bei Gemeindewahlen beraubt wurden, ob der Minister seine Zustimmung zu dieser Verordnung gegeben habe und ob er die Lage zwecks Wiederaufhebung der Verordnung überprüfen wolle. Sir Philip Cunliffe-Lister antwortete: Es trifft nicht zu, daß Frauen im allgemeinen bei Gemeindewahlen in Palästina das Wahlrecht besaßen. Die am 12. Januar Gesetz gewordene palästinensische Gemeindeordnung sieht mit Ausnahme von Tel Awiw nur Männerwahlrecht vor, bietet aber gleichzeitig die Möglichkeit, Aenderungen der Bestimmungen über das aktive Wahlrecht, darunter auch die Einführung des Frauenwahlrechtes, vorzunehmen, falls ein dahingehender Beschluß von dem betreffenden Gemeinderat mit Zweidrittel-Mehrheit angenommen wird. Abg. Rhys-Davis fragte weiter, ob es dem Minister nicht bekannt sei, daß die Erzielung einer Zweidrittel-Mehrheit in einigen Stadtgemeinden von vornherein ausgeschlossen ist, und ob er es nicht als anormal betrachte, daß Frauen in einer Stadt des Landes das Wahlrecht besitzen sollen, außerhalb dieser Stadt jedoch nicht. Sir Philip Cunliffe-Lister erwiderte, er verstehe nicht, inwiefern hier eine Anormalität gesehen werden könne. Es wäre völlig lächerlich, mohammedanischen Distrikten das Frauenwahlrecht aufzuzwingen, während seine Zulassung in der jüdischen Stadt Tel Awiw durchaus am Platze esi. (Auch hier bedeutet das Frauenwahlrecht einen Zwang zur Verletzung des Religionsgesetzes durch die kommunale Verfassung. Red.) „Tag der deutschen Judenheit" in London. London, 16. April. Im Rahmen der von der englischen Judenheit beschlossenen zweiten großen Sammelaktion zu Gunsten des Hilfswerks für deutsche Juden wurde am 15. April in London ein „Tag der deutschen Judenheit" veranstaltet, an dem jüdische Führer aller Richtungen in sämtlichen Synagogen Ansprachen hielten und auf die Notwendigkeit, das Hilfswerk innerhalb und außerhalb Deutschlands fortzusetzen, hinwiesen. Konvention über den internationalen Status der Staatenlosen von fünf Staaten unterzeichnet. London, 16. April. In der am 16. April nachmittags abgehaltenen Sitzung des Unterhauses wiederholte Abg. Geoffrey M a n d e r die in der vorigen Woche vom Abg. Graham White an den Außenminister gerichtete Anfrage über die letzten vorliegenden Nachrichten betreffend die Konvention über den internationalen Status der durch Auswanderung staatenlos Gewordenen. In Beantwortung dieser Anfrage erklärte Außenminister Sir John Simon, die Konvention sei bisher von Belgien, Frankreich, Aegypten, Ungarn und Norwegen unterzeichnet worden. Die Unterzeichnung sei jedoch seitens aller dieser Staaten unter zahlreichen Vorbehalten erfolgt und keiner von ihnen habe bisher die Konvention ratifiziert; sie sei demnach nicht in Kraft getreten. (Siehe Wochenrundschau.) Polen. Neue Schwierigkeiten für Palästina-Einwanderer. Warschau, 13. April. Die Palästina-Regierung hat das britische Konsulat in Warschau angewiesen, entgegen dem bisherigen Vorgang von Personen, die innerhalb der Kapitalisten- Kategorie nach Palästina einwandern wollen, schon bei der Einbringung des Gesuches die Hinterlegung des notwendigen Mindestkapitals von tausend Pfund bei einer palästinensischen Bank zu verlangen. Bisher wurde der Nachweis des erforderlichen Mindestkapilals erst nach grundsätzlicher Genehmigung des Gesuches verlangt. Der neue Vorgang stellt eine wesentliche Erschwerung der Einwanderung von Kleinkapitalisten aus Polen nach Palästina dar, da die Betreffenden genötigt sind, ihre Unternehmungen zu liquidieren, bevor die oft Wochen und Monate sich hinausziehende Erledigung ihres Gesuches erfolgt ist. Auch wenn dieses günstig beschieden wird, erleiden sie einen großen Verlust dadurch, daß es ihnen in der Wartezeit nicht möglich ist, ihren Lebensunterhalt aus dem bisherigen Unternehmen zu ziehen. (ITA.)1 Palästina. Für den inneren Frieden in Palästina. Jerusalem, 9. April. Im Anschluß an einen auf einer Keren Hajessod- Versammlung erstatteten Bericht über die Aktion zur Ansiedlung deutscher Juden in Palästina richtete Dr. Chaim Weizmann an die palästinensische Judenheit den Appell, den inneren Zwist zu überwinden. Dr. Weizmann erklärte, er könne übersehen, welche außerordentliche Bedeutung die Außenwelt dem jüdischen Werk in Palästina beilegt. Um so mehr müsse er es bedauern, daß englische Polizisten zwischen Juden und Juden in Palästina treten müssen, um brudermörderischen Streit zu verbieten. Die künftige Beurteilung der Juden werde nicht davon ausgehen, was sie in London, Paris oder Newyork erreicht haben, sondern davon, was sie in Palästina leisten. Wenn man es soweit kommen lassen werde, daß die Juden in Palästina untereinander Blut vergießen, dann werde die Welt sagen: Jahrtausendelang habt ihr gegen uns Klage geführt, daß wir euch Juden keine Chance gegeben haben; und nun, da wir euch eine solche gaben, zerstört ihr sie selbst. Wenn ein Volk, fuhr Weizmann fort, nicht den Sinn dafür hat, die einigenden Grundlagen zu finden, auf denen es sein schöpferisches Volkstum aufbauen kann, dann hat es nicht das elementare Recht, ein solches Ziel anzustreben. Auf solche Art kann nicht einmal eine kleine Gemeinschaft, geschweige denn eine Nation aufgebaut werden. In einer Zeit, da überall Angriffe gegen das jüdische Volk gerichtet werden ,würde die Aufrechterhaltung des inneren Kampfes in Palästina Selbstmord bedeuten. Als einer, der in schwerer Zeit Schulter an Schulter mit der palästinensischen Judenheit gekämpft habe, richte er an sie den dringenden Appell, Gemeinschaftsfrieden und harmonisches Zusammenleben zu wahren. Probleme der neuen jüdischen Bevölkerung Palästinas. Jerusalem, 9, April. Wie aus soeben veröffentlichten amtlichen Statistiken hervorgeht, ist der Anteil der jüdischen Bevölkerung Palästinas an der Gesamtbevölkerung im Laufe des Jahres 1933 auf volle 22 Proz. gestiegen. Ungeachtet der Hindernisse, die die Palästinaregierung der jüdischen Einwanderung bereitet, wurden i. J. 1933 30,327 jüdische Neu-Einwanderer registriert. Die jüdische Bevölkerung Palästinas zählt jetzt 245.000 Seelen. Ueber 15.000 jüdische Neu-Einwanderer haben im Verlauf des letzten Jahres Arbeit auf verschiedenen Gebieten gefunden. In industrielle Betriebe wurden 4000 Arbeiter neu eingereiht. Ebensoviele haben bei Bauarbeiten Beschäftigung gefunden, gegen 3000 Arbeiter hat die Landwirtschaft aufgenommen. Die übrigen Einwanderer haben als Beamte und Angestellte Beschäftigung gefunden. Die durch die Einwanderung deutscher Juden bedingte außerordentliche Vermehrung der Zahl jüdischer Aerzte in Palästina beschäftigt in hohem Maße die Exekutive der Jewish Agency und den gesamten Jischuw. Nach offiziellen Schätzungen hat sich die Zahl der jüdischen Aerzte in Palästina im Laufe des letzten Jahres mehr als verdoppelt. Es wird angenommen, daß sie von 450 auf über 950 gestiegen ist. Die neu hinzugekommenen Aerzte stammen durchweg aus Deutschland. Ihre Lage ist insbesondere infolge des Umstandes schwierig, daß die Mehrzahl von ihnen die hebräische und englische Sprache nicht beherrscht. Andererseits bilden sie eine scharfe Konkurrenz für die schon seit vielen Jahren im Lande ansässigen jüdischen Aerzte. Es wurde deshalb jetzt vom Gesundheitsausschuß, vom Gesundheitsdepartement der Jewish Agency und vom Aerzteverband eine gemeinsame Kommission eingesetzt, die die Frage der Existenzsicherung der einzelnen Aerzte prüfen und sich mit der evtl. Berufsumschichtung derjenigen Aerzte befassen soll, die in ihrem jetzigen Beruf nicht verbleiben können. Wechsel in der Leitung des palästinensischen Einwanderungsamtes. Jerusalem, 13. April. Wie die ITA. erfährt, soll die Ernennung des stellvertretenden Chefsekretärs der Palästina-Regierung Eric Mills zum Leiter des Einwanderungs- Amtes an Stelle des bisherigen Einwanderungs- Direktors Hyamson noch im Laufe der nächsten Woche öffentlich bekannt gegeben werden. Anfang Mai soll dann der neue Leiter der Immigrationsabteilung sein Amt antreten. 40.000 jüdische Schulkinder in Palästina. Jerusalem, 8. April. Aus Anlaß von Presseberichten, daß rund 800 jü- ' dische Kinder in Palästina christliche Missionsschulen besuchen, stellt das Schuldepartement des Waad Leumi fest, daß in dem unter seiner Aufsicht stehenden hebräischen Schulnetz 27 653 jüdische Kinder erzogen werden. Im letzten Schuljahr stieg die Zahl der Schulkinder in diesem Schulnetz um 3741. In anderen jüdischen Schulen Palästinas werden etwa 11.000 Kinder erzogen. Insgesamt besuchen annähernd 40.000jüdische Kinder, etwa ein Sechstel des Jischuw, jüdische Schulen. 1500 Erntehilfsarbeiter in den jüdischen Orangenplantagen Palästinas. Tel Awiw, 8. April. Etwa 1500 Erntehilfsarbeiter wurden bisher in den Städten und Kolonien zur Bergung der Ernte in den jüdischen Orangenplantagen und zur Ausführung anderer dringender landwirtschaftlicher Arbeiten, die bisher wegen des schweren Arbeitermangels vernachlässigt bleiben mußten, angeworben. Diese Hilfsarbeiter haben zum größten Teil besser bezahlte Stellungen im Baugewerbe aufgegeben, um die Pflanzer vor dem drohenden Verlust eines Teils der diesjährigen Ernte zu bewahren. Viele Schüler sind freiwillige Erntehelfer geworden und haben Zeltlager bei den Orangenpflanzungen errichtet. In den Arbeitsgruppen sind Mädchen in erheblicher Zahl vertreten. Das Abströmen der Arbeiter zu den Erntearbeiten hat andererseits die Bautätigkeit in Tel Awiw fast völlig zum Stillstand gebracht, obwohl die dringende Nachfrage nach Wohnungen und Geschäftslokalen fortbesteht. Man hofft, daß die Regierung bei der Bemessung der nächsten Einwanderungsquote diesem schweren Arbeitermangel Rechnung tragen wird. Auch ein Dementi. Tel Awiw, 8. April. Der „Israelit" brachte die Nachricht, daß die ca. 200 jüdischen Hafenarbeiter aus Saloniki, die durch die Jewish Agency für Haifa angeworben wurden, am Sabbat arbeiten müssen. Die religiöse Monatsschrift „Hahed" in Jerusalem bringt nun seitens der Jewish

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