Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 16 (19.4.1934)
- Date
- 1934-04-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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-< 19, April 1934 _ ________________ allen Zeiten und Situationen zu helfen, .zu heilen, zu trösten, nun stehen wir wieder vor ihm in bewundernder Verehrung und wissen es und bekennen es, in Dank und in schuldiger Ehrfurcht: „Unser Lehrer! Du hast uns gelehrt den Pfad des Lebens!" Weil Du nur die Güte wolltest, darum fandest Du den Weg der Güte, die Lehre der Güte, den G'tt der Güte! Nathan Birnbaum und Meier Hildesheimer! Das orthodoxe Judentum ist stolz und glücklich, daß unsere Zeit der Wirrung und der Not in Euch Lehrer zur Wahrheit und zur Güte grüßen und verehren darf! In der Freundschaft, die die beiden verehrten Männer selber Der 1 s 1 i t miteinander verbindet, beglückwünschen sie heute weite Kreise der Judenheit. Mögen sie nmaan in der doppelten Kraft, die ihnen aus ihrem Menschentum und aus ihrem Judentum strömt, auch das nächste Jahrzehnt uns Führer und Vorbilder sein, und weiter uns voranleben die Lehre von der Wahrheit, die Lehre von der Güte HNO "7 mv? onipsn (indem wir den verehrten Jubilaren die aufrichtigen Segenswünsche der Schriftleitung zum Ausdruck bringen, bemerken wir, daß eine weitere Würdigung Nathan Birnbaums aus der Feder Dr. Maximilian Landaus in nächster Nummer erscheint. Red.). Mlsraclii und Aguda. Von Rabbiner M. A. Amiel in Antwerpen. In einer längeren hebräischen Zuschrift versucht der bekannte Misrachiführer, Rabbiner Amiel in Antwerpen, zur Klärung des Verhältnisses zwischen Misrachi und Aguda, eine Zusammenstellung aller Momente, die nach Wesen, Entstehung und Entwicklung die beiden Organisationen auseinander geführt haben und seiner Meinung nach heute bis zu einem gewissen Punkte zusammenführen müßten. Das Wesentliche aus dem umfangreichen Schreiben sei hier wiedergegeben: ., ' In der Hauptsache ist die Differenz zwischen Misrachi und Aguda durch den Ort ihrer Entstehung zu erklären. Misrachi kam vor 32 Jahren in L i d a in Litauen auf Anregung des Gaon Rabbi Reines zur Welt, die Aguda aber, effektiv jünger, aber in der Idee viel älter als Misrachi, dankt letzten Endes ihre Ideologie und ihre geistigen Inhalte Rabbiner Samson Raphael Hirsch y-*&\> in Frankfurt a. M., der ihr vor achtzig Jahren ungefähr die. Linien gezogen hat. Vor 22 Jahren gab es in Lida und den anderen Städten Litauens bis Wilna kein Bedürfnis nach einer neuen Organisation des orthodoxen Judentums als Selbstzweck; die alte Organisation seit der Gesetzgebung am Sinai war noch in voller Kraft. Gewiß gab es hie und da auch Gesetzesübeilreter, aber nur als wenige Ausnahmen, die die Regel bestätigten. Demgegenüber war das Bedürfnis heiß und stark nach neuem Lebensraume, den man im russischen Litauen nicht hatte, also nach der Heimat in Erez Israel. Die Liebe zu Zion war viel älter als der Zionismus.. War aber einmal der politische Zionismus als Organisation da und fing an, alle Herzen zu erobern, so verspürte Rabbiner Reines das Bedürfnis und erachtete es als Gebot der Stunde, die Gesetzestreuen innerhalb des Zionismus in einer besonderen Fraktion zu sammeln. Anders war die Lage in Deutschland. Schon vor hundert Jahren bildeten dort die Gesetzestreuen je nach der Gegend eine ansehnliche oder verschwindende Minoiität, Die Freigesinnten waren die Regel und die Frommen die wenigen Ausnahmen, Diese aber mußten es als Lebensnoiwendigkeit empfinden, sich zu organisieren, wollten sie nicht im Strudel der Zeit ganz untergehen. WäS aber den Raum betrifft, so sahen die Gesetzesireuen wie die Liberalen die Heimat im deutschen Vaterlande, WO sie sich als volle Bürger fühlten. Erez Israel war das heilige Land, dessen fromme Wächter Unterstützung verdienten und erhielten. Mit weltlichem' tätigen Leben hatte diese Erez Israel-Liebe im Westen nichts zu tun. Die Zeiien ändern sich und wir mit ihnen. Lida ist heute so wenig Lida, wie Frankfurt noch das Frankfurt von damals ist. Auch in Litauen bilden die Freigesinnten längst nicht mehr die Ausnahme, sondern sie stellen ein starkes Kontingent, so daß die Gesetzestreuen zur bedeutungslosen Minderheit herabsinken, wenn sie sich nicht zusammenschließen. Auf der anderen Seite weiß man heute auch in Deutschland, daß die wahre Heimat des jüdischen Volkes nicht in Europa, sondern in Erez Israel liegt, daß das heilige Land nicht mehr wie früher nur Ziel der letzten Sehnsucht ist, sondern auch ein brennendes Gegenwartsinteresse für uns hat. Nun empfindet man da wie dort, wie eng beide Momente zusammenhängen. Die- Nr. 16 Seite 5 jenigen, die bisher den Schwerpunkt auf die Organisierung des gesetzestreuen Weltjudentums legten, wissen, daß dieses ohne Aufbau Palästinas im Geiste der Thora, — Aufbau wortwörtlich, — nicht gelingen kann. Die andere Seite aber weiß, daß alle Aufbauarbeit in Erez Israel unnütz wäre, gelänge es nicht, das gesetzestreue Weltjudentum in all seinen Teilen zusammenzufassen. Man sieht heute auf beiden Seiten ein, daß man da wie dort b i s h e u t e das Problem nur zur einen Hälfte erfaßt hatte und die andere Hälfte zur Ergänzung braucht. Was heute noch zwischen Misrachi und Aguda trennend steht, das ist nicht prinzipielle Auffassung, sondern lediglich die Frage der Form, die Frage der Zugehörigkeit zur zionistischen Organisation. Allein die Organisation selbst ist ja nur Form, sie ist für den Zionismus da und nicht umgekehrt. Formen sind aber wandelbar. Sieht man aber genauer hin, so ist auch die Annäherung beider Richtungen in Sachen der Foi-m nicht zu verkennen. Denn Misrachi entfernt sich notwendig immer mehr von jenem Punkte, der ihn der Organisation so nahe brachte, während die Aguda sich immer mehr jenem Punkte nähert, der sie früher vom Zionismus fernhielt: der Palästinaarbeit. So müßten sich Misrachi und Aguda auf halbem Wege treffen. Ist Misrachi einmal zur Erkenntnis gekommen, daß auch sein Bestand von tiner straffen Welt- Organisation der Charedim bedingt ist, so wird er sich fernerhin nicht mehr nur als Anhängsel der zionistischen Organisation empfinden können, einer Organisation, die eine Kluft zwischen Thora und Israel entstehen läßt und ge^eri den Grund^ satz verstößt: „Israel, Thora und G'tt sind eine Einheit!" Misrachi wird fernerhin unmöglich sich dazu hergeben können, nur eine Vorhalle zu sein, durch die fromme Menschen in den Zionismus eintreten, Misrachi wird einsehen müssen, daß das gesetzestreue Welt judentum ein Lebensrechi für sich hat und sich nicht mit einem bescheidenen Eckchen innerhalb einer anderen Partei begnügen kann. Soweit Misrachi. Und auf der anderen Seite muß die Aguda, wenn sie palästinensisch eingestellt ist, doch nach einem Verhältnis zum Zionismus suchen, denn schließlich gibt es ja nur ein ungeteiltes Erez Israel, und es geht nicht an, daß die verschiedenen Instanzen, die am Aufbau interessiert sind, achtlos aneinander vorübergehen. Der Anfang ist gemacht mit der Verbindung in Sachen der Zertifikatverteilung, notwendig muß sich auch eine Zusammenarbeit in Fragen des Bodenerwerbes, der jüdischen Arbeit wie in! -■■ i ' i?*- * » i'W Die Sidra spricht zu uns . . . "Ui dik bsb ra *rw bs „Verachte keinen Menschen und halte keine Sache für unmöglich, denn es gibt keinen Menschen, der nicht seine Stunde und kein Ding, das nicht seinen Platz hätte", so lehrt der Weisheitsspruch des Perek. Wie Bestätigung und Illustration dieses Erfahrungssatzes mutet die Tageshaftora aus „Könige" II, Kap. 7 an mit ihrer Erzählung von den „vier Aussätzigen am Eingang des Tores", die die Erlösungsbotschaft der Stadt überbrachten. Verpönte, Ausgestoßene waren es, die „hinter der Mauer und außerhalb des Lagers" den Abzug des Feindes zuerst wahrnahmen und die Erlösung den Bewohnern der Stadt brachten, die in der vermeintlichen Umklammerung,, bar aller Nahrungsvorräte, ansonst verhungert wären. „Es gibt keine Menschen, die nicht ihre Stunde hätten . .." Das Kapitel der „Aussätzigen" wird von den Midraschlehrern ins Moralische übertragen, der »msn ist ein sn av S'Sin, ein Verleumder, ein Zwischenträger, der Zwist und Hader säet. Darum muß er eine Zeitlang als Schädling der Gesellschaft runnb pm» aus der Gemeinschaft ausgeschieden werden, wo ihm das Objekt für das gefährliche Treiben fehlt. Die anös die Vögel, die er später als Opfer bringt, erinnern ihn mit ihrem Gezwitscher an all das Böse, das er den Menschen zuflüsterte, das Zederholz an seinen Hochmut und Dünkel usw. . Daran anknüpfend, erteilen uns die Weisen eine dringliche Lektion über Aufrichtigkeit, Friedensliebe und Vermeidung jeder Bösrede, die dem großen, erst vor kurzem heimgegangenen Mussarlehrer „Chofez Chajim" zur Grundlage für sein bekanntes Meisterwerk diente. In diesem Zusammenhange ein Wortspiel aus einer chassidischen Schrift als Seder-Nachklang: osna hat die Initialen: dto rs tiükt??a Erster Grundsatz^: geschlossener Mund. Und mußt du reden, Tan pn>, sage stets nur die Hälfte von dem, was du auf dem Herzen hast. Lehrt doch auch Perek: onai namn!>3V son K'-a» „Viele. Worte führen zur Sünde." iwbn byib pn/r ]'si vnb xVa vmn -\iv dn- „Und beißt die Schlange ohne Zischen — plötzlich —. so hat ihr der Zungenmann nichts voraus." (Koheleth 10, U.j Schlange und Mann der Zunge! Eine Geschichte, niederschmetternd in ihrer Bewertung des gewissenlosen Schwätzers und Verleumders, erzählt Midrasch: Dermaleinst zieht der Weltenrichter auch alle Tiere zur Rechenschaft. Löwe, Bär, Wolf und alle anderen reißenden Bestien können sich einigermaßen verteidigen: sie überfielen und zerfleischten Mensch und Tier, um ihren Hunger zu stillen. „Du aber, Schlange," spricht G'tt, „welchen Vorteil, welchen Genuß hättest du davon, daß du meuchlings Menschen gebissen und getötet hast?" Die Schlange, verlegen um einen Entschuldiguagsgrund, sucht Gefährten im Bösen und weist endlich auf den Verleumder hin, der, gleich ihr ohn-j Not und persönlichen Vorteil, Gift ausstreut und mit der Zunge mordet . . . Darum Koheleth: 'isi ipnan *|W dk» klagt man die Schlange an, daß sie aus purer Bosheit töte, dann spricht sie: ]i*in,> 'pRV ]wbn bvab „Ist etwa der Mann der Zunge anders und besser als ich?" Der j?TiXM. der moralisch Angekränkelte, reinigt sich und kehrt zur Gemeinschaft zurück, geht, nach erlitterei Absonderung, der psychischen Gesundung entgegen. Ist das für einen Ausgestoßenen möglich? Ja, schon mit dem ersten Schritt zur inneren Läuterung, ist er auf dem Wege zum g'ttgeweihten Leben. ib i»j?o» -mvb turv „wer guten Willens den Weg der Reinheit einschlägt, dem wird weiter zum Ziele geholfen." nmno Dl'3f Schon vom ersten Tage an, da er den Reinigungsprozeß beginnt, Kaim, wird er von geheimer Hand weiter und weiter vorwärts gebracht, jnan pnK bis. bis zur Stufe des Hohenpriesters Ahron, dessen Eigenschaften waren: * iman ns aniK '^v cpin 'Y?v ams- Der ein Beispiel der Menschen- und Friedensliebe auch ihm sein wird und als solches ihn von all seinem rr.c!raiischen ■■. au seinen den Frieden störenc!en Defekte« für alle Zeiten heilt. (Goldland „Ophir" entdeckt?) Nachrichten aus Addis Abeba, der Hauptstadt Abessiniens, wollen wissen, daß ein französischer Forscher das aus der Bibel bekannte „Goldland Ophir" entdeckt hat. Der Forscher, Beyronde Prorok, versichert, er habe alle Tempel und Bergwerke aufgefunden, in denen in früheren Zeiten Gold und Smaragde in großer Menge gewonnen worden seien. . »