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Der Israelit · 1934-04-19 · Heft 16 (19.4.1934) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 16 (19.4.1934)
Date
1934-04-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 16 D I 1 i t 19. April 1934 fen. Das Abkommen sieht vor, daß die Zivilrechte der Staatenlosen gesichert werden, daß sie die Gerichte ihrer Wohnländer in Anspruch nehmen können und daß ihnen Sicherungen für berufliche Niederlassung und Arbeitsmöglichkeiten in freien Berufen in der Industrie und im Handel gebot&n werden. Den dauernd in einem Lande ansässigen Staatenlosen sollen Nansen-Pässe ausgefolgt werden, die eine Klausel enthalten, durch die den Paßinhabern Aus- und Wiedereinreise ermöglicht wird. Die vertragschließenden Staaten verpflichten sich, Staatenlose, denen auf ihrem Gebiet Aufenthaltsrecht gewährt wurde, nicht auszuweisen, falls dies nicht aus Gründen der nationalen Sicherheit und der öffentlichen Ordnung notwendig erscheint. Einschränkungen auf Grund von Gesetzen zum Schutz der Inlandsarbeit sollen dauernd ansässigen Staatenlosen gegenüber nicht in voller Strenge gehandhabt werden und für solche Staatenlose, die seit mindestens drei Jahren im Lande ansässig sind oder sich mit einer die Staatsangehörigkeit besitzenden Person verheiratet haben oder im Weltkrieg mitgekämpft haben, automatisch außer Kraft treten. Den Staatenlosen soll Anspruch auf Entschädigung bei Betriebsunfällen, Unterstützung im Fall von Krankkeit oder Siechtum und Zutritt zu Schulen und Universitäten in zumindest demselben Ausmaß gewährt werden wie Ausländern im allgemeinen; der Genuß von Rechten und Begünstigungen, der Ausländern auf Grund von Reziprozitätsverhältnissen zusteht, soll Staatenlosen nicht deshalb entzogen werden, weil hier ein Gegenseitigkeitsverhältnis nicht möglich ist. Das wäre immerhin, wenn auch keine definitive Lösung des Staatenlosenproblems, so doch ein wesentlicher Schritt nach der Richtung der über dem Bürgerrechte stehenden Menschenrechte. Leider mußte aber auf eine Anfrage im englischen Unterhause der Außenminister John Simon mitteilen, daß bis jetzt das Abkommen von keinem einzigen Staat unterzeichnet worden ist. Noch einmal: Aguda und Misrachi. Wir veröffentlichen an anderer Stelle dieser Nummer eine erneute Aeußerung zu dem aktuellen Thema: ,,Aguda und Misrachi", diesmal aus der Feder einer führenden, im letzten Jahr besonders stark hervorgetretenen Persönlichkeit des Misrachi, Rabbiner A m i e 1 in Antwerpen. Rabbiner Amiel hält die Zugehörigkeit des ,.Misrachi" zur zionistischen Organisation für eine bloße Form und leitet aus dieser Auffassung das Recht her, an die Möglichkeit der Herstellung einer engen Waffenbrüderschaft von ,,Agudas „Jisroel" und „Misrachi" zu glauben, nachdem erstere mehr und mehr den zentralen Charakter des Erez Jisroel-Aufbaus für die jüdische Existenz erkenne, letzterer aber die Erfolglosigkeit seiner innerzionistischen Wirksamkeit für eben diese jüdische Gesamtexistenz. Soweit wir unterrichtet sind, wird aber die Grundanschauung Rabbi Amieis von dem bloß formalen Charakter der zionistisch-misrachistischen Organisationsgemeinschaft in führenden agudistischen Kreisen keineswegs geteilt, und wir fürchten sehr, daß auch innerhalb des „Misrachi* eine ziemliche Anzahl maßgebender Köpfe vor handen ist, bei denen das Gefühl der nationalen Zusammengehörigkeit über alle trennenden „religiösen" Gegensätze hin weg viel stärker ist als Rabbi Amiel selbst es wahr haben will. Letzten Endes entscheidet hier die Intensität des in ungebrochener Gläubigkeit wirksamen altjüdischen Hislahawuth für den unbedingten, alles andere bedingenden Geltungsanspruch des G'ttesgesetzes. Da gibt es nun beim Misrachi eine ganze Skala von Persönlichkeitstypen in der Führung, für die Rabbi Amiel schwerlich allein das Wort ergreifen kann. Aber auch in der Leitung der „Agudas Jisroel" wird die Einstellung zu einer nach geistiger Selbständigkeit erst strebenden zionistischen Misrachi-Fraktion gefühlsmäßig recht verschieden sein. Sowohl in Polen als in den ungarischen Nachfolge-Staaten — darüber soll man sich keiner Täuschung hingeben — ist die innere Abneigung gegen alles, was nur an Misrachismus angrenzt, heute noch so stark, daß keine Agudo-Führung es wagen könnte, über diese Empfindungen der Volksseele hinwegzugehen. In Polen kommen die Ressentiments hinzu, die durch die über alle Maßen gehässige Einstellung der Misrachiführer gegen die Orthodoxie in allen Gemeindeangelegenheiten, durch ihre systematische Solidarität mit allen thorafeindlichen Elementen bei den agudistischen Führern erzeugt worden sind, und die nicht von heute auf morgen überwunden werden können. Immerhin — wenn Rabbi Amiel nicht mehr von einem großen Weltkongreß spricht, sondern vi r. einer internen Konferenz misrachistischer und agudistischer Vertreter zur Aussprache über die Lage, so ist dies ein Gedanke, der unsres Erachtens nicht von der Hand zu weisen sein dürfte. Für die „Agudo" kann als Endziel solcher Verhandlungen jedoch immer nur die Bildung einer einheitlichen, von jeder thorafremden Organisation unabhängigen Gemeinschaft aller Charedim unter der einheitlichen Kompetenz der mm ]**T "'S entscheidenden VkIW "^Vft aller Länder in Frage kommen. Gäbe es eine solche Einheitsorganisation, ohne daß daneben eine einzelne Gruppe wie der „Misrachi" organisatorisch anderweitig gebunden wäre, so böte die praktische Verständigung mit Agency und zionistischer Organisation keine Schwierigkeiten mehr. Nur der Bestand einer misrachistischen Fraktion hindert die zionistischen Faktoren, die Orthodoxie als ebenbürtigen, sein Schicksal selber bestimmenden Verhandlungspartner anzusehen. f Von Rabbiner W. S. Jacobson in Kopenhagen. „Monat des Glanzes" heißt dieser Monat Ijar, obgleich sein Glanz umschleiert ist von diesen Tagen der Sefiro, die in der Geschichte unseres Volkes seit den Zeiten Rabbi Akibas immer erfüllt waren von viel Trauer und Leid. Wir geben uns dem Zauber dieses Namens hin, wir fühlen heute seine Berechtigung, wenn wir uns anschicken, zwei Männern zu huldigen, die in diesen Tagen beide das Fest ihres 70. Geburtstages feiern: am 10. Ijar Dr. Nathan Birnbaum und am 11. .Ijar Dr. Meier Hildesheimer. Der ganze Reichtum des gesetzestreuen Judentums wird uns deutlich, wenn wir den Weg und das Wirken, die Leistung und die Bedeutung dieser beiden Männer betrachten, die so verschieden geartet, und dennoch im Ziele so ganz einheitlich sind: das thoratreue Judentum groß und stark, die thoratreue Judenheit allen Anforderungen und Stürmen der Zeit widerstandsfähig zu machen! Dr. Nathan Birnbaum! Die Gestalt des nimmermüden Kämpfers, des Mannes, der mit ungebrochener Kraft fordert, mahnt und warnt, steht vor uns, vor uns das Leben und die Tat eines Mannes, der die Menschen liebt, aber mehr noch als die Menschen die Wahrheit, vor uns die große Persönlichkeit, die uns den Spiegel vorhält, damit wir erkennen, wo wir stehen und was wir sind, vor uns der tiefe Denker, der Meister des Stiles, der Künstler des Wortes, der denkt und schreibt und spricht, nicht, damit der Leser oder Hörer eine angenehme Stunde hat, damit Leser oder Hörer im Werk den Meister loben, der denkt und schreibt und spricht und — blutet, damit die Schlafenden wach werden, daß' die Erschlafften ihre Kräfte straffen und an dem hohen Stolz, der aus seinem Auge strahlt, aus seiner Erscheinung" spricht, sich und ihr Wesen gesund machen und froh zur Tat, „denn es ist Zeit, zu tun!" Von der Thora seiner Ahnen her kehrte Dr. Nathan Birnbaum zurück zur Thora, nachdem er einen weiten und langen Weg durch Europa gegangen war, er ging den Weg „vom Freigeist zum Gläubigen", er rang „um die Ewigkeit" und wandelt nun, mit uns vor uns „im Schatten der Verheißung!" Er ging den Weg, weil der Sinn und die Sendung des „G'ttesvolkes" ihn gepackt hatte: Weil er den Irrwahn und die Wirrungen der Zeit erkannt hatte, wurde er den „Aufsteigenden" ein Führer, und läßt noch heute, nimmermüde, den „Ruf" ertönen, zur Weckung unseres Gewissens, zur Schärfung unserer Sinne, zur Weitung unserer Seele! So steht die Gestalt des großen Führers noch heute im Kampf; so ist Nathan Birnbaum noch heute allen Suchern der sichere Kompaß, so wirkt er eindringlich durch Wort und Schrift und Vorbild, ein Diener der Wahrheit, ein Führer zur Wahrheit! „Da wir Kinder waren", blickten wir zu Nathan Birnbaum in inniger Liebe empor, nun, da wir Männer geworden, da wir wissen, wie schwer es ist, für die Wahrheit zu kämpfen, um ihrer selbst willen und unter Ve; zieht auf den Beifall und die Münze der Masse, nun stehen wir wieder vor ihm in bewundernder Verehrung m-- i wissen es unJ bekennen es, in Dank und in schuldiger Ehrfurcht: „Unser Lehrer! Du hast uns gelehrt den Pfad des Lebens!" Weil Du nur die Wahrheit wolltest, darum fandest du den Weg der Wahrheit, die Lehre der Wahrheit, den G'tt der'Wahrheit! Und Dr. Meier Hildesheimer! In seiner Jugend ausgezeichnet und bewundert wegen seiner mathematischen Begabung, ein Meister der Beredsamkeit und ein Pädagoge von seltenen Qualitäten, ein Mann von höchster Klugheit und verstehender Weisheit, er verzichtete bewußt darauf, alle seine Gaben auszubilden, mit ihnen zu glänzen, er wird dafür zu dem, was vielleicht das Höchste ist: zum Genie des Herzens! Dr. Meier Hildesheimer hat diese Seite im Wesen seines großen Vaters b'"£l so zur Entfaltung gebracht, daß die Frage an die Weltjudenheit — und nicht nur an die gesetzestreue —: „Wer ist der gütigste Mensch, wer der Mann der ständigen, durch keine Enttäuschung enttäuschten Hilfsbereitschaft, wer steht jedem, der Gesamtheit wie dem Einzelnen, den Großen wie den Geringen, immer zu Diensten, wer ist die personifizierte Hilfe?" nur eine Antwort finden wird: Meier Hildesheimer! Wenn von unserm Vater Abraham gesagt wird, daß die in dem doppelten ">3:in-Rui sich bekundende volle Bereitschaft unerreicht ist, so möchten wir glauben, daß darum K*")|?3 ÖH^aK IllT^l]K3^.daß jederzeit ein Mensch dieser Art ein Beispiel sei, — und unserer Zeit ist es Dr. Meier Hildesheimer! Er hilft allen und jedem — in seiner Gemeinde, der Adas Jisroel zu Berlin, in seiner Organisation der Agudas Jisroel! Aber er bleibt nicht dabei stehen: ihm ist das Wort maitan Vy ],j?T,a Tx zu einer heiligen Verpflichtung geworden und so sein Leben ein wahrhafter D<yn TPYTjT' eine rechte Bestätigung der Forderung:!T,t» bv -^Hri» a^w üv Die Sorge um das Berliner Rabbinerseminar lastet auf seiner Schulter — er hat immer Zeit, die Not von unzähligen Menschen ist die seine er ist immer heiter, das Hilfswerk für unsere Brüder in Rußland muß er betreuen — er lädt sich immer neue Arbeit auf, neue Werke der Liebe und Güte! „Da wir Kinder waren", da blickten wir in inniger Liebe zu ihm empor, nun, da wir Männer geworden, da wir wissen, wie schwer es ist, in

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