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Der Israelit · 1934-04-12 · Heft 15 (12.4.1934) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 15 (12.4.1934)
Date
1934-04-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 15 s r a e i i t 12. April 1934 Für die Arbeiterpartei sprach Remez. Er erklärte, seine Partei sei nicht dagegen, daß der Misrachi in die Exekutive eintrete. Sie lehne es aber ab, daß. dieser Eintritt an die Erfüllung religiöser Forderungen gebunden werde. Die Allgemeinen Zionisten forderte er auf, auseinanderzusetzen, warum sie den Kampf des palästinensischen Arbeiterverbandes um Durchsetzung des Grundsatzes jüdischer Arbeit in den Orangenplantagen nicht unterstützen. In Fortsetzung der Debatten verteidigt Chajim W e i z m a n n die Exekutive, was um so mehr auffällt, als Weizmann seit drei Jahren an Beratungen des A. C. wie des Kongresses nicht mehr teilgenommen hatte und auch der Eröffnung der A. C.-Sitzung ferngeblieben war. Im Weiteren erstattete Weizmann einen Bericht über die Aktion zur Ansiedlung deutscher Juden in Palästina. Erfolg könne die Arbeit nur dann haben, wenn die einzelnen zionistischen Gruppen einig bleiben. Gelingt dieses nicht, dann könne die Exekutive nicht die Kraft zur Erfüllung ihrer Mission aufbringen. Ungeahnte Möglichkeiten die sich gerade jetzt eröffnen, würden durch die zerstörenden Elemente innerhalb der Bewegung bedroht. Die Zahl der im letzten Jahre eingewanderten Juden gibt er auf 40.000 an. Bei solchem Einwanderungstempo könnte Palästina in fünf Jahren in die Lage kommen, für seine Bedürfnisse selbst zu sorgen. Er schließt mit einem leidenschaftlichen Appell zur Einigkeit. Ussischkin weist in der Debatte die Schattenseiten der Prosperität in Palästina auf. Die starke Privatinitiative führe zu einer Vernachlässigung der nationalen Arbeit und zu einem Einlenken des nationalen Schwunges und der großen Volksziele in kleinliche Tagessorgen. Entstände daraus in Palästina ein Wirtschaftsghetto wie in der Diaspora, so würden die einzigen Nutznießer dieses Rückganges die Araber sein. Er wünscht eine Regelung des Bodenankaufs durch die Organisation und weist auf die Tatsache hin, daß die 40 000 Menschen, die im letzten Jahre eingewandert sind, den Jüdischen Nationalfond für den Erwerb von nur 16.000 Dunam in Anspruch genommen hätten. Die politische Lage schildert er als katastrophal, und zwar nicht allein mit Rücksicht auf die Einwanderungsbestimmungen, sondern auch hinsichtlich anderer Verordnungen, die in gleichem Maße den aus dem Osten kommenden Arabern die Tore Palästinas öffnen, wie sie sie den Juden verschließen. Er warnte vor einer Verschärfung des Kampfes gegen die Revisionisten, aber auch die Allgemeinen Zionisten und Misrachi müßten Vernunft annehmen. Vor allem mache man die Exekutive nicht für religiöse Verstöße im Lande verantwortlich. Berl Locker, Mitglied der Exekutive, polemisiert gegen Msirachi und die Allgemeinen Zionisten. Misrachi wirft er Sabotage des Keren Hajessod vor. Nachum G o 1 d m a n n nahm wieder einmal sein Lieblingsthema: die Frage des jüdischen Weltkongresses auf. Sein Antrag, das A. C. solle sich mit einem Beschluß für die Einberufung des Weltkongresses einsetzen, wurde von der Versammlung abgelehnt. Er wurde aber einer Kommission zur weiteren Behandlung zugewiesen. Am Dienstag, den 3. April wurden nach der Feiertagspause die Verhandlungen wieder aufgenommen. In einer Nachtsitzung wurden Resolutionen gefaßt, von denen wir die wichtigsten hier wiedergeben: Bei der Verteilung der Einwanderungszertifikate sollen diejenigen bevorzugt werden, die die hebräische Sprache beherrschen und Beiträge für den Keren Hajessod und den jüdischen Nationafond geleistet haben. Die dafür in Betracht kommenden Chaluzim dürfen nicht unter 18 und nicht über 27 Jahre alt sein und müssen eine Hachschara absolviert haben. Kleinhändler erhalten Zertifikate nur dann, wenn sie mindestens 250 Pfund ins Land bringen. Als Verwandte palästinensischer Bürger kommen für die Zertifikate nur die nächsten Anverwandten wie Kinder oder Geschwister in Betracht. Palästinaämter, die die ihnen erteilten Instruktionen nicht beachten, können von der Jewish Agency aufgelöst werden. Zwecks Schuldentilgung und Konsolidierung der Siedlungen wird die Exekutive von der A. C. zur Aufnahme einer Anleihe ermächtigt. Die Woche- Berlin. Infolge der beträchtlichen Abnahme der jüdischen Schülerzahl in den höheren Lehranstalten wird im kommenden Schuljahre der Religionsunterricht in 25 höheren Lehranstalten Berlins i n Fortfall kommen, da es der Gemeinde in Anbetracht ihrer Finanzverhältnisse auch nicht mehr möglich ist, die nötigen Lehrkräfte zu besolden. Düsseldorf. In Kettwig v. d. Brücke wurden auf dem jüdischen Friedhof nächtlicherweise dreißig Grabsteine umgestürzt. Auf die Ergreifung der Täter hat die Jüdische Gemeinde eine größere Belohnung ausgesetzt. Stettin. Hier wurde eine Jüdische Genossenschaftsbank gegründet. Die Herren Waldhehr und Brandt wurden zu Geschäftsführern gewählt. Weimar. Nach einer Verordnung des Thüringischen Innenministeriums werden zur Prüfung für Zahntechniker nur Personen zugelassen, die arischer Abstammung sind. Wien. Hofrat Professor Dr. Hermann Schlesinger, einer der berühmtesten Internisten der Welt, ist im Alter von 68 Jahren gestorben. Paris. Wie für die katholische und evangelische Kirche; so sind hier auch für die jüdische Konfession Rundfunkstunden mit religiösen Vorträgen vorgesehen. Nach Anordnung des Postministers findet die erste religiöse Rundfunkstunde für Juden am 30. April mittags statt. Warschau. Es sind zur Zeit Verhandlungen im Gange, Arbeitsmöglichkeiten für einige jüdische Professoren aus Deutschland an polnischen Hochschulen zu schaffen. — Auf dem Internationalen Mathematikerkongreß in Rom wird Professor S. A. Berliner, ein Jude und berühmter Mathematiker aus Warschau, Polen vertreten. Moskau. Unter der auf einer Eisscholle kampierenden Mannschaft des „Tscheljuskin" befinden sich außer dem umgekommenen jungen Forscher Boris M ogilewitsch noch vier Juden, ein Kinooperateur und drei Wissenschaftler. Prag. Im tschechoslowakischen Abgeordnetenhause fand am Osterfest in Anwesenheit des Präsidenten der Republik, Thomas G. M a s a - r y k, eine Kundgebung für positiven Nationalismus ohne und degen Rassenhaß statt. London. Die Londoner Federation of Jewish Relief 0 rganisations hat 7500 Pfund als Peßachhilfe für arme Juden in Osteuropa, besonders in Rußland, ausgegeben. Serajewo. Bei einem Konzerte des „Deuschjüdischen Sängerbundes „Hanigun" in Serajewo fanden antisemitische Demonstrationen statt. Zwölf verhaftete Ruhestörer wurden zu je z v/ a n z i gv Tagen Gefängnis verurteilt. Sämtliche Zeitungen in Serajewo verurteilen scharf die Demonstrationen. Belgrad. Der Ausschuß zur Errichtung eines König Peter-Denkmals wählte den Großrabbiner von Jugoslawien, Dr; Isak A 1k a 1 a y , zu seinem Ehrenpräsidenten. — In Zagrab ist der Ehrenpräsident der jüdischen orthodoxen Gemeinde Lavoslav, Rothstein, ein hochangesehener Kaufmann und großer Wohltäter, im Alter von 72 Jahren gestorben. Athen. Der neuernannte Minister für Volkswohlfahrt, Michael Kyrkos, gab bei seinem Amtsantritt eine Erklärung ab, in der er verspricht, sich allezeit für ein gutes Einvernehmen zwschen der jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung einsetzen zu wollen. Madrid. Der spanische Ministerpräsident L e r r o u x erklärte Vertretern der Presse, die Regierung werde Vorkehrung treffen, daß der dem Parlament vorliegende Antrag, sephardische Juden, Abkömmlinge der im 15. Jahrhundert aus Spanien vertriebenen Juden, die jetzt im Ausland leben und sich um die spanische Staatsbürgerschaft bewerben, in Spanien zu naturalisieren, dringlich behandelt werde. Jerusalem. Nach den neuesten Veröffentlichtingen wurden wiederum 36 jüdische Aerzte aus Deutschland zur Ausübung der Praxis zugelassen. — Die Hauptverhandlung gegen die mutmaßlichen Mörder Arlosoroffs wird am 16. April Vor dem Jaffaer Gericht beginnen. Tel Awiw. Zum 25 jährigen Jubiläum der Stadt Tel Awiw, das vom 29. April an mit einer fünftägigen Feier begangen werden soll, lädt die Stadtverwaltung von Tel Awiw durch die ITA. sämtliche jüdische Gemeinden der Welt offiziell ein. Interessant und bezeichnend ist die Feststellung des offiziösen Berichtes in der ITA., man hoffe, daß es gelingen werde, dadurch auch mit Misrachis zu einer Verständigung zu gelangen, daß der Misrachi- Führer Rabbi Meier Berlin in die Exekutive hineingewählt wird und daß das durch den Tod Motzkins1 freigewordene Präsidium des A. C. durch einen Misrachis ten oder Allgemeinen Zionisten — auch der Opposition von dieser Seite soll die Spitze gebrochen werden — besetzt wird. In den Schlußsitzungen kam es noch nach stürmischen Auseinandersetzungen zur Auflösung des revisionistischen Sonderverbandes. Misrachivertreter vertraten entschieden ihre religiösen Forderungen. Zwar hatte das Aktionskomitee beschlossen, daß in alle Verträge mit Siedlern auf Boden der Jewish Agency oder des Jüdischen Nationalfonds eine Klausel eingeführt werden soll, durch die der Siedler sich verpflichtet, die Sabbatruhe zu beobachten. Da dieser Beschluß dem Misrachi nicht weitgehend genug erschien, lehnte er eS ab. einen Vertreter in die Exekutive zu entsenden. Die Wahlen brachten keine Aenderung in der Zusammensetzung der Exekutive. Die Wahl des Präsidenten des A. C. soll erst nach Ablauf des Trauerjahres für Leo Motzkin erfolgen. Es wurde ferner beschlossen, daß jede Propaganda und Sabotage des Keren Hajessod und Keren Kajemeth als Bruch der zionistischen Disziplin zu betrachten sei. Es wurden auch Maßnahmen zur Sicherung des inneren Friedens und Vermeidung von Arbeitskonflikten getroffen. Auf politischem Gebiete wurden Resolutionen gegen die geplante Einführung der Einkommensteuer in Palästina gefaßt. An die Palästinaregierung wird die Forderung gestellt, Touristen, die Fuß im Lande gefaßt haben, die Aufenthaltsbewilligung zu erteilen und den Mindestbesitz für. Handwerkerzertifikate herabzusetzen. Die Sitzung des A. C. wurde in der -Nacht vom 4. zum 5. April geschlossen. —— Die Pilgerfahrten nach Tel-Chai und der Sabbat. Jerusalem, 23. März. 'S- Wenn man auch in Erez Israel leider an Sabbatentweihungen durch eine gewisse Jugend schon gewöhnt ist, so ist doch die Erregung über den Sabbatskandal von Tel C h a i schon deswegen so nachhaltig, weil er mit Wissen und Willen, gleichsam unter dem Schutz des Waad Leumi vor sich ging. Am 9. Adar pilgert ein Teil der Jugend nach dem Grabe des im Kampfe für seine Brüder gefallenen Josef Trumpeldor nach Tel-Chai.. Da der 9. Adar dieses Jahr auf einen Sabbat fiel, so sausten fünfzig Autobusse am Freitag abend und am Sabbat durch die Kolonien und durch die Straßen von Haifa, just zu der Zeit, da die frommen Juden in die oder aus der Synagoge gingen. Auf die Proteste der frommen Beter regnete es Beleidigungen und es gab auch tätliche Angriffe. Wie gesagt, handelte es sich in diesem Falle nicht um zufällige jugendliche Uebergriffe, sondern um wohlorganisierte Pilgerfahrten, die Jahr für Jahr mit Hilfe und unter dem Schutz des Waad Leumi vor sich gehen. Ob dieser die Sabbatfahrt angeordnet hat, wollen wir nicht untersuchen, er hat sie jedenfalls nicht verhindert. Die Misrachispresse nimmt diesen Skandal zum Anlaß einer gründlichen Abrechnung mit der zionistischen Organisation, die letzten Konsequenzen zu ziehen überläßt sie freilich dem agudistischen ,,Kol Jisroel". Im misrachistischen Wochenblatt „Hator" veröffentlicht Rabbi Meiir B e r 1 i n einen „Offenen Brief" an den Waad Leumi, in dem er den Rücktritt der führenden Männer des Waad I eumi verlangt. Der „Hajessod" schlägt schon stärkere Töne an in seiner Anklageschrift gegen den Waad Leumi. Ein anderer Mitarbeiter fragt, ob wir aufs Grab dir -I Makkabaer oder von Bar Kochba pilgern, ob wir überhaupt wissen, wo sich diese befinden? Es wav bis dahin üblich, die Gräber von Rabbi Schimeon^ ben Jochi, Rabbi Schimeon Hazaldik, von Rabbi I Meier baal Hanes u. s. w. aufzusuchen. Diese waren|' aber keine Kämpfer und keine Helden im Sinne des> Brith Trumpeldor, sondern Lehrer, Und wenn schon» Heldenverehrung, muß dabei der Sabbat niederge-1 treten werden? -

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