Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 15 (12.4.1934)
- Date
- 1934-04-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 15 D 1 i t Um das Oberrabbinat in Palästina. Die „ITA!" verbreitete unterm 27. März folgende offiziöse Nachricht aus Jerusalem: Die Palästinaregierung hat dem Waad Leumi und der Palästinaorganisation der Agudath Israel Kopien des Entwurfs zu einer Verordnung übergeben, durch die die Frage des Oberrabbinats von Palästina neu geregelt werden soll, ■ Diese Frage hat bekanntlich bisher einen der Hauptstreitpunkte zwischen Waad Leumi und Aguda gebildet und dazu geführt, daß die in der Aguda vereinigte orthodoxe Judenschaft der öffentlich-rechtlich anerkannten Organisation der palästinensischen Judenheit, der Kneseth Israel, nicht angehört. Nach Aeußerungen aus beiden Lagern zu schließen, sind die für die neue Verordnung vorgesehenen Bestimmungen sowohl für den Waad Leumi als auch für die Aguda zufriedenstellend, so daß erwartet werden kann, daß mit ihrem Inkrafttreten eine Schranke fallen wird, die jahrelang dem Zustandekommen der organisatorischen Einheit der jüdischen Bevölkerung Palästinas hindernd im Wege stand. Die Nachricht ist geeignet, irreführend zu wirken. Richtig ist, daß die palästinensische Regierung neuerdings eine starke Aktivität entfaltet, um die bei: den direkten Verhandlungen g e s c h e i t e r't e Verständigung zwischen „Kneses Israel" und „Agudas Israel" in der Ö b e rrabbinats frage zustande zu bringen, wobei die Gerichtshöfe der ",,Agudas Jisroel" für deren Mitglieder die gleicht gesetzliche Kompetenz erhalten sollen, wie sie bisher nur die Gerichtshöfe der „Kneses Israel" besaßen. Allein vorläufig ist eine Einigung — trotz der Bemühungen der Regierung — noch nicht erfolgt. Für ,.Agudas Israel" ist selbstverständlich nur eine solche Regelung tragbar, die nach innen die Autonomie des Oberrabbinats Duschinski in keiner Weise einschränkt und jede Majorisierung in Prinzipienfrageh ausschließt. Auch darf dem Ringen um die öffentlichrechtliche Anerkennung der orthodoxen Gemeinschaften im heiligen Lande vor dem Völkerbunde in Genf durch die Regelung der Oberrabbinatsfrage nicht präjudiziert werden. Jüdische Arbeiter wegen Protestes gegen Beschäftigung arabischer Arbeiter in jüdischen Plantagen verhaftet. Jerusalem, 5. April. 28 jüdische Arbeiter wurden am 3. April nachmittags in Kfar Saba von der Polizei verhaftet, als sie vor jüdischen Orangen-Plantagen, in denen arabische Arbeiter beschäftigt werden, Streikposten standen. Die Verhafteten gehören allen jüdischen Arbeitergruppen, der Histadruth, dem revisionistischen Irgun, dem Poel Hamisrachi und der Poale Agudath Israel, an. Die verhafteten Arbeiter sandten einen Appell an das in Jerusalem tagende Zionistische Aktions-Komitee, daß es zu ihren Gunsten interveniere. Das A. C. entsandte eine spezielle Abordnung nach Kfar Saba, um die Angelegenheit an Ort und Stelle zu prüfen. Die jüdischen Plantagenbesitzer erklären, sie seien gezwungen, arabische Arbeiter zu beschäftigen, weil ihnen infolge der Einwanderungspolitik der Regierung nichtgenugjüdische Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. „Dawar" "teilt mit, daß sogar die Regierung als Arbeitgeberin unter dem Mängel an Arbeitskräften infolge ihrer die Palästinawirtschaft schädigenden Einwanderungspolitik zu leiden hat. Bisher wurden gemäß den geltenden Bestimmungen im Eisenbahndienst nur Personen, die. des Lesens und Schreibens kundig sind, eingestellt. Wegen Mangels an solchen qualifizierten Arbeitskräften hat sich die Palästinaregierung dazu bequemen müssen, arabische Analphabeten für den Eisenbahndienst zu engagieren. „Dawar" unterstreicht daß Palästina das einzige Land in der Welt sei, das Analphabeten in einem so wichtigen Dienst beschäftigt. Die gesamte jüdische Bevölkerung der weiteren Umgebung von Kfar Saba hat sich freiwillig zum Streikpostendienst vor den jüdischen Plantagen, die Araber bechäftigen, zur Verfügung gestellt. In Kfar Saba wurden weitere neue Verhaftungen vorgenommen. (Die Beteiligung an gewaltsamen Eingriffen, wie sie das Streikposten-Stehen darstellt, widerspricht dem Programm der „Poale Agudas Jisroel". Bestätigung, soweit die Nachricht die P.; A. J. betrifft, bleibt daher abzuwarten. Red.). Wiederum nichtarische Betriebsführer? Berlin, 28. März. Das offizielle Organ der Deutschen Arbeitsfront „Der Deutsche" /veröffentlicht heute eine Zuschrift aus Franken^ in der die Frage gestellt wird: „Kann ein Jude* der Betriebsführer einer detits'chein Gefolgschaft seih?" Die Zuschrift vernein t diese Frage. In einer redaktionellen Vorbemerkung sagt, „Der Deutsche", daß auch er grundsätzlich der Meinung sei, daß Juden als Führer deutscher Arbeiter nicht in Frage kommen könnten. Die „Frankf. Ztg." verweist in diesem Zusammenhang darauf, daß die maßgeblichen und zuständigen Stellen der Reichsregierung — i * \ \' y f,f *tt zum Teil in wiederholten Erklärungen — die ausdrückliche Feststellung getroffen haben, daß die Grundsätze der Rassengesetzgebung auf dem Gebiete der Wirtschaft nicht angewandt werden sollten und dürften. Die Reichsregierung hat überdies in einer amtlichen Bekanntmachung am 12. März ausdrücklich für diesen Spezialfall klargestellt, daß auch Nichtarier ebenso wie Arier Ber triebsführer werden können. Ii r Staatlich besoldete Lehrkräfte für die jüdisch^ Volksschule in München- ■. ,, ... ■ •'! "; .'! ' München, l.;Aprih ..... . :;. Im Amtlichen Anzeiger der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung gibt der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde München eine Verfügung der Regierung von Oberbayern, Kam^, •"•!!T •nier des Innern, Nr. 40002 1 4 vom 14. März'bekannt, durch die die Errichtung einer; eigenen achtklässigien israelitischen Volksschule 'in München unter Einbeziehung der besiehenden Volksschule der Israelitischen Rellgibnsge'sellschaft Ohel Jakob.genehmigt wird. Gleichzeitig "ypird _ 12. April 1934 verfügt, daß der neuen Schule außer den an der Volksschule der Israelitischen Religionsgemeinschaft Ohel Jakob errichteten drei Lehrstellen, zwei weitere Lehrstellen, mithin insgesamt fünf 'staatlich besoldete Lehrkräfte zugeteilt werden. Die Zuweisung weiterer staatlich besoldeter Lehrkräfte, heißt es in der Verfügung, ist mit Rücksicht auf die Klassendurchschnittszahl der geplanten Schule zur Zeit nicht möglich, jedoch bleibt es der Israelitischen Kultusgenieinde München anheimgegeben, die Anstellung weiterer Lehrkräfte aus eigenen Mitteln zu betätigen. Für Erleichterung der Einwanderung aus Deutschland nach Amerika. N e w y o r k , 20. März. Ein Komitee führender amerikanischer Frauen, das unter dem Vorsitz der Gründerin und ehemaligen Präsidentin des Internationalen Frauenbundes für Stimmrecht und bürgerliche Gleichberechtigung Carrie Chapman Catt steht, hat an Präsident Roosevelt eine Petition gerichtet, in der der Präsident gebeten wird, die Zusicherung zu geben, daß die amerikanischen Konsulate im Ausland bei der Handhabung der die Einwanderung nach Amerika einschränkenden Bestimmungen weitestgehend auf die Lage der aus Deutschland ausgewanderten Personen Rücksicht nehmen werden. ..... Newyork, 26. März. Die von der Staatssekretärin für Arbeit und Einwanderung, Miß Perkins, zum Studium von Einwanderungsproblemen eingesetzte Sonderkommission hat soeben ihren Bericht fertiggestellt, in dem besondere Berücksichtigung der aus Deutschland ausgewanderten Personen bei der Handhabung der geltenden Einwanderungsvorschriften gefordert wird. In dem Bericht wird auf die' traditionelle amerikanische Politik der Asylfreiheit für dejenigen hingewiesen, die der Zurücksetzung aus Gründen ihrer Rassenzugehörigkeit oder politischen Einstellung ausgesetzt sind. Kein Zutritt zum Mannheimer Luftbad für Juden. Mannhei.m,,. 10. April. An dem neu eröffneten städtischen Luftbad am Stadion ist eine Tafel angebracht, die besagt» daß Nichtariern der Zutritt zum Luftbad nicht gestattet ist. 50 Prozent jüdische Vertreter . im künftigen , i'; 1 O i, j Jerusalemer Stadtrat? " ' ' '!j Jerusalem, 21h März. , Vertreter des Wad {Leunn, derJewish; Agency und'''des1'Waad Hair hajben eine. .Sitzung abgehalten, ins-der .-Richtlinien für feinen :• einheitliches Vorgehen bei der bevorstehenden^ NeüwanL des 'Städtrates von Jerusalem besprochen wurden. In der Sitzung wurde mitgeteilt, daß nach zuverlässigen Informationen dem künftigen Stadtrat sechs Juden, vier Mohamedaner und zwei christliche Araber angehören sollen. Öie« Revisionisten haböh;ideiiji^;jWaad< Xeumi mitgeteilt, daß die ('seinen ' Vermitflurigsvpfcsqhlag zur 'Schlichtung def;; Differenzen .-zWisc^enMjre(Vi'siönistischen Arbeitern und Mitgliedern der'!'Histadruth in;Rachowoth (s. ITA-Dienst Nr. 67. v. 21. 3;ji nicht annehmen.. Sie erklären, daß/der „Chedera-Pakt",' auf dem sich dieser Kompromißvorschlag gründe, unwirksämj(seL Sie verlangen, daß1 Jng. Prach^Sj;^uth€piberg oder eine andere! neutrale Persönlichkeit , als'Unpar- ( t < 1' i'. •: ,'.<}'; 11;:• teiischer bestellt werde.; 1 •;; " ,,