Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1934-11-15 · Heft 46 (15.11.1934) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 46 (15.11.1934)
Date
1934-11-15
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2450807-2450851--80854-2538151
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 12 Nr. 46 Der I s r a ei i t 15. November -1934 nicht mehr leisten darf. „Hütet euer Leben, ist ein Gebot der Thora," sagt nun der Rabbi und fügt sich. Aber ganz gibt er den Plan doch nicht auf Wie er im Jahre 1930 hört, daß der G e r e r R e b b e auf dem Landwege über den Balkan und die Türkei mit seinem Gefolge nach Erez Israel fährt, glaubt er, daß sich auch ihm dieser Weg öffnet. Der Doktor hat ja nur die Seereise verboten, meint er. Und gerade nach den bluti gen Ereignissen von 1929, da für viele das Wort Erez Israel ein Schreckenswort wird, trumpft er auf: „Jetzt muß ich nach Erez Israel!" Er faßt den Plan, jetzt ohne Familie, nur in Begleitung seines Verwandten, Rabbi Leib Braude, auf dem gleichen Wege wie der Gerer Rebbe seih Ziel zu erreichen. Aber der'l\rzt warnt auch vor der Landreise. Er beruhigt den Alten und vertröstet ihn auf später, wenn sich sein Gesundheitszustand gebessert haben wird. Und der Rabbi hofft bis zuletzt. Alle Wege und alle Mittel waren erwogen: über Land und See, über das Schwarze Meer und das Mittelmeer, offen und im Geheimen. Aber die Vorsehung wollte nicht, und der Erde in Radin war es vorbehalten, den heiligen Körper zu bergen ... Der Chofez Chajim hatte sein Lebenlang ein offenes Auge für alle Dinge und Begebenheiten in. und um Erez Israel. Wer da glaubte, einen naiven weltfremden Rabbi, einen leberisentrückten Greis auf dem Krankenbett anzutreffen, ging voller Staunen von dannen, .als er vom tiefen Wissen des Alten um die, Dinge belehrt würde. Einmal kamen zwei prominente Zionistenführer incognito nach Radin, Sie ließen ihr Auto vor den Toren der Stadt halten ■ und gingen zu Fuß ins Rabbihaus wie Dutzende andere, die täglich zum Rabbi um Rat und Segen kamen. Sie nannten nicht ihren wahren Namen, wollten nur ungekannt einiges vom Chofez Chajim über Erez Israel hören. Der Rabbi empfing sie, wie alle anderen, mit ausgesuchter Herzlichkeit. Dann aber fing er an zu reden: über die Erziehung, gegen die areligiösen Schulen, über die Arbeiterfrage,' kaum ein Punkt von all den brennenden Problemen wurde vergessen. „Wollt ihr das Erez Israel haben, wie wir es verstehen, dann wird es gelingen; ein Erez Jisroel ohne Thora wird scheitern, wie damals nach der Geschichte mit den Kundschaftern, da sie dennoch ins Land einbrechen wollten und die Bundeslade war nicht dabei ..." . Die beiden Führer schauten sich an. Hatte er sie erkannt? Er sprach zu ihnen und für sie! „War das der alte naive Rabbi," fragten sie sich, „der jenseits von Welt und Lehen, seine eigenen Gedanken spann?" Noch keinem Menschen auf Erden ist es# gelungen,," diesen Alten hinters Licht zu führen. . Er kannte, die Dinge und kannte die Menschen: „Tomim",.einfältig.oder naiv, sei man nur G'tt I g.e g e n ü b e r. Die Menschen muß, man kennen, um: auf.,sie einzuwirken. Man mußte in die Tiefen und Niederungen der Massen hinabsteigen, ihnen tief, ins Herz schauen, alle geistigen Wunden ^eirau'J,k'enrien, um so die Hand auf sie-zu-legen, wle/^r*°es "'in seinen 'Büchern ,jChöfcz- Chajim" un'o^,\,Scfttnibath Haloschaün" getan hat; . .•V|ä3 .,r;rA .;. v ••. •-. .; t- ,' ■ ■• ■ ,;:...:T-,IchrTselberf". 'so sagte, er. vqriysich, „hütete mich -Yon'je vor jegliehem Trickr die Tricks der Menschen aber kenne ich." .,■ Er fühlte sichunablässig in ,der -Kontrolle des G'ttesaug.es. -Nach.--. Erez Israel, kam' der Chofez Chajim, inichi I;n .d e r. ,A r b e i t f ü r , E r e z I;S4T:.a ei m.u-ß : ab er .sein An den k e n uns vor ^jaiL-.eliä;c h t e.n.! uib •: /—- - Ein neues Palästinabilderbuch. Die Kamera ist unbarmherzig, fängt das: Gute wie das Böse ein, um es in die Welt zu tra'gen und zu zeigen: „So ist es! . . ." " 9 6 £ a n z se i t i g e Photos zeigt uns das P a-' lästinabilderbuch von Hans Casparius; (E.. P. Tal .u. Co.-Verlag, Leipzig und Wien), die technisch das Beste von allem, was wir bis jetzt aus Palästina im Bild sahen, darstellen; aber gerad^ ihrer Echtheit wegen uns nicht immer ungeteilte Freude bereiten. Wir sehen das. neue Leben im Werden, aber die Auswüchse rollen mit, drängen sich auf. Sind nicht entscheidend, aber sie trüben das Bild. Die. Generatiqnen sind nebeneinander gestellt: Alt und ehrwürdig im langen Gewände, den. Voluminösen' Rabbihut auf dem Haupte der Vater, muskulös,,' b'raün-:. gebrannt und, h u 11 o sr*der Sohn, ganz v'et ni a n!n-' licht sogar die Tochter. S ä b,b a t s p'a'z i e r gänge, in den Promenaden zeigen eher ein Sonn tagsbild in Europa als den Engel des ,Sabbatfriedefts.;r S t r a n d 1 e b e n , a u'c h am Sabbat, entfaltet sich vor unserem Äuge, daß man glaubt, von der änderen Seite den Propheten kommen zu sehen, der sein Zornwort in dieses unjüdische und'unsabbatliche Treiben hineindonriert. Aber, es ist auch so viel Schönes, so viel des .Wachsenden, des Hoffnungsvollen in diesem Bilderbuche, daß die Freude am Ende doch überwiegend bleibt. Der Hügel von Jaffa; wie er" uns alle ge grüßt hat, als unser Schiff im ersten Morgengrauen vor dem heiligen Lande hielt, tut sich auf dem ersten Blatte -unserem Auge auf. Glückliche Gesichter jüdischer Olim, hart am Ziele, lachen uns an. T e 1 Awiw mit seinem brodelnden Verkehr an den Kreuzpunkten und seinen modernen Straßenzügen erschließt sich uns. Junge kräftige jüdische Menschen bauen Straßen. „Räumet den Weg, ebnet .in der Einöde eine Bahn!" hört man Jesajas rufen. Andere junge Menschen, Intellektuelle aus Deutschland, tastensich langsam und frohgemut in Werkstätten in ihre neuen Berufe hinein. Eine Litfassäule mit den vielen hebräischen Ankündigungen und den neugierigen Menschen davor taucht auf. Schulen und Kindergärten,' Arbeiterwohnungen und Schlafzelte, uralte Baume, wie man sie sonst nirgends in der Welt sieht, losen einander ab. Man schaut auch in arabische Zelte und in ihre primitiven Werkstätten. Jüdische Jungen und Mädels brechen morgens zur. Arbeit auf, ein glückliches Familienereignis im Kuhstall, Chaluzim und Chaluzoth beim gemeinsamen Mahl. Wie wundervoll das alles, wenn diese frischen jungen Männer, wenigstens beim Essen, wie? nicht nur bei uns, sondern auch im ganzen Orient üblich, Kopfbedeckung .auf hätten und nur etwas darauf deuten ließe, daß das frohe Mahl mit einem Segensspruch eingeleitet und geweiht wurde! Es kommt etwas für den Botaniker und den Geologen und schließlich für alle, die an der Erde Palästinas und an dem, was auf und unter ihr enthalten ist, interessiert sind. Wir sehen dann Häfen und Moscheen und grüßen, zum soundsovielten .Male den jüdischen Polizisten mit der riesigen Bärenmikze auf dem feinen jüdischen Kopfe. Mitten zwischen den Ruinen der alten Stadt S a f e d steht versonnen der alte bärtige Ghasside im Streimel, wie aus der Schule des Rabbi Jizchok Lurie getreten. Aber das nahe Haifa zeigt schon ein ganz modernes Warenhaus. Ein Bikkurimfest in Haifa. Was ist das? Es könnte geradesogut „Kirchweih" (Kirmes) iri einer' hessischen oder bayrischen Kleinstadt t sein. Auch dagegen wäre nichts zu sagen, wüßte man nicht, mit. w.ie. viel Verletzung der wahren Festweihe diese selbsterfundenen „Bikkurimfeste," zumeist einen Tag nach Schwuaus, verbunden sind.1 Sport j ii g ejn d zieht mit Sang und Klang . auf, und /im 'Toten Meere ringen die Wettschwimmer um die Palme, I Ein jüdischer H i r t e; sitzt' bei seinen, Länimern, "wie.;| wohl einst der kleine David inmittenseiner1' Herde: vor Bethlehem gesessen, hat. ' Eine Huhn e r f ajr mwird sodeutlich", daß man die;Würdigen'", Hühner^ mütter fast glucksen hört.' 'Herr0 M e s k i n' von 'der,, Habima steht in seiner ganzen ungeschlachten plumpen Golemgröße da. Selbstverständlich fehlt das alte und neue Jerusalem nicht, das lebendige Leben am Jaffatore sowohl, wie das weihende und betende an der , heiligen Mauer. Die, Jüd.in aus Jemen glauben wir im Purimzuge, der Adlpjada als K ö h i g i n Es t h e r;gesehen . zu haben, und. den jüdischen Polizistenhoch zu Roß ebenfalls bei dieser Gelegenheit. Daß ein Meisterschwimmer „Rabban Häschchijah": genannt wird, wußten wir n)cht, und erinnert uns an den talmudischan Meisterschwimmer, nachmaligen Meister der Gelehrsamkeit, R e s c h L ä k i s c h r der' auch ' einmal" wehmütig äußerte:„Dort nänhte man mich Rabbi und auch hier bin ich -.Rabbi .. . .'.' Unser, Meister auf dem. Bilde scheint aber, umgekehrt den Weg vom Lehrhause zur Meisterschaft auf'dem Jordan , gefunden zu haben . . . Kwuzöth und blühende Gär- .* ten machen.-den ,R u i n e ri yo n A s k a 1 o n Platz. ., Hier sind die Salomonischen Teiche, an denen wir damals auf dem Wege nach Hebron Rast hielten. Der T i.be r i as s e e leuchtet auf und Ruthenberg versorgt das Land mit Kraft . . . -Möge dem Wirken und Werden. auch jene Kraft zufließen, die allein das jüdische Haus zu einem wirklich j ü d i s c h e n H e i m.e vmacht. '.Mit' diesem brennenden Wunsch legten wirdas prächtige und dennoch stellenweise wehmutsvoll: stimmende .Bilderbuch aus der Hand. s- - d. ■ —;tz. Die Figuren. am Breiher Dom; An der Westfässade des Bremer Domes befinden sich fünf plastische Gruppen mit Tierfiguren von symbolischer Bedeutung, um die in Bremen ein erbitterter Streit eingesetzt hat. Die Gruppen erinnern " äußerlich ". an ' mittelalterliche Formen, ■ wurden aber erst im 'Jahre 1902'jnach" Plänen von Dombaumeister. "Salzmann aufgestellt. Sie werden mit fünf lebensgroßen menschlichen Figuren in Beziehungen gesetzt, 'die sich über ihnen befinden.' Nach einer Mitteilung der „Frankf. Ztg."' "werden die; Gruppen ,äls „ausgesprochenes Fremdgüt einer' uns fremden 'Geistesrichtung" . von : bestimmter Seite aufgefaßt. Die erste, ein G reff, der eine" Frau mit Spiegel und Schnitfckkästcheri im Arm hält, verkörpere einen fremden Glauben, der sich einer germanischen Frau bemächtigt habe.'lieber diesem Bild throne der Apostel Paulus mit Schwert und Bibel. 'Das zweite Bild, ' wieder'; ein" Greif, der aber diesmal eine Schlange in den Fängen hält, ver-- sinnbildliche, da der Greif triumphierend nach Norden blicke-, den Sieg des Südens über die Midgardschiange, also über " Germanien! Ueber diesem Bild throne der Apostel Petrus mit dem Schlüssel zur Weltmacht und der Bibel in den Händen. Das dritte Bild stelle einen Löwen im Kampf mit dem Drachen dar, der Drache Hege aber auf der den Germanen heiligen Irminsul. Dieses bedeute den Kampf zwischen dem Drachen, der das Germanentum" zerschlagen habe, und dein jüdischen Löwen. Ueber diesem. Bilde throne bezeichnender " Weise der Sachsenschlächter Karl. Das vierte. Bild zeige. nur den jüdischen' Löwen, der einen S c h a f b o c k unter sich gebracht habe. Ueber diese-m Bild throne nicht mehr eine Figur ■ aüs dem Neuen Testament, hier wache Moses-über den Sieg-des Judentums. Die fünfte Gruppe stelle einen Löwen., dar, wie er in seinen Armen einen Wehrlosen arischen Mann halte, dem man einen Würfelbecher in die Hand gedrückt habe. Die zwei herausgefallenen Würfel zeigten fünf und neun Augen, 5 und 9 aber seien heilige Zahlen der Juden. Dieses Bild künde also den Triumph des Judentums über den. Arier; Darum throne auch der König David darüber und schlage Siegeslieder auf seiner Leier. Dieser Ausdeutung, ist man von k irchlicher Seite entgegengetreten. Salzniänns Nachfolger, Dombaümeister Ehrhardt, sagt in einer auf Wunsch des Landesbischpfs Weidemann vorgenommenen Veröffentlichung, es sei richtig, daß die oberen Standbilder/David und Moses als Vertreter des Alten Testamentes und Petrus und Paulus als die des Neuen Testamentes darstellten. Zu bemerken sei nur, daß Karl der Große das Modeil einer: Kirche halte, weil er das bremische Bistum gegründet und dadurch den Anlaß zum Bau des ersten Domes-ih Bremen gegeben habe. Dagegen sei die Deutung der Figuren unter diesen Standbildern ganz willkürliche Die Darstellungen lehnten sich an die Bilderkreise früherer, insbesondere der romanischen Kunst an. Greifen und Löwen, uralte deutsche Wappentiere befänden sich in siegreichem Kampfe mit Menschen und Tieren. Sie; seien Symbole des Christentums. JDer Mann in •den Klauen, des Löwen sei ein. Symbol der Spielleidenschaft-, _ die; Frau mit Geschmeidekasten und Spiegeb stelle das; Laster der- Eitelkeit dar. Der Wünfel mit; der? Zahl 9,-deute ,darauf,, dafj, es sich, um falsches Spiel-handle...'Der Bock .hape als unreines . Tier gegolte'n und jbedeute.. Stplz.;.und Wollust.- Der zerischlagene Götze, sei ein Hinweis-auf das Heidentum, und der Tierkampf sei wphl als; die Besiegung der heidnischen Sachsen durch Karl den Großen zu deuten. Die Schlange sei der Teufel, Interessant ist, daß auch die, Angreifer nicht etwa, wie man glauben könnte, die Beseitigung des Figurenwerkes verlangen. Diese Werke, so sagen sie, seien die interessantesten Werke dieser Art, die es. gebe. Bremen besitze' sie als die -einzige Stadt iri Deutschland. Sie seien gesetzt worden, damit die Menschheit lerne! " V. ■ ■■:■}. , - Briefkasten, j TibfiTK '■n'nVri in Telsch. Wir müßten/ r um die Notiz zu bringen, schon nähere Angaben über den.^neuen „Verein der deutschen. Bachurim in Telsch" haben. . M. W. in . Reichenberg. Die. Adresse von Darkejnu in Warschau ist: Jerska?r22.. Die- Abonnementsgebühr für die "Slovakei 'beträgt.'3 polnische Zloty monatlich. -:'.-.'••'? .:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.