Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 46 (15.11.1934)
- Date
- 1934-11-15
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 2× ep/1047930
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Seite 10 Nr. 46 Der Israelit 15. November 1934 überall zu seiner Bereicherung bei. Einer der hervorragendsten Beiträge zum menschlichen Fortschritt ist den Juden zu verdanken. Wir können nicht das Alte Testament oder das aus ihm hervorgegangene Neue Testament lesen, ohne zu fühlen, daß hier einer der tiefsten Einblicke in das Menschenherz gewährt wird. Wir sehen, wie das Volk von der Idee der Gewalt zu den höheren Vorstellung von Barmherzigkeit, Zartheit, Edelmut, übergeht; das sind die edel sten jemals vom Menschengeschlecht entwickelten Vorstellungen. Erbe der jüdischen Propheten ist die Lehre, daß unsere Welt nicht eine Welt der Macht, sondern der Gerechtigkeit zu sein hat. Es ist erschreckend, zu sehen, daß diese Heilsbotschaft der Liebe und Güte gerade dem Volke versagt wird, das sie zuerst verkündet hat. Wir sind hier," fuhr General Smuts fort, „nicht nur um Geld zu sammeln, sondern um einen £ Glauben zu bekunden, der in uns lebendig ist, einen Glauben, den wir jüdischer Erkenntnis vardanken weil wir an die helfende Hand, an Erbarmen und Mitleid glauben, treten wir alle für diese Sache ein. Einer ihrer Punkte betrifft die Bedeutung der Erschließung Palästinas für die Juden. Palästina bleibt einer der hellen Punkte in der Welt. Inmitten aller Trübsal und aller Enttäuschungen wird der Traum von einem neuen Palästina zur Wirklichkeit. Wir sehen, wie Tausende junge Juden in ihre alte Heimat zurückkehren — zweifellos eines der bedeutendsten Ergebnisse des Weltkriegs." Lady Aster schilderte in ihrer bei derselben Gelegenheit gehaltenen Rede, wie sie sich aus einer Judengegnerin zu einer Freundin der Juden entwickelt hat. Sie sagte weiter: „Lassen Sie mich Ihnen ein Bekenntnis ablegen, Palästina ist nicht der einzige helle Punkt in der Welt. Ich möchte die Art, wie die Juden in England behandelt werden, der ganzen Welt als Beispiel hinstellen." League of Jewish Women, London, 5. Nov. Die erste öffentliche Versammlung der Liga jüdischer Frauen fand Dienstag, den 23. Oktober in der Rose Hertz Hall, Woborn House, statt. Das Ziel der Vereinigung ist Arbeit für die Ideen und Prinzipien des überlieferten orthodoxen Judentums im Kreise der jüdischen Frauen. In erster Linie soll für die Heiligkeits- und Reinheitsgesetze, die das jüdische Ehe- und Familienleben regeln, gearbeitet werden. Mrs. Feldmann, Gattin des Rabbiners Dayan Dr. Feldmann, die Vorsitzende der Versammlung, legte in einleitenden Worten das Ziel der Vereinigung dar. Mrs. David S a s s o o n , die Präsidentin der Liga, begrüßte die überaus zahlreiche Versammlung und gedachte mit herzlichen Worten der heimgegangenen Mrs. Hertz 9"i> der Gattin des verehrten Chiefrabbi Dr. Hertz, die viel für die Aufrechterhaltung der Gesetze, die das jüdische Eheleben regeln, arbeitete. Mrs. Sassoon setzte in ihrer Rede auseinander, wie schon vor vielen Jahrhunderten das jüdische Volk wertvolle religiöse Gesetze beobachtete, deren Bedeutung erst in unserer Zeit von der Wissenschaft anerkannt und empfohlen werden wie z. B. . die Brith Miloh, das Waschen der Hände vor Mahlzeiten, die Sterilisation ,yon Geräten und schließlich die wertvollen jüdischen,,Ehegesetze, Mrs. Sassoon ineinte, daß. die Vernachlässigung dieser fundamentalen Gesetze hauptsächlich auf Unkenntnis dieser Gesetze und ihrer weitreichenden Bedeutung zurückzuführen sei und sie ermahnte die jüdischen Frauen ernstlich, diese wichtigen Gebote wieder gewissenhaft zu erfüllen. Dr. Annie H i 11 m a n , auf medizinischem Gebiete tätig, führte in meisterhafter, auf wissenschaftlicher Forschung beruhender Weise aus, daß die\ moderne Forschung sich immer mehr der Auffassung unserer heiligen Thora nähere, daß die medizinische Wissenschaft die Weisheit der jüdischen Ehegesetze anerkenne und empfehle. Dr. Hillman führte weiter aus, daß gewisse Krankheiten in jüdischen Fraüenkf eisen, wo die Ehegesetze befolgt werden,, weniger häufig seien als in unjüdischen und nichtjüdischen Kreisen. Rednerin bemerkte weiter, daß diese Gesetze in die Kategorie der Chukim gehöre, deren Grund uns nicht offenbart ist, die aber dennoch bindend für uns sind. Sie betonte, daß der Zusammenhang zwischen Sinnlichem - und Uebersinnlichem, zwischen Geist und Körper noch immer ein Geheimnis sei, und daß wir nicht besser tun können, als unsere alten jüdischen Ehe- und Reinheitsgesetze gewissenhaft zu erfüllen zu unserem und unserer Kinder Heil. Neueste Wirtschaftsnachrichten aus Erez Jisroel. (Nach Palnews.) Haifa. Vor einigen Tagen fand eine Sitzung zur Gründung einer palästinensischslovakischen Handelskammer statt, die sich die Entwicklung der beiderseitigen Handelsbeziehungen zur Aufgabe macht. Tel Awiw. Durch die Reparaturen und Verbesserungen, die zur Zeit im Jaffaer Hafen ausgeführt werden, wird das schwierige Problem des Holzumschlages nicht gelöst. Der Hafen ist zu eng und die Regierung scheint dem Problem nicht die nötige Auf- : merksamkeit zu schenken. Von kaufmännischer Seite sind verschiedene Vorschläge zur Abhilfe der Uebelstände gemacht worden. Haifa. Unter der Firma Palestine Electric Wire Co. Ltd. wurde in Haifa eine Fabrik zur Herstellung von elektri sehen Leitungen und verwandter Artikel mit einem Kapital von 25.000 Lst. gegründet. Leiter sind zwei deutsche Ingenieure. Tel Awiw. Das seit langer Zeit schwebende Projekt der Installierung einer Bierbrauerei in den Kellereien von Rischon l'Zion durch eine französische Gesellschaft unter Führung von Gaston Dreyfus-Paris soll jetzt zur Ausführung gebracht werden. Es scheint, daß die Regierung nach Verhandlungen mit den Gründern deren Wünschen bezüglich der Zoll- und Steuerfrage entsprochen hat. .Rischon l'Zion. Vor geladenen Gästen fand die Eröffnung der Glasfabrik G a b i s h statt. Die Fabrik beschäftigt vorläufig 14 Facharbeiter der. Glasfabrikation aus Polen. Die Anzahl soll uf 40—50 gebracht werden. Das Produktionsprogramm umfaßt neben Flaschen, Petroleumlampen und Kunstßegenstände aus Glas. Jerusalem, Zwischen einem Vertreter Persiens und den Mandatregierungen von Palästina und Syrien fanden Verhandlungen über die Frage des Transitverkehrs nach Persien statt. Die persische Regierung hat jedoch noch keine Entscheidung zwischen Haifa und Beiruth getroffen. H a i f a. Der jaoanische Import nach Palästina ist seit 1932 stetig angestiegen. Er machte damals 2,23 Proz., im Mai 1934 5.09 Proz. der Gesamteinfuhr aus. Tel Awiw. Die Lage im unteren Galil ist durch die Abwanderung aus den Städten Tiberias und Safed nach den Küstenstädten und deren Umgebung gekennzeichnet, die im Gegensatz steht zu der starken Entwicklung und der Landflucht im ganzen Lande. Angesichts des Lohnunterschiedes zwischen Stadt und, Land haben 1933 565 Personen die Kwuzoth verlassen und sind in die Städte übergesiedelt, Beyruth. Ein russischrr Handelsvertreter betätigt in Syrien zur Zeit größere Käufe, so daß die Preise der landwirtschaftlichen Produkte sowie auf dem Wollmarkt gestie(7 | gen sind, '' I Mrs. L Herman B. A. eine Autorität auf pädagogischem Gebiet, sagte, daß die Gesundheit und das Wohl der Familie die Grundlage bilde für das Wohl der Gesellschaft und des Staates. Mrs. Herman meinte, daß das Problem, das die Versammlung beschäftige, auch vom erzieherischen Standpunkt betrachtet werden müsse. Wenn man sich frage, warum eine so große Zahl unserer modernen Frauen sich von den Eheges^etzen abwenden, so sei vielleicht der Grund . darin zu suchen, daß diese Gesetze ihnen nicht in überzeugener Weise zum Bewußtsein gebracht worden seien. Die Mutter sei nicht immer die geeignete Persönlichkeit, der Tochter die Bedeutung dieser. Gesetze ins Herz zu reden, es komme auf das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter an, und es komme auch auf die angewandte Methode an. Wenn z. B. die Mutter der Tochter ein . Buch vqn.Dinim in die Hand gibt und ohne irgendwelche weitere Vorbereitung erwartet, daß nun diese Gesetze gehütet werden, so dürfe man sich nicht wundern, wenn das Resultat ein negatives ist. Der Boden messe erst sorgfältig vorbereitet werden, wenn man positive Ergebnisse erwarte. Dr. Judith G r ü n f e 1 d sprach in begeisternden Worten von dem erhebenden geistigen und moralischen Einfluß, der Ehegesetze auf das Leben des jüdischen Volkes und deren weitreichende Bedeutung^- auf noch ungeborene Generationen. Sie schloß ihre Ausführungen mit den Worten 'rtirtipnipti: die Mikweh sei auch die Hoffnung des jüdischen Volkes. Mrs. Lazarus, die Gattin des Rabbiners, Dayan H. M. Lazarus, sprach den Rednerinnen den Dank der Versammlung aus für die lehrreichen, überzeugenden und zu Herzen gehenden Worte und versicherte sie, daß die wertvollen Anregungen jedem Einzelnen in steter Erinnerung bleiben werden. Mrs. O. Kahn, die Ehrensekretärin der Liga, die sich den Dankesworten der Frau Rabbiner Lazarus anschloß, appelliertean das Zusammengehörigkeits- und Verantwortlichkeitsbewußtsein, das jede jüdische Frau erfüllen müsse. Unsere heilige Thora sei nicht einzelnen Individuen anvertraut, auch nicht einem besonderen Stand und auch nicht einer bevorzugten Klasse, sondern jeder jüdische Mann und jede jüdische Frau sei zum Wächter und Hüter des Gesetzes berufen. Die Reinheits- und Heiligkeitsgesetze sind ganz eigentlich der Hut und Gewissenhaftigkeit der jüdischen Frau überwiesen und sie sei deshalb geeignet und verpflichtet, für die Aufrechterhaltung dieser Gesetze sich einzusetzen. Mrs. Kahn meinte, wenn jede jüdische Frau es sich zur Aufgabe machte, in ihrem eigenen kleinen Kreise für du Befolgung dieser Gesetze zu arbeiten, so werde' es bald besser um Judentum und Judenheit stehen. Palästina. 6000 deutsche Juden vom konstruktiven Hilfswerk der Jewish Agency erfaßt. Jerusalem, 3, Nov. Wie das der Jewish Agency for Palestine angegliederte Büro zur Ansiedlung deutscher Juden mitteilt, hat es seit dem Beginn seiner Tätigkeit im November v. J. 70.000 Pfund für das konstruktive Hilfswerk zu Gunsten jüdischer Einwanderer aus Deutschland ausgegeben. Die Errichtung neuer Wohnstätten für Pioniere aus Deutschland in verschiedenen Siedlungen und Kibbuzim, sowie die Bereitstellung von Wohngelegenheiten für Einwanderer in den Städten haben einen Kostenaufwand von 31.000 Pfund erfordert. Für rund 2700 Einwanderer wurde Obdach beschafft. Für Bodenkauf, Errichtung von Einwandererlagern und verschiedene Vorbereitungsarbeiten wurden . 6000 Pfund ausgegeben. Diese Arbeiten kamen etwa 465 Familien zugute. 400 Einwanderern wurde die Erlernung eines Handwerks ermöglicht. Die hierfür nötigen Ausgaben betrugen 4500 Pfund. 200 Einwanderern wurden Kredite für Aufbauzwecke bewilligt. Etwa 1500 Personen wurde soziale Hilfe; gewährt. Insgesamt ist das konstruktive Hilfswerk des Büros bisher rund 6000 Personen zugute gekommen. Hierbei sind: ifeberwachung der jüdischen Einwanderung aus Deutschland und die Beratung der neu Eingewanderten nicht mit berücksichtigt. Amerika. Protestantische Kirche Amerikas gegen Zurücksetzung von Minderheiten.; . New York, 5. Nov. Das in Atlantic City , tagende. Kirchenparlament der Prot es t an t Episcopal Church of America hat . eine Entschließung gefaßt, die sich scharf gegen die Zurücksetzung von Minderheiten alsj Mittel nationaler Staatspolitik ausspricht, Juden und anderen Minderheiten als Opfern einer solchen Politik bringt das Kirchenpärlameht sein tiefstes Mitgefühl zum Ausdruck,