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Der Israelit · 1934-11-15 · Heft 46 (15.11.1934) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 46 (15.11.1934)
Date
1934-11-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 46 Oer Israelit 15. November 1934 t e s k e , die in einer mit Sorgen und Trübnis überladenen Zeit ein wenig erheiternd hätte wirken können, wäre nicht auch sie voll der tra gischen Momente für den Teil der Menschheit, gegen den als Kampfmittel auch Ammenmärchen gut genug sind, gegen uns. Eine versunkene Welt erwachte vor den Ge richtsschranken zu Bern wieder zu neuem Leben. Namen, die schon beinahe der Geschichte angehören, wie Miljukow, Burzew u. a. standen in leibhafter Gestalt da und zeugten gegen die russische Niedertracht, die bis zum Kriege den tönernen Koloß immer und immer wieder mit dem Judenhaß und der Erweckung der niedrigsten Volksinstinkte zu unterbauen und zu stützen suchte. Aus jener trüben Atmosphäre ist auch das Plagiat der „Protokolle" geboren, „Protokolle der Weisen Zions" gibt es außer den oben bezeichneten nicht. Aber das Märchenbuch darüber ist ein Protokoll über den Tiefstand einer zaristischen Kultur, der alle Mittel gut genug waren, dem Volkszorn in den Juden eine billige Zielscheibe zu bieten. Der neue Experte der beklagten Protokollverbreiter, Oberstleutnant Fleischhauer, Erfurt, hat den Auftrag an Stelle des nicht erschienenen früheren Sachverständigen angenommen und wird binnen Monatsfrist sein Gutachten einreichen, so daß der Prozeß zu Anfang des nächsten Monats wieder aufgenommen werden kann. Inzwischen versucht die Gegenpartei ein neues Verschleppungsmanöver mit der Namhaftmachung neuer Zeugen und Sachverständigen über die Beziehungen der Juden zur Freimaurerloge. Diese letztere Frage war aber schon im ersten Stadium des Prozesses durch die Aussagen der prominenten Freimaurerführer so restlos negativ gelöst, daß das Gericht kaum noch Lust verspüren dürfte, sich mit diesem Punkte nochmals zu befassen. Aber auch über die „Protokolle" selbst ist das Urteil aller, die die Verhandlungen persönlich oder auf dem Wege der Presse verfolgt haben, längst gefällt. Der Schlußakt kann dieses Urteil nur noch bestätigen, und die Urteilsverkündung kann nur noch eine Formalität sein, die kein großes Interesse mehr beansprucht. Es geht uns nicht darum, daß die Protokollverbreiter mehr oder weniger empfindlich bestraft werden; diese sind uns im Massenchore der Märchenerzähler vollkommen gleichgültig. Uns liegt lediglich daran, daß die unselige Protokollfabel ein für allemal aus der Welt geschafft wird, um die Atmosphäre für jene wahren Protokolle Zions in Bibel und Propheten zu reinigen. Der Wille zum Sabbat. Eines muß festgestellt werden: die Stürme unserer Zeit haben die S a b b atlichter nicht zum Verlöschen gebracht. Mindestens der Wille zum Sabbat macht sich allenthalben in den deutschen Gauen bemerkbar. Nicht unbeachtet kann in diesem Zusammenhange die in der jüngsten Nummer veröffentlichte Resolution des „Jüdischen Frauenbundes" auf der Nauheimer Tagung bleiben. Nicht minder erfreulich wirken die Ausführungen eines Aufsatzes im Berliner „Gemeindeblatte" vom 20, Oktober über „Sabbat und Schule". Nach eingehender Besprechung der durch das Reichsgesetz über den Unterricht am Samstag neugeschaffenen Lage heißt es da wörtlich: „Was aber im Augenblick und sofort nottut, ist die Bereitschaft von Eltern und Schülern. Eine Entschließung verlangt die erwähnte staatliche Ordnung der Dinge. Während früher von der Möglichkeit der Befreiung vom Sonnabendunterricht nur wenig Gebrauch gemacht wurde, weil man für das Fortkommen des Kindes in der Schule Befürchtungen hegte, ist dieses Bedenken in Zukunft wenigstens für einen großen Kreis von Schülern völlig gegenstandslos geworden; es sind dies die vom 10. bis zum 14. Lebensjahre, in den höheren Schulen die Sexta bis zur Unterteria, in den Mittelschulen die entsprechenden Klassen, sicher Jahrgänge, die für die religiöse Beeinflussung besonders empfänglich sind, fällt doch das Alter des Barmizwah in diesen Zeitraum. Während dieser Jahre ist bekanntlich die der Reichsjugendführung unterstehende Jugend (HJ-Bewegung} schulfrei. Der Unterricht ist deshalb so eingeteilt, daß den befreiten Schülern unterrichtlich kein Nachteil entsteht. Es soll nach Möglichkeit Werkunterricht erteilt werden (für die Mädchen Nadelarbeit), ferner sollen Leibesübungen getrieben werden. So wenig grundsätzlich die Wichtigkeit dieser Unterrichtszweige verkannt werden darf, wird doch eine Abwägung selbst unter krassen Nützlichkeitsgesichtspunkten von einer Versäumung dieser 2—3 Stunden einen beachtlichen Schaden für den Schüler nicht herleiten können. Was die an diesem Tage ferner zu erteilende Unterweisung anlangt, durch die den Schülern das nationalsozialistische Gedankengut nahegebracht werden soll, so ist dieser nationalpolitische Unterricht nach dem Wunsche der Unterrichtsverwaltung betontermaßen ein Gesinnungsunterricht, von dessen Teilnahme die nichtarischen Schüler auf. Wunsch befreit werden können. Es ist selbstverständlich Sache, der Eltern, zu prüfen, ob sie die Teilnahme ihrer Kinder für zweckmäßig halten oder nicht. Wenn si« die außerordentliche Wichtigkeit der rechten Begehung des Sabbats durch das jüdische Kind erkannt haben, werden sie gewiß nicht wüsnehen, nun gerade an diesem wahlfreien Unterricht die Durchführung jener religiösen Erkenntnis scheitern zu lassen; sie werden vielmehr von der allgemeinen Erlaubnis des Staates, die Kinder vom Sonnabendunterricht befreien zu lassen, Gebrauch machen. Ermöglicht und erleichtert so die Neuordnung der Dinge durch die Schulverwaltung den Entschluß, einem großen Teile der jüdischen Schuljugend einen schulfreien Sonnabend zu gewähren, so muß erwartet werden, daß von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht wird. Die Schüler, denen so der Sa"bbat als jüdischer Ruhetag geschenkt wird, werden zu dem immer zahlreicher werdenden Kreis derjenigen treten, die jüdische Schulen besuchen und schon aus diesem Grunde schulfrei sind. Sicherlich bleibt es darüber hinaus erwünscht, daß auch die Schüler der von der Errichtung des Staatsjugendtages bisher noch nicht berührten Klassen die Möglichkeit der Befreiung wahrnehmen." Daß mit der Schulfreiheit, ja sogar mit der Arbeits ruhe am siebenten Tag allein noch nichts getan ist — dafür bietet leider das neue Palästina genug der traurigen Beispiele. Es muß Aufgabe der Eltern und Lehrer, aber auch aller öffentlichen, in Betracht kommenden Instanzen sein, den Kindern zu der erwirkten nniJÜ auch die nttmp zu vermitteln, denn nur aus diesen beiden Teilen setzt sich der wahre Sabbat zuasmmen, wie wir ihn wollen, wie G'tt ihn will: nn nxn nrww rmbv nman Wohin? Die jüdische Zukunft Erez Jisroels, Von Saly Geis in .Tel Awiw. Einiges Material, Ganz lose seien einige meiner Notizen aus dem vergangenen Monat Tischri aneinandergereiht. In dem Kinderdorfe Ben-Schemen fand von Freitag abend bis Samstag abend eine Jugendtagung unter Anwesenheit von 4000 Jungen statt. Konzerte, Theater, Sport füllten die Stun-, den, doch vom jüdischen Sabbat war nichts zu sehen. Hätten die Veranstalter nur noch ein wenig Verständnis für den Sabbat, sie würden die Veranstaltung auf den nahen Chol-hä-moed Sukkoth verlegt haben. „Dawar", die Tageszeitung der Arbeiter, hört nicht auf, gegen Thora und Talmud, gegen Religion und Tradition des jüdischen Volkes zu kämpfen. „Es sei gewarnt, das Opium der Religion zu trinken". „Die;1 Jb^sHHPK *' imw-^fcwBWr* ■ > ■ :Wr--^tueMa>tW'f—'^r'■■ -4 , W^€^W~^ . V i-t ■ Drei Fragen und eine Antwort, Eine anekdotische Homilie des jungen Jonathan Eibenschütz. Jonathan Eibenschütz, als junger Knabe, sollte, wie damals üblich, von seinem zukünftigen Schwiegervater „verhört" (geprüft) werden. „Was wollen wir aufschlagen?", fragte man den Knaben. „Egal was", antwortete dieser. Da sie gerade ein Gebetbuch zur Hand hatten, schlugen sie die Stelle auf; cnai ^373 "in nvni mmn rinn rnwy -raus ^Kynw ~i •^31 BIO» Er hatte nach Abmachung drei Fragen zu stellen und sie alle mit einem Worte zu beantworten. Er fing an: 1. Warum n»w und nicht, wie sonst zu Beginn einer Baraitha, b*vw "i IHK? 2. Warum legt sich ein Mischnalehrer den Namen eines Götzendieners zu? 3. Wie läßt sich der Grundsatz von MDl bbi aufrechterhalten, nachdem wir doch wissen, daß rhiro inxai mpia r», (die Thora hält keine chronologische Reihenfolge ein), daß somit der tnu (das Detail) vielleicht gar vor den bbs (Allgemeinregel) hingehört? Dies die drei Fragen. Und nun die eine Antwort: Zum Satze imsaw'i pns1» mix nap^i „Abraham wurde von Isak und Ismael begraben," bemerkt Raschi: „Daraus ersieht man, daß Ismael sich gewandelt und Buße geübt hat, denn er ließ, obwohl der ältere, Izchok vor a n gehen." Und damit sind alle drei Fragen mit einem Schlage gelöst: Der Tanna durfte Ismael heißen, da Ismael, Abrahams Sohn, zuletzt Zaddik gewesen ist. Wenn aus bxyap'i i?nr> zu ersehen ist, daß ersterer voran ging und folglich Ismael Buße getan haben muß, dann ergibt sich daraus, daß in einem und demselben Satze die Reihenfolge wohl als gegeben gilt; wie wüßte man ansonst, wo und wie Ismael gegangen sei, wenn die Reihenfolge nicht gälte? (Das imwsi mpia geht nur im Verhältnis verschiedener Kapitel zu einander an). Also kann man doch auch mal bbi lernen. Nun versteht man schließlich auch das bs9W> 'i *>»ik. Soll heißen: bxvnw n. die Tatsache, daß ein Tanna Ismael heißen kann, *>»i« besagt, daß es anai bbi gibt. Er hieß so, weil der biblische Ismael Tschuwa getan hat. Daß er es getan hat, ergibt sich aus der Rangordnung VssaP'i pnx'* Und der Satz kann nur dann beweiskräftig sein, wenn hier "imsm Dipl» nicht angeht. Also lernen wir t51Dl $bs- (Die Tragik des Misrachi.) Im Anschluß an die Artikel von Dr. Isak Breuer: „Zur Tragik des Misrachi" verweist uns ein Mitarbeiter unseres Blattes auf einen Midrasch zur vorigen nnio in ran mznna K'o rrcns. Dort bemerkt »an "i: Abraham hat dem Isak keinen Segen, sondern nur Geschenke gegeben. Einem König gleicht es, der einen Garten hat und ihn einem Pächter übergibt. In dem Garten sind zwei Bäume ineinander verwachsen, einer heilbringende und einer schädliche Früchte tragend. Der Pächter überlegt: begieße ich den heilbringenden, erhält auch der schädliche Nahrung, gieße ich den schädlichen nicht, wie gedeiht dann der heilbringende? Er kommt zum Entschluß: ich bin nur ein Pächter und habe nur meinen Dienst zeitlich begrenzt zu tun, dann mag der Besitzer tun, was ihm recht erscheint. So überlegte Abraham, * segne ich jetzt Isak, werden auch Ismael und Keturahs Söhne Segen verlangen, segne ich sie nicht, wie kann ich Isak segnen? Er kam zum Entschluß: ich bin nur aus Fleisch und Blut, vergänglich und sterblich, meine Schuldigkeit habe ich zu tun (und keinen Schaden anzurichten). Dann mag später G'tt in Seiner Welt tun, was Er will. Nach seinem Tode offenbarte sich G'tt dem Isak und segnete ihn, wie es heißt: Und es war nach dem Tode Abrahams, da segnete G'tt seinen Sohn Isak. M. Kleines Feuilleton, Herbstgebet*) own wini mm a'pa Du, der auch die Herbste schuf Auf der Erde, in der Seele, In den Donnern dröhnt dein Ruf Und die Stürme sind dir Lobchoräle. *) Aus dem demnächst erscheinenden Gedichtband „Der Lieder des ewigen Brunnens neue Folge".

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