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Der Israelit · 1934-03-29 · Heft 13-14 (29.3.1934) · page 27

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 13-14 (29.3.1934)
Date
1934-03-29
Page
– (sequence 27)
Language
German
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29. März 1934 Der. Israelit Nr. 13/14 Seite 3 iie Zeitgeschehen auf einmal nüchtern und er. besann ich nicht,;nur a^f sein Judentum, sondern; es wurde [:m auch klar, daß er seine ganze Kraft zum, Aufbau •on Erez jJisrbel im Sinne unserer Taüroh einzür tzen hai. Diese Umstellung bedingte natürlich von sn orthodoxen Organisationen eine erweiterte Erezubeit und die Agudas Jisroel-Weltorganisation, der \ ir die Gründung unserer Kewuzah zu verdanken i iben, hat sich mit anerkennenswertem Eifer für die Errichtung von Hachscharoth eingesetzt. So wurden on ihr in der letzten Zeit in fast allen, europäischen .andern Hachscharahstätten errichtet. Als wir vor schewuaus von der Errichtung der Kewuzaus ii Elsaß hörtön, gab es für uns Icein langes eberlegen, und wir benutzten die Gelegenheit, i n hier die Berufsumschichtung zur Landwirt-;haft vorzunehmen. Einige von uns fuhren ioch vor Jomtow und die anderen einige Tage päter hierher, um bei den Bauern im Ort und ichster Umgebung die Landwirtschaft zu ercrnen. Es soll in diesem Bericht nun kurz jschildert werden, wie das Leben in unserem ibbuz, unsere körperliche und geistige Arbeit im verflossenen Sommerhalbjahr ungefähr ausgesehen hat. II. Schon gleich vom ersten Tage an wurden vir mächtig in die Arbeiteingespannt. Zur ngewohnten Zeit, um 4 spätestens 5 Uhr orgens hieß es .schon raus aus der Klappe, Die auern ließen uns durchwegs ca. eine halbe »stunde Zeit,, um Tefillin zu legen und nachdem nan geort hatte, fing die Arbeit an. Die Ställe nußten vom Mist der Kühe und Pferde sowie ler anderen Tiere gründlich, gereinigt werden. Währenddessen wurde das,; Vieh gefüttert und;urz darauf getränkt. Erst zwischen 7 und 8 Jhr morgens, als es einem schon ziemlich feste m Magen kribbelte, wurde gefrühstückt. Nach em Frühstück, das gewöhnlich 20 Minuten dauerte, vurden die Pferde geputzt, dann an den Wagen gepannt und einige Minuten später konnte man eine Zeitlang die Pferde von oben betrachten. Denn um iese Zeit wurde fast jeden Tag Heufutter heimgeolt und die Wiesen waren immer einige Kilometer om Ort entfernt. Die Sonne mußte es irgendwie gehnt haben, daß wir nach Erez Jisroel wollen, denn sie rannte derart heiß, daß uns der Schweiß nur so on der Stirne und überall herunter lief, so daß wir .uns solange mit den Taschentüchern, abtrockneten, pis diese selbst ganz naß waren. Daß . wir keinen Mein trinken dürfen, wollte den Bauern nicht einleuchten, und wir haben ihnen' gezeigt, daß mit l^asser und Kaffee ebenfalls Her Durst gelöscht ^Verden kann. Eine Riesenplage waren die vielen, §delen Mücken, die sich fast überall an unserem Cörper festklebten und die manchmal sogar die )huzpe hatten, einem direkt in den Mund zu flieen; guten Appetit! Ueber Mittag blieben wir ^indstens auf dem Felde, um gleich weiterarbeiten räu können. Gegen 11 Uhr wurde Mittag gegessen pnd sehr gut schmeckte uns das Essen, das unsere thaweroth gekocht hatten. Nach einer halbstündigen •Mittagspause wurde dann bis abends mit einem curzen Vesper in der schon palästinensischen Hitze schwer weiter gearbeitet und erleichtert atmeten .vir auf, als wir uns bei der Heimfahrt auf dem iHeuwagen ausruhen konnten, während der Bauer Jft heimlich kicherte,- wenn uns dabei vor Müigkeit' die Augen zufielen. Zuhause angekommen vurden meist noch die Heuwagen abgeladen, dann vurde das Vieh wieder gefüttert und getränkt nd wenn .wir gegen 9 Uhr abends mit der Arbeit ertig waren, verstanden wir erst so richtig den ~osuk: anb bsvxn -{m nsrra „im Schweiße Deines Anesichtes sollst Du das Brot essen." Einen eiseren Willen mußten wir aufbringen, um die vom auer verlangten Arbeiten zu bewältigen, denn >e bisher ungewohnte 16 stündige Arbeit, die urchtbare Hitze und der dazugehörige schmerzafte Sonnenbrand machte uns am Anfang immer; otal kaput. Doch das Bewußtsein, warum wir , iese Arbeiten verrichten, und daß jeder von uns;;sselbe mitzumachen hatte, stärkte uns jedesal wieder von neuem und mit der Zeit gewöhnen wir uns so an die Arbeit, als ob wir sie schon 3mmer gemacht, hätten, . Die Arbeiten bei einem| . |L:ndwirt sind natürlich' äußerst mannigfaltig. "Uri- '' ";tre erste Feldarbeit war das Setzen der Tabak-, Kartoffel- und Rübenpflanzen. Heu- und Grün- ^uttermachen, auf- und abladen wechselte ab mit dem |J:ikrautausroden auf den schier unendlichen Tabak- Jii d Rübenfeldern. Zwischendurch wurde Mist aufs f *ld hinausgeführt und dort verteilt. - Das Füttern, änkeni und Putzen des Viehs ließ uns der Bauer; cion nach einigen Wochen ganz allein machen. Die - iisten lernten auch melken, kutschieren, reiten usw. d mit großer Freude erzählte dann 'jeder abends |t i Heim, was: er schon selbständig machon darf und :nn. In der.', größten 'Hitze, anfangs August;' fing die 3treidfeernte an; zuerst wurde di'e Gerste, dann der lafer und Weizen geerntet.! Unseren heute noch Jaunen Armen merkt man nicht mehr an, wie sie urch?das Garbenbinden verkratzt waren, ebenso uch nichts unseren Fingern, die immer wieder blucten, weil wir versehentlich in die scharfen Stoppen hineinlangten/ Beim Dreschen hatte jeder von uns S.mehr als: genügend Gelegenheit, Staub und Derckzu schlucken. Dazu kam die Tabakernte, die uns wochenlang bis Mitternacht zu schaffen machte und danach die Mais- und Weintraubenernte. Bei der Kartoffelernte lernten wir außer zentnerschwere Säcke auf dem Rücken zu tragen, auch Kilometer lang auf den Knieen zu rutschen. Vor einigen Wochen wurde die Rübenernte, j beendet und im Anschluß daran begann das Pflügen der Aecker und Felder, das ebenfalls fast alle von uns schon selbständig machen können. Zurzeit werden die Tabakblätter sortiert, verpackt Inneres in der Syinagoge der Wiener Seitenstettengasse und an die Behörde abgeliefert. Außer den üblichen Heimarbeiten von Holzhacken, Weinfässer putzen und Gruben graben, haben wir bisher ■ die bereits erwähnten Arbeiten verrichtet, die bei dieser Schilderung natürlich. leichter aussehen als sie in. Wirklichkeit gewesen sind. III. ' Wenn dann abends alles fertig war und der Bauer schon zu Bett ging, fing für uns das Kibbuzleben an, das uns nach der schweren körperlichen Arbeit auch geistig weiterbilden soll. Denn wir wollen ja nicht Türkische Juden in Wien so sinnlos in den Tag hineinleben und immer nur arbeiten, essen und schlafen, um am anderen Tag dasselbe zu machen, sondern wir sindi'uns bewußt, daß wir als Juden außer den allgemeinen Arbeiten, die zu verrichten sind, noch ganz andere wichtige Aufgaben zu erfüllen, haben.;Üri& gerade bei der oft stumpfsinnigen Arbeit hatten wir immer wieder die beste Gelegenheit und Zeit, über unsere Pflichten nachzudenken. Viele Mizwaus lernten wir jetzt erst 1 verstehen;-und verschiedene-Tefillos z. B. Wejiten lecho usw. bekamen für uns nunmehr .ihren richtigen Sinn, j Wir freuten uns schon den ganzen Tag darauf, nach 'der harten Arbeit mit den anderen Chawerim im Hpim zusammenzutreffen und wurden dann iwähV rend des Essens die im Laufe des Tages mitgemachten Erlebnisse ausgepackt. Nach dem Essen wurde, obwohl wir immer sehr müde und abgespannt waren, Chumisch' mit Raschi oder Mischnajot gelernt, und wenn es nur eine Viertelstunde dauerte, denn die Hauptsache, war ja, daß etwas gelernt und verstanden worden ist. Ehe man sich dessen versah, war es schon 10 Uhr geworden und jeder' ging zu seinen Bauern, um sich dort in einem einfachen, seinen Zweck jedoch sehr gut erfüllenden Bauernbett, zur wohlverdienten Ruhe zu begeben. Da wir uns während der Woche, infolge der schweren Arbeit, unseren geistigen Aufgaben nicht intensiv widmen konnten, war uns dies am Schabbos um so erfreulicher, den wir auch dementsprechend mit Lernen und Singen usw. ausfüllten. Kaum hatten wir am Freitag nachmittag unsere Arbeitskleider und mit ihnen die Mühe und Plage der ganzen Woche abgestreift und uns für Schabbos hergerichtet, fühlten wir uns nicht nur wie neue Menschen, sondern wir verspürten schon die Heiligkeit des Schabbos, die uns dann abends im Heim bei den brennenden Kerzen, beim Kiddusch und den Semiraus immer mehr erfüllte. Wir verbrachten am Schabbos einige Stunden im Heim oder Garten mit Lernen von Chumisch mit Raschi, Mischnajot, Gemoro und wissenschaftlichen Aussprachen. Damit das Gebot am Schabbos viel und gut zu essen nicht zu kurz kam, wurden die Seudaus, in deren Zubereitung unsere Chawerot ihre Kochkunst glänzend bewiesen haben, immer wieder eingeschoben. Bei Seudo Schlischis wurden alle hebräischen und jiddischen Lieder, die wir kannten, gemeinsam gesungen und tiefbewegt waren wir, wenn in der anbrechenden Dunkelheit einige unserer besten Sänger die wehmutsvollen, Hoffnung und Trost spendenden jüdischen Melodien anstimmten. Viel zu schnell ging für uns der Schabbos zu Ende, der sowohl uns wie auch unseren jeweiligen Gästen immer ein besonderes Erlebnis war. In jeder Beziehung frisch gestärkt wurde die neue Woche begonnen und wir freuten uns jedesmal schon wieder auf den kommenden Schabbos. Nachdem es in den letzten Wochen bei den Bauern •nicht mehr viel zu arbeiten gibt und wir daher abends schon sehr bald fertig sind, haben wir uns nunmehr daran gemacht, einen festen Stundenplan zu entwerfen, den wir so eingeteilt haben, daß jeder unserer Chawerim zufrieden gestellt wurde. Während der Woche wird jeden Abend nach dem Essen ca. 20 Minuten Dinim gelernt. Nachher Wird Montag und Mittwoch abend jeweils eine halbe Stunde Mischnailjot Brochaus und am Sonntag, Dienstag und Donjl'nerstag abend die Sidro mit Raschi durchgenommen. Am Mauzoe Schabbos Montag und Donnerstag abend lernen 'wir nach den Schiurim noch rvnav und am Sonntag haben wir einen theoretischlandwirtschaftlichen Kurs. Fast jeder unserer Chawerim ist Pfleger irgendeines Schiurs oder sonstigen Kurses, auf den sich dann der betreffende Chawer immer vorbereitet und dann vorträgt. Freitag abend sind wir nach dem üblichen Dinimschiur gemeinsam "vasa nno- Schabbos morgen lernen wir nach der Synagoge von 10.30—11.30 Uhr *nai und zwar syxa aaa 'oa- Um 1 Uhr wird Mittag gegessen und Semiraus gesungen. Von 1—2 lesen wir aus Werken von Jacob Rosenheim sowie aus sonstigen agudistischen Schriften; im Sommer behandelten wir die 19 Briefe von S. R. Hirsch! Um 3 Uhr wird nma geort und im Anschluß daran findet dann nwbv rrnsö statt. Mauzoe Schabbos und Sonntag abend ist außerdem noch Spielabend, an denen die Kibbuzmeisterschaft in Schach und Ping-Pong ausgetragen wird. So haben wir uns ein anregendes und lehrreiches Programm vorgenommen, das wir demnächst durch einen Geschichtskurs über Palästina usw. noch erweitern wollen.. Die verehrten Leser werden sich wahrscheinlich schon gefragt haben,, wovon der Kibbuz eigentlich finanziert wurde und wie groß unser Lohn für die enormen Arbeiten bei den Bauern war? Nun, Gehalt bekamen wir keines, höchstens ab und zu einmal ein kleines Trinkgeld. Dagegen lieferten uns die Bauern, bei denen wir arbeiteten, wöchentlich Eier, Butter, Kartoffel, Mehl, Milch und Gemüse, und was uns sonst noch zum Ausgleich unseres Haushaltsplanes fehlte, bekamen wir in bar von den hiesigen und umliegenden Gemeinden sowie von Colmar, Straßburg und von der P. C. der Agudas Jisroel in Frankfurt a. M. beigesteuert. Von der P. C. und der A. 1.1. 0. bekommen wir regelmäßig den „Israelit", h»-tv bip* „Nachlath Zwi" sowie sonstige Seforim und Lektüren. Mit den Kewuzaus in Enschede sowie Petacfr Tikwah stehen wir in Korrespondenz .und wir-1 hoffen durch den nunmehr gegründeten Nauar Agudosi auch mit den anderen agudistischen Hachscharastätten erfolgreich zusammenzuarbeiten. Unser sehnlichster Wunsch ist, recht bald die Zertifikate zu erhalten,'•um n"3?a schon den kömmenden . nos auf tWij?,. n.mK feiern zu können. , , ■.

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