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Der Israelit · 1934-03-29 · Heft 13-14 (29.3.1934) · page 25

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 13-14 (29.3.1934)
Date
1934-03-29
Page
– (sequence 25)
Language
German
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Lied. Von Dr. Theodor Weiß in Breslau-Mir (Polen). Du hast mein Gold gesammelt und geglüht Und dann in Deinen Prägestock getan, Wie litt ich Schmerzen, als ich Form bekam, Mein Gold könnt' schwer nur sich ins Siegel fügen. Doch als ich Rund gewann, Gewicht und Wert, Da fand ich Deinen Namen überall, Mein Hoch und Tief warst Du. Und wenn ich fiel, So fiel Dein Namen mit. Da mußt' ich steigen. Doch wenn ich stieg und meines Glanzes Strahl Von Deiner Gnade überglänzt erschien, Und Du mich Deine wahre Münze nanntest — Dann will mein Gold in einer höheren Prägung Aufs neu geformt in Deiner Rechten ruh'n, Denn meines Goldes Wunsch ist hoch und tief, Es bangt danach, das Siegel selbst zu sein, Mit dem Du prägst, die tiefe Rune Deines hohen Namens. Wiener Hofjuden. Mit fünf Bildern. Der H o f j u d e im früheren und späten Mittelalter hatte stets eine zwiefache Aufgabe, nach außen und nach innen; hatte gewissermaßen das eine Auge nach dem Hofe, das andere als Jude nach seiner jüdischen Gemeinschaft gerichtet. Er hatte die jüdischen Interessen bei Hofe zu vertreten, hatte aber andererseits die Gemeinde und Gemeinden auf dem Laufenden zu halten über die Winde, die von oben her wehten, ihr Leben danach einzurichten und sie in steter Bereitschaft zu halten. Nich alle Hofjuden und — im weiteren Sinne dieses Wortes — Schtadlonim (Judenverteidiger bei Hof) waren von der ethischen und moralischen Größe eines Rabbi Joselmann, aber auch der berüchtigte „Jud Süß", der in der ersten Hälfte seiner Laufbahn wenig von Rücksichten auf seine Glaubensgenossen geleitet war, ist nicht der Typ des Hofjuden. -Zwischen beiden Gestalten, die auch zeitlich weit genug auseinander stehen, gibt es verschiedene Grade: Männer von hohen geistigen und jüdischen Qualifikationen, andere, die nach ihren Kräften ihre Pflicht gegen ihre Gemeinschaft taten; Männer, denen das Wohl und Wehe ihres Volkes so am Herzen lagen, daß sie nur zu diesern Zwecke den Aufstieg unternahmen und, oben angelangt, sich zuweilen im wörtlichen Sinne ihrem Volke opferten, aber auch solche, denen vielleicht der Aufstieg, der Reichtum, die Weltgeltung das Primäre war, und die dann erst, im Besitze von Macht und Einfluß, auch ihrer Brüder gedachten und ihnen gaben, was sie ihnen als Juden schuldeten. Gewiß nicht zu den unbedeutendsten und unerfreulichsten gehörten die Wiener Hof juden im 17., 18. und 19. Jahrhundert, denen jetzt Hans T i e t z e in einem dickleibigen Buche von über 300 Seiten unter dem Titel: ,, Die Juden Wiens" (Verlag E. P. Tal u. Co., Wien-Leipzig mit 30 Tafeln Bildern und Plänen) u. v. a. ein Denkmal setzt. An erster Stelle stehen Samuel Oppenheimer und Samson Wertheimer (siehe Bilder). Wiener Hofjuden. Samuel Oppenheimer Samuel Oppenheimer wvirde 1630 wahrscheinlich im Badischen geboren. 1660 sehen wir ihn als Armeelieferant, Kammeragent und Vertrauensmann des Kurfürsten Karl Ludwig von der Pfalz in Heidelberg. Von 1670 an ist er aber der Hofjude des Kaisers Leopold I. und einer der mächtigsten Männer in Wien, viel geehrt, aber auch viel beneidet. Er muß mancher Hetzkampagne standhalten. Sein persönlicher Kredit und seine Begabung helfen ihm aber über alles hinweg. Unbegrenzt ist seine Leistungsfähigkeit als Armeelieferant. Er besorgt für alle Kriegsschauplätze den Heeresbedarf in jeder Art und jeder Menge. Die Heulieferungen für die Kavallerie wie die Schiffe für die Donauflotte gehen durch seine Hand. Er ist aber auch der Hofbankier, der im Gewähren von Darlehen und Besorgen von Juwelen unerschöpflich ist. Weder der Kaiser, noch der Hofadel können seine Hilfe entbehren. Für seine Ausstände weiß er sich die staatlichen Einnahmequellen zu sichern. Mit seiner Macht wächst natürlich sein Ansehen in der jüdischen Gemeinde, um so mehr als er dem jüdischen Gesetze treu bleibt und keine Gelegenheit versäumt, seinen gewaltigen Einfluß für seine Brüder einzusetzen. Gl ü ekel, von Hameln schreibt: „Es wäre schön gewesen, so hoch zu steigen," nämlich in verwandtschaftliche Beziehungen mit den Oppenheimern zu kommen. Daß das Volk für alle Nöte und Leiden, die Entbehrungen und den Steuerdruck sehr zu Unrecht den Jud Oppenheimer verantwortlich macht, dieses Schicksal teilt er mit dem späteren Namensbruder Süß Oppenheim, aber so weit und so tragisch ist es nicht gekommen. Der Hof schenkt ihm das Vertrauen bis zuletzt und schützt seinen Juden vor jeder Unbill. Als es 1700 aus nichtigen Gründen zu Ausschreitungen kam, in deren Gefolge das Haus Oppenheimer geplündert und demoliert wurde, wurde sofort die Wache eingesetzt, und es gab Verwundete und Tote. Zwei Rädelsführer wurden sogar öffentlich hingerichtet. Samuel Oppenheimer starb am 3. Mai 1703 plötzlich. Ueber sein Vermögen wurde der Konkurs verhängt und die Liquidation zog sich über ein halbes Jahrhundert hin, da sich viele hohe Herrschaften den Tod des Hofjuden zu Nutze machten, um sich ihren Verpflichtungen, die letzten Endes Verpflichtungen gegen den Staat waren, zu entziehen. Von stärkeren menschlichen und jüdischen Qualitäten war (ungefähr dreißig Jahre später) Samson Wert heimer, ein naher Verwandter Oppenheimers. Die von ihm getätigten Geschäfte zeichneten sich durch solche Lauterkeit, Vorsicht und auch wahres Staatsinteresse aus, daß auch die schlimmsten Judenfeinde ihm nicht Gewinnsucht oder Eigennutz nachsagen konnten. Nach Oppenheimers Tode wurde Wertheimer 1703 von Kaiser Josef I. zum Hoffaktor ernannt, und es wurde ihm und seiner Familie der Schutzbrief verabfolgt. Das volle Vertrauen bestätigten ihm auch die folgenden Kaiser. Da er sich bereits 1708 zur Ruhe begab und die ausgedehnten Geschäfte seinem Sohne Wolf übertrug, konnte sich Wertheimer, der ein bedeutsames talmudisches Wissen besaß und sich durch tiefe Frömmigkeit und unvergleichlichen Wohltätigkeitssinn auszeichnete, ganz seinem Volke widmen, und diese Tätigkeit trug seinen Namen in die ganze Welt hinaus. Ein Geschichtsschreiber seiner Zeit bestätigt ihm, daß er viele Besitztümer auch in Frankfurt und Worms sein eigen nannte und seine Wohltaten sogar bis Polen, Ungarn und Jerusalem hinausreichten. Auch in seinem Ruhestande verkehrt er noch sehr oft bei Hof. Wertheimer wurde der Ehrentitel als Ungarischer Landesrabbiner erteilt, und

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