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Der Israelit · 1934-03-29 · Heft 13-14 (29.3.1934) · page 24

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 13-14 (29.3.1934)
Date
1934-03-29
Page
– (sequence 24)
Language
German
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Seite 4 Nr. 13/14 Der Israelit 29. März 1934 Sinn der die ganze jüdische Glaubenslehre tragenden beiden G'ttesnamen D'j?S>K und' 'n erörtert hätte. Es würde sich dann ergeben haben, daß in diesen beiden Namen in der Tat die komplementäre Zusammengehörigkeit der schicksalhaften Naturwaltung und der freien G'tteswaltung zu einem unendlich klaren Ausdruck gelangt. Jedenfalls ist die Arbeit überaus dankenswert und auch für den Kenner der Materie höchst anregend. R. v Mein Anteil am Weltkrieg. Kriegsmemoiren von David Lloyd George. Berlin. 1933. S. Fischer-Verlag. Die Kriegsmemqiren Lloyd Georges, des eigentlichen Urhebers der Balfourerklärung und eines der überzeugtesten Freunde und Verehrer des jüdischen Volkes überhaupt, wird man von vornherein mit lebhaftem Interesse in die Hand nehmen. Besteht doch bei Lloyd George, wie bei kaum einem anderen Schriftsteller, eine so völlige Identität zwischen dem Manne und dem Stil, das man in den lebensvollen, von Willensenergie strotzenden Sätzen, die er schreibt, das Bild des Menschen selber förmlich vor Augen zu sehen glaubt. Was jetzt vorliegt, ist nur der erste Teil des umfangreichen Werkes, umfassend die Zeit . vom Juli 1914 bis Ende 1916. Die Vorgeschichte der Balfourerklärung ist in diesem Teile also noch nicht zu finden und der Stellen von spezifisch-jüdischem Interesse sind wenige. Eine davon ist in dem Kapitel über die Finanzschwierigkeiten bei Ausbruch des Krieges enthalten. Lloyd George tritt dort der leider immer noch wiederkehrenden wahnsinnigen Vorstellung entgegen, es sei die „jüdische Finanzmacht" gewesen, die ein,en Anteil an der Entstehung des Weltkriegs gehabt habe. Lloyd George sagt darüber: „Das Geld kam aus dem Schrecken und Zittern nicht heraus. Es schauderte vor der Aussicht auf den Krieg zurück. Diesen Krieg den Finanzleuten in die Schuhe schieben zu wollen, ist eine törichte und ignorantenhafte Verleumdung." Dagegen zollt Lloyd George insbesondere Lord Reading, seiner Kenntnis des Finanzwesens, seiner Beherrschung der Zahlen, seiner Gewandtheit und seinem ruhigen sicheren Urteil warme Anerkennung. Indem er den russischen. Zusamenbruch erzählt, wobei die Darstelstellung durch außerordentlich interessante Originalbriefe der russischen Mnister und Heerführer unterstützt wird, versäumt er nicht zu bemerken: „Wie gewöhnlich in Rußland, wenn ein unfähiges und korruptes System zu Fehlschlägen führte, wurde die Schuld anderen Ursachen zugeschoben. Bei solchen Gelegenheiten kamen stets die Juden zupaß." Im allgemeinen ist die Lektüre des Werkes, wie bereits angedeutet, ein ästhetischer Genuß. In der Darstellung gelangt die starke Verwurzelung des Autors in biblischen Formen und Gedankengängen häufig zu interessantem Ausdruck, so wenn er die Mission des amerikanischen Obersten House im Jahre 1916 schildert und sagt: „Wilson entsandte Oberst House als Friedenstaube aus der Arche mit dem Auftrage, die Wasser der Sintflut zu erkunden und seinen Chef zu berichten, ob Anzeichen dafür vorhanden seien, daß die Flut sich verlaufe und ob ein Gipfel sichtbar, sei, auf dem die Friedenstaube sich niederlassen könne." . J. „The Great Beyond", by Rabbi Dr. A..E. Sil verstone. London. Arthur H. Stockwell, Ltd. Unwillkürlich fragt sich jeder: Was liegt jenseits des Grabes? Was ist mit der Seele? Wird auch nach dem Tode des Körpers die Seele noch existieren und in welcher Form? Bin ich Seele oder Körper oder eine Verbindung beider? Ist die Beziehung der Seele zum Körper wie die der Musik zur Harfe oder ist die Seele wie eine Grammophonplatte, die für ewig die Stimme der längst toten Person in sich aufgenommen hat? Ist der Körper einfach ein Kleid, welches die Seele abwirft, wenn das Kleid verbraucht,. verwittert ist? Ist es möglich, mit der Seele in Verbindung zu treten? Alle diese Fragen u. a. m. werden in dem interessanten lesenswerten Büchlein des Rabbi Silverstone gestreift. Es ist natürlich nicht möglich, auf 63 Seiten solche Fragen anders als im Fluge zu behandeln, um so weniger, wenn nicht nur die Ansicht des Judentums, sondern auch der Standpunkt der Aegypter, Perser, Griechen, Christen, Mohammedaner auseinandergesetzt werden soll. Wie sehr übrigens die Vorstellungen der alten Völker auch untereinander differieren mögen, so ist doch allen gemeinsam, daß sie an ein Fortleben der Seele nach dem Tode glauben. Daß für die meisten Leser des „Daily News", wie sich durch Abstimmung ergeben hat, der Glaube ah die Möglichkeit eines Verkehrs mit Geistern mehr Wahrscheinlichkeit in sich birgt als das' Gegenteil, scheint uns ein zu alberner Beweis, als daß man ihn erwähnen dürfe. Desgl. ist es lächerlich, ein Urteil davon abhängig zu machen, daß dieser oder jener große Mann das Fortleben nach dem Tode bejaht. Es wäre traurig, wenn unsere Ueberzeugung von den beliebigen Ansichten der Menschen abhängig sein könnte. — Der Verfasser bringt aber auch viele ernste Beweise für das Fortleben des Menschen nach dem Tode. Es fühlt der Mensch, daß tiefe Geheimnisse des Weltalls ihn umgeben und daß er einen Funken des G'ttesgeistes in sich hat. Niemand kann des Eindrucks sich erwehren, daß der Entwicklungsprozeß mehr nach der Richtung der Seele hinstrebt wie nach Entwicklung des Körpers. — Wenn es uns gewöhnlichen Manschen auch nicht vergönnt ist, klar die Dinge zu ' erfassen, die mit der Auferstehung zusammenhängen, so gehört der Glaube an »an dS>ip ünd a'nan rrnnMoch zu den Grundlagen unserer fUiasc- Wir beten täglich zum ovia ''na- „Das Gebet, zumal der wip, überspannt Zeit und Raum und nimmt dem Tode den Stachel." - Dr. M. A. . Am Morgen einer neuen Zeit. Zusammenbruch oder Neugestaltung.1' Von Dr. Hermann - G r o ß - mann. Stuttgart. Verlag Strecker u. S c h r ö d e r. . Kartonniert M. 0.80, in Leinen Mk< 0.50. . ü; Ein Buch, das schon vor längerer Zeit erschienen ist, aber in den Monaten, die seit dem Erscheinen verflossen sind, für manchen an Bedeutung gewonnen haben mag. Der Verfaser unternimmt es, mit einem bemerkenswerten Abstand von tagespolitischen Fragen, eine große, weltkulturelle Entwicklungslinie aus der Vergangenheit bis zur Gegenwart, aufzuzeigen, klarzumachen, warum die heutige Weltlage in allem fragwürdig und bödroht erscheint. In'das Buph hineingeflochten ist eine orientalische Lehre, die von einem abgerundeten, religiös unterbauten, aber dogmenfreien Weltanschauungsbekenntnis ausgeht, der auf Palästinas Boden entstandenen Lehre Bana Ullas. Dem religiösen Juden vermag das Buch wenig zu geben. . ' Dr. E. Was ist Kultur? Von Dr. R. B o r o w a n. Graz, Leipzig. Leykam-Verlag. Broschiert S I. . Wirtschaftliche, völkische, religiöse und andere Ideale, die sich oft widersprechen, werden in diesem Buche alphabetisch geordnet (!) behandelt. Es wird nachzuweisen gesucht, daß die Wurzel der Ideale, nach Kant im Bewußtsein und Gefühl der Menschen ruhend, auf das Fühlen als auf das Wesen unserer Kultur hinweist. Im zweiten Teil des Buches werden einzelne Gebiete des menschlichen Lebens schlaglichtartig beleuchtet. Das Buch erfordert keine besonderen Vorkenntnisse. Vielleicht sind sie sogar hindernd für die Lektüre. So z. B. darf man vom Judentum überhaupt nichts wissen. Wie wäre es sonst möglich, ein Buch über Kultur und Religion zu schreiben, und dabei mit keinem Sterbenswörtchen des Judentums zu . gedenken? Jahrbuch der Caritaswissenschaft 1933. Herausgegeben von Prof. Dr. Franz Keller, Verlag Institut f. Caritaswessenschaft a. d. Universität F r e i b u r g i. Br. 252 S. * mit Titelbild. Preis Mk. 4.50. Das Buch stellt den Querschnitt einer Jahresarbeit dar, zu dem sich eine Reihe bekannter Autoren über die wichtigsten caritaswissenschaftlichen Fragen äußern. Exegetische Beiträge. Von Dr. Samuel G r ü n b e r g, Dozent am Rabbiner-Seminar zu Berlin. V. Frankfurt a. M. 1 9 3 3. Verlag K a u f fmann. kl. 4° 111 + 3. Dieses Heft stellt die Fortsetzung einer im früheren Berliner Jeschurun erschienenen Artikelreihe gleichen Titels dar. Sie ist ein willkommenes Zeugnis der im Seminar "stetig betriebenen immer noch unentbehrlichen Text-Apologetik und weckt den Wunsch, daß diese Arbeit fortgesetzt und weit verbreitet werde. Sie darf sich auch als Fortführung Hoffmannscher apologetischer Probleme ansehen. Es verfängt dabei nicht viel, wenn hier und da noch ein inzwischen etwas überlebter Hyperkritiker zu ernst genommen erscheint; die Resultate sind jedesmal an- , nehmbar und überraschend, — eben weil sie jede Textkorrektur unnötig machen und alte exegetische Cruces beseitigen. C. Die rheinischen Rabbinerversammlungen im 13. Jahrhundert. Inaug.-Dissertation (philos. Würzb.) Von S. Auerbach aus Hamburg. Würzburg (Gollig.) 1 93 2. kl. 4° 112. Die Geschichte der Juden zwischen Kreuzzügen und Auswanderung nach Polen ist bisher wenig in Monographien gefaßt worden. Die Auerbach'sche Dissertation kann den Anfang einer; Schriftenreihe, bilden, die eine merkliche Lücke ausfüllt. Die damalige Geschichte deutscher Juden pflegt zugunsten der des spanischen Judentums zurückzutreten. Es scheint, — und besonders vorliegende Schrift erhellt das, — daß rein historisch hierzu keine Berechtigung vorliegt. Es ist doch nicht nur der „asketische Zug", der den damaligen Juden Deutschlands auszeichnet. Recht mannigfach sind die Berührungen zwischen dem Gesittungsstand der „jüdischen und christlichen Deutschen in der damaligen Zeit", — wie der Verfasser in einer den wissenschaftlichen Usus übersteigenden Prägnanz sich auszudrücken beliebt. Selbst Graetz hatte die Unterschiede zwischen der Lebensführung etwa der damaligen Kirchenfürsten und der der Thora-Großen deutlicher herausgearbeitet. Zu S. 30, § 9 und S. 41 vgl. die 1926 von Unna im Jeschurun aufgestellte Rechtstheorie der 'iai Vaa >Vw bv nna> - Zu S. 72/3 wäre deutlicher hervorzuheben, daß durch das Aufhören von wirklicher vs (Chullin 13b ]3nr> n, Toßf. ib.) nur der völlige nsun tio'n von unter Umständen Abschwächungen erleidet, nicht aber der tid'R des Welris, der in Wänden der nicht aüsjjjekochten Gemäße, der als Rest verbleibt; dieser ist unter'*Umständen auch bei irvons verboten;'wobei mit Götzendienst gar k e i n Zusammenhang1, besteht. Damit erübrigt sich die ganze Diskussion S. 13, insbesondere Nöte 5, die recht; befremdend wirkt* Alle diese einzelnen Bemerkungen sollen-nichts an dem. Gesamturteil ändern, daß Auerbach ,,einer Waise sich angenommen" hat,' wie R. Jehuda von Regensburg es nennt, wenn ein ergänzungsbedürftiges Gebiet jüdischen Wissens in Behandlung genommen;>tyir;d, — und Auerbach tut es mit dem Erfolge, daß der deutsche Jude auf; die Gesittung seiner Vorfahren sicher' heuen S,tolz empfinden und sich ihrer Erforschung mit verstärktem Eifer widmen muß. C. Böfnner. orientalische Studien. Herausgegeben, von P. K a h 1 e und K. W i r f e 1. Heft 2. M e n a h e m Zulay, Zur Liturgie der babylonischen Juden, Geniza-Texte, herausgegeben, übersetzt und bearbeitet sowie auf ihre Punktation hin untersucht. Stuttgart (K o h 1- j :\ halmmer}. 19 3 3. kl. 4° 1933, X + 90.; Zulay hat mit offensichtlich, vieler Mühe die'schlecht erhaltenen Fragmente alter Piutim aus; der Vergessenheit gerettet. Man. sollte den bei nich't-aschkenasischen Juden üblich gewesenen Piutim mehr Aufmerksamkeit als bisher schenken. Schon .'ihre Existenz als solche ist ein Argument gegen jene Auffassung, welche den Brauch des: Piutim-Einfügens auf irgendwelche nicht erhaltenswerte Eigenheiten aschkenasischer Judenheit zurückführen möchte; Manches aus ihrem Inhalt! ist für die Geschichte der Liturgie auch in unserem Sinne wichtig, z> B. für die Geschichte des Perikopen-Zyklus und der Geltungsdauer der Halacha des Jeruschälmi. Es mag; jenseits der Ziele der Zulay'schen Arbeit liegen, hätte aber nicht minder interessiert, zu erfahren; welches, die Ursachen sind, aus denen Piutim im Orient eingeführt oder abgeschafft wurden. B. C. Zur Geschichte der Juden im Wuppertal. Von Fritz Jorde. Wuppertal-Elberfeld. 1933. Bergland-Verlag. 38 Seiten. Ein überaus interessant geschriebenes Buch, das uns in leicht verständlicher Sprache ein anschauliches Bild von den Anfängen bis zur Gegenwart der beiden Synagogengemeinden Elberfeld und Barmen gibt. Der Verfasser zeigt an Hand reichen Quellenmaterials das Werden und Wachsen dieser beden Gemeinden. Zur Zeit der Reformation waren Juden im Bergischen Land und im Jahre 1694 werden sie erstmalig in Elberfeld urkundlich erwähnt. Der Verfasser schildert dann eingehend das Wachsen dieser Gemeinden bis in die Gegenwart. Das Buch ist ein wertvoller Beitrag zur Heimatkunde, und man möchte hoffen, daß nicht nur dieses Werk, sondern vornehmlich sein Schlußsaz überall Beachtung findet: „Elberfeld und Barmen zusammen zählen 3000 Juden, eine verhältnismäßig kleine Zahl, die aber zu bedeutend ist, als daß man die von dieser Zahl umschlossenen Kräfte zurückweisen dürfte dort, wo sie im Gemeinschafts-.; gefühl mitarbeiten wollen im Dienste an Volk und Vaterland." . A. Das Ma'assebuch. Seine Entstehung und Quellengeschichte, zugleich ein Beitrag zur Einführung in die altjüdische Agada. Von Jakob M e i 11 i s. Berlin. 193 3. Verlag Rubin Maß. 148 Seiten. . Ein sehr interessantes Werk, sowohl für den Archäologen, wie für den Agadisten und den Philologen. Der Verfasser dringt tief in das große "Gebiet der jüdischen „Maasse", der jüdischen Sage und Legende, ein und zeigt uns, was dieses Maassebuch seiner Zeit bedeutete, und was es uns heute noch bedeuten kann. In anschaulicher Weise gibt uns der Verfasser die Geschichte des Maassebuches von seinem ersten, 1602 in Basel gedruckten Exemplar bis zur letzten, 1851 in Lemberg erschienenen Ausgabe unter dauernder Bezugnahme auf die verschiedenen Handschriften. Eine Reihe Erzählungen aus dem Maassebuch, sowohl einfache Volksmärchen wie Predigtmärlein mit ihren belehrenden und moralisierenden Schlußbetraqhtun-' gen, illustrieren die Ausführungen des Verfassers. Wir beglückwünschen den Verfasser zu diesem Erfolg i und hoffen, daß das Buch allen Anregung gebe, wieder tiefer in den jüdischen Sagen- und Legendenreichtum einzudringen. A. Die gemordete Seele. Von Grigol. Robakidse. Jena. Eugen Diederichs Verlag. Der Roman, der nicht den bis zum Ueberdruß ausgekosteten Typus der üblichen „Rußlandbücher" repräsentiert, berührt den Leser sehr tief. Der, Dichter hat die Tragödie seines georgischen Volkes miterlebt. Die gewaltige, hartnäckige Auseinandersetzung zwischen den Machthabern im Kreml und den nationalen Kräften, die mit dem Blut und der Erde Georgiens verbunden sind, erfüllt die Betrachtung der Dinge „von der Dichtung her", — wie sich'Robakidse im Vorwort äußert. Die Art eines derartigen Versuches bringt es mit sich, daß das Buch, in seinen 1 wesentlichsten Teilen einen nachhaltigen Eindruck hinterläßt. J- Raphael.!'.

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