Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 13-14 (29.3.1934)
- Date
- 1934-03-29
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 Nr. 13/14 Der Israelit 29. März 1934 Die Frankfurter Woche. Schlußieier in der Samson Raphael Hirsch-Schule. In einer schlichten, eindrucksvollen Feierstunde nahm die Schule Abschied von den abgehenden Schülern und Schülerinnen. Knabenchöre, verstärkt durch Mitglieder unseres Synagogenchores, wie Mädchenchöre, unter Leitung von Max Neumann, rahmten viele gute Worte, schöne Mahnungen und Vorsätze ein. Nach dem Klaviervortrage eines Schülers trugen Schülerinnen sinnige Gedichte und Prologe vor. Theo Ratner spielte Geige und man hörte die schönen Soloeinlagen der Herren Bornstein, Herzog, Teplitzki und von Jos. Brandstädter, besonders wirksam und ergreifend im Einleitungsgebet zu „Sfiras Haomer", wobei es Herrn Neumann gelingt, chassidische Impulse in künstlerisch geordneten Rhythmus zu fassen. Herr Dr. Hermann Oppenheimer sprach als erster Redner für den S c h u 1 r a t all das, was in dieser Stunde des Abschiedes zu sagen war, in einfachen einprägsamen Worten aus. Wie sich im Wechsel der Zeiten der Begriff „Derech erez" auch gewandelt hat, die Thora blieb in der Schule stets Primat. Die Rede klang in der Mahnung aus, die Schüler und Schülerinnen mögen die Traditionen der Schule ins Leben hinaustragen, für die Schule werben, nicht nur im eigentlichen Sinne, sondern auch durch ihre Lebensweise. Im Namen der abgehenden Schüler und Schülerinnen sprach Arthur Liverhant in wohlgesetzten Worten und gut abgemessenen Sätzen, was die Jugend an der Schwelle des Lebens heute bewegt. Umstellung und Umschichtung Pf«ind die Schlagworte der dieser hochbegabte Geiger, spielte meisterhaft rondo expricioso von Sant-Saiens und Tambourin Lievison Kreisler. Hans Assenheimer sang mit wirkungvollem Vortrag den Prolog aus dem „Bajazzo". Der zweite Teil, der in der Hauptsache von Willy Präger als Conferencier bestritten wurde, bracht« leichte heitere Kunst der Damen Sofie S e 1 i g m a n n, Trude Auerbach und Nanny R e k e b. Otto Wallburg ließ es sich nicht nehmen, obwohl offensichtlich müde und abgespannt von der Theaterleistung des Abends, noch in später Stunde das Programm mit einem Beitrag zu bereichern. Din Einfälle des Herrn Prager und seine eigene Kunst, diese auf gefälligste Art dem Publikum zu vermitteln, wurden stark belacht. Besonders fand' er einmütige Zustim-> mung, als er aus seiner Praxis erzählte, wie ihm einmal anläßlich eines Engagements. in Petersburg nahegelegt worden war, sich wenigstens für die Zeit des Petersburger Aufenthaltes taufen zu lassen, er aber vorzog, „es nicht zu machen und lieber mit dem Zaren als mit dem lieben G'tt sich zu verkrachen." Außer dieser und ähnlichen Schnurren war eine jüdische Note an diesem Abend weiter nicht zu verzeichnen. Der Abend gab sich nicht als einen solchen der „jüdischen Kunst", sondern wollte nur eine Veranstaltung jüdischer Künstler für ein jüdisches Publikum sein. Musikalische Veranstaltungen. ..,. Die oben genannte Kammermusikvereinigung, bestehend aus den Herren Theo Ratner, Werner Simon, Fritz M. Kuttner und Dr. Hans J, Stern, die ein beachtliches künstlerisches Niveau erreicht hat, brachte das Streichquartett in b-Dur, von Haydn und das Streichquartett g-moll von Schubert. Als Erstaufführung hörte man Michael Genssin und' Variationen leitende Worte sprach Dr. Mainzer, welcher, die Bedeutung des Vortrages unterstrich. Dr. Matzdorf unternahm einen Streifzug durch die Verordnungen des letzten Jahres, soweit sie den jüdischen Arbeitnehmer auch angehen. Als Ergebnis brachte er Entscheidungen, welche anstelle von Mißverständnisse» die klare Rechtslage aufzeigen. Für diesen Abend sei dem C. V. Dank. Veranstaltung des Kulturbundes deutscher Juden/ in Gemeinschaft mit dem Jüdischen Lehrhaus'. Im gutgefüllten kleinen Saal der Frankfurt-Loge las am Sonntag Mittag Mart. B u b e r Gedichte und Prosastücke von Else Lasker Schüler, Alfred Momberg, Franz Werfel, Jac. Wassermann usw. Die Veranstaltung wurde von Kammermusik umrahmt. Man muß doch feststellen, daß ein Inständiges Rezitieren große Anforderungen an die Zuhörer stellt. Martin Buber ließ in hinreißender Sprache den geistigen Gehalt der Dichtungen vor dem Zuhörer erstehen. Vermischtes. Montreux, 26. März. Am Donnerstag, den 30. Adar (15. März), wurde das vierzehnte Semester an der Jeschiwa mit einem Sijum auf einen Teil des gelernten Traktates abgeschlossen. Im Mittelpunkte der Feier stand eine längere Abschiedsrede des Rosch Jeschiwa, Herrn Rabb. Botschko, der in seiner tiefen ,und eindringlichen, aus den letzten Quellen schöpfenden Art wieder alle Herzen hinriß. „Erkenne dich selbst" ist erste Forderung der jüdischen Mussarlehre, dann die Erkenntnis der Welt, die Erkenntnis der Thora und die Erkenntnis G ' 11 e s. Nach eingehender Besprechung dieser vier Wege richtete der Redner einen warmen Appell an die ab- Eiue Gruppe aus der Kinderoper in der Israelitischen Volksschule Frankfurt a. M. (Foto-Atelier Arno Katz) Gruppenbild aus der Danielaufführung (hebräisch) der Samson Raphael Hirsch-Schule in der Frankfurt-Loge zu Frankfurt a. M. Zeit, aber auch eine innere Umstellung tue not, besonders für diejenigen, die Erez Israel als Ziel im Auge haben, um dort — und überall — als wahrhaft jüdische Menschen zu leben. Er sprach Worte des Dankes und des Gelöbnisses aus, die dann Herr Direktor Dr. Elias aufnahm, um ein Bild von der Leistung der Scnule im letzten Jahre zu entwerfen. Unter den Freunden der Schule, die unter ungeheuren Opfern ihren Bestand im abgelaufenen Jahre sicherten, gedachte er in erster Reihe Nathan Sondh e i m e r s ^"ST. Die Assimilation an die Umwelt habe Schiffbruch erlitten, es gelinge heute nicht mehr, in der Welt unterzutauchen und nur in einem entlegenen Eckchen seines Herzens Jude zu bleiben. Judesein , ist heute für den Juden naturgegeben und schicksalhaft und hange nicht mehr von ihm ab. Werden wir aber um Jahrhunderte zurückgeworfen, so gilt es für uns, auch die ewigen jüdischen Grundkräfte von damals wieder aufzunehmen. Unsere Schule, die immer schon die jüdischen Belange in vorderste Reihe stellte, sei heute besonders auf dieses Ziel gerichtet. Er findet warme Worte des Abschiedes und gute Wünsche für die Zukunft der abgehenden Schüler und Schülerinnen, denen das in der Schule errungene Geistesgut im Leben beistehen möge. Mit einem dröhnenden m^yon TP eines Schülerinnenchors schließt die Feier. •■ „Wort und Ton". Unter diesem Motto fand zum zweiten Male unter der künstlerischen Leitung Max Neu ma n n s im dichtgefüllten großen Saalbausaale ein bunter Abend statt, an dem sich ein etwas zu überreiches Programm abwickelte. Neumann an der Spitze eines Jüdischen Berufsmusikerorchesters leitete den Abend mit einer feinsinnigen Wiedergabe der Peer- Gyn t- Suite von Edw. Grieg, ein. L. Schwarzkonnte mit der Wiedergabe einer Arie von Sant- Saiens und mit dem Lied der Saffi aus Zigeunerbaron im Grozen und Ganzen gefallen. J. Nahm sang mit seinem strahlenden Heldentenor „Holde Aida" aus Verdis gleichnamiger Oper. Theo Ratner, über ein jüdisches Volksthema. Das Werk fesselt durch eine ansprechende Melodik. Der bekannte Pianist Dr. Willy Salomon und die bekannte Pianistin Alice Rosenbaum brach-, ten Musik auf zwei Flügeln. Man hörte u. a. in höchster künstlerischer Vollendung das Konzert für zwei Klaviere in a-dur von J. S. Bach, die Sonate in D- Dur von Mozart und die Variationen über ein Thema von Beethoven von C. Sant-Saiens. A. K. Sabbatfreie Stelle. Ein größerer Nähereibetrieb in der Nähe Frankfurts sucht verschiedene junge Leute (Damen und Herren.) Eintritt kann sofort erfolgen, Interessenten wollen sich an die Schomre Schabbos, Stellenvermittlung, Frankfurt a. M., Schwanenstr. 12, wenden." Geschäftsjubiläum. Am 1. April begeht Herr Willy Halberstadt sein 25jähriges Geschäftsjubiläum als Prokurist der Firma Joseph Rothschild jr. Frankfurt a. M. Kinder spielen Theater. (Zu den Bildern) Ueber die Aufführungen des hebräischen Danielstückes durch die Samson Raphael Hirsch- Schule in Frankfurt a. M. wie der Kinderoper in der Israelitischen Volksschule ist bei uns «ingehend berichtet worden. Man kann eine Aufführung nicht in Bild fassen, es" sei denn durch Tonfilmf Aber die Gruppenbilder zeigen doch deutlich die freudige Erregung der jungen Spieler in ihren Kostümen, wobei manch frischer lieber Junge ungeahnt zu einer biblischen oder gar sagenhaften Gestalt avanciert ' ist. Die Bilder sind im Foto-Atelier Arno Katz, Frankfurt a. M., Sandweg, angefertigt worden. Vortrag im Zentralverein. In der Aula des Philantropins sprach vor einem interessierten Publikum der Syndikus des Centraivereins Frankfurt, Dr. M a t z d o r f, über das Thema „der deutsche Jude als Angestellter und Arbeiter" Eingehenden Schüler, immer der Lehre und dem Geist von Montreux im Leben treu zu bleiben. Der zweite Teil des Abends verlief bei Speis und Trank, schönen Gesängen und guten Reden in voller Gemütlichkeit. Mehrere Jünger sprachen dem Rebben heißen Dank aus für das, was er ihnen in aufopferungsvoller Tätigkeit fürs Leben geboten hat. Darmstadt, 27. März. Eine Gesellschaft, die sich Ernste Bibelforscher nennt, hatte trotz eines von den lokalen Behörden ergangenen Verbotes ihre Uebungen fortgesetzt, und so kamen 29 ihrer Mitglieder vor das Sondergericht. Dieses sprach alle Angeklagten frei. In der Begründung heißt es u. a.: Die Weimarer Verfassung bestimme nun einmal, daß jede Religionsgesellschaft die FreiheitderGlaubensübung habe und daß ferner ein Land von sich aus nicht das Recht habe, dagegen Verbotsbestimmungen zu erlassen. Geschäftliches.;l ' Am 1. April ds; Js. tritt bei der Firma1 L e o n h a r d Kahn, hier Fahrgasse 144, Ecke Börnestraße der bisherige Geschäftsführer des Kaufhaus Hansa, Herr Ludwig HecKt als Mitarbeiter ein. Die Firma Leonhard Kahn, die alle Textilwaren wie Kleider- Stoffe, Weißwaren, Gardinen, Wäsche, Strümpfe, Wollwaren und Kurzwaren führt, wird die diversen Abteilungen weiter ausbauen. Briefkasten. Lehrer N. in Gießen. 1) 3. 10- 21 (15. 9. -fn), 2> 23 10 21 (6. 10. n^rna), 3) 18. 11. 21 (3. llvn-w»n) Barmizwah. Dr. B. in Eschwege. Das angefragte Datum ist 4- Mai D'enj? 's. Lehrer B. in. Hörstein. Barmizwoh 20. Oktober T^- . . M.'D. und Andere. Sch, hat sich auf eine an ihn ergangene Bitte bereit erklärt, eine Führung nach Worms zu übernehmen. Wie er zu der Ehre kommt, unter den. Dozenten des Jüdischen Lehrhausesangeführt zu werden, ist ihm selbst unerfindlich.