Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 13-14 (29.3.1934)
- Date
- 1934-03-29
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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29. März 1934 Der Israelit Nr. 13/14 Seite 11 England als Insel der Toleranz. :.' ' L o n d o n , 19. März. Äuf dem Jahresbankett des Hnglo-Palestinian Club,'von dem der „Israelit" in voriger bereits kurz, berichtete, sah man widerum die prominentesten Persönlichkeiten der englischen Politik, wie Sir Herbert Samuel, Viscount Cecil of Chelwood, Col. J. C Wedgvvood, Mr. James de Rothschild (der Präsident) u. a. m. Der ehemalige J>rilische Außenminister und Friedensnobslpreisträger Sir Austen Cha mberlain, M. P., ein Mann, der heute noch im Parlamente und im Volke als ein Politiker von Charaktergröße und ungeheurer Ußberzeugungskraft in allen Kreisen eine ungeteilte Hochschätzung genießt, war Ehrengast das Abends. Seine dort gehaltene Rede, die wir in den Hauptzügen hier wiedergeben, gehört zu den histo- , rischen Aktenstücken, die die edle Gesinnung des •englischen Volkes für ewig dokumentieren. Sir Austen Chamfrerlain, der mit einem Tornado von Begeisterung begrüßt wurde, als er sich zu seiner Rede erhob,, führte etwa folgendes aus: Keiner Regierung ist eine so empfindliche Aufgabe zugefallen, wie dar britischen in der Pflicht, den Bedingungen des Palästina-Mandates in kluger, gerechter Wtise na:hzukommen, damit mit. der Zeit die anfänglichen Schwierigkeiten wie Neid und Haß überwältigt werden, um zu erreichen, daß die Einwohner von Palästina, trotz aller Differenzierungen in der Kultur und dergleichen, einander als Bürger eines Landes mit denselben großen politischen Jnteressen anerkennen. Es wäre müßig, vorzugeben, erklärte Sir Austen, daß •er nicht einsähe, daß seine Einladung zu diesem Abend, auf einige Reden zurückzuführen sei, die er über das neue Problem, dem sich die jüdische Rasse in diesen letzten Monaten gegenübergestellt sehen, gehalten habe. Sir Austen zitierte Cromweils Worte: „Groß, ist meine Sympathie mit •diesem armen Volke, welches G 'tt auserwählte und dem er seine Lehre gab" und erklärte, daß wenn er einen Blick auf die Geschichte dieser immigrierenden Bevölkerungsteile werfe, die oft in der Geschichte durch Akte der Unterdrückung seitens anderer Länder nach den Küsten Englands gekommen S2ien, er die Frage aufwerfen müsse: „Würde England das England von heute sein, wenn man die Hugenotten nicht von Frankreich vertrieben hätte, wenn die von Spanien und Portugal ausgewiesenen Juden nicht als Lehrer mit soviel des Lernens, von dem London heute ein Zentrum ist, gekommen wären?" Sir Austen sagte, seine „nonconformist" Abstammung sei stark in seinem Blute verankert und er empfinde allem gegenüber, was Unterdrückung ähnlich sei, einen physischen Widerwillen. In England wisse man, daß je mehr man alle Strömungen, so sehr ihr Ursprung divergieren möge, in das nationale Leben aufnahm, desto stärker der Strom dieses Lebens geflossen und desto tiefer und vertrauensvoller das national Gefühl geworden sei. An diesem Beispiel könnten andere Völker manches zu ihrem Vorteile lernen. Mit Worten der höchsten Anerkennung sprach der Rednervon seiner Zusammenarbeit als Außenminister mit dzm verstorbenen Dr. S t r e s emann, dessen früher Tod nicht nur für sein eigenes Volk 'eine Katastrophe gewesen sei, sondern der darüber hinaus einen tiefen Verlust für die ganze Welt bedeutet habe. In hinreißenden Worten, •die wiederholt stürmischen und langanhaltenden Beifall auslösten, appellisrte Sir Austen an Deutschland, im eigenen Interesse seine Politik gegenüber den Juden zu revidieren im Hinblick auf die geschichtlichen Erfahrungen anderer Völksr. „Seid guten Mutes", rief Sir Austen den Juden zu, „unter Euren Qua'i'äten ist die hervorstechendste die felsenfeste Widerstandskraft; eine Widerstandskraft, geduldig, ruhig und zäh gegen alles Unrecht, wie sie nur irgend eine andere Rasse in der Welt kennt. Und in diesem historischen Ringen ist all das, was das beste in der Welt ist, und die Zukunft der Welt in Händen hält, auf Eurer Seite und unterstützt, Eure Sache." Bei den jetzt stattgefundenen Wahlen für das Londoner S ta d t p a r 1 a m e n t (London County Council) sind 12 Juden gewählt worden. Unter den letzteren befindet sich auch der Arzt DrJ Bernard Homa, der strengreligiöser Jude und Mitglied der Nord-Londoner orthodoxen Synagogengemeinde „Adath Isroel" ist. England läßt, mit und ohne Oswald Mosley (dessen Bedeautung mehr in den Spalten einiger ausländischer Zeitungen, weniger aber hier selber zu existieren scheint, die in manchen Ländern vorhandenen antisemitischen Strömungen bei sich keine Aufnahme finden. E. St. Palästina. Neubesetzung des Einwanderungsamtes der Palästina-Regierung? Jerusalem, 23. März. Von gut informierter Seite wird mitgeteilt, daß der bisherige stellvertretende Chefsekretär der Palästina-Regierung Eric Mills schon am 27. März die Leitung des Amtes der Palästina-Regierung für Einwanderung und Touristik übernehmen soll. Der bisherige Leiter dieses Amtes A. M. Hyamson, dessen Handhabung der Einwanderungsvorschriften wiederholt in jüdischen Kreisen Anlaß zu schärfster Unzufriedenheit bot, soll schon Anfang April Palästinaverlassen. Schwerer Unglücksfall auf einem Palästinadampier. Jerusalem, 23. März. Auf dem Dampfer „Italia" des Llpyd Triestino, der Palästina-Reisende von Triest nach Jaffa beförderte, ereignete sich, als der Dampfer in Larnaca (Cypern.) Aufenthalt nahm, ein schwerer Unglücksfall. Bei der Verladung von Lasten stürzte ein Kran auf eine Gruppe Palästina-Wanderer, tötete die aus Lettland stammende 20 jährige Chaluzah Sarah C h a j e s und verletzte sieben Personen. Schwer verletzt wurden die 27 jährige deutsche Chaluzah Regina Goldberger, die aus Prag kommt, und die 25jährige Chava Balnemunes aus Riga; beide wurden in das Krankenhaus von Lanarca überführt. Leichtere Verletzungen erlitten der 55 jährige Jerusalemer Rabbiner Israel Jakob Czerwinski, der 37 jährige Abraham Baskin aus Warschau, der 30 jährige Hans F a r m a n aus Berlin, die 21 jährige Dora U h a aus Libau, Lettland und die 20 jährige Lea Breitspies aus Teplitz in der Tschechoslowakei. Der Leichnam von Sarah Chajes wurde nach Tel Aviv gebracht und dort beigesetzt. Die „Italia" hißte zum Zeichen der Trauer die schwarze Fahne. Die Feierlichkeiten aus Anlaß der 100. Palästina-Fahrt des jüdischen Kapitäns S t e i n d 1 e r wurden abgesagt. Erste Palästinatagung des zionistischen Aktionskomitees eröffnet. Jerusalem, 26. März. Am Abend des 25. März wurde in Jerusalem, im Großen Saal des neuen Verwaltungsgebäudes der der Jewish Agency die Sitzung mit einer Rede von N. Sokolow des zionistischen Aktions-Comit e e s eröffnet. Fast alle Mitglieder des Aktions-Comitees sowie zahlreiche bekannte Führer der palästinensischen Judenheit waren erschienen. Dagegen fiel es auf, daß Dr. Chaim Weizmann an der Sitzung nicht teilnahm, obwohl er sich gegenwärtig in Palästina aufhält. Im Verlauf seiner Ansprache rühmte Sokolow die Leistungen des verstorbenen Präsidenten Motzk i n im Dienste der zionistischen Bewegung. Darauf hielt der Präsident des Jüdischen Nationalheims M. M. Ussischkin eine Gedenkrede auf Motzkin. Frankfurter Vereinskalender. Verein Mekor Chajim. riD3~Proßramm 1 Tag Ott») morgens nach Schluß im Hörsaal, Jahrzeitslernen: Hanna Moos-Stiftung. — nachmittags 415 Uhr im Vereinslokal, Gedanken aus der mW, Herr Julius Lewin. — abends 1 Stunde vor Nacht im Hörsaal, „Drei Worte inhaltsschwer" Herr Dr. S. Ehrmann. 2. Tag (Sonntag) abends 1 Stunde vor Nacht im Hörsaal. „Zum Omer", Herr Rabb. H. Mayer. 1. Tag »".Tin (Ostermontag) morgens nach Schul der Synagoge im Hörsaal, mipn Mitgliederlernen. 2. Tag o"mn (Dienstag) morgens nach Schul der Synagoge im Hörsaal, nitz?a Herr Rabb.-Ass. Dr. E. Posen. 3. Tag »"fiw (Mittwoch) morgens nach Schul der Synagoge im Hörsaal, ms "n. Jahrzeitslernen: Auguste Bier-Stiftung. 4- Tag a*nin (Donnerstag) morgens nach Schul der Synagoge im Hörsaal, naca Jahrzeitslernen: Ida Weil-Stiftung. nos bv pins (row) nachmittags 4.15 Uhr im Vereinslokal „Von rvrp zu D^vn W", Herr Rabb. H. Mayer. — nachmittags 5.15 Uhr (im Anschluß an Mincho) im Hörsaal „niöj? Mb mris", Herr Dr. Arnold Merzbach, Sonntag, 8- April, an iidn . abends 7 Uhr im Vereinslokal: „Sinn und Form des jüdischen Lebens" anschließend Vaon anva, Herr Studiendirektor Dr. Elias. Jahrzeitsstiftungen, in der Woche nach noa. Sonntag, 8. April: Gretchen Wallerstein-Stiftung. Sonntag, 8. April: Rabb. Dr. J. Lorsch-Stiftung. Dienstag, 10. April: Adelheid Schwab-Stiftung. Mittwoch, 11. April; Josef Wallach-Stiftung. Donnerstag, 12. April: Abraham Sender-Stiftung. Agudas Jisroel-Ortsgruppe. Daf Jaumi Sonntags, 11—12 Uhr, Montag bis Freitag 12—1 Uhr, Samstag 1274 Uhr. Herr Sofer, im Vereinslokale des Mekor Chajim, Langestr. Agudistische Frauen-Ortsgruppe, Die hebräischen Sprachkurse der Agudistischen Frauengruppe beginnen im Sommersemester 1934 am 15 4. In allen Gruppen findet zu Beginn ein Wiederholungskursus statt. Es werden auch neue Kurse für Anfänger und Fortgescf ittene eingerichtet. Anmeldungen werden bis zum 4. von Frau Kella Löwenthal. Leerbachstr. 13 entgegengenommen. Leiter Herr Pinchas Wollmann. ♦V*nw nTOx *tpj n:rap T'N unn "in y>pn jon i^mv emnxrn trmswn munn mro nannan tu •mmn bTtnn nro -T'Xin msa v'j7 m^apn: nDs'unn •maTpnaVi m^nna1? •Y'Xin T's /s iv -13 3700*013038:1*);™'? 'VruiV nhp •p^i orns na inbrunn Jüdischer Turnerbund e. V. Während der Osierferien. muß der Turnbetrieb ausfallen- Zu Beginn der Schulzeit setzt .das Sommerprogramm i i verstärktem Maße ein. — Der Wanderbetrieb wird in gewohnter Weise wieder aufgenommen; erstmalig findet ein Ausflug am Ostermontag, den 2. April statt. Treffpunkt 2 Uhr Stadtbibliothek. Führer: Herr stud med. S. Weismann. — Auf unserem Sportplatz Riederwaldwiese wird sich ein reger Sportbetrieb entwickeln; di^ Gründung einer Fußball- und Handballmannschaft für Herren und Jugendliche steht unmittelbar bevor. Interessenten wollen sich umgehend an Herrn Eschwege, Wittelsbacher Allee 4 wenden- Unsere Fußballschülermannschaft wird am Ostermontag auf der Betramswiese ein Privatspiel gegen Schild austragen. — Unsere Herren- und Jugendabteilungen trainieren nach Ostern am Sonntag vorm. von 9-12 Uhr auf der Riederwaldwiese. Gebetzeiten. nosn 'N Di1 nnw Freitag abend 6.25 Samstag und Sonntag naswn 6.50 Samstag und Sonntag morg. 8.00 Samstag und Sonntag nachm. 1.00 und 5.00 Samstag abend 7.40 * Sonntag abend 7.45 Wochengottesdienst : Morgens 6 30 Nachmittags 6.30 Tefillinlegen am Morgen 5.05 7. und 8. Tag Peßach Donnerstag abend 6.40 Freitag und Samstag nnrjpn 6.35 Freitag u. Samstag morg. 7.45 Samstag Predigt Freitag abend 6 40 Freitag und Samstag nachm. 1.00 und 5.00 Samstag abend 8.05 Wochengottesdienst : Morgens 6.30 Nachmittags 6.30 Tefillinlegen am Morgen 4.30 Familiennachrichten. Geburten: Eine Tochter, Arthur Schreiber u- Fanny geb. Sänger, Antwerpen, 17 Av. van de Neste. — Eine Tochter, Moses Wottitz und Frau geb. Seckbach, Bratislava. Barmizwoh: Louis, Sohn des Herrn Jacob Liebenstein, Mainz, Rheinallee 13, 14. April »3»öfe rav. — Nathan, Sohn des Herrn Salomon Gläßner, zur Zeit Zürich 3, Elachstr. 35, Synagoge Jsr. Religionsgesellschaft, Freigutstr.. '3>n» risno nnw. Verlobte: Atarah Prag, Jerusalem mit Rafael Warszawski, Fürth/B.-Jerusalem. Silberne Hochzeit: G. Erlebacher und Frau, Mönchsroth. 7 0. Geburtstag: Bernhard Klein: Lehrer und Kantor i. R., Gießen, Seltersweg 75, noa bv an vior.