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Der Israelit · 1934-03-29 · Heft 13-14 (29.3.1934) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 13-14 (29.3.1934)
Date
1934-03-29
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Nr. 13.14 D; e r Israeli, f 29. März 1934 Handwerk. Für die Schulentlassung zum Ostertermin wird damit gerechnet, daß 9000 Jugendliche unterzubringen sind, davon hofft man 3000 in kaufmännischen Lehrstellen unterzubringen, den Rest in Landwirtschaft und Handwerk, und zwar 3500 in Einzelstellen, 1500 in Kollektivstellen, 1000 in Haushaltungen. Man rechnet damit, daß 4000 von diesen Jugendlichen ihre Unterbringung selber finanzieren können, während für den Rest öffentliche Mittel des Zentralausschusses in Anspruch genommen werden müssen. In der Zeit von September bis Dezember 1933 hat der Zentralaussehuß nahezu 400 000 Mark für BerufsumscMchtung aufgewendet. Naturgemäß steigt der Bedarf, der für das erste Vierteljahr 1934 auf 900 000 Mark veranschlagt wird. In der holländischen landwirtschaftlichen Ausbiidungsstelle für junge deutsche Juden sollen zunächst 120 Leute untergebracht werden, doch hofft man im Laufe des Sommers die Ziffer auf 350 steigern zu können. Von der „Reichsvertretung der deutschen Juden", Berlin, 22. März. Die „Reichvertretung der deutschen Juden" hat eine Schlichtungsstelle errichtet, die auf Antrag einer jüdischen Stelle, etwa einer Gemeinde, einer jüdischen Organisation, einer sonstigen Institution oder auch einer jüdischen Zeitung, endlich auch auf Antrag der Reichsvertretung selber darüber entscheiden soll, ob eine jüdische Stelle oder eine Person bei den inneren Äuseinadersetzungen die jüdische Solidarität verletzt habe. Außerdem soll die Schlichtungsstelle versuchen, Schwierigkeiten zwischen Organisationen und sonstigen jüdischen Stellen in Bezug auf Abgrenzung der Arbeitsgebiete oder Beanstandung von Werbemethoden aus der Welt zu schaffen. Als Schlichtungsstelle betrachtet sich der Präsidialausschuß der Reichsvertretung selbst mit Ausschluß des Präsidenten. Auch können örtliche Stellen beauftragt werden. Anläßlich des bevorstehenden Pessachfestes hat die Reichsvertretung einen kurzen Aufruf ver-öffentlicht, der zu Spenden für das Werk des Aufbaues und der Hilfe sowie für das Schulwerk auffordert. „Wenn jeder von uns nach seinem besten Können durch eine Spende diesen Tag zu einem Tag des Beistandes macht, dann haben wir uns wahrhaft erinnert, dann hat der Ernst der Zeit zu uns gesprochen." Jüdisch-religiöses Kulturwerk für die Landgemeinden Hessens und Hessen-Nassaus. Berlin, 27. März. In einer vor kurzem unter dem Vorsitz von Gemeinderabbiner Dr. Jakob Horovitz in Frankfurt a. M. abgehaltenen Versammlung wurde das jüdisch-religiöse Kulturvverk für die Landgemeinden Hessens und Hessen-Nassaus gegründet. Schon seit Jahrzehnten waren verschiedene Organisationen, wie die F**eie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums, der hessische Landesverband der Bne-Brith-Logen, in letzter Zeit auch andere Kreise, vor allem auch die Reichsvertretung,! auf diesem und ähnlichem Gebiete tätig. Angesichts der schweren seeüschan Not und des religiösen Niedergangs, in der sich heute eine sehr große Anzahl von Gemeinden befinden, und angesichts der heute doppelt dringenden Notwendigkeit, alle ideeeilen und materiellen Kräfte zusammenzufassen, haben sich alle in Betracht kommenden Organisationen nunmehr zu gemeinsamer Arbeit vereinigt. Nach einem Referat des Herren J. B. L e v y , Frankfurt a. M., und eingehender Aussprache nahm die Versammlung Richtlinien an, die nach vorheriger Beratung ausgearbeitet worden waren und die vor allem sichern, daß die Betreuung im konservativ-religiösen Geiste unter Ablehnung aller Religionskritik erfolgen muß. An der Sitzung nahmen teil: Vertreter der Reichsvertretung der deutschen Juden, des preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, des Halberstädter Bundes gesetzestreuer jüdischer Gemeinden, des hrssishen Logenverbandes, des hessischen Landesverbandes jüdischer Gemein- Die Woche. Brüssel. König Leopold III. von Belgien empfing eine Deputation desbelgi sehen Judentums, bestehend aus dem, Grand Rabbin und dem Vorstand des Jüdischen Konsistoriums, die ihn zu seiner Thronbesteigung beglückwünschte. Der König erklärte, er sei erfreut über diese Loyalitätskundgebung der jüdischen Bevölkerung Belgiens. Rom. Laut dem soeben veröffentlichten statistischen Material über die römische Volkszählung vom 21. April 1931 zählte Rom am Stichtage 989.704 katholische und 15.540 nichtkatholische Einwohner; von den letzteren waren 10.901 Juden, 5984 Protestanten, der Rest Angehörige anderer Konfessionen oder Konfessionslose. Zwei Drittel der Nichtkatholiken Roms sind also Juden. Belgrad. Der bisherige langjährige Konsul des Königreichs Jugoslavien in Jerusalem, Dr. Kurt G r u n w a 1 d , ist laut Erlaß aus seinem Amte geschieden. Jugoslavien hat in Palästina noch einen zweiten Konsul, der ebenfalls Jude ist, den Rechtsanwalt Royanski, der in Tel-Awiw und Haifa amtiert. Warschau. Das britische Konsulat in Warschau hat im letzten Augenblick 150 jüdischen Touristen, die sich für die Peßachfeiertage nach Palästina begeben wollten, die Erteilung des Visums verweigert, obwohl jeder von ihnen die vorgeschriebene Kaution von 60P fund erlegt hatte. — Eine Abordnung von 40 jüdischen Blinden hat einen Bittgang zu Marschall Pils u d s k i veranstaltet, um ihm die Notlage ihrer Schicksalsgenossen zu schildern. Der Zug der Blinden, die Arm in Arm durch die Straßen Warschaus zum Schloß Belvedere, der Residenz des Marschalls zogen, erregte lebhaftes Aufsehen. Der Marschall ließ den Blinde sagen, daß er entschlossen sei. ihnen zu helfen. — Gegen das Lokal von „Hanoar Hazioni" in der Jasna-Gasse zu Sosnowitz wurde eine Bombe geschleudert, die explodierte und das Lokal vollständig zertrümmerte. Menschen kamen nicht zu Schaden. Man nimmt an, daß die Täter aus antisemitischen Motiven gehandelt haben und mit den Personen identisch sind, die vor kurzem den Laden des Kaufmanns Israel Perlen durch einen Bombenwurf demolierten. Die Polizei hat eine strenge Untersuchung eingeleitet. — In Warschau verstarb nach längerem Leiden im Alter von 58 Jahren der ehemalige ukrainische Minister für jüdische Angelegenheiten, Moses Silberfarb, der in den letzten 13 Jahren als Führer des Verbandes Ort zur Förderung der Landwirtschaft und des Handwerks unter den Juden in Warschau ansässig war. Kaunas. Antisemitische Vereinigungen in Litauen nehmen das herannahende Peßachfest zum Anlaß, eine verstärkte judenfeindliche Propaganda zu entfalten. Eine Flugschrift, in der das Märchen vom jüdischen Ritualmord .von neuem aufgetischt wurde und in großen Massen hergestellt wurde, ist von der Polizei beschlagnahmt worden, bevor noch ein Exemplar in den Handel gelangen konnte. Jerusalem. Nach einer soeben herausgegebenen Statistik praktizieren gegenwärtig in Palästina 460 Advokaten, unter ihnen über 200 Juden. — Der Vorsitzende des Jaffaer Gerichts. Commander Ralph Bodilly, hat eine Anzahl Araber, die sich an den Ausschreitungen anläßlich der Jaffaer Kundgebungen gegen jüdische Einwanderung im Oktober 1933 führend beteiligt hatten, zu je zehn Monaten Gefängnis verurteilt. Sieben Araber wurde mit je fünf Monaten Gefängnis - bestraft, drei Angeklagte wurden freigesprochen. Haifa. Im Emek Sebulun, an der Haifa-Bucht, wird auf einem 12 Acres großen Grundstück durch den aus Deutschland eingewanderten Unternehmer, J. Karminer, eine große Metallgießerei errichtet. Das Anlagekapital beträgt 30.000 Pfund. Mit den Planierungsarbeiten wurde soeben begonnen. Die Bauarbeiten werden Anfang April aufgenommen und etwa 100 Arbeitern für ein Jahr Beschäftigung bieten. Tel Awiw. Dem Aufruf der Histadruth Haowdim, angesichts des durch die unzureichende Einwanderung verursachten Arbeitermangels freiwillige Erntehelfer zur Einbringung der restlichen Ernte in den Orangenpflanzungskolonien beizustellen, haben 400 Schüler und Studenten Folge geleistet. Man erwartet, daß diese Zahl mit dem Beginn der Peßachferien auf 1000 anwachsen wird. den, des Lamtesyerbandes Hessen-Nassau für jüdi-' sehe Wohlfahrtspflege,, der Freien Vereinigung., der Zionistischen Vereinigung, des Certtralvereins^ des : Fronlbundes, des, Frauenhundes, des jüdischen Ju-; gendbundes, der Vorsteherämter, Rabbinate und Lehrer des Bezirkes. Ein siebengliedriger Vorstand wird die Geschäfte leiten. Ihm steht ein Beirat zur Seite. Die in Betracht kommenden Organisationen haben ihre ideell« und materielle Mitarbeit weitgehendst zu-; gesagt, Handelsschulkursus des Adaß Jiroel-Schulwerks in Berlin. .Berlin, 28. März. Jn Anlehnung an das Schulwerk der Ad aß J i s r o e 1 - G e m e i n de in Berlin wird mit dem neuen Schuljahr ein Handelsschulkursus mit einem einjährigen Lehrplan eröffnet, der einen umfassenden Unterricht sowohl in jüdischen Fächern, als in Handelskunde einschließlich Handelskorrespondenz, Französisch, Englisch, Buchführung, Geld-, Bank- und Börsenwesen, Wirtschaftsgeographie, kaufmännisches Recht und Prozeßkunde, kaufmännisches Rechnen, Stenographie, Schreibmaschine, Turnen umfaßt und für Mädchen hauswartschaftliche Unterweisung angliedert. Das Schulgeld beträgt 12.50 Mark monatlich. Außerdem werden für Berufstätige zur Vervollkommnung ihrer Berufsausbildung Abendkurse in den^Handelsfächern eingerichtet, die wöchentlich achtstündigen Unterricht gewähren. Kursusgebühr 8 Mark monatlich. Polen. Ein neues Agudaheim. W a r s c h a u , 25. März. Unter Betei igung angesehener Rabbiner und prominenter Persönlichkeiten der polnischen Orthodoxie wurde das Lokal der Ägudazentrale auf Jerska 22 eingeweiht. Nach einer Führung durch die weiten und zweckmäßig eingerichteten Räume hielt der Präses, Herr I. M. L e w i n, die Begrüßungsrede, wobei er einen klaren Ueberblick über die Tätigkeit der Aguda gab und die Richtlinien für ihre weitere Arbeit festlegte. Im Mittelpunkt steht die „Millionenaktion für Erez Jisroel". Diese Werbeaktion wird der Prüfstein dafür sein, ob die Agudas Jisroel die Situation erfaßt hat und ihr gerecht zu werden weiß. Im Namen des Rabbinates begrüßte Rabbi Ch. J. Gutschächter, im Namen der Kehillaverwaltung ihr Präses Herr Masur. Eindrucksvoll sprachen auc/z Herr Parnes S. Friedmann, Rabbiner S i 1 b e r b e r g u. *v. a. Herr S e n d i k begrüßte für die P o a 1 e Agudas Jisroel, Herr Zucker für Ostgalizien. Nach weiteren vielen Reden hält Herr I. M. L e w i n das Schlußwort. Der Chor der „Zeiirei der Agudas Jisroel" rahmte die Feier . mit Vor- und Schlußgesängen ein. Schlägereien bei einer Beerdigung. Warschau, 25. März. Bei der Bestattung des Führers der Poale- Zionisten Dr. Silberfarb spielten sich Skan" da'szenen ab, die alle Gemüter in Erregung halten. Gleich nach der Tahara ergriffen zwei Poale-Zionisten das Wort und hielten ihre „Trauerreden" mit entblößtem Haupte. Von der Kanzlei wurde den Rednern ein leiser Wink erteilt, den Kopf zu bedecken. Als Rntwort darauf erging sich der eine Redner, der sich Serubabel nennt, in wüsten Beschimpfungen dir „schwarzen Kehillaverwaltung" die eine Verweltlichung der Gemeinde verhindere. Als die Mitglieder der Chewra Kadischa und andere Anwesenden nun laut protestierten, stürzten sich die Poale-Zionisten mit geballten Fäusten über sie, sodaß die Polizei — nebenbei bemerkt mit einem Takte, wie er sich an diesem Platz vöh selbst versteht — dazwischen treten mußte. Als Rabbiner Fettmann ahnungslos hinzukam, Wurde er von einigen radikalen Jünglingen überfallen und

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