Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 13-14 (29.3.1934)
- Date
- 1934-03-29
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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29."März 1934 D e r 1 s r a e I i t Nr. 13/14 Seite 9 es wurde ihm der Hut vom Kopfe gerissen. Ein Beamter des Friedhofes wurde ernstlich mißhandelt. Inzwischen hatte Serubabel seine Trauerrede zu Ende geführt, mit dem Gelöbnis, nicht eher zu ruhen, als bis ein eigener Friedhof für Freidenker errichtet werde. Er selbst möchte später nicht unter Juden, sondern unter Freidenkern begraben sein. Man sollte dafür Sorge tragen, daß von diesen fanatischen Huligans keiner den Weg nach Erez Jisroel findet. Eine Milderung in der Erteilung von Touristenvisen nach Erez Israel. stellte fest, daß in dieser Aussprache „die im Lande in letzter Zeit durch die Zunahme der Arbeilerkonflikte in den Kolonien angesammelte Erbitterung" in schärfster Form zum Ausdruck gekommen sei. Dem „Davar" zufolge hat der Waad Leumi auf eine vom palästinensischen Revisionistenverband schriftlich vorgelegte Forderung, innerhalb von drei Tagen die jüngsten „von Histadruth-Mitgliedern" provozierten Zwischenfälle zu verurteilen, widrigenfalls die Revisionisten aus dem Waad Leumi aus- Ltreten würden, mit einem Briefe geantwortet, in dem er erklärt, daß er Gewalttat, von welcher Seite immer, verurteilt. der Niederlassungserlaubnis für sie abhängig von ihrer Qualifikation für ihre Registrierung nach den Bestimmungen des palästinensischen Einwanderungsgesetzes. Nach meinen Informationen ist die Zahl solcher Einwanderer aus Transjordanien klein. Was die Frage der Einwanderung nach Palästina im allgemeinen betrifft, möchte ich das geehrte Mitglied des Hauses darauf hinweisen, daß diese auf Grund der ökonomischen Fähigkeit des Landes, neue Einwanderer zu absorbieren, geregelt wird. Reichsvertretung und Orthodoxie. — Noar agudati, London, 25. März. „Jewish Chronicle" veröffentlicht in seiner letzten Nummer eine Zuschrift von Rabbi Dr. Eli M u n k, worin die redaktionellen Ausführungen des Blattes über die Beziehungen der deutschen Orthodoxie zur Reichsvertretung richtig gestellt werden. Es heißt da: „Ich bin ermächtigt zu erklären, daß die Repräsentanten der Unabhängigen Orthodoxie der Reichsvertretung die intimste Mitarbeit in allen öffentlichen Angelegenheiten angeboten habe, soweit es sich um die gesetzliche Lage der Juden, den Schutz der jüdischen Ehre und die Behandlung ökonomischer und sozialer jüdischer Interessen handelt. Die Orthodoxie wünscht unabhängig zu sein in religiösen Angelegenheiten oder in solchen Aktionen, die notwendigerweise an die religiöse Weltauffassung gebunden sind. Die Verhandlungen gehen übrigens noch weiter." In dem hiesigen agudistischen Jugendzirkel sprach am letzten Sonntag Dr. Lichtigfeld über die „Aufgabe der Orthodoxie". In der Diskussion referierte Mr. H. A. Goodmann über die Differenzen, die in Deutschland zwischen den orthodoxen jüdischen Organisationen und der Reichsvertretung entstanden seien. Herr Schenkolewski aus Berlin, der gerade aus Deutschland angekommen war und von den zwischen den beiden repräsentativen Körperschaften schwebenden Verhandlungen Kenntnis hatte, gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß eine freundschaftliche Verständigung erreicht werden würde unter Vorbehalt der religiösen und kulturellen Unabhängigkeit jedes Teiles. Im Kreise des Londoner Noar Agudati referierte Herr Schenkolewski am 21. März über das Thema: „Noar Agudati-Jischuw Hathora". Der Referent gab ein anschauliches Bild der Entwicklung der jüdischen Jugendbewegung und auch der Erwägungen, die zur Gründung des Noar Agudati geführt hätten. Schließlich begründete er die Wichtigkeit der Schaffung des Jischuw Hathora und forderte die Zuhörer zu eifriger Propaganda für diesen zur Ansiedlung religiöser Chaluzim bestimmten Fond auf. Der Vorsitzende, Herr Hermann Schwab, dankte dem Referenten für seine Ausführungen und gab der Hoffnung Ausdruck, daß es gelingen werde, die Mittel für die bedeutungsvolle Aufgabe des Jischuw Hathora aufzubringen. Das Programm der nächsten Tagung des Emigranten-Verwaltungsrats. London , 21. März. Der Beirat der privaten Organisationen für Auswandererhilfe beim' Oberkommissariat des Völkerbundes wurde zu einer Beratung nach London für den 30. Äpril und den 1. Mai einberufen. Dieser Tagung schließt sich eine Sitzung des aus Vertretern der Regierungen sich zusammensetzenden Verwaltungsrates des Emigrantenhilfswerkps beim Völkerbund an. Die Tagesordnung dieser beiden Beratungen enthält u. a. folgende Punkte: 1. Bericht des Oberkommissars über die Tätigkeit seil der Dezember-Sitzung. 2. Allgemeiner Bericht über die Lage der Auswanderer in den verschiedenen Ländern und die Tätigkeit der Hilfsorganisationen. 3. Emigration und Seßhaftmachung der Auswanderer in den Ueberseeländern. 4. Fortschritte in den Bemühungen der Ausgewanderten, sich den neuen Bedingungen anzupassen. 5. Pässe und Arbeitserlaubnisse für die Ausgewanderten. 6. Das Problem der Staatenlosen. 7. Schaffung eines Hilfsfonds und eines Fonds für konstruktive Zwecke. 8. Erhöhung der Zahl der Verwaltungsratsmitglieder, j. t. fl. Warschau, 26.März. Unter dem Druck der energischen Proteste hat sich das englische Konsulat zuletzt doch noch entschlossen, unter den Bedingungen, wie sie bisher galten, Touristenvisa nach Palästina zu erteilen. Dreißig Touristen konnten hoch rechtzeitig den Anschluß an den Zug nach Bukarest erreichen, fünfzehn andere, die infolge der ganz ungerechtfertigten Erschwerungen c'ia Formalisten nicht gleich erledigen konnten, werden kaum noch vor den Feiertagen Palästina erreichen. (Siehe Rubrik: „Die Woche".) Frankreich. Vom Hilfswerk für die Auswanderung. Paris, 21. März. Die Exekutive der Vereinigten Organisationen für Auswandererhilfe „HICEM" hielt in Paris eine Sitzung ab, in der über die Auswanderung sh i If s arbeit Bericht erstattet wurde. Man erfährt daraus, daß die jüdische Auswanderung trotz aller Schwieligkeiten 1933 nicht geringer geworden ist. Die Organisation hat in Osteuropa an der Beförderung von 5188 Auswanderern nach überseeischen Ländern mitgewirkt. In 11 784 Fällen wurden Interventionen bei Konsulaten und Behörden durchgeführt. Die Organisation befaßte sich auch mit der Ermög'ichung der Weiterreise aus Deutschland ausgewanderter Juden, die in den Ländern, in die sie sich zunächst begeben hatten, nicht verbleiben konnten. Mit der vom Londoner Komitee auf diesem Gebiete geleisteten Arbeit erstreckte sich diese Art von Hilfsarbe/t auf 7517 Personen. In der Diskussion wurden von den führenden Männern in England und Frankreich die Arbeit der „HICEM" gewürdigt. Revisionisten treten aus der Knesseth Israel aus. Paris, 25. März. Die Pariser Exekutive der Weltunion der Zionisten - Revisionisten hat den Revisionisten Palästinas die Weisung erteilt aus dem Verband der palästinensischen Judenheit Knesseth Israel auszuscheiden. Gleichzeitig gibt die Exekutive in einem Communique die Gründe bekannt, die zu dieser Maßnahme geführt haben. Als Grund wird unter anderem angegeben, daß die Knesseth Israel, die Assefath Haniwoharim und der Waad Leirmi nicht mehr die Gesamtheit des zionistischen Jischuw repräsentieren und daß von revisionistischer Seite die Zustimmung zur Bildung einer gemeinian:en Vertretungskörperschaft solange verweigert werden wird, als nicht durch Revision der Verfassung ein vernünftiger Ausgleich der Vertretung aller Bevölkerungselemente geschaffen und die Möglichkeit jedweder Parteiherrschaft beseitigt werden würde. Auf der Sitzung des Waad Leumi, in der die Forderungen der Revisionisten behandelt wurden, ist nach den in London eingetroffenen ausführlichen Berichten eine Resolution angenommen worden, in der Provokationen und Gewaltakte, von welcher Seite sie immer kommen mögen, strengstens verurteilt werden. Es wird erklärt, daß solche Fälle für das jüdische Aufbauwerk im Lande die Cef ah r der Zerstörung und das Entstehen eines Chaos mit sich bringen. Der Verlauf der Sitzung war stürmisch und leidenschaftlich bewegt. Die Tageszeitung „Davar" . Starke Einschränkung der Auswandererhilisarbeit im Elsaß. Straßburg, 19. März.. Das Elsaß bildete das erste Auffangbecken für die Auswanderer, die 1933 Deutschland verließen. Straßburg hatte große Mengen von Auswanderern zu beherbergen, von denen die meisten nach kurzer Zeit weiter wanderten. Nur wenigen gelang es, im Elsaß Arbeit zu finden. Aus Geldmangel hat das jüdische Hilfskomitee die Hilfsmaßnahmen wesentlich eingeschränkt, das jüdische Heim in der Aristide Briand- Straße wurde ganz geschlossen und die Auswanderer blieben auf sich selbst angewiesen. Während vor Monaten noch einige Tausend Auswanderer im Elsaß gezählt wurden, beträgt ihre Zahl heute nur noch einige hundert. Auch diese Zahl wird sich in den nächsten Wochen gewaltig verringern, da die meisten Auswanderer keine Aufenthaltsgenehmigung für das Elsaß mehr erhalten konnten. Vor einigen Tagen verließ wieder eine Gruppe junger Juden Frankreich, um nach Palästina auszuwandern. Oesterreich. Rückkehr zum Judentum in Oesterreich. W i e n , 23. März. Die Rückkehr Konfessionsloser in die Religionsgenossenschaften, die seit dem Ende der Februarereignisse in Oesterreich eingesetzt hat, führt bei der Wiener jüdischen Kultusgememde zu einer völligen Umkehrung des Zahlenverhältnisses zwischen Ein- und Austrittsbewegung. Während im vorigen Jahr noch die Eintritte in die Kultusgemeinde nur etwas mehr als die Hälfte der Austritte betrugen (das ganze Jahr 1933 weist 355 Eintritte gegen 758 Austritte auf), wurden in diesem Jahre in der kurzen Zeit bis zum 20. März schon 188 Eintritte vollzogen; dagegen betrugen die Austritte in diesem Zeitraum bloß 49, also bloß etwas mehr als ein Viertel der Eintritte. In der vergangenen Woche standen gar 36 Eintritten nur 6 Austritte gegenüber. Soweit bis jetzt feststeht, sind die Eintretenden in erster Linie Beamte, Lehrer, Aerzte, Angestellte und zum geringen Teil auch Kaufleute. Es scheint sich also in der Mehrzahl der Fälle um Wiedereintritte von Personen zu handeln, die befürchten, daß ihre Konfessionslosigkeit einen schlechten Eindruck bei der vorgesetzten Behörde machen könnte. (ITA.,). England. Einschränkung der jüdischen Palästinaem-wanderung und Einwanderung aus Transjordanien* London, 26. März. Im Unterhaus richtete der Abgeordnete Rys-Davies an den Minister für die Kolonien die Frage, ob die auf Einschränkung der Einwanderung nach Palästina abzielende Politik der Regierung auch Maßnahmen zur Kontrolle und Einschränkung der arabischen Einwanderung aus Transjordanien einschließe und ob die Zunahme arabischer Einwanderung als Grund für die Einschränkung jüdischer Einwanderung anerkannt werde. In Beantwortung dieser Anfrage führte der Minister für die Kolonien, Sir Philip Cunliffe-Lister aus: Während Personen, die in Transjordanien ihren ordentlichen Wohnsitz haben, auch ohne Paß palästinensisches Gebiet betreten dürfen, ist die Erteilung