Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 13-14 (29.3.1934)
- Date
- 1934-03-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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29, März 1934 Der Israelit Nr. 13/14 Seite 7 Esräers an seinen Bund. Durch diese Selbstverständlichkeit entrinnen wir der. Gefähr der poli tischen Verhetzung unserer Jugend Denn es'sol len im Erziehungsbund keine politischen Auseinandersetzungen stattfinden. Wer weiß, ob der Esra heute, der Esra, in dem nicht mehr zwei Weltanschauungen kämpfen, sondern eine agudistische vorherrscht, der Gefahr der Politisierung entrinnen wird. So lange zwei Richtungen im Bund als gleichwertig anerkannt waren, so lange man zwischen zweiPolen pendelte, war die Gefahr der Politisierung nicht allzu groß. Heute aber, wo nur eine Weltanschauung als die maßgebende gilt, droht auch in den Esrakreisen die Gefahr, daß die andere Richtung als nicht vollwertig jüdisch anerkannt wird, was sich nachher auch politisch auswirken könnte. Für die Jugend wird es kein großer Unterschied sein, ob es die Agudah oder der Esra ist, die gegen den Misrachi Stellung nehmen. Wir wollen aber unsere Jugenderziehung in die Agudas Jisroel einbeziehen, weil wir glauben, daß der gegebene Klall Jisroel die Agudas Jis roel ist und die Zugehörigkeit eines jeden Jehudi zum gegebenen Klall Jisroel Pflicht ist. Wie wenig heute der Esra der Gefahr der Politisierung entrinnt, das können wir an manchen Orten se- . hen,' wo Esra- und Agudahgruppen nebeneinanderwirken. Die Gegnerschaft dieser Gruppen zueinander ist heute fast eine „politische" geworden, und weil beide Gruppen sich an dieselben Kreise wenden, ist die Reibungsfläche viel größer als zwischen uns und den nichtorthodoxen Organisationen. Der Gefahr der Politisierung, der Gefahr der Verhetzung gegen nichtorthodoxe Organisationen entgeht man, aber auf der anderen Seite ist die Jugend, die eigentlich zueinander gehört, gegeneinander eingestellt. Wie sich solche Kämpfe in den eigenen Reihen für die Charaktererziehung auswirken, darüber braucht kein Wort verloren werden. Noch ein Einwand wird in Esrakreisen gegen die Verschmelzung mit der A, J. J. 0. erhoben*. Man fürchtet Teile des Esra zu verlieren, falls man sich der A.J.J.O. anschließt. Handelt es sich um die Charaktererziehung, so müssen wir versuchen, diesen Einwänden Verständnis entgegenzubringen, es ist eben eine pädagogische Meinungsverschiedenheit. Die Behauptung aber, man könnte Menschen verlieren, dürfen wir nicht gelten lassen. Wenn wir uns alte Esrablätter vornehmen, sehen wir, daß schon vor 10 Jahren die Befürchtung ausgesprochen wurde, man würde Menschen verlieren, falls man sich an die Aguda anschlösse. Die Entwicklung hat uns gelehrt, daß ohne den Anschluß an die A. J. J. O. Menschen verloren gingen, daß „Abspringen" im letzten Jahr fast die Existenz des Gesamtbundes gefährdet hat. Gerade um einen weiteren Menschenverlust zu verhindern, fordern wir. Anschluß an die Agudas Jisroel, die uns gegebener Klall, organisierte Judenheit und nicht Partei ist. Wir wollen nun im Rahmen der Agudas Jisroel zum Klall Jisroel erziehen. In mehreren Richtungen soll diese Arbeit gehen. Erstens soll die Form des Klall, wie sie halachisch gefordert wird, uns näher gebracht werden. Man könnte fast sagen, es soll uns die äußere Gestalt des Klall gegeben werden. Zweitens wollen wir in vertikaler und horizontaler Linie die in Vergangenheit liegenden und heute gegebenen Formen, in denen sich der Klall auslebte, zu verstehen suchen. Das Leben unserer Vorfahren in ihren verschiedenen Aeußerungen, das Leben unserer jüdischen Generation in den verschiedenen Formen — mit einem Worte, was den Inhalt des Klall ausmacht, soll vdn uns verstanden werden. - Ein Wichtiges fehlt aber noch unserer Jugend. Wenn; im vorigen Jahrhundert man uns die Abgeschlossenheit des Ghetto durch eine jüdische orthodoxe Gemeinde ersetzen wollte, so ist heute noch feines notwendig: Ein jüdisches Milieu muß geschaffen werden. Und wenn wir dieses Milieu nicht so haben können^ wie in den östlichen Ländern Europas, so müssen wir doch versuchen, einen Ersatz dafür zu schaffen. Durch Einführung in die Gedankenwelt des Midrasch, durch Verständnis für unsere Volksheroen, wie sie in der jüdischen Volkserziehung weiterleben, durch Erwfeckung des Gefühls der Ehrfurcht und Liebe zu unseren Gedaulim, kurzum durch Beschäftigung mit jüdischer Geschichte, suchen wir dies zu erreichen. Aber nicht nur Geschichte,. wie sie in Wirklichkeit war, die einzelnen Daten des Geschehens innerhalb der Judenzeit, sondern auch die Wahrheit der Geschichte, das heißt, ihre Auswirkungen im Volksleben, die Aeußerungen des Volkes zu ihr sollen maßgebend sein. Und nun kommen wir zu den Fragen der Weltanschauung. Wir wollen sie aus den Quellen heraus studieren, Quelle der Weltanschauung ist für uns in erster Reihe die Halacha. Die agadi-' sehen Aeußerungen sind uns oft mißverständlich. Erst durch die Grundlegung der Halacha durch das Herausschälen des weltanschaulichen Grundsatzes aus der halachischen Entscheidung kann die Agadah für uns eine Quelle für die Bildung unserer Weltanschauung werden. Selbstverständlich soll auch der T'nach uns eine solche Quelle sein. Aber nicht T'nach in erster Reihe. Allzuoft ist T'nach mißverständlich. T'nach ohne Chasal kann Bilder ergeben, die gar nicht mit den Aeußerungen von Chasal zu vereinbaren sind. Wir verstehen eben T'nach nicht richtig. Es ist für uns eine viel zu hohe Sphäre, es ist für uns in einer viel zu schweren Sprache geschrieben, als daß wir ohne Erklärer an T'nach herangehen könnten, um daraus Fragen der Weltanschauung abzuleiten. Es ist hiermit keinesfalls gesagt, daß wir nicht versuchen sollen, den Pschat der einzelnen Stellen von T'nach herauszufinden. Aber wie der Pschat in der Thorah für uns keinesfalls die Halacha gibt, sondern erst die Erklärung, die die Chachomim uns zur betreffenden Stelle geben, so darf auch unser Pschat allein uns nicht die Weltanschauung geben, erst die Erklärungen der mündlichen Lehre geben diese. Der Pschat ist nur die Grundlage für den Drasch, der Drasch ist der metawirkliche und somit maßgebende Pschat.2) Also müssen wir die Fragen der Weltanschauung uns aus T'nach und sonstigen Quellen beantworten, aber für uns Jugend gilt bei unserer Arbeit eines: Neues darf nicht in T'nach hineingegelesen werden, Neues, was nicht bereits bei den Gedaulim zu finden ist, dürfen wir nicht suchen, zumindest nicht als feststehend annehmen. Sehr große Vorsicht ist uns bei Behandlung sämtlicher weltanschaulicher Fragen auf Grund der Quellen geboten! In Fortführung der von früheren Generationen aufgestellten Grundsätzen ringen wir um die Verwirklichung eines thoragemäßen Lebens. 2) Vergl. n-nnn r»»a vom Telsiaier Raw, Mahari Bloch, bsu Darnach ist bei den frixan '»sr» der r\bu ovo Grundlage für den moi OSV' Beide entspringen derselben Quelle. Der n^ii ist die Emanation des "inoa- Korrespondenzen* Deutsches Reich. Deutsch-Holländische Palästinaverwaltung. Frankfurt a. M., 25. März. Die Deutsch-Holländische Palästina-Verwaltung erhielt von einem ihrer Freunde folgende Zuschrift: „Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit darauf lenken, daß vielfach in jüdischen Gemeindan die sogenannten Matnas-Jad-Gelder nicht abgeliefert werden. Bekanntlich ist jeder, der am Matnas Jad den Mischeberach mit Omen beantwortet, zur Zahlung verpflichtet, aber ein großer Teil weiß nicht, daß er sich einer großen Unterlassungssünde schuldig macht, wenn er dieses Neder nichteinhält. Die meisten glauben, mit einer Gabe für irgend einen Zweck ihre Pflicht erfüllt zu haben, was nicht richtig ist, dadas Matnas-Jad-Geld für Erez Jisroel verwendet werden muß. Ich halte es für richtig, für die kommenden Feiertage auf die Wichtigkeit dieser Gabe hinzuweisen und daß man natürlich Ihnen die Beitrage zur entsprechen-, den Verwendung sendet." ' Nur die Deutsch-Holländische Palästina-Verwaltung, Frankfurt a. M., Rechneigrabenstraße 10, Postscheckkonto Nr. 9553 Frankfurt a. M., hat nach alter Ueberlieferung Matnas-Jad-Spenden in Deutschland und Holland in Empfang zu nehman. Mitteilungen des Keren Hajischuw. Frankfurt a. M., 28. März. Unter dem Namen „Miss'ada Hgudas Jisroel" ist mit Hilfe des Keren Hajischuws in Rechow Grussenbergstr. 10 in T.el-Äwiw eine allen Ansprüchen der Hüp2ne, des Kaschruth und der Preiswürdigkeit entsprechende S p e ise w,ir t s ch a f t eingerichtet worden, die in erster Linie für die Verköstigung der Poäle flgudäs Jisroel Tel-Äwiw und darüber hinaus aber auch als Sammelpunkt für Agudisten bestimmt ist. In;Nathania, der bekannten Scharonsiedlung der Pflanzergesellschaft „Hanötea" ist ein weiteres Ärbeitsla'ger der Poale Ägüdas Jisroel mit zunächst 15 Arbeitern errichtet worden. Nathania hat bereits eine Synagoge und absolut zuverlässie Schechita. Ein Gemeinschaftshaus und eine Gemeinschaftsküche wurde den Arbeitern von der „Hanotea"- Gesellschaft zur Verfügung gestellt. Einem vielfach gehegten Wunsche aus" agudistischen Kreisen folgend, hat der K. H. auch für Deutschland Sammeltäschchen, die bequem in der Tasche zu tragen sind, angefertigt, die unter dem Namen „Hamascf" patentamtlich angemeldet wurden. Die kleinen Täschchen sind oben mit einem Gummischlitz versehen. Zur Einführung des ,,Hamasef" ist auf der Rückseite eine Omertabelle angebracht. In jenen Wochen, die von der Freiheit zum Gesetz führen, die uns daran erinnern, daß der Weg von Mizraim nach Erez Jisroel nur über den Sinai geht, soll der „Hamasef" in allen gesetzestreuen Kreisen heimisch werden. Die Täschchen sind ohne Entgelt durch das Büro der Palästina Centrale der Agudas Jisroel, hier, Schwanenstraße 12, zu beziehen. Agudistische Zertifikate für die Sommerperiode. Frankfurt a. M., 28. März. In auswärtigen Blättern sind Mitteilungen über den Anteil der „Agudas Jisroel" an den jetzt für Rechnung der Periode April-Oktober im Voraus ausgehändigten 1350 Zertifikaten veröffentlicht worden, Zur Klarstellung sei bemerkt, daß diese Veröffentlichungen verfrüht sind. „Agudas Jisroel" hat einen bestimmten Prozentsatz dieser Zertifikate auf Grund der von ihr eingereichten Listen und des mit. der Agency getroffenen Abkommens gefordert, doch ist die bewilligte Ziffer vorläufig noch nicht festgestellt. Auf alle Fälle muß schon jetzt darauf hingewiesen werden, daß nach wie vor jeder einzelne Bewerber seine Qualifikation nachweisen muß, zumal die palästinensische Regierung gerade für diese Zertifikatsbewilligungen ganz bestimmte Bedingungen hinsichtlich der Fachkenntnisse der auf Handwerkszertifikate Einwandernden gestellt hat. Aus der Tätigkeit des „Zentralausschusses für Aulbau und Hilfe." Berlin, 23., März. Ueber den Stand des Berufsumschichtungswerkes des „Zentralausschusses für Aufbau und Hilfe" wurden in einer Pressekonferenz der Reichsvertretung interessante Mitteilungen gemacht. Danach befinden sich zur Zeit über 6000 deutsche Jugendliche in Berufsumschichtung, wovon etwa 2700 in der Landwirtschaft, 3300 im