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Der Israelit · 1934-03-29 · Heft 13-14 (29.3.1934) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 13-14 (29.3.1934)
Date
1934-03-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 13/14 Der Israel \JL 29. März 1934 flikt geraten muß, ist auch nicht so leicht eih-. zusehen. Und trotzdem hat die Praxis gezeigt, daß sowohl der Standpunkt der frömmeren Maskilim wie auch der Misrachim unhaltbar ist. Die Haskala hatte die Thora ganz verdrängt, und die Folgen waren fast völlige Assimilation der Judenheit der. westeuropäischen Länder und Tausende und Abertausende Mischehen und Taufen. Der Zionismus hat es nicht besser gemacht, denn er brachte eine ungeheuere Welle von jtpbo und 'piSXmit sich. Der Mirachi war dagegen ohmächtig. Noch nicht einmal seine eigene Jugend kann er vor der drohenden Gefahr schützen. Die Zöglinge seiner e.igenen Schulen insbesondere in Palästina selbst verlassen fast alle seine Reihen und gehen natürlich nicht zur Aguda, sondern zu denjenigen Parteien, die sich den Kampf gegen Emuno zur Lebensaufgabe gemacht haben. Daß ein. Absolvent einer Misrachischule sich etwa entschließt eine Jeschiwa zu besuchen, ist eine seltene Ausnahmeerscheinung. Der Grund dieser . fürchterlichen Enttäuschungen besteht darin, daß sowohl die moderne . Haskolo wie auch der Zionismus unjüdischen Ursprungs sind und ist es daher unmöglich, daß sie Hand in Hand mit der Thora gehen, sondern das Eine muß das Andere verdrängen. Denn die neuere Haskolo ist .dem Wunsölie der Angleichung und Assimilation an die Wirtsvölker entsprungen und sie bezweckt nicht wie zur Zeit des Rambam nur die Uebermittlung von profanem Wissen. Auch der Zionismus will im Grunde genommen fast nichts Anderes als die Haskolo. Nur kämpfen die Zionisten nicht für die Assimilation des Einzelnen, sondern für die des ganzen Volkes als eines solchen. O'Un ^DD TI3 ist ihre Parole. Einen eigenen Staat wollen sie haben, wo Religion Privatsache sein soll. Das ist der eigentliche Sinn des Baseler Programms. Aber obgleich dieses Ziel doch scheinbar keinen der 13 Glaubensgrundsätzen des O^naT verletzt, so widerspricht es doch dem wichtigsten Grundsatz, den ]lXJn '"75?0 "1 > über die jüdische Gesamtheit aufgestellt hat, der lautet nrrnm naw una-is „Unser Volk ist Volk nur durch die Thora." Aufgabe des Misrachi ist daher nach Ansicht des Verfassers, nach all den großen Enttäuschungen Anschluß nach rechts zu suchen und eine breite orthodoxe Einheitsfront zu schaffen. Das bedeutet natürlich noch nicht.daß der Misrachi sich auflösen und ganz in die Reihen der Aguda übergehen soll, sondern daß beide Parteien erhalten bleiben, und nur eine gemeinsame Verteidigüngsfront gegen die Feinde von außen bilden sollen. Was Misrachi selbst betrifft, so fordert Herr Rabbiner Amiel, eine sofortige Sprachliches zur Pessach-Haggada. Von Rabbiner Dr. Kaatz in Hindenburg (O.-S.). In Bezug auf den vierten der Q'ia nsaiK heißt es in der Haggada: i1? n/is nix- Die Haggada hat hier gleich der ihr entsprechenden Mechilta zu 2. M. 13, 14 statt des hebräischen n/iK die aramäische Form ns gewählt, was als ein nicht klassisches Hebräisch von Neuhebraisten kritisiert wurde. Aber den Kritikern ist es entgangen, daß die Bibel selbst zuweilen statt nn« die Form m als Maskulinum anwendet und zwar neben' fünfmaligem Kere-Ketib an den drei Stellen Num. 11, 15, Deut. 5, 24 und Ez. 28, 14. Es darf vermutet werden, daß wenn die Haggada hier den aramäischen Ausdruck nx wählt, dies in einer bestimmten Absicht geschieht und daß sie einen besonderen Gedanken damit zum Ausdruck bringen will. Und zwar kann uns Raschi zu Num. 11, 15 und Deut. 5. 24 den rechten Weg zeigen, auf dem wir -den Gedanken, der durch die Wahl von nx angedeutet wird, zu finden vermögen, Raschi weist nämlich dort darauf hin, daß die Wahl des Wortes nx» welches im Hebräischen die weibliche Form des Du ist, eine andeutende Bezugnahme auf die Frau darstellt. In gleicher Weise können wir auch in dem ib. r\m w der Haggada den Gedanken angedeutet sehen, daß nicht nur der Vater, sondern auch die Mutter dem Kind, das noch nicht zu fragen versteht, die Bedeutung des Peßachfestes erschließen soll. Wie ich nachträglich sah, erklärt auch die von Schlesinger und Güns herausgegebene und von Leo Deutschländer durch Beiträge bereicherte Haggada das na als einen 'Hinweis auf die Mutter. Revisionseines Programmes. Er soll nicht mehr, eine Organisation frommer Zionisten sein, die auf der Basis des Baseler P r o g r,a m ms -s.teh.en, sondern eine Organisation, die ganz auf der Basis der Thora steht und auch den Aufbau Palästinas als jüdisches Nationalheim im Geiste der Thora zum Ziele hat, sein. Also er soll sich von der zionistischen Organisation unabhängig machen, allerdings sich nicht ganz von ihr trennen, sondern mit ihm in einem losen Zusammenhang stehen und nur dann mit ihr arbeiten, wenn die gemeinsame Arbeit für den Aufbau Palästinas, mithin auch für die Zwecke des Misrachi unbedingt erforderlich sein sollnud Von Dr. Kalaman Kaham in Fulda. In nachfolgenden Ausführungen soll zum gleichnamigen Aufsatz des Bundesleiters des Esra Stellung genommen werden.1) Sie erheben nicht den Anspruch, d i e Ansicht; der agudistischen Jugend wiederzugeben. Es wird in ihnen nur die Meinung des Verfassers geäußert, die allerdings auf Grund von Unterhaltungen mit Agudisten und Esräern gewonnen wurde. Nur ganz kurz kann in ihnen Verschiedenes gestreift werden, was entweder in den internen Bundesorganen oder in Rundschreiben ausführlich behandelt wurde, bzw. noch werden soll. Als ich vor mehr als einem Jahre Mitglied der Organisationsleitung der Agudas-Iisroel-Jugendorganisation wurde, war die Situation innerhalb der orthodoxen Jugendbewegung völlig anders als heute. Im Esra kämpften damals drei Richtungen, von denen die misrachistische den Bund jetzt verlassen hat. Heute sind die Kämpfe innerhalb des Esra fast zum Stillstand gekommen, da die agudistische Richtung es nicht unbedingt als notwendig erachtet, sich der sogenannten neutralen gegenüber durchzusetzen. Das Hauptverlangen der neutralen Richtung ist: Die Jugenderziehung muß unpolitisch vor sich gehen, „Politik verdirbt den Charakter". Innerhalb der agudistischen Jugend begegnete man oft der Meinung, die „Neutralen" seien „Noch nicht überzeugte Misra- 1) Vergl. den Aufsatz von Abraham Wolf im „Israelit" Nr. 5 vom 1. Februar 1934. Wir rüsten zum Seder. 'Von Rabbiner Ph. Fischer in Sarospatak. (Schluß.) II. Tiefsinnig heißt es im Sohar; „Der Mensch soll sich bei Tische nicht, gierig verschlingend über Speise und Trank stürzen. Wer sich derartig benimmt, gehört der anderen (im Materiellen versunkenen) Richtung an." Doch ist es ein ewiges'Vorrecht des Menschen, daß er wohl im Irdischen, im Gemeinen unterzutauchen vermag, dochdarin nicht ganz' untergehen muß , sondern vielmehr sich hieraus emporzuretten und aufs neue zu einer lichtumfluteten G'tteswelt höherer Weihe, höherer heiliger Bestrebungen emporzuheben vermag, •m bwn ->*R oin ^ai Das irdische Gefäß, der Mensch, worin die heilige Opferspeise zum "irm geworden ist; der Mensch, in dessen Augen das heilige Opfer zu etwas Ueberflüssigem, Unnötigem geworden, — "UP' ach! er muß zur Einkehr in sich, zur Rückkehr zum Höheren bewegt werden! man i6'n nain "taps „Ein gebrochen es und gedemütigtes Herz verschmähest Du nicht, Ewiger!" Ach, wenn das. menschliche Herz hart und ungefügig bleibt, den Rückweg zu G'tt von sich selber nicht finden will, dann -nw müssen die rauhen Schicksalsstürme überdasselbe einherbräusen und es brechen und gefügig, -— aus dem PK ein & machen! Ja, dann kommen die Leiden und , die Geschickesschläge des Lebens und vollbringen ihren g'ttlichen natürlich unter der Bedingung, daß dabei kein mn bihn entsteht. Wie bereits gesagt, war bis jetzt kein besonderes Entgegenkommen auf Seiten der Aguda zu merken. Allerdings scheint die litauische Judenheit eine Ausnahme zu bilden. Denn die Rabbinerkonferenz, die diesen Winter in Kowno stattfand und an der sich über 120 Rabbiner beteiligten, soll die Bildung einer gemeinsamen orthodoxen Einheitsfront beschlossen haben. Vielleicht werden bald auch die orthodoxen Führer der anderen Länder die Notwendigkeit einer solchen Einheitsfront einsehen? (Siehe hierzu die Wochenrundschau: „Agudistisch-misrachistische Einheitsfront?") chisten". Ich versuchte nun bei der agudistischen Jugend Verständnis für die Neutralen innerhalb des Esra zu erwecken. Oefters habe ich darauf hingewiesen, daß die Ablehnung der Pirche Agu-. das Iisroel seitens vieler Esräer nicht auf grundsätzlichem Gegensatz zur Agudas Iisroel sondern auf pädagogischen Bedenken beruht. Obwohl ich selbst die Ansicht dieser agudistischen Esräer nicht geteilt habe, so war ich doch der Meinung, man müsse die politischen Fragen von den pädagogischen trennen. Allerdings, diese Forderung; richtet sich nicht nur an die. Agudahjugend sondern auch an die Esräer. Heute müssen wir Verständnis von ihnen für unsere Erziehungsarbeit verlangen. Die Gegnerschaft zur Pirche Agudas Jisroel wird damit begründet, daß ihr die Zugegehörigkeit zur Organisation mehr als die Charaktererziehung bedeute. Dieser Behauptung entgegenzuwirken ist heute unsere Aufgabe. Unsere Erziehung soll in erster Reihe Charaktererziehung sein. Wir verlangen aber dabei Bindung an die Organisation. Erziehung eines wertvollen jüdischen Menschen ist unser alleiniges Ziel. Aber die Zugehörigkeit eines jeden Juden zum organisierten Klall Jisroel liegt unserer Meinung nach doch hart an der Grenze einer Mizwöh, vielleicht läßt es sich mit dem Ausdruck „Mussar- Din", den ich von litauischen Gedaulim gehört habe, am besten charakterisieren. bsb '3K *13JT ■"llin' ist uns keine leere Floskel! Die Bindung an die Weltorganistion muß uns so selbstverständlich sein wie die Bindung des einzelnen Auftrag: die Läuterung und Besserung des armen, in Sünden verstrickten Menschenkindes! Hat sich aber das mn, die, alles Höhere als ">nt3 Aschenbrödel betrachtende und verachtende sündhafte Neigung noch nicht ganz tief ins menschliche Wesen hineingefressen; sondern es gleicht noch dem metallenen Gefäße, woraus die Speisereste leicht entfernt werden können, dann croa* t\vwi pnai komme die heilige Träne der Reue und schwemme fort alles sündige Gelüste. Und es komme die heilige Lebens- , quelle der Thora und verlösche jede unheilige Flamme , der Triebe und Leidenschaften ... - ' :. in. . ' - "' .[ Das Snn ist es, das wie ein Beinfraß an allem; Heiligen naget! O, daß das uralte Wort der heiligen, Thora tagtäglich wie ein neugefundener Schatz in unseren Augen wäre! Alle Errungenschaften auf den» Gebiete der Kultur und des geistigen Fortschrittes dürfen uns den hehren Glanz unseres alten Schatzes, unserer ewigen unverlierbaren geistigen Erbschaftnicht verlassen, vielmehr bei gehöriger Erfassung dieses heiligsten Gutes es immer wieder und wieder in neuem, herrlichen Lichterglanze erstrahlen lassen/'' Denn diese g'ttliche Lehre ist es, die nicht bloß mit ihren Einschränkung fordernden Ge- und Verboten den Genuß adelt und in eine, höhere Sphäre emporhebt, sondern die mit ihren, auf das Erringen ewig-vj, keitiieher Werte gerichteten Richtlinien Und mit ihren, alles Ueberhebliche, des seine. Schränken^ verkennen^ den menschlichen Verstandes in seine;i rechtmäßige 1 Grenzen zurückweisenden Korrekturen erst rechf., allem Bestreben auf dem Gebiete des geistig-kulturellen Fortschrittes Ewigkeitssinn und Wert und dem G'ttlichen zustrebenden Charakter verleiht . . . "' Vom Ringen unterer Jugend*

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