Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 13-14 (29.3.1934)
- Date
- 1934-03-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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29. März 1934 Der Israelit Nr. 13/14 Seite 3 Die Lichter unseres Sedertiscfies. (Fortsetzung von Seite 1.) Pole hinausführen. Darum sagt er DDS „Euch";., Was sollen Euch jene kleinlichen Vorschriften, jene Bindungen besagen, die vielleicht im Ghetto hinter dem Lichte einen guten Kitt abgaben, als: eine Art religiöse Autarkie ihre Geltung hatten? >iy?Dn ja laxy rw wwtw . ' Nicht hat er sich ganz aus der Gemeinschaft ausgeschlossen, aber löSJT' sein fiJTS?' sein Wesen, seine Person, sein Ich entzieht er dem Dienst G'ttes. Er will jüdisch denken und fühlen, aber nicht jüdisch handeln. Wie lehren aber die! Sprüche der Väter: nffyan K^K -»j?\J? ffYTön; kV Hauptsache ist nicht das Forschen/sondern die T a t. Er aber, der kritische Bruder, lehnt d i e Tat ab und streicht damit, im Sinne der Väterlehre, den Ip'i? die Hauptsache aus seH nem Judesein. Und wir brechen seinen Argumenten die Spitze VW IIS T\hpT\> indem wir ihm klarmachen (wie schon ausgeführt), daß mit solchen Ideologien und mit solchem Kritizismus nie und nimmer eine Erlösung gekommen wäre, damals in der Nacht,. da eine rasche Tat einsetzen mußte. -bXH ">n X1? tW 'Tl V?K Wie setzt sich der Psalmdichter (Kap. 50) mit diesem ygn genannten Bruder auseinander, der die Satzungen, deren Sinn uns rätselhaft bleibt, zählt, um die Unmöglichkeit und die Nutzlosigkeit der Einhaltung der Gesetze im Einzelnen zu beweisen! „Zu ihm spricht G'tt Q->pbti, naX 5W>H wozu zählst du die Satzungen, die du ja doch nicht beachtest. ->pn 1Q0^> *fi Ha? Du sprichst von deinem Bunde mit mir, den du im Ganzen, unter hohen Gesichtspunkten, angeblich die Treue halten wolltest, in Wahrheit aber trägst du diese Bundestreue nicht im Herzen, sondern nur im Munde Tina KEmV Du gibst vor, die Moral aus dem Gebote zu ziehen, ohne das Gebot selbst erfüllen zu müssen, in Wahrheit aber nriNI 101» nKüW' hassest du auch die Moral und soll deine Ideologie gegen das praktische Gesetz des Tages Dir nur ein Freibrief sein, dich auch den Hochgedanken und der hohen Moral, die du mit klingenden Tönen lobst, zu entziehen. Am Anfang stand die Tat. Kann es eine jüdische Moral und Sittenlehre ohne jüdisches Gesetz geben? Wir lieben an diesem Abend, da die Feier vornehmlich in einem Frage- und Antwortspiel zwischen Vater und Kind besteht, von altersher gerne die Gleichnisse, die oft mehr besagen als die tiefsinnigsten weitverschlungenen Gedankengänge. Erzählen wir das Beispiel aus dem alten Mussarbuche von jenem simplen Landmann, der in der Stadt eine Laterne erstand und nun glaubte, mit dieser ohne Licht durch die dunklen Straßen wandeln zu können. Denn, kalkulierte er in seiner Einfalt, habe ich ein Kerzenlicht, brauche ich doch den Behälter nicht. „Das wohl," wurde er belehrt, „aber Licht ohne Laterne verlöscht bei jedem Windstoß. Geschützt und in seinem Leuchten gesichert ist das Licht nur, wenn es von den Wänden der Laterne umgeben ist." Eine Mizwohtat gedankenlos verrichtet, ein Gebet ohne Inbrunst, eine Wohltat ohne Liebe, ein Festfeiern ohne Freude, eine Sabbätruhe ohne Sabbat heiligung, es ist eine Laterne ohne Licht, ein „Körper ohne Seele" und kann das Dunkel unseres Lebens nicht erhellen. Umgekehrt aber Religion im Geiste nur, in der Idee; eine Religion, die das Gesetz lobt, vielleicht auch liebt aber nicht lebt, ist, was schlimmer ist, ein Licht ohne Laterne und wird beim ersten Windstoß zum Verlöschen kommen. •Ii» mim mxn *u "o Hat es an großen Ideen, an Hochgedanken der Menschheit je gefehlt in der Geistesgeschichte der Welt? Hat es nicht seit den großen Griechen Aristoteles, Sokrates und Plato bis zu Spinoza und von ihm bis zu den großen Geistesheroen unserer Zeit an Philosophen und Wegweisern, ja auch^an ethischen Lehrern gefehlt? Warum gelang es jenen Meistern der Idee nicht, etwas Ganzes, Großes, Bleibendes, Welten und Generationen Umspannendes, wie es schließlich Eine Festtaosprämiefiir die Bezieher des Israelit Im nächsten Monat begeht Nathan Birnbaum, der ällverehrte Meister des jüdischen Gedankens und der jüdischen Feder, seinen siebzigsten Geburtstag. Aus' diesem Anlaß glauben wir den Lesern des Israelit einen Dienst zu erweisen, wenn wir ihnen das vor 10 Jahren zu Ehren des Jubilars in unserem Verlag erschienene Sammelbuch VOM SINN DES JUDENTUMS das inzwischen aus dem Buchhandel zurückgezogen worden ist* zu dem Ausnahmepreis von Mark 2.50 einschl. Versandkosten anbieten. Das Buch wird in fester steifer Broschur geliefert. Wie aus dem nachfolgenden Auszug aus dem Inhaltsverzeichnis ersichtlich, enthält das Buch j Aufsätze von dauerndem Werte, die heute noch ebenso aktuell sind wie vor 10 Jahren- Auszug dem Inhalt: Pinchas Koim: Umkehr / Josef Wohlgemuth: Die Bußfertigen und die vollkommen Gerechten / Martin Buber: Eine chassidische Bußpredigt / Jechiel Jakob Weinberg: Gedanken über Judentum / Meier Münk: Das tägliche Gebet Abraham Elijahu Kaplan: In den Spuren der Jir'a Salomon Birnbaum: Das Reich der Rätsel / Bernard Tag: Religiöse Problematik und jüdische Religiosität / Ernst Müller: Extase und Kritik / Ernst Simon: Zur Wertung des Alters im Judentum Rob ert Weiß: Der Solidarismus der historischen jüdischen Familie / Moses Auerbach: Die Bildungsfrage in der thoratreuen Judenheit Deutschlands / Leo Deutschländer: Die jüdische Schule / Oskar Wolfsberg: Zum Thema : Religion und Wissenschaft. Ausserdem die Abteilungen: „Aus Jüdischer Dichtung" (Gedichte von Uriel Birnbanm, Hermann Weyl, Franz Rosenzweig, S. J. Agnon, Max Brod,.Emil Cohn, Nahum Norbert Glatzer) „Dem Meister zum Gruß" und „Persönlichkeit und Werk,,. Da nur eine beschränkte Anzahl von Exemplaren zur Verfügung steht, bitten wir um schleunige Bestellung. Lieferung nur gegen Vorauszahlung oder unter Nachnahme. H e r m o n Frankfurt am Main, Verlag echneigrabenstr. 7 unser Judentum ist, zu schaffen? Weil ihre Ideen im Reiche der Ideologie blieben und nicht zu Taten und Handlungen verpflichteten, eine Zeitlang Gehirne beschäftigten und Herzen bewegten, aber nicht den Tag in all seinen Stunden, nicht den Menschen in all den Lagen seines Lebens erfaßten; weil sie, kurz gesagt, Licht ohne Laterne waren, das bei den starken Luftströmungen im Auf und Ab der Geschichte zum Verlöschen kam. Und siehe, gerade aus d e m Gesezte, das uns das größte Fragezeichen ist, Para Aduma — aus der bedingungslosen Unterwerfung unter Seihen Willen ersprießt die Reinheit, die zur seelischen Erlösung tföjn rinö führt. * * * Dann ist der Aufblick frei zum Sternenzelte in dieser Nacht der G'tteshut und zu Ihm, der über den Sternen thront. Vertrauen, das vierte Licht, lacht und leuchtet aus dem Gesichte des Kindes, Vertrauen flüstern die sinnigen Symbole in ihrer stillen vertrauten Sprache, Vertrauen singt es aus den Liedern des zweiten Teiles, wenn der offizielle Akt zu Ende ist und wir uns immer noch nicht vom Sedertische trennen können. Vertrauen trägt der Hallelgesang in unsere Herzen, daß wir, ob wir „den Kelch des Heiles hochheben" oder ob wir „von Not und Kummer umdüstert sind" mptf 'n immer den gleichen Namen G'ttes anrufen . Vertrauen lehrt der ehrwürdig junge Rabbi Eleasar, Sohn Asarias, mit seiner Anweisung, „vom Auszug aus Aegypten auch -— und erst recht — bei Nacht zu sprechen", und Davids Wunderharfe, um die Nachtmitte vom Nordwind gestreichelt, erklingt in unserer Seele, wenn wir das Lied vom „Wunder in der Mitternacht" ">sn3 'iTl p31 n^Vnanstimmen. Auch Rabban G a m 1 i e 1 zwingt das Auge in die Höhe, wenn er anordnet, daß man „Pessach", „Mazzoth" und „Moraur" sage. Sage, und zwar in der von ihm befohlenen Reihenfolge, obiwar die von ihm für diese Symbole gegebene Begründung diese Reihenfolge unverständlich macht. Pessach zeigt den Schritt G'ttes bei der Erlösung, Mazzoh war die spärliche karge *vwoezehrung Israels für den Wüstengang,. Moraur stellt die lieblose Tat des ägyptischen Zwingherrn dar. Also müßte es mit Moraur beginnen, der Geschichte des Druckes; mit Pessach, dem Eingriff G'ttes zu unserer Erlösung fortgesetzt werden, und mit Mazzoh, dem Brote des Auszuges, schließen. Indes genau wie das D'OUn bST-Gebet mit den „Wundern" beginnt und den „Kämpfen" schließt, obwohl es doch umgekehrt sein müßte, so heißt uns auch hier Rabban Gamliel es aussprechen, daß das wundersame Eingreifen G'ttes nicht Abschluß und Krönung der Geschichte war, sondern schon am Anfang fest und sicher dastand. Das Wunder stand stets bereit, wenn die Wolken sich am Himmel der jüdischen Geschichte zusammenzogen, stets die nKIDT (Heilung) vor der HDÖ (dem Schlage). n^NH Ü'*mn nnK, erst nachdem zwei Kapitel mit Mordechai und Esther im Mittelpunkte vorangegangen sind, kann sich das Verhängnis ankündigen. An den ägyptischen Baustätten seufzten die zu Sklaven gemachten Kinder seiner Wahl, in einiger Ferne aber steht der junge Erlöser und sieht ihren Lastarbeiten zu. Noch verschärft sich der Druck'von Tag zu Tag, aber Moses ist schon angerufen, iür seine Aufgabe erkoren. Vertrauen singt und klingt, und. rauscht und raunt aus jedem Worte der alten Urkunde. Gleichheit, Freiheit, Reinheit und Vertrauen! Und erstrahlen diese vier Sterne und leuchten auf unsere Festtafel, dann sind wir durch alle Generationen hindurch und auf dem ganzen Erdenrunde, über Raum und Zeit hinweg, eine einzige Sedergemeinde. Wochenrundschau. Gebt unseren Kindern den Sabbat \ Die neueste Verfügung des Reichsministeriums über den Schulbesuch jüdischer Kinder am Sabbat stellt die jüdischen Eltern vor