Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 12 (22.3.1934)
- Date
- 1934-03-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 Nr. 11 Der Israelit 33. März 1934 Jom Kippur nicht gearbeitet und in vielen Kallektiv farmen sei die Herbstaussaat unterbrochen worden weil die jüdischen Genossenschaftsmitglieder die jü dischen Feiertage hielten. Italien. Die Jeschiwa in Fiume. F i u m e , 20. März. Wie bekannt, hat Herr Rabbiner Dr. Jos. Breuer der Berufung der hiesigen 'orthodoxen Gemeinde zu nächst für ein halbes Jahr Folge gegeben, um während dieser Zeit zu versuchen, eine Jeschiwa zu gründen, die in der Lage wäre, in größerem Umfang die aus Deutschland abwandernde Jugend aufzuneh men, sie dem Geist der Frankfurter Jeschiwa zu erhalten und sie über die Jeschiwa den durch die Zeit Verhältnisse gegebenen Berufen zuzuführen. Die hiesige Gemeinde hat in anerkennenswerter Opferfreu digkeit alles daran gesetzt, um dieses Jeschiwawerk, so weit es an ihr lag, zu ermöglichen. Darüber hinaus mußte jedoch dieses Unternehmen von Anfang an mit der tatkräftigen Förderung weitester Kreise rechnen. Vor einiger Zeit hat der bekannte Publizist und Führer der italienischen jüdischen Jugendbewe gung, Dr. P a c i f i c i in Florenz, sich in der weitverbreiteten Wochenschrift „Israel" in einem außer ordentlich warmen und feinsinnigen Appell an die jüdische Oeffentlichkeit in Italien gewandt und vor allem die Rabbiner und die Vertreter der italieni sehen Judenheit aufgerufen, das Werk, das Herrn Rabbiner Breuer nach Italien geführt hat, schon im Interesse der Erstarkung des italienischen Judentums aufs tatkräftigste zu fördern. Dieser Appell war um so mehr geboten, als das übrige Ausland den Absichten des Herrn Rabbiner Breuer wohl Sympathie, aber keine nennenswerte Förderung entgegengebracht hat. Nachdem auch diesem Aufruf bis jetzt die erhoffte Wirkung nicht beschieden war, ist zu erwarten, daß Herr Rabbiner Breuer sich veranlaßt sehen wird, von einer weiteren Verfolgung seines großzügigen Planes in der bisherigen Richtung Abstand zu nehmen und nach Frankfurt zurückzukehren. Herr Dr. Pacifici unterließ es nicht, auch hierauf sowie auf die den leitenden Kreisen der italienischen Judenheit daraus erwachsende Verantwortung mit allem Nachdruck hinzuweisen. Die Entscheidung dürfte wohl in den nächsten Wochen erfolgen. Palästina. 1350 neue Palästina-Zertifikate ausgegeben. Jerusalem, 16. März. Die Palästina-Regierung hat der Exekutive der Jewish Agency soeben 1350 Arbeitereinwanderungszertifikate zur Verfügung gestellt, die auf die Einwanderungsquote für das nächste Halbjahr angerechnet werden. Die Höhe der nächsten Halbjahrseinwanderungsquote wurde noch nicht festgesetzt. Verwaltungsüberschuß der Palästina-Regierung wächst. Jerusalem, 14. März. Nach der Bilanzaufstellung der Palästina-Regierung vom 31. Januar 1934 war ihr Verwaltungsüberschuß bis zu diesem Zeitpunkt auf 2.341.746 Pfund angewachsen. Während der ersten zehn Monate des Finanzjahres, das am 1. April 1933 begonnen hat, betrugen die Einnahmen 3,204.739, die Ausgaben 2,096,288 Pfund, so daß sich für diese zehn Monate allein ein Ueberschuß von 1,111,451 Pfund ergibt. Arbeitskonflikte in Palästina. Jerusalem, 11. März. Eine vom Waad Leumi eingesetzte Kommission hat einen Plan zur Hintanhaltung von Arbeitskonflikten ausgearbeitet, der die nächste Session der Nationalversammlung (Assefath Häniwchariic) beschäftigen wird. Ein ständiges Schiedsgericht zur Behebung der Konflikte zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern wird geschaffen, welches nach bestimmten Richtlinien hinsichtlich Lohnhöhe, Arbeitsbedingungen, Kündigungsfristen, Krankenversicherung usw. urteilen soll. Iitf jedem Arbeitszentrum wird ein Arbeitsbüro errichtet, dessen Mitglieder von Arbeitgebern und. Arbeitnehmern proportioneil be stimmt werden. Die Vorsitzenden ernennt das Zentralbüro beim Wäad Leumi. =Hauptprinzip soll sein Recht auf Arbeit für jeden jüdischen Arbeitsmenschen ohne Rücksicht auf seine Parteizugehörigkeit und politische Anschauung; Arbeitszuteilung erfolgt ausschließlich durch Vermittlung eines organisierten autoritativen Arbeitsamtes. Das zentrale Arbeitsbüro setzt sich aus neun Personen zusammen, von denen drei durch die Arbeitgeber, drei durch die Arbeit nehmer und drei durch beide Parteien gewählt werden. Erneut kam es zu Zusammenstößen zwischen revi sionistisehen Arbeitern und Mitgliedern der Allgemeinen Arbeiterorganisation in Rechoboth. Mit glieder des Brith Trumpeldor hatten bei einem Neu bau Arbeit gefunden, wogegen Mitglieder des Allgemeinen Arbeiterverbandes, der sich vertraglich das Recht der Arbeiterzuweisung durch seine Vermittlungsstelle gesichert hat, energisch Stellung nahmen Bei dem Zusammenstoß zwischen beiden Gruppen wurden einige Mitglieder des Brith Trumpeldor verletzt. Zwei Mitglieder der Allgemeinen Arbeiterorganisation wurden verhaftet. Die revisionistischen Arbeiter setzen die Arbeit unter Polizeischutz fort Der Arbeiterkonflikt in C h e d e r a h ist noch nicht beigelegt. Vier weitere Mitglieder der Arbeiterorga nisation wurden wegen Widerstands gegen die Polizei verhaftet. Sie wurden in das Gefängnis von Acco gebracht, wo sich auch die vom Haifaer Gericht abgeurteilten Führer der Moazath Awoda befinden. Diese haben gegen ihre Verurteilung Berufung eingelegt und dürften gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt werden. Die in den Orangenpflanzungen, ■ Packhäusern und bei Bauarbeiten beschäftigten Histadruth-Mitglieder haben in einem einstündigen Streik den Protest gegen die Verhaftung ihrer Führer zum Ausdruck gebracht. Wieder Arbeiterzusammenstöße in Tel Awiw und Jaffa. Jerusalem, 13, März. Trotz den fortgesetzten Bemühungen, den Arbeiterkonflkt in Recjio wo t h beizulegen, ist es dort zum zweiten Mal zu einem Zusammenstoß zwischen Mitgliedern der Histadruth und revisionistischen Arbeitern gekommen. Im Verlauf der Auseinandersetzungen drangen Histadruth-Leute in das neben der Baustelle, auf der der Streit ausgebrochen war, gelegene Haus des Revsionisten Joseph Appel ein. Auf beiden Seiten der Kämpfenden gab es einige Verletzte. Mehrere Personen wurden verhaftet. ,,Doar Hayom" behauptet, daß die an den Kämpfen beteiligten Histadruth-Leute nicht ortsansässig, sondern aus benachbarten Siedlungen herbeigekommen waren. Der Stadtrat von Tel Awiw hat eine dreigliedrige Kommission, bestehend aus je einem Vertreter der Histadruth, der Mittelstandspartei und des Misrachi, eingesetzt, mit der Aufgabe, eine Untersuchung über die Zusammenstöße zwischen Hanoar Hazioni und revisionistischer Jugend in den Straßen von Tel Awiw am 2. März (Schuschan Purim) durchzuführen. Der Etat der Tel Awiwer Stadtverwaltung wurde für das Jahr 1934/35 mit 278.000 Pfund festgesetzt, 1932/33 betrug der Etat 185.000, 1933/34 196.000 Pfund. Die starke Bevölkerungszunahme hat es mit sich gebracht, daß die auf den Einzelnen entfallende Steuerlast wesentlich gesunken ist. Während vor drei Jahren die Steuern pro Kopf 4 Pfund ausmachten, sind sie im abgelaufenen Jahre bereits auf VU Pfund gesunken und dürften im kommenden Verwaltungsjahre nur noch 1 Pfund betragen. Im Zusammenhang mit den bevorstehenden Wahlen zum Stadtrat von Jaffa würde festgestellt, daß die jüdische Bevölkerung dieser Stadt im Laufe der letzten zwei Jahre bedeutend gewachsen ist, was zum Teil auf den Wohnungsmangel in Tel Awiw zurückgeführt wird. Die jüdische Bevölkerung Jaffas wird derzeit auf ein Dritteid er Gesamtbevölkerung geschätzt. Die Jaffaer Jüdische Gemeinde hat beschlossen, eine Zählung der wahlberechtigten Juden dipe.r S.tä4t vdrittnehroen. Man rechnet damit, daß die jüdische Bevölkerung im n*uzuwählenden Stadtrat durch drei Rätsmitglieder vt-.r, treten sein wird. Ein, Jeschiwa-Hejni. zum Andenken Rabbi Möschen Mördeipiiai Epsteins.'% ': '■ - -•v;>irt;:-'.. n,r.."-u '. J e rü's'a 1 e'm', 7".t~März. Die Leitung der S 1 a b od k a e r , J e s c h i w a zu Jerusalem beabsichtigt, das, Artdenken ihres'früheren ■ Leiters, des vor wehigen Monaten"verstorbenen Raw Moscheh Mordechai Epstein, durch tin Werk zu ehren, das in seinem Sinhe zugleich kulturellen und sozialen Zielen gewidmet sein soll. Ss soll in Jerusalem, dem Sitz der Slobodkaer Jeschiv/a seit 1929, ein modernes Jeschiwa-Heim auf den Namen des großen Toten erstehen. Es wird etwa 30 Wohnräume für die Studenten, Ruhe- und Körperpflegeeinrichtungen, Bibliothek- und Lesesaal, Gesellschafts- und Klubräume enthalten, die bestimmt sind, die Jeschiwah', mit allen Teilen des lernbegierigen gesetzestreuen Jischuw zu verbinden. Eine Dachterrasse mit Erholungsanlagen und weitem Blick auf Stadt und Berge wird dem Auge des Lernenden die Stätten nahebringen, um die Trauer und Sehnsucht jedes glaubensverbundenen Juden seit jeher kreisen, Die technische Planung und Ausführung der Anlagen ist zwei deutschen Juden anvertraut, den Architekten Dipl.-Ing. Lazarus, der nach Erich Mendelssohns Entwürfen, den Rudolf Mosse-Bau in Berlin neugestaltet hatte, und Ing. Zusmann, der führend an den Warenhausneubauten Held in Berlin und Schocken in Zwickau beteiligt War. Um die Pessachzeit wird voraussichtlich der Grundstein gelegt. Keine Möglichkeit der Sabbatruhe für Eisenbahn, bedienstete in Palästina, Tel Awiw, 15. März. Wie die Tageszeitung „Davar" mitteilt, sind im letzten Halbjahr 30 jüdische Bahnarbeiter aus den Diensten der palästinensischen Bahnverwaltung ausgeschieden. Der Grund hierfür lag vor allem in den ungünstigen Arbeitsbedingungen und den niedrigen Löhnen, Die Fälle des Ausscheidens jüdischer Bahnangestellter mehren sich; unter dem gesamten etwa 3000 Arbeiter und Angestellte umfassenden Bahnpersonals befinden sich derzeit nur noch 200 Juden. Die Lage der jüdischen Eisenbahnbediensteten wird auch dadurch sehr erschwert, *Jaß die Eisenbahnverwaltung die Bitte jüdischer Angestellter, an Sabbsthtagem vom Dienste befreit'zu werden und statt dessen regelmäßig am Sonntag arbeiten zu dürfen, abgelehnt hat. Großzügige Wohnbauaktion in Tel Awiw. Tel Awiw, 14. März. Im Rahmen der Wohnbauaktion der Histadruth Haowdim fand in Tel Awiw die feierliche Grundsteinlegung zu einem der größten Wohnbauten statt, die in dieser Stadt errichtet werden sollen. Der Feier wohnte der gegenwärtig in Palästina weilende Präsident des London Economic Board for. Palesine, Sir Robert Waley Cohen, und Führer des jüdischen Arbeiterverbandes bei. Ferner waren Direktoren , der Guardian Eastern Insurance.Company,,die für die Errichtung des Wohnbaues durch die dem Londoner Economic Board angeschlossene Palestine Corporation Ltd. ein Darlehen von 25 000 Pfund gewährt hat, erschienen. Das Haus soll 88 Wohnungen, zum größten Teil Dreizimmerwohnungen, enthalten. Bei der Grundsteinlegung hielt der Arbeiterführer A. Sabarsky eine Ansprache, in der er mitteilte, daö von dem Wohnungsbeschaffungsplan der Histadruth bisher 6000 Familien erfaßt wurden, Efl sollen 150>> Wohnräume mit einem Kostenaufwand von etw-. einer Million Pfund geschaffen werden. Sir Rober Walsy Cohen! gab bekannt, daßi" der Konzern de< Guardian Eastern Insurance Company' sich zu weiteren Investitionen in Palästina * entschlossen hat Unter den übrigen Redhern befand sich auch' de¬ Schriftsteller Alexander Zißkind Rabinovitz,1 dessen 80. Geburtstag vor kurzem gefeiert wurde.