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Der Israelit · 1934-03-22 · Heft 12 (22.3.1934) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 12 (22.3.1934)
Date
1934-03-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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23^M%s,l?31. . . ... alten Bilder an de» Wänden Leben, um mitzusingen wind, mjtzuf eiern, I. ' Die; G l e i c h h e i t, die auch die Brüderlichkeit einschließt imd nicht eihe alle Grenzen der Natur tffid VeraLnlagüng yeWischende Gleitihmadhürig ist, söriderfi, ha,ch jüdischer Derikärt, .nur irh Sinne von Ausgleich zu verstehen ist -— dieser Stern waltet und leuchtet über unseren ßedertisch vom Auftakte bis zum Ausklarige. fVesach ist das Fest der 'Gleichheit, die Mazzoh. das B r o t d e r Gleichheit, und selbst der Aermste der Armen hat nicht nur ein Ahrecht auf den Wein, sondern die Pflicht, nicht mehr und nicht weniger Becher zu trinken als der reiche Bruder. Der Sedertisch ist für alle gleich gedeckt und — „wer hungert, komme und esse mit!" Nur der darf es zur Eröffnung der S^derfeier mit gutem Gewissen verkünden, der schon Wocfien vorher, als der erste. Stern mit der L.ehre von der Gleichheitsmünze des halben Schekels aufleuchtete, dem Rufe: "pöDi gerecht worden ist, so. daß das Wort hinter geschlossenen Türen nur noch eine nachträgliche wörtliche Formulierung und nicht etwa eine platonische,, zu späte Einladung bedeute. Der Aermste darf nicht weniger als vier Becher leeren, lautet die Vorschrift im Schulchan Aruch. Warum gerade vier? Sehen wir von allen künstlichen Deutungen ab, so. sind die vier Becher in der Vierteilung der Sederhandlung gegeben. E i n Becher für K i d'.d its c h wie allüblich, noch ein Becher für die H a g g a d a h , wiederum ein Becher für das Tischgebet, das bei festlichen Anlässen mit dem gefüllten Kelch verrichtet werden soll, und zuletzt der vierte Becher für das Hallelgebet, mit dem der offizielle Teil des. Seders ausklingt. Eine feierliche Gebethandlung in der Familie wird mit gefülltem Becher in der Hand verrichtet, wie es in den Psalmen heißt: 'lOj28 'I DTO K#8. rniniT pis „Ich erhebe den Becher des Heiles und künde den Namen G'ttes!" Ist dem so, wie könnte der Arme, wie dürfte er sich eine Minderung der Becherzahl leisten, ohne sich aus dem Bunde Israels mit G'tt in all seinen Verpflichtungen und Ausstrahlungen auszuschließen? Denn: Mit Kiddusch wurde Israel geweiht und. zum Volke seiner Wahl erkoren, und er, der Arme, war mit dabei, als der Ruf an, das geeinte Volk erging: ,,Ihr sollt mir ein Reich von Priestern und heiliges Volk sein!" Haggada, der Bericht aus der Vergangenheit, über die Uranfänge des jüdischen Volkes, Zwischen den Zeilen. rp^? iasp o'jsnw ->na t^t? Twpnn, mifl '*m. y«- übersetzt ein Kommentar: Die Thora, kann nur bei dem heimisch werden, der seinen Egoismus das?) ganz niederringt. * qaa^ "nti vwin itfn 'übersetzt S. R. Hirsch „Kundschaftet nicht nach euren Herzen und euren Augen. Wthn Vb\ ist mit dem Tonzeichen „Asto-Geresch" versehen. Soll, nach, alter Erklärung, heißen: Sobald dir die bösen Gedanken kommen, mühe: dich («Vi«) sie zu vertreiben tv.ii)- ,■'; , * nasVo. avvn r\m? in den sechs Tagen wird die Arbeit von selbst gemacht, es ruht G'ttes. Segen auf deinem Werktage, wenn 'ya^n oval du den siebenten Tag heilig hältst, nak>» ia.f»#«rt b"s. hier beim SäbbätentWeiher heißt es aber Wir- £ r macht, verrichtet die Arbeit, G'ttes Segen ist nieht dabei! t * . i •. a'iK tax Es spricht der Feind, der böse'Trieb (snn I5r0 *p"nx, ich jage dem Menschen nach, >W« bis ich ihn erreicht, umstrickt habe, j?^n« ich gewahre ihm auch Lohn und Beute. "'»Da inKMjn habe ich ihn aber ganz und bin zufrieden mit meinem Fange, ^Sin p'iit dann züsk© ich JUS-in S.chwfert, ii1* wtcnin und tri eine Hand reibt ihn auf. Es deckt sich diese Deutung mit4 dem tiefen Ausspruch der Weisen: -man ifctos ms ••■vrorn -mri \o»i kvj Böser Trieb, Ankläger und Todesbate sind wesensvereint. , D.e r ris^r a « 1 i;t . . das Gesuchen seiner Urahnen jenseits des Flusses,' die Vätergeschiehte, seinen Einzug in und seinen Auszü£ aus Aegypitelh. Uhd er, der äritie! Bruder, so}] hictit im Gäiste mit Üäb'ei Seih, &ä I die Rede von denen ist, die, bar aller Habe, den ungesäuerten Teig auf den Schultern, iri jener Nacht der Nächte Gtt, in' ünverwischlicher Liebe und Treue in die Wüste'folgten? Im Tischgebet danken wir G'tt mit erhobenem Glase für die Wohltaten der Gegenwart, für die Speise, die er uns „stets, an jedem Tage und zu jeder Stunde" bereitet, Ihm, der „ste^ts uns an nichts hat fehlen lassen und auch weiterhin uns keinen Mangel erleiden lassen wird." Mit dem heißen Danke verbinden wir das noch heißere Gebet: ,,0, lasse uns nicht der Gäbe eines Menschen von Fleisch und Blut bedürfen, hoch ihres Darlehens, sondern gib uns aus D e in e r Hand, die beständig Voll und heilig lind weit geöffnet ist ...v ." Es ist geradezu d a s Gebet des Armen, das wir alle, arm und reich zugleich, mit dem dritten Becher in der Hand verrichten. Wie könnte er, der die Sprache des dritten Bechers am unmittelbarsten in ihrer ganzen erschütternden Bedeutung versteht, davon ausgeschlossen seiti? Und wenn wir gar mit dem vierten Becher in der Hand das Hallel der Zukunft anstimmen, wer dürfte wen und wer durfte sich selbst ungestraft, jenseits der jüdischen Zukunft stellen? Wer nicht mit hoffen auf die Enderlösung, die nicht von den Schätzen der Erde, von den Gol'dminen und Oelgruberi kömmt, sondern an den Namen eines Mannes gebunden ist, der „als Armer auf einem Esel geritten kommt?" Gerade Hallel trägt' den Gesang in die Hütte der Armut hinein: ^"7 löj/ö ^pJi „G'tt richtet vom Staube den Armen auf," trägt in die Stätte des Leides bis ari das Schmerzenslager das Lied heran "b niöD 'tPS3 nü^n ,,Denn Du entzogest meine Seele dem Tode, mein Auge der Träne, meinen Fuß dem Anstoß,, daß wir wandeln in den Landen des Lebens." Elijahu geht an diesem Abend der jüdischen Gleichheit an der Hütte des Armen so wenig wie am Paläste des Reichen vorüber, so ihm drinnen der Kelch kredenzt wird ... Wir sagen und singen an diesem Abend das Lied der Gleichheit und schlagen im Sagen und Singen Brücken über Gegensätze der Zeit, des. Alters, des Intellektes und der Einstellung. „Es geschah . . ." Der steinreiche Rabbi Elieser und der ach so arme Rabbi Josua, der blutjunge Rabbi Eleasar Sohn Asarjas und der ältere Rabbi Akiba und der vornehme Sproß „ aus adeliger Priesterfamjjie Rabbi 'Tarfon, alle finden sie sich in jener Nacht, da wiederum, wie dazumal jüdi- Wallensteins Stellung zu den Juden. '< In der von Hugo Gold herausgegebenen Zeit-" schrift für die Geschichte der Juden in der Tschecho- < Slowakei widmet Prof. Dr. Emil H o f m a n n , dem Generalissimus Wallenstein anläßlich der 300. Wiederkehr des Tages seiner Ermordung ein Gedenkblatt, in dem der Verfasser Wallenstein,s Stellung zu den Juden umreißt. Prof. Hofmann stellt fest, daß Wallenstein den Juden stets Gerechtigkeit widerfahren ließ Und ihnen viel Wohlwollen entgegenbrachte. Er suchte ihre Fähigkeiten seinen Zielen dienstbar zu machen. WallenStein erteilte gern Juden Privilegien. Im Archiv des Ministeriums des Innern in Prag sind in Faszikel Waldsteiniana F. 67/7 mehrere vorhanden. Zwei davon betreffen den auf Reichenberg sich beziehenden Teil des Privilegiums an Bassewi, sowie an einen Juden zu Friedland. Der Verfasser veröffentlicht zum ersten Mal den Wortlaut zweier anderer Privilegien an Juden und meint, es sei bemerkenswert, wie der Generalissimus mitten in den Kriegswirren sich beeilt; einen Passus in einem Brief zu beantworten, der sich auf einen Juden bezieht. Den' 'jüdischen 'Bewohnern seiner Residenz Jicjn wandte er seine besondere Gnade zu. Den Juden i n Leipä erkannte er das Recht zu, Gewähdschnitt zü: treiben, 'was eine besondere Gunst war, dönn äft vielen Orten hatten das :Recht zum Gewähdschnitt d, h. zum Tuchhandel, nur Zunftmitglieder; den'Zünften konnten aber Juden nicht angehören. Auch die Juden zu Sobötka erfreuten sich der Werktätigeft Fürsorge 1 Wallensteins}- er gewährte ihnen ein Darlehen von lOjOOQ Fl. und. nahm ihre Partei gegen die dortige Bürgerschaft; ' : ..;. Nr; 11 „Seite 5_ sches Leid den: Höhepunkt erreicht hatte, in der Sorge um ihr Volk, in der Hoffnung und in der Arbeit 'für ihr Volk. 'Gleichheit im. Sinne vö'n Arigleichürig und Ausgleich auf der zentralen Linie der Liebe und Treue zu G'tt und seinem Gesetze führt die „vier Söhne';' an Vaters Tisch zusammen. Der Weise und der Einfältige ürid der, der keine Frage im Muhde hat. Ja, auch der Böse, er wird nicht verloren gegeben, wenn er nur mit dabei ist und fragt. Die ihni gewordene abweisende Antwort ist auch eine Antwort, die ihm vielleicht zu denken gißt und dazu führt, daß er nächstes jähr seih eh P^Iatz am Sedertisch rieben dein weisen Bruder hat . . . „Ware er dort mit dabei gewesen . . .u Soll heißen: Hätte er dort, als rasche.ierlösende Tat einsetzen müßte, mit seiner Skepsis, seinem Kritizismus, seiner klügelnden. Ideologie Verwirrung in die Köpfe getragen, die Herzen matt und kalt gemacht, e s hätte keine Erlösung gegeben. Er wird sich das sagen lassen, und uns muß die Hoffnung bleiben. Denn, schon erzählt uns die Haggada unvermittelt von Männern dieses Geistes und dieser Art, die wir nicht verloren geben durften. Terach hat uns einen Abraham geschenkt-. . . Noch in einem der letzten Lieder singen wir mit unserem Kindern das Lied der jüdischen Gleichheit. Ein Zahlenrätsel, das kein Rätsel ist. Eins findet sich zu zwei und zwei zu drei und drei zu vier, und so weiter bis zue jüdischen Höehstzahl Dreizehn. Und all die Zahlen gruppieren sich um die Eins:. ..Einzig ist unser G'tt im Himmel und auf der Erde! . . ."! Vom Wesen der Freiheit, die zur R e i rill e i t führt und den Aufbliek zum Himmelszelte freigibt, sowie vom Ausdruck, den der Seder diesen drei Sternen gibt, soll im nächsten Artikel die Rede sein. ii- - Wochenkalender. Vom 24. — 31. März'1934 / Vom 8. — 15. Nissan 5694 ■w «p 24 8 "VW Samstag b bwin nas? ix Sonntag 25 9.!' kra Mp.atag 26 IQ 1 *n Dienstag 27 11 , 3». Mittwoch Mär? 28 \o->i 12 in Donnerstag 29 13 nn pn rp"m Freitag i30 14 iri ntJb Samstag 31 15 t» 's qv> n.o b fi' -i "ii' -i ii ti. i . ~ i r:..: " n m ■ n. (Der König und das Minjan.) „L'yniyers. Isra.e^ite" erzählt folgende interessante Anekdote: Einige Tage nach der Geburt des Königs Viktor Emäriuer in Rom veranstaltete die römische jüdische Gemeinde einen besonderen Dankünd Bittg'ttesd^e.nst zu FJirejft der Königip, und des Neugeborenen. i>$x ^b.erraj^biner von Rom wurde daraufhin zu FIpi geladen, weil ihm der König persönlich danken wollte. Der König sagte dem Rabbiner: ,,Ihre Gemeinde war die erste in Italien, die für den jungen Prinzen betete., Ich nehme an, daß Sie bei, fieser Gelegenheit in Ihrer Synagoge m e h r f a c h; M i n, j a n hatten!" Auf die erstaunte Frage des Oberrabbiriers, woher dem König diese intime Kenntnis jüdischen Brauches und jüdischer Gesetzesvorschrift komme, erzählte dieser, er sei als junger 'Offizier in der Garnison Turin; eines fa,ges mit seinem unmittelbaren.Vorgesetzten, dem jüdischen Gfeneral O 11 o 1 e n g h i, späteren italienischem Kriegsminister, zusammengetroffen. Ottolenghi, der , sich auch sonst nichts weniger als liebenswürdig zu zeigen pflegte, war an diesem Tage geradezu wütend. Auf die Ftäge, was denn die Ursache der schlechten Laune sei, habe cler General geantwortet: „Ich bin erbost auf die jüdische Gemeinde, hier. Ich ging in die Synagoge und habe nicht beten können', weil ein Minjan fehlte." „Aber, warum hab.en Sie denn, keines mitgebracht?" „Eure Hoheit scheinen zu gläüben, daß es sich hier um ein Gebetbuch handelt. Das ist nicht der Fall. Minjan ist die Vereinigung von zehn Männern im jeinp.el. Qhne sie kann man keinen G'ttesdienst abhalten." „Auf diese Weise,'' so schloß der König, „erfuhr ich, was ein Miüjän ist." Und er fuhr fort: „Ich erfuhr damals auch, daß der General, 'so oft e r n u r irgend k.o.n;nie , die Synagoge besuchte, was ihn nicht daran hinderte, einer ider besten Generäle der italienischen ^rn^ee zu sein."

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