Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1934-03-15 · Heft 11 (15.3.1934) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 11 (15.3.1934)
Date
1934-03-15
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2450807-2450818--80276-2538080
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

15. März 1934 D e Israelit Nr. 11 Seite 11 Anklägebehörde geführten Zeugen einer Analyse unterziehen; Die '"Verlesung" der Denkschrift nahm vier Stünden "in Anspruch. Auch Achi Meir legte eine Erklärung vor, in der er feststellt, daß politischer Mord Feinen Auffassungen ebenso widerspricht wie denjenigen der revisionistischen Bewegung. Die Poale Agudas Jisroel in Klar Saba. T e l Awiw, 8. März. Am 12. Adar wurde das erste Lager der Poale A g u das J i sroel in K f a r S a b ä offiziell eröffnet. Die Mitglieder des Lagers in der Zahl von 15 zogen in die Baracke ein, nachdem sie den Verpflichtungsschein unterschrieben hatten, wodurch sie sich der Verfassung des Lagers unterwerfen. Es wurde ein schönes Fest aus diesem Anlaß gefeiert. Die Baracke war festlich geschmückt. An der Festlichkeit beteiligten sich mehr als 150 Gäste. Um 7 Uhr abends eröffnete der Chawer Seidä im Namen des Lägers die Versammlung mit der Begrüßung aller Gäste. Darin sprach der Ortsrabbiner R i - n i k und legte in einer umfassenden Rede die geistigen Grundlagen dar, auf denen das Lager zum Un-' terschied von den änderen bestehenden Lagern und Kibbuzim in Erez Jisroel aufgebaut sein muß. Im Namen des Einwanderungsbüros und des Keren Hajischuw sprach Jacob Landau. Er schilderte die Schwierigkeiten, denen das Lager begegnet war und noch begegnen wird. Aber der erhabene Zweck, den der Keren Hajischuw damit erstrebt, wird uns die Kraft geben, aller dieser Schwierigkeiten Herr zu werden. Rabbi Mosche Pörüsch überbrachte die Gruße der Agüda-Zentrale in Jerusalem. Er sieht in der Wahl von Kfär Säba zum ersten Lager das Symbol für den Geist des „alten Jisroel". Chawer Sew Fischer-Schein begrüßte das Lager im Namen der Poale Agudas Jisroel-Zeritrale und im Namen der Abteilung Tel Awiw. Nachdem sprach Chawer Jecheskel Rottenberg im Namen der Abteilung Petach Tikwah. Er betonte die Tatsache, daß die ersteh, die nach Kfär Saba kamen, die Mitglieder der Abteilung Petach Tikwah waren. Chawer Freund bringt die Grüße der Abteilung Bne Brak und verspricht die Pflege vertrauensvoller Beziehungen zu diesem ersten Lager. Im Namen der Einwohner von Kfar Saba sprach Herr K o h n herzliche und begeisterte Worte. Die Krönung des Festes war ein Referat von Dr. Isaak Breuer über den Standpunkt der Poale Agudas Jisroel in Erez Jisroel. Die inhalt- und gedankenreiche Rede, welche die Hörer begeisterte, brachte eine Auseinandersetzung mit der Histadruth hoowdim, die sich auf den Marxismus und auf den Revisionismus stützt, letzten Endes auf den chauvinistischen Nationalismus. Mit scharfer Kritik im Lichte des orthodoxen Judentums trat der Redner diesen Bewegungen entgegen, die die größte Gefahr für das heilige Land und für das jüdische Volk bedeuten. Die Zukunft der Poale Agudas Jisroel in Erez Jisroel wird davon abhängen, ob es ihnen gelingen wird, eine neue Arbeiterbewegung im heiligen Lande zu erwecken, der die Thöra allein Richtungsmaßstab ist und die davon weder rechts noch links abweicht. Das Fest wurde bis Mitternacht auf dem Grundstück des Lägers mit Tänzen und Reigen fortgesetzt. Vermischtes* Frankfurt a. M., 12 .März. Die „Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" (Büro Frankfurt a. M., Rechneigrabenstr. 10); gibt auch in diesem Jahre ihr von autoritativer Seite begutachtetes Merkblatt, betr. Vorschriften für Pessach zum Preise von RM. 0.10 heraus. Das Merkblatt ist insbesondere zur Verlesung am Sabbat vor Pessach geeignet. Mainz, 14. Marz. Nach dem „Mainzer Anzeiger" sammelte sich Ende vergangener Woche vor dem Standesamt in Mainz eine erregte Menschenmenge, als ein Nichtarier' aus Kässei sich* mit einer 'arischen Arbeiterin aus Mainz trauen lassen wollte. Die Demonstration habe so bedrohliche Formen angenommen, daß das Ueberfallkommando beide in Schutzhaft nehmen mußte. Hamburg, 12. März. An der Talmud Thora-Schule (Volks- und. Oberrealschule) fand am 6. März unter dem Vorsitz des staatlichen Kommissars, des Herrn Oberschulrat Dr. Oberdörffer, die Reifeprüfung (Abiturium) statt. Sämtliche 15 Prüflingel darunter 5 Mädchen, haben das Examen mit gutem Erfolge bestanden. Freibürg, 13. März. Die Fachschaft des Freiburger Buchhandels hat sich, wie die ,frankfurter Zeitung" meldet, auf Vorstellungen der Freiburger Hitlerjugend in einer Erklärung ehrenwörtlich verpflichtet, die Predigten des Kardinals Faulhaber über „Judentum, Christentum und Germanentum" nicht mehr zu verkaufen und die vorhandenen Vorräte sofort an den Verlag zurückzuschicken. Die Freiburger Hitlerjugend begründet ihr Vorgehen mit der Einstellung der Predigten des Kardinals zum Germanentum. Amsterdam, 5. März. Der Hauptschriftleiter des führenden orthodox - jüdischen Blattes Hollands, „Nieuw Israelietisch Weekblad", Herr L. D. S t a a 1, hat dieser Tage seinen 6 0. Geburtstag begangen, der von der jüdischen Oeffentlichkeit in dankbarer Anerkennung der literarischen Leistungen des verdienten Mannes und seiner Verdienste um das thoratreue Judentum lebhaft gefeiert wurde. Der Jubilar ist ein Zögling des Amsterdamer Rabbirierseminars, hat sich auf wissenschaftlich-rabbinischem Gebiete betätigt und redigiert seit 15 Jahren das Weekblad. Er gehört auch dem Zentralkomitee der holländischen Judenheit an und hat sich als mannhafter Bekämpfer aller Reformbestrebungen bewährt. Sein Blatt veröffentlicht zahlreiche Glückwünsche aus der Feder führender Persönlichkeiten des holländischen Judentums. Tatnow, 2. März. Seit Mitte Februar gibt die hiesige Agudas Jisroel-Gruppe ein 14tägig erscheinendes eigenes Organ „Unser Wort" heraus, das die Nachrichten aus der Agudas Jisroel-Bweegung sammelt und die große Aktion der polnischen Agudas Jisroel für Jischuw Erez Jisroel zu fördern sucht. Montreux, 14. März. Die Leitung der Jeschiwoh „Ez-Chajim" in Montreux teilt mit, daß sie Neuan-- meidungen für das Sommersemester nur bis zum 15. April annehmen kann. Es bestehen sowohl Kurse für Anfänger als auch für Fortgeschrittene. Das Sommersemester beginnt am 8. Ijar, Sonntag, den 22. April. Nytra, 4. März. Vergangenen Schabbos fand in Nytra die Versammlung, der Schüler von Oberrabbiner Sam. Dav. U n g a r s statt. Die Veranstaltung begann bei Anwesenheit mehrerer hundert Jünger, welche teilweise bereits über Schabbos gekommen wären und bei Anwesenheit des Vorstandes und der Mensaleitung, am Sonntag Vormittag im dichtgedrängten Beshamidrasch mit der Eröffnungsrede des Herrn Oberräbbiners. Er begrüßt die Erschienenen, gedenkt unter Tränen eines Heimgegangenen aus dem Jüngerkreise und spricht herrliche und tiefe Mussarworte, denen ergriffene Stille folgt. Nun ergreift zur Begrüßung namens der Gemeinde der Rosch Hakohol Herr Leopold Weiß das Wort, um in warmer und humoristischer Weise den Anlaß zu würdigen. Nach der Ansprache des Mensapräses, Herrn Rafael Bach, wird auf Vorschlag des Rabbi beschlossen, ein Huldigungstelegramm an den Präsidenten Masaryk abzusenden. Mit einigen Beschlüssen geschäftlicher Natur schloß die imposante Zusammenkunft. Die Frankfurter Woche- Die Gemeindeversammlung der Synagogengemeinde Israelitische Religionsgesellschaft. Die Gemeindeversammlung der Israelit. Religionsgesellschaft fand am Sonntag nachmittag in der Aula der S. R. Hirsch-Schule bei guter, aber nicht übermäßig starker Beteiligung statt. Der zur Verlesung gelangte Jahresbericht muß auch diesmal die Auswirkungen der allgemeinen wirtschaftlichen Not auf verschiedenen Gebieten des Gemeindelebens konstatieren. Darüber erhebt sich aber ein erfreuliches Bild regen geistigen Lebens: in den Schulen, in der Jeschiwa und in den Lernvereinen. All den Anstalten und den Mähnern, die sich in dieser Notzeit für die Aufrechterhaltung des geistigen Lebens verdient gemacht haben, wird Dank ausgesprochen. Ein wehmutsvolles und dankbares Gedenken wird den Toten des Jahres gewidmet, wobei sich die Versammelten zu ihren Ehren von ihren Plätzen erheben. Der Bericht schließt mit einem hoffnungsvollen Ausblick in die Zukunft der Gemeinde. (Wir behalten uns vor, Einzelheiten aus dem Berichte in einer späteren Nummer wiederzugeben.) Eine Diskussion über den Bericht kommt nicht in Fluß. Nachdem der Vorsitzende, Herr Philipp Posen, auf einige Anfragen und Anregungen des Herrn Louis Kahn erwidert hatte, konnte man zu den Wahlen schreiten. Die E r g ä n z ü n g s w a h 1 e n für Vorstand und Gemeinde rat ergaben folgendes Resultat: In den Vorstand wurden neu gewählt die Herren Hugo Bondi, Dr. Salömbn G o 1 d s c'h m i d t, Dr. Siegfried Oppenheimer, Jacob Rosenheim und Leo Wr'eschn er. In den Gemeinderat treten neu ein die Herren Siegmund H.'Katzenstein, Fritz Wohlfarth und Karl Z u n z. „Die Geburtsstunde des jüdischen Volkes". Zur Vorbereitung der Stimmung für das nahende Pessachfest in weiteren Kreisen veranstalteten die hiesigen agudis tischen Gruppen am Mittwoch einen Vorträgsabend über obiges Thema mit Oberrabbiner Dr. J. Carlebach, Altona, als Redner in der Fränkfürt-Löge. Man sah in der Frankfurt-Loge sehr viele, die sonst nicht den Weg zu jüdischen Vorträgen finden, und für diese waren die gedankenreichen, mit großer Rhetorik aufgebauten Ausführungen in erster Reihe berechnet. Aber auch wir, denen die Materie von der Quelle her schon besser vertraut ist, gingen nicht ohne Gewinn von dannen. „Und es wird sein, wenn dich deinSohn fragt" . . . Es ist, so führte der Redner ungefähr aus, dies die Grundlage des Sederabends. Auch der „Roscho" ist uns willkommen, so er nur kommt und fragt, denn wir im Judentum brauchen den Fragen nicht auszuweichen. Die Hagadah macht den Auszug zum Gegenwartserleben. Daran anknüpfend, führte der Redner die Symbole einzeln auf, um sie zu erläutern und auf großer Linie zu deuten. Die Hagadah macht am Sederabend das jüdische Haüs zum Lehrhause, in dem gefragt und geantwortet wird. Redner bespricht die Gliederung der Hagadah in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, um dann auf Hallel überzugehen, das uns> in seinem ersten Teile G'tt als persönlichen G'tt erleben läßt und in seinen letzten Kapiteln die große Perspektive auf die messianische Zukunft eröffnet. Eine Türe geht auf und Elijahu - kommt, dessen Aufgabe es ist, Väter und Söhne zu vereinigen. Nur durch diesen Ausgleich zwischen Alt und Jung kann die Erlösung herbeigeführt werden. Wir erleben sie an diesem Abend schon im Liede und schließen mit Wir sind versöhnt. Der Vortragsabend wurde eingeleitet durch eine Ansprache des Herrn Jacob Rosenheim. Zweck der Veranstaltung sei, jüdische Menschen für die Heimat der jüdischen Seele zurückzugewinnen. Er fordert die Anwesenden auf, unter dem Eindruck des Abends auch den Weg zu den anderen Vorträgen und Schiurim der Gruppen zu finden und von der Einladung frommer Familien zur Beteiligung an den Sederabenden reichlich Gebrauch zu machen. Was ist uns Erez Jisroel? Sonntag, den 18. März, abends 8.30 Uhr veranstalten die agudistischen Gruppen in der Frankfurt- Loge einen Vortragsabend über das Thema: „Was ist uns Erez Jisroel"? Referent ist Herr Dr. S. Ehrmann. Herr Jacob Rosenheim wird das Schlußwort sprechen. Verein Mekor Chajim e. V. Wir veranstalten in den nächsten Wochen mehrere Hagodo-Vorträge, deren erster diesen Sonntag nachm. 6.30 Uhr im Vereinslokal stattfindet. Herr Rabb. H. M e y e r spricht über das Thema: „Ein Gang durch die Hagodo". Gäste — auch Damen — herzl. willkommen. Ein synagogales Konzert mit J. Alter. J. Alter ist ein Name, der immer noch zieht, darum trotz der Ueberfülle von Veranstaltungen am Sonntag abend ein volles Haus in der Frankfurt-Loge. Alter bleibt, und das möge ihm zum Ruhme gereichen, in seinen liturgischen Vorträgen ganz C h as a n , ganz in Text und Tiefe des Gebetstückes versenkt, und so kann er mit dem' „Aufschrei aus der Tiefe" die Hörer in eine andächtige Gemeinde verwandeln und sie emporreißen. Beim Vortrag des jüdischen Volksliedes, mag er auf artistische Kunstgriffe nicht verzichten, was vielleicht in mancher Augen weniger rühmlich ist. An diesem Abend war aber damit ein Doppeltes erreicht: Erhebung und Erheiterung. Die anderen Leistungen des Abends unter der Leitung Max Neumanns standen hinter der Hauptnummer keineswegs zurück, standen auf hohem Kunstniveau neben ihr und gaben ihr zuweilen erst Rahmen und Relief. Noch selten hatten wir die Chöre so rein, so macht- und prachtvoll gehört, wie an diesem Abend. Freilich hatte Neumänn eine erlesehe Sängerschar vor sich, bewährte Kräfte aus dem Synagogenchore Friedberger Anlage, ergänzt durch andere stimmbegabte und geschulte Sänger und nicht zuletzt Chorknaben, an deren Spitze Josef Brandstätter und K. G r ü n g l ü c k. All dieses trug zu gleichen Teilen zum großen Erfolge des Abends bei. Es waren altbekannte Stücke aus dem G'ttesdienste, die wir aber in dieser brausenden Kunstvollendung doch neu in uns erlebten. Auch die im zweiten Teile von Alter gesungenen Volkslieder waren, bis auf eine Nummer (Der Chasen und der GabbeJ durchwegs gute alte Bekannte. Die immer noch unbeantwortete „Kasche an Rabbi Menascheh", (Wo kann man etwas borgen für morgen?) hat ihre Aktualität noch nicht eingebüßt. Das Publikum erzwang sich durch stürmischen Applaus einige Zugaben. Von den weiteren Solisten sind zu nennen Heinrich Born st ein, der mit kräftigem warmem Baß Soloeinlagen und auch Einzelstücke sang und Hans Assenheim, der über schönen Bariton verfügt. Theo R a t n e r fügte sich mit seiner

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.