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Der Israelit · 1934-03-15 · Heft 11 (15.3.1934) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 11 (15.3.1934)
Date
1934-03-15
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 10 Nr. 11 Der Israelit 15. März 1934 Geburtenrückgang bei den Juden Rumäniens. ' Bukarest, 7. März. Die soeben veröffentlichte Bevölkerungsstatistik für Oktober 1933 gibt den allgemeinen Prozentsatz an Geburten mit 4,19, .die Sterblichkeit mit 1,63 gegenüber 2,4 im vorangegangenen Jahre an. Die weiteren Ziffern der amtlichen Statistik lassen einen allgemeinen Geburtenrückgang bei der städtischen Bevölkerung erkennen, der sich bei der jüdischen Bevölkerung, die zum größten Teil in den Städten wohnt, in verstärktem Maße bemerkbar macht. Für Minder-, heiten werden folgende Ziffern veröffentlicht: Geburten: Deutsche: 4,7 Proz., Ungarn: 2,5 Proz., Juden: 1,6 Proz. Sterblichkeit: Ungarn: 6,7 Proz., Deutsche: 3,5 Proz., Juden: 2,9 Proz. Lettland. Lettland fördert landwirtschaftliche Ausbildung von Juden. Riga, 7. März. Der lettländische Landwirtschaftsminister Gulbis , setzte sich in einer vor der Budgetkommission des Sejm gehaltenen Rede für einen vom agudistischen Abgeordneten Dubin eingebrachten Antrag, den jüdisch-landwirtschaftlichen Ausbildungskursen eine Regierungsbeihilfe zu gewähren, ein. Wir müssen anerkennen, erklärte der Minster, daß die jüdisch-landwirtschaftlichen Kurse gut besucht sind. Gegenüber der von mancher Seite aufgeworfenen Frage, ob den Juden überhaupt die Möglichkeit zu landwirtschaftlicher Ausbildung gegeben werden solle, ist darauf hinzuweisen, daß zahlreiche Juden in Lettland sich mit Landwirtschaft befassen und daß die Regierung gewillt ist, solche Bestrebungne zu fördern. Wenn wir für Unterrichtseinrichtungen verschiedener Minderheiten Beihilfen gewähren, warum dann nicht auch für die landwirtschaftlichen Kurse der Juden? — Nach einer Debatte über den Antrag des Abg. Dubin beschloß die Budgetkommission mit 9 gegen 2 Stimmen, in den Haushaltsplan eine Beihilfe von 6000 Lat für die jüdischen landwirtschaftlichen Ausbildungskurse einzustellen. (ITA.) Bulgarien. In den bulgarischen Kriegen gefallene Juden. S o f i a , 7. März. Der soeben erschienene Jahresbericht für 1933 des Verbandes der jüdischen Kriegsteilnehmer in Bulgarien enthält Namen und Daten von 869 Juden, die im Balkankrieg 1912/13 und im Weltkrieg 1915/18 auf der Seite Bulgariens gefallen sind. Davon waren 33 Offiziere, 47 Unteroffiziere und 789 Soldaten. Diese Ziffern sind lange nicht vollständig, da einige Gemeinden noch nicht die Zahl ihrer gefallenen Mitglieder bekanntgegeben haben. Die jüdische Bevölkerung Bulgariens in den genannten Kriegsperioden betrug etwa 41.000 bis 42.000 Seelen. England. Das Neueste aus London. Aufruf des Chiefrabbi an die englische Judenheit zur Pessachhilfe für die notleidenden Juden in Rußland und Polen. — Unangebrachte Polemik des „Jewish Chronicle" gegen die deutsche Agudas Jisroel. London, 11. März. In einem soeben erlassenen Aufruf fordert Chief- Rabbi Dr. J. H. H e r t z die englische Judenheit zur Hilfe für unsere hungernden Glaubensgenossen in Rußland und Polen auf, damit auch sie das herannahende Erlösungsfest mit Mazzos feiern können. Dieser Aufforderung schließt sich ein anderer von Führern der ganzen Weltjudenheit unterschriebener Aufruf an, der mit dem folgenden Absatz endigt: „Brüder des Britischen Imperiums! Wir vertrauen, daß dieser Ruf nicht umsonst an Euch ergangen sein wird, und daß Ihr Euren Beitrag prompt und freigebig dem von Eurem Chiefrabbi Dr. Hertz eröffneten Pessach-Hilfefonds leisten werdet, damit der Hungerschatten von unseren hungernden Brüdern, zumindestens während der acht geweihten Tage unseres heiligen Festes, aufgehoben werden kann." Unter den 17 bedeutenden Persönlichkeiten, die diesen Aufruf an das jüdische Humanitätsgefühl unterzeichnen, befinden sich Rabbi Chaim Ozer Grodzienski, Oberrabbiner A, J. Kook, Palästina, der Lubawitscher Rebbe, Rabbi Josef Jitzchök Schneerson, Rabbiner Dr. M. Hildesheimer, Berlin, die Obrerabbiner von Schweden, Frankreich, Oesterreich und Holland, ferner Nahum Sokolow und Dr. Leo Baeck, Berlin. Wir wünschen aufrichtig, daß das Büro des Chiefrabbi, 4 St. James's Place, London, E. C. 3 den Eingang erheblicher Beiträge wird registrieren können, damit die unbeschreibliche Not der Millionen von verzweifelten jüdischen Menschen, die unsere eigenen Brüder sind, eine Linderung erfährt. Der „Jewish Chronicle" ist über das Verhalten der deutschen Orthodoxie und des „R. J. F." in Sachen der „Reichsvertretung" empört und hält die Neubildung der „Vertretung der unabhängigen jüdischen Orthodoxie" für ein „Verbrechen". An zwei Stellen der jüngsten Nummer unter den Ueberschriften „Deutsche Juden beim Streit" und „Agudah geht zur Opposition" gibt die englische Zeitschrift ihrem zionistischen Aerger über die ihrer jüdisch-religiösen Aufgabe wahrhaft bewußte deutsche Orthodoxie beredten Ausdruck. Wir glauben, daß der Artikel in der Wochenrundschau der vorigen Nummer des „Israelit" („Der Streit um die Reichsvertretung") in einer solch vortrefflichen und überzeugenden" Weise - die beinahe zwingende Notwendigkeit der orthodoxen Ablehnung zur Anerkennung der „Reichsvertretung" dargelegt hat, daß eine ins Einzelne gehende Replik auf die Polemik des „Jewish Chronicle" keine Notwendigkeit mehr ist. Wir können uns trotzdem nicht versagen, auf einige Sätze des ,,J. C." über diesen Fragenkomplex, die wir nachstehend wörtlich übersetzen, kurz einzugehen. Es heißt dort u. a.: „Beide Körperschaften, die Agudah und der „Reichsbund jüdischer Frontsoldaten" untergraben hiermit die Einheit, auf welcher irgend eine Möglichkeit der deutschen Judenheit zur Wiedergewinnung ihrer Rechte, basiert ist. Es ist eine schmerzvolle Position und es ist unseres Erachtens von keinem stichhaltigen Argument diktiert. Die Reichsvertretung erinnert die Agudah in einer offiziellen Verlautbarung, daß sie, die R. V., sich von irgend einer Einmischung in die religiöse Sphäre zurückgehalten habe . . ." Und weiter: „Warum eine solche Arbeit geschädigt werden sollte, weil manche Mitglieder des Vertretungskörpers zionistischer Meinungen sind, können wir nicht einsehen ..." Wir möchten hierzu uns die Bemerkung erlauben, daß es eine grobe Unwahrheit ist, der Orthodoxie vorzuwerfen, sie, die mit tiefem religiösen Ernste, mit einer unerhörten Liebe für Klall Jisroel erfüllt ist, habe die Einheit des deutschen Judentums untergraben. Die Tatsache, daß bereits vorj mehreren Monaten Vertreter der Orthodoxie der Reichsvertretung' angehörten, ist ein Beweis des ehrlichen Willens der Orthodoxie zur Kooperation auf Gebieten, auf denen ohne Verletzung des dem g'ttlichen Sinaigesetze untergeordneten jüdisch-religiösen Gewissens, einer wirklichen Einheit nichts im Wege steht. Wenn aber diese orthodoxen Vertreter aus ihrer religiösen Ueberzeugung heraus gezwungen wurden, ihren Austritt wieder zu erklären, lag es lediglich daran, daß man dem Desiderium der Orthodoxie zur Beschränkung der Arbeit auf die wirtschaftlichen und politischen Problem e nicht nachzukommen bereit war. Ferner ist die Behauptung, die R. V. hätte sich „von irgend einer Einmischung in die religiöse Sphäre zurückgehalten, ebenfalls eine Unrichtigkeit. Das Gebiet der Erziehung ist doch ohne Zweifel ein sehr wesentlicher, integrierender Bestandteil einre jeden Religion und die Durchführung der von der Reichsyertretung ausgearbeiteten programmatischen Erziehungsrichtlinien können nur, wie Direktor Dr. M. Elias in einem „Die jüdische Schule marschiert" überschriebenen Artikel in Nr. 5 des „Israelit" darlegte, zu einem Ergebnis führen: „Die Ausmerzung des Religiösen aus der Zielbestimmung des jüdischen Schulideals,, des einheitlichen Mutterbodens jüdischen und nicht jüdischen Seins." Wir möchten die Hoffnung hegen, daß das verantwortungsbewußte Verhalten der deutschen Orthodoxie nicht nur in Deutschland, sondern vor allem bei den maßgebenden religiös denkenden Persönlichkeiten des englischen Joint 'Foreign Committ e e s die ihm gebührende Anerkennung und Würdigung finden wird. Es geht hier nicht, um parteiegoistische oder machtpolitische Forderungen der Orthodoxie, sondern um die Wahrung der elementarsten Rechte der jüdischen Religion, die allein uns alle Demütigungen und Verfolgungen unserer langen* von Leid erfüllten Golusgeschichte hat überleben lassen. E. St. Prof. Brodetzki greift Misrachi an. m Lohdon, 6. März. Im Verlaufe einer großen, vor einer zahlreichen zionistischen Studenten-Zuhörerschaft von Professor S. Brodetsky hier gehaltenen Rede, trat Redner den von Sir Robert Waley Cohen in seinem bekannten Referate, von dem wir in voriger Nummer berichteten, gemachten kritischen; Bemerkungen über den Zionismus stark entgegen;! und kam dann auf verschiedene in Zusammenhang mit der zionistischen Bewegung stehenden Fragen zu sprechen, wobei er mit starker Betonung darlegte, daß das. jüdische Problem seiner Meinung nach sich heute in der Sphäre der Wirtschaft und nicht der der Religion bewege. Mit einer besonderen Schärfe griff er dann die Politik des Misrachi an. Die Einteilung ■ des Zionismus in Parteien habe die Wirkung mit sich gebracht, daß Parteimeinungen auch in Bezug auf Dinge, die vollkommen ohne Belang seien, laut werden. Beispielsweise könne er nicht verstehen, warum M i s r a c h i unbedingt sich mit einer extremen Form der politischen Arbeit, wie sie der Revisionismus darstellt, identifizieren müsse. Misrachi seiursprünglich zwecks Wahrung der Interessen des traditionellen Judentums innerhalb des Zionismus und Palästinas gebildet worden und er, Redner, sehe nicht ein, daß ein gesetezstreuer Jude notwendigerweise grade diejenigen Ansichten über die zionistische Politik oder über wirtschaftlichen Probleme in Palästina hegen müsse, die von der aus der letzten Konferenz hervorgegangenen offiziellen Misrachi- Partei vertreten werden. Palästina. Religiöse Stützpunkte im Schaaron. Tel-Awiw, 7. März. Zur Gründung einer Talmud Thora hat der Keren Hajischuw einen Dunam Boden inmitten der Kolonie „Herziliah" erworben. Es ist beabsichtigt, die Talmud Thora nicht nur für Kinder religiöser Eltern in Herzeliah, sondern auch für die Nachbarkolonien im Schaaron zur, Verfügung zu stellen. Dank der materiellen Unterstützung des Keren Hajiscnuw, konnte der Bau einer Mikwah in Herzeliah in Angriff genommen werden. Die Leitung der agudistischen Talmud Thora. in Bne Brak wurde Herrn Leo Schnerb, Frankfurt a. M., übertragen. Voruntersuchung im Arlosoroff-Mordiall abgeschlossen. Jaffa, 8. März. Am 7. März würde in Jaffa die Voruntersuchung gegen Abraham Stavskyi Zwi Rosenblatt und Abba Achi Meir, die beschuldigt waren, den Leiter des Politischen Departements der Palästina-Exekutive, der Jewish Agency,' Dr. Chaim Arlo sorof f, am, Abend des 16. Juni 1933 am Strande von Tel Awiw ermordet bezw. den Mord vorbereitet zu haben, durch Oberrichter Commander Ralph Bodilly abgeschlossen. Gegen die Beschuldigten wird nunmehr die formelle Anklage auf Grund von Artikel 170 des Strafgesetzes (vorbedachter Mord) erhoben. Auf das Verbrechen, dessen die Angeklagten beschuldigt werden, steht Todesstrafe. Stavsky,^Rosenblatt und Achi Meir werden vor ein Geschworenengericht gestellt* Wie der ITA, mitgeteilt wird, entspricht die Uebergabe des Falles . an. einen i Strafgerichtshof dem üblichen Vorgang nach Beendigung des Untersuchungsverfahrens, Vor Verkündung der Entscheidung Richter Bodillys verlas der Verteidiger, Rechtsanwalt Samuel, ein von Stavsky, Rosenblatt und Achi Meir ' unterzeichnetes Memorandum, in dem sie jede Schuld in Abrede stellen und die Aussagen der von der

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