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Der Israelit · 1934-03-15 · Heft 11 (15.3.1934) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 11 (15.3.1934)
Date
1934-03-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 11 Der Israelit 15. März 1934 aufklärung und Propaganda gezwungen, darauf hinzu wirken, daß Nichtarier auf deutschen Bühnen nur auf treten dürfen, wenn sie einem der Fachverbände der Reichstheaterkammer angehören, und daß in der Re gel Nichtariern die Aufnahme in diese Verbände ver weigert wird. Infolgedessen habe in allen Fällen, in denen diese Voraussetzung nicht gegeben sei, ein Auf treten solcher Nichtarier zu unterbleiben. Damit ist eigentlich nur etwas Selbstverständliches gesagt wor den, denn das allgemeine Volksempfinden erwartet schon seit langem, daß Nichtarier weiterhin nicht mehr in Erscheinung treten dür f e n , daß, ganz gleich auf welchem Gebiete, ein zersetzender Einfluß regelmäßig eintritt, wenn Nichtarier, insbesondere jüdische Elemente, sich irgendwie in den Vordergrund schieben, ist eine Erfahrenstatsache, mit der wir rechnen und der wir unter allen Umständen entgegentreten müssen, damit die.nationalsozialistische Geisteshaltung unverfälscht zum Ausdruck kommt und ihren erzieherischen wie künstlerischen Ausdruck so findet, wie es im Interesse des Nationalsozialismus liegt." Arier und Nichtarier in der Berliner Ärzteschaft Berlin, 12. März. Der Vorsitzende der Berliner Aerztekammer, Dr Löllke, veröffentlicht eine Zusammenstellung über die rassische Zusammensetzung der Berliner Aerzteschaft Danach betrug die Gesamtzahl der von der Aerztekammer für Berlin erfaßten Aerzteschaft in der Mitte des vergangenen Jahres 6558. Von diesen waren, soweit aus den vorliegenden Unterlagen zu entnehmen ist, 3135 arisch und 3423 nichtarisch. In der Gruppe der Nichtarier ist auch eine kleine Anzahl von Aerzten enthalten, die jüdisch verheiratet oder „rassisch fraglich" sind. Der Verfasser nimmt an, daß es sich bei diesen in der Mehrzahl um Nichtarier handelt, da die Arier im allgemeinen das größte Interesse gezeigt hätten, ihre arische Zugehörigkeit bestätigt zu erhalten. Die Zahl der am 14. Februar 1934 in Berlin erfaßten Aerzte betrug demgegenüber 6203, ist also um 355 geringer geworden. Hiervon waren arisch 3829, nichtarisch 2914. Auch hier sind zu den Nichtariern die jüdisch verheirateten usw. gezählt. In der Zeit von Mitte 1933 bis zum 14. Februar 1934 ist ein Gesamtzugang von 154 Ariern und ein Gesamtabgang von 509 Nichtariern zu verzeichnen. Dr. Löllke gibt weiter einen kurzen Ueberblick über die Verhältnisse bei den Berliner Kassenärzten, den sogenannten RVO-Kassenärzten. Im Oktober 1933 waren von 3481 Kassenärzten 1404 Arier, 2077 Nichtarier. Auch hier sind in die Zahl der Nichtarier Partner gemischter Ehen aufgenommen. Die letzte Zusammenstellung vom Februar 1934 ergibt eine Gesamtzahl von 3144 Kassenärzten mit 1623 Ariern und 1521 Nichtariern. Die Zahl der Kassenärzte hat sich also in dieser Zeit um 337 vermindert gegenüber einer Gesamtverminderung von 355. Es ist daraus ersichtlich, so hebt der Vorsitzende der Aerztekammer hervor, daß die Verminderung der Aerztezahl vor allem die Kassenärzteschaft betrifft. Doktordiplom f'Xr nichtarische. Mediziner, die auf die Praxis in Deutschland verzichten. Berlin, 12. März. Die Tagespresse veröffentlicht folgende Mitteilung: Der Preußische Kultusminister Rust hat in einem früheren Runderlaß zum Ausdruck gebracht, daß bei reichsdeutschen Studierenden der Medizin und der Zahnmedizin eine Promotion erst nach erfolgter Approbation erfolgen könne. Solchen reichsdeutschen Studierenden nichtarischer Abstammung, die entsprechend den für Ausländer geltenden Bestimmungen ohne vorherige Erteilung der Approbation promovieren wollten blieb daher bisher nur übrig, auf die deutsche Staatsangehörigkeit zu verzichten. Um jedoch solchen reichsdeutschen Medizinstudierenden nichtarischer Abstammung, die nach der Ablegung des Staatsexamens das Deutsche Reich verlassen und im Ausland eine feste Stellung angenommen haben, Gelegenheit zur Erwerbung des Doktorgrades zu geben, hat sich in diesem Falle das Preußische Kultusministerium in einem neuen Erlasse mit der Aushändigung des Doktordiploms unter besonderen Bedingungen einverstanden erklärt. Nach Die Woche. Berlin. Der „Völkische Beobachter" veröffentlicht folgende Nachricht: Wie wir hören, findet der diesjährige Frühjahrskongreß der Judenkenner aller Länder vom 14. bis 17. März nicht wie geplant, in Marseille, sondern in der S ü d - Schweiz bei Bellinzona statt. Die Zusagen sind zahlreicher wie in früheren Jahren. — Zur einheitlichen Bearbeitung ihrer Aufgaben auf gesundheitlichem Gebiete hat die Jüdische Gemeinde ein eigenes Gesundheitsamt gegründet. Ihm obliegt insbebesondere die Verwaltung das Krankenhauses und der anderen Heilanstalten der Gemeinde. — Die Gesellschaft für jüdische Familienforschung sieht auf ihr zehnjähriges Bestehen zurück. Der Gi'ünder der Gesellschaft, Dr. A. C z e 1 - 1 i t z e r , wurde zum ersten Vorsitzenden der Gesellschaft wiedergewählt. — Donnerstag abend gab es, nach dem deutschen Nachrichtenbüro, bei der Erstaufführung des Stückes „Katharina die Große" im Lichtspieltheater „Capitol" stürmische Proteste im Publikum, weil die Hauptrolle von der jüdischen Schauspielerin Elisabeth Bergner gespielt und auch außerdem Juden bei der Herstellung des Filmes beschäftigt waren. Der Film mußte vom Spielplane abgesetzt werden. Kassel. Wie der „Bau-Kurier" mitteilt, müssen in Zukunft sämtliche Bauu n ternehmer in Kassel, die sich an öffentlichen Ausschreibungen beteiligen wollen, Nachweis ihrer arischen Abstammung beibringen. Ohne diesen Nachweis ist es nicht mehr möglich, öffentliche Arbeiten zu bekommen. Wien. Wie verlautet, beabsichtigt die Jüdische Kunststelle in Wien, einen „Kulturbund" ins Leben zu rufen, der in sich Vertreter der Literatur, Kunst, Musik und Wissenschaft' vereinigen und zu einem Zentrum jüdischen Geisteslebens in Wien werden soll. Antwerpen. Hier ist der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Maurice L e w i n , gestorben. Lewin, der sich führend in der zionistischen Bewegung betätigte, beabsichtigte in letzter Zeit, sich dauernd in Palästina niederzulassen." Paris. Das Institut für vergleichende Rechtswissenschaft an der juridischen Fakultät der Universität Paris hat den Lehrer für Talmud in Jerusalem, A. L. Gro je wski, eingeladen, im Institut einen Vortrag über talmudisches Recht zu halten. Grojewski ist ein ehemaliger Schüler des „Chofez Chajim". Rom. In die Liste der Personen, denen die Abgeordnetenwürde zugedacht ist, wurden auch vier Juden -•«li-genommen, und zwar die Industriellen und Wirtschaftsfachleute Aino Olivetti, Gino Arias, Riccardo L u z z a 11 i und Guiseppe Pavoncelli. London. Sir Philip Sass o o n , Unterstaatssekretär für das britische Flugwesen, bekanntlich ein Jude, kündigte im Unterhaus die Errichtung eines neuen Flughafens im Irak an, und zwar an einem Punkte, von dem aus die beste Verbindung mit Palästina gegeben ist. Triest. Wie Zeitungen berichten, wird der auf der Linie Triest-Palästina verkehrende Dampfer des Lloyd Triestino, „Martha Washington", nunmehr den Namen „Tel Awiw" tragen. Haifa. Gegen die Urheber der Arbeiterzusammenstöße. in Chedera, 14 an der Zahl, verhängte das Gericht in Haifa Gefängnisstrafen von zehn Tagen bis zu einem Monat. Es müsse, betonte der Richter, zu strengen Strafen gegriffen werden, damit den ewigen Auseinandersetzungen einmal ein Ende gemacht wird. Jaffa. Bis Ende Februar wurden seit Beginn der Saison dreieinhalb Millionen Kisten Orangen aus Par lästina ausgeführt. — Das Jaffaer Kreisgericht hat die von Richter Bodilly im Januar über 14 Personen, die an den revisionistischen Kundgebungen in Tel Awiw im Anschluß an eine am 9. Dezember abgehaltene Protestversammlung gegen die Einwanderungspolitik der Regierung teilgenommen haben, verhängten Gefängnisstrafen im allgemeinen bestätigt. Nur die Höchsstrafe von sechs Monaten wurde auf drei Monate Gefängnis herabgesetzt. Montreal. Hier wurde ein Komitee gebildet, das die Aufgabe hat, die Gründung einer jüdischhistorischen Gesellschaft in Can a d a in die Wege zu leiten. Als wissenschaftliche Vorarbeit wurde dem Komitee die Sammlung aller Materialien und Dokumente , aufgetragen, die in Beziehung zur Geschichte der Juden in Canada stehen. diesem Erlaß haben im Ausland befindliche reichsdeutsche Studierende nichtarischer Abstammung, die auf die Aushändigung des Doktordiploms Wert legen, bei der zuständigen Fakultät einen entsprechenden Antrag einzureichen Dem Antrag sind ausreichende glaubhafte Unterlagen, beizufügen, aus denen sich ergibt, daß der Betreffende eine feste Anstellung oder die Aussicht auf eine solche im Ausland erlangt hat. Dem Gesuch ist ferner beizufügen eine besondere Erklärung, mit der auf die Approbation im Deutschen Reich verzichtet wird. Diese Erklärung ist an die zuständige oberste Behörde zu richten. Das Preußische Kultusminsterium behält sich die Genehmigung in jedem einzelnen Fall vor. Ein Anspruch auf Aushändigung des Diploms besteht nicht. Oesterreich. Protest gegen Verleumdung der jüdischen Schulärzte. Wien, 9. März. Eine Abordnung der Vereinigungjüdischer Aerzte mit ihrem Vorsitzenden, Professor Ludwig Braun an der Spitze, hat beim Pressereferenten der Polizei vorgesprochen und Protest dagegen erhoben, daß ungeheuerliche Beschuldigungen gegen die jüdischen Schulärzte, wie sie in der Mittagsausgabe des „Oesterreichischen Beobachters" erhoben wurden, unbeanstandet verbreitet werden dürfen. Die Vereinigung bereitet Schritte beim Präsidenten des Landesgerichtes, sowie bei der Regierung vor, um die Ehre der jüdischen Aerzte vor Verleumdungen und falschen Beschuldigungen zu schützen. Wie aus Linz gemeldet wird, hat die dortige Stadtverwaltung nach der politischen ^Umwälzung drei jüdische Aerzte abgebaut. Nichtjüdische Aerzte, die unter der sozialdemokratischen Verwaltung gedient haben, konnten in der Verwaltung weiter bleiben. Abbau der jüdischen Aerzte in den Anstalten der Stadt Wien. Wien, 7. März. Der Abbau der jüdischen Aerzte in den Anstalten der Stadt Wien hat bereits begonnen. Acht Sekundärärzte im Spital der Stadt Wien, deren Jahresverträge mit dem 1. März erneuert werden «.ollten, haben die Mitteilung erhalten, daß sie auf eine Erneuerung nicht rchenen können. Bis jetzt wurden die Verträge mit den Sekundärärzten der Stadt Wien immer auf je ein Jahr ausgestellt, jedoch zum jeweiligen Ablauftermin auf je ein weiteres Jahr erneuert bis zur Vollendung einer Mindestpraxis von vier Jahren. Diese Regel wurde den jüdischen Aerzten gegenüber nicht mehr eingehalten. Es sind aber auch zahlreiche andere jüdische Aerzte, die im Dienste der Stadt Wien stehen, auf die Abbauliste gesetzt. Nach den dem Vertreter der ITA. aus zuverlässiger Quelle zugegangenen Berichten sind bis heute bereits gegen zwanzig jüdische Aerzte gekündigt. In den Kranken- und Fürsorgeanstalten der Stadt Wien, im Gesundheitsamt, in den Schulzahnkliniken und in der Aerztlichen Inspektion der Schulen gibt es etwa 60 jüdische Aerzte, deren schwer errungene Stellung mit dem Beginn des neuen Kurses bedroht ist. (Siehe auch Seite 2.) Wiedereintritte in das Judentum in Oesterreich. Wien, 7. März. Der Ausgang des Bürgerkrieges hat u. a. ein Ergebnis gezeitigt, an das kaum jemand gedacht hatte: Konfessionslose kehren massenhaft in ihre früheren Religionsgenossenschaften zurück. Der unmittelbare Anstoß zu dieser Massenbewegung ist nicht näher bekannt. Man erfährt bloß, daß die Arbeiter und Angestellten der Bundesbahnen von ihren Vorgesetzten den Auftrag bekommen haben, bis zu einem bestimmten Stichtag ihre Taufscheine, bezw. ihre sonstigen Zeugnisse der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religionsgenossenschaft vorzulegen. Unter den konfessionslosen Arbeitnehmern erscheint nur die Besorgnis wach geworden zu sein,'daß sie in ihrer dienstlichen Stellung schlechter behandelt werden könnten, als ihre übrigen Kollegen. Sie beeilen sich daher, dieses Manko wieder wettzumachen. Die massenhaften Wiedereintritte vollziehen sich aber nicht

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