Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 11 (15.3.1934)
- Date
- 1934-03-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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15. März 1934 Der Israelit Nr. 11 Seite 5 tätspolitik" der Aguda, die belächelte Schtadlonuthmethode. Wenn es gelingt, — und wir hoffen, daß es gelingt — hier eine schwere Gefahr von Millionen jüdischer Menschen abzuwenden, so wird es nicht das Verdienst des „Jüdischen Klubs" sein, dem erst dieser Tage von einem Re- Zu dem in der letzten Nummer unsres Blattes unter der Ueberschrift ,, Zur Frage der elektrischen Betäubung" behandelten aktuellen Thema gehen uns von Herrn Dr. med. Aron Sandler in Berlin mit der Bitte um Veröffentlichung die nachfolgenden kritischen Bemerkungen zu: In Nr. 10 Ihres Blattes veröffentlichen Sie einen anonymen*) Artikel, betitelt „Zur Frage der elektrischen Betäubung". Es dürfte der Redaktion ebenso wie allen mit dieser wichtigen Angelegenheit beschäftigten Kreisen bekannt sein, daß die halachische Entscheidung zurzeit in den Händen der Gedaulim ruht: Man erwartet diese Entscheidung binnen kurzer Frist, und es erscheint daher heute mehr noch als früher geboten, dem Urteil der Gedaulim nicht vorzugreifen. Wer sich vor Augen hält, was hier auf dem Spiele steht und welche Gefahren der Erhaltung koscherer Haushaltsführung in Tausenden jüdischer Familien drohen, wird sich bei der Beurteilung dieser schwierigen Frage äußerster Objektivität befleißigen. Kann es dieser Objektivität dienen, wenn im akuten Stadium der Entscheidung durch die Gedaulim die halachischen Schwierigkeiten, über die die Autoritäten entscheiden sollen, vor der Leserschaft des „Israelit" ausgebreitet werden? Soll die Klarheit oder die Autorität der Entscheidung dadurch gefördert werden, daß die zur halachischen Entscheidung in keiner Weise berufenen und befähigten Leserkreise eines jüdischen Wochenblattes auf die zu behandelnden Probleme — in verschiedenartiger Nuancierung und Akzentuierung — hingewiesen werden? Wenn aber schon eine Darstellung der Probleme in diesem Stadium dem Einsender und.der *) Der Aufsatz entstammte der Feder des wohl anerkannt besten Kenners der Materie, Herrn Rabbiner Dr. Esra Münk in Berlin, des Leiters der „Reichszentrale für Schächtangelegenheiten". Nur durch ein Mißverständnis der Schriftleitung — auf dem Manuskript fehlte die Angabe des Autor-Namens — erschien der Artikel anonym, während der Autor selbst von vornherein die Nennung seines Nam-sns gewünscht hatte. sich Rabbi Katzenellenbogen, wie er sich dem Willen des Wilnaer Gaon verschließen könne, der doch wie ein Engel G'ttes gelte. „Wie ein Engel?" korrigierte Rabbi Salman. „Er ist ein wahrer Engel G'ttes." „Na also?", wunderte sich der andere. „Und dennoch kann ich nicht," entschied Rabbi Salman. „Denn seht, bei der Akeda sprach G'tt selbst zu Abraham, daß er seinen Sohn auf Morijah opfere. Ein Engel kam später und zog seine Hand zurück mit dem Auftrag: „Strecke deine Hand gegen das Kind nicht aus und tue ihm nichts." Um jemand am Leben zu erhalten, genügt es, wenn ein Engel G'ttes es befiehlt, ein Vernichtungsur t e i 1 kann nur G'tt selbst fällen, da genügt mir auch der Engel G'ttes nicht . . ." * * * Wir sagen im täglichen Achtzehngebet: ,B'»tna ]vxb "pupn ws«? ruinm „Es mögen unsere Augen schauen, wie Du nach Zion zurückkehrst mit Erbarmen." Wozu noch das Erbarmen, genügt es nicht, wenn G'tt in Zion wieder thront und schließt nicht diese Wiederkehr schon das große Erbarmen ein? Erez Jisrael ist neben Thora und Olam Habaah eines der Besitztümer, die man nur durch Leiden erwerben kann. Die Messiaszeit kündigt sich, wie alle alten Schriften betonen, mit Stürmen an, die über die Welt und' vorab Israels schwere Prüfungen bringen. Im Talmud spricht es ein Amora aus "»rnnK 161 -»n-», „Er möchte kommen, aber ich möchte ihn nicht sehen." gierungsvertreter die Stimmenthaltung bei der Budgetabstimmung als Akt der Undankbarkeit ausgelegt wurde, sondern man wird es ausschließlich als Erfolg der „Regierungspolitik" der Agudas Jisroel zu buchen haben. (Siehe neuere Nachrichten im Korrespondenzteil.) Redaktion erlaubt erschien, so hätte sie das Aeußerste an Objektivität zu leisten versuchen müssen. Dann aber durfte nicht über die bisherigen Versuche gesagt werden, daß die Resultate der Proben „nicht an allen Orten die gleichen" gewesen sind, sondern es hätte klar zum Ausdruck kommen sollen, daß die verdächtigen Organveränderungen nur anfangs gefunden wurden, als mit einer Stromart gearbeitet wurde, die heute nicht mehr in Frage kommt, daß dagegen bei den letzten Versuchen, besonders in Holland, wo mit anderem Strom gearbeitet wurde, an sämtlichen Versuchstieren — in Holland allein 25 — Befunde erhoben wurden, die überaus günstig lauten und nun zur Grundlage der Entscheidung gemacht werden sollen. Dann durfte auch z. B. nicht auf solche Nebensächlichkeiten, wie etwa den Feuchtigkeitsgehalt der Luft, der bei der heutigen Handhabung des Apparates ein bedeutungsloser Faktor geworden ist, hingewiesen werden; ebenso wenig auch auf halachische Einzelheiten, die, wie mir bekannt ist, von einer halachischen Autorität durchaus anders beurteilt werden (z. B. bezüglich der notwendigen Zahl von Kontrollversuchen). Die Oeffentlichkeit sollte sich jedes Urteils in all den dargestellten Fragen enthalten, bis die Gedaulim gesprochen haben. Zur eigenen Urteilsbildung genügen nicht mehrspaltige Artikel, sondern neben bedeutenden halachischen Kenntnissen, um derentwllen ja eben an die Gedaulim appelliert worden ist, auch eine sehr genaue Kenntnis der Gutachten und Protokolle, deren Kenntnisnahme und Beurteilung von der großen Leserschaft nicht erwartet werden kann. Es kann nicht bezweifelt werden, daß die Aufrollung dieser Fragen vor einer großen Oeffentlichkeit im heutigen Stadium, dazu in dieser Form, nicht geeignet ist, die von Nervosität erfüllte Atmosphäre zu reinigen. + * * Hierzu schreibt uns der Verfasser des ersten Aufsatzes, Herr Rabbiner Dr. Esra Münk in Berlin: Er fürchtete die Uebergangswehen. Ein anderer wünschte''J'onxi w, „Er möge kommen und ich möchte ihn sehen," trotz der zu erwartenden Leiden. Wir schließen uns dem Wunsche und der Hoffnung des zweiten Amora an, indem wir sagen iwv njtnni» „Wir mögen es ja mit eigenen Augen sehen und erleben \vxb "pnz7> wie Du mit Moschiach nach Zion zurückkehrst, aber D'Jama. wir bitten Dich, die Ueberleitung mit Liebe und Erbarmen erfolgen zu lassen, damit wir sie auch ertragen können. Kleines Feuilleton. (Diät Zuckerkranker an Pessach.) Man macht öfters die Erfahrung, daß Zuckerkranke, welche durch genau dosierte Diät das Jahr über in einer für sie guten Stoffwechsellage waren, nach Pessach eine Verschlimmerung ihres Leidens haben, da sie unkontrollierte Mengen von Mazzo zu sich nehmen. Die moderne Diabetesbehandlung geht darauf aus, die Toleranz des Patienten für Kohlehydrate (Zucker, Kartoffel, Brot, Mehl usw.) festzustellen. Ist dies erreicht, dann bekommt der Patient eine Diät, welche mit einer bestimmten Menge von Brot, Kartoffeln usw. seiner Toleranz entspricht. Manche Patienten glauben nun, daß sie eine größere Menge Mazzo essen dürften als ihnen an Brot erlaubt ist. Hierdurch steigt der Zuckergehalt an. Es ist jedoch sehr leicht möglich, daß der Patient seine bei ihm erprobte Stoffwechsellage beibehält, wenn er eine kleine Umrechnung vornimmt. 100 g Mazzo enthalten etwa 66 g Mehl. Hieraus ergibt sich, daß 100 Gramm Brot etwa 8 5 Gramm entsprechen. Es besteht jedoch die Annehmlichkeit für den Patienten, daß 85 Gramm Mazzo einen höheren Sättigungswert besitzen, als 100 Gramm Brot, SO daß auch für den übrigen Teil des Jahres Mazzo einen Zwei Gründe waren für die Veröffentlichung des Aufsatzes entscheidend. Erstens die Absicht, mit Rücksicht auf die bereits früher, aber ganz besonders in der letzten Zeit, hervortretenden Irrmeinungen in der Oeffentlichkeit die Leser über einige Fragen zur elektrischen Betäubung zu unterrichten, auf deren experimentelle Klarstellung die Rabbiner vor einer entscheidenden Stellungnahme angewiesen sind. Weiteste Kreise des Publikums haben aus ganz ungewissen Mitteilungen, die über den Verlauf der bisherigen Untersuchungen zu ihnen gedrungen sind, die Folgerung abgeleitet, die erforderlichen Experimente seien .bereits so gut wie abgeschlossen, und die religionsgesetzliche Zulässigkeit sei gesichert. Nur ein kleiner Bruchteil der deutschen Rabbiner, so sagt man im Publikum, sei es noch, der abweichender Meinung sei. Auch die praktischen Folgen dieses gefährlichen Gerüchtes blieben nicht aus. Man darf sich nicht darüber wundern, daß die unkontrollierbaren Gerüchte sich in einer Erhöhung der Zahl leichtgläubiger Familien auswirken, die sich Fleisch von Tieren l ^schaff en, die vor der Schlachtung betäubt v*orden sind. Dieser in den letzten Wochen stärker als je sich geltend machenden Gefahr entgegenzutreten, war ernsteste Pflicht. Wird die Nervosität noch durch Fehlgerüchte gesteigert, so ist es nicht als nachteilig, sondern sogar als geboten anzusehen, daß der Versuch zur Richtigstellung in der Oeffentlichkeit mit Nachdruck unternommen -wird. Der zweite Grund lag in dem Erfordernis, die immer lauter werdenden Fragen wegen der langen Dauer der Untersu c h u n - g e n zu beantworten, indem mit möglichster Deutlichkeit auch dem Fernstehenden zu zeigen versucht wird, daß es die Eigenart der stofflichen Materie und besonders die wissenschaftliche Ungekfärtheit der physiologischen Wirkungen des elektrischen Stromes sind, die hemmend im Wege stehen. Der Urheber der Erwiderung glaubt nun, in gegenwärtigem Zeitpunkt sei eine Befassung der Oeffentlichkeit mit einer Darstellung des Standes der Untersuchungen über die Anwendbarkeit des elektrischen Verfahrens vor Schächtungen aus dem Grunde doch nicht am Platze gewesen, weil man dem Urteile der Gedaulim nicht vorgreifen dürfe. In der Ablehnung eines planmäßigen Vorgreifens wird ihm allerdings jedermann zustimmen. Aber der Herr Einsender hat eine irrige Vorstellung von der Arbeitsmethode der Gedaulim, wenn er durch die Bekanntgabe der Probleme in der Oeffentlichkeit ein „Vorgreifen" Vorteil für den Zuckerkranken bedeutet. Da jeder nach den Regeln der modernen Diabetestherapie eingestellte Zuckerkranke eine Briefwage besitzt, hat er also nur die Formel zu beachten: 100 Gramm Brot 85 Gramm Mazzo. Dr. M. Seckbach Facharzt für innere Krankheiten, Berlin. Familien-Nachrichten. Barmizwoh: Chaim, Sohn des Herrn I. Isaak und Frau, Frankfurt a. M., Ostendstr- 24, II. ix 'D rar 24. März. Gestorben: Moses Kaufmann, Ladenburg a. N., 78 Jahre, 12. 3. 34. Wochenkalender. Vom 17. — 24. März 1934 / Vom 1. — 8. Nissan 5694 -»T» rp 17 "Ml Samstag 1 ib ennn'3 tnjr>i cnnwKn Sonntag 18 2 -\b Montag 19 3 rt> Dienstag 20 4 * Mittwoch März 21 JO'l 5 Donnerstag 22 6 nb Freitag 23 7 tA Samstag 24 8 » b"\nn na» ut Elektrische Betäubung und Halacha.