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Der Israelit · 1934-03-15 · Heft 11 (15.3.1934) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 11 (15.3.1934)
Date
1934-03-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 11 Der Israelit 15. März 1934 Einheitsfront des amerikanischen Judentums in der Hilfsaktion für deutsche Juden. Newyork, 12. März. Die in letzter Zeit wiederholt in Frage gestellt gewesene Einheitsfront des amerikanischen Judentums in der Hilfsaktion für deutsche Juden ist endgültig zustandegekommen. Soeben haben das Jewish Joint Distribution Committee of America und die Leitung des American Palestine Campaign für das Gesamtgebiet der Vereinigten Staaten einen gemeinsamen Drei Millionen Dollar-Drive zugunsten des Hilfswerks für Auswanderer aus Deutschland und der Ziele des Palästina-Programms des Joint Distribution Committee proklamiert. Die Vereinbarung über die gemeinsame Aktion wurde nach wiederholten Beratungen der Vertreter beider Gruppen unter tätiger Mitwirkung des Oberkommissars für ' Emigrantenfragen Es wird in weiten Kreisen, insbesondere in WOsteuropa, Bedauern auslösen, daß der Waad leumi der Kneses Israel den weitgehenden Vorschlag der Jerusalemer Agudas Israel auf Bildung eines einheitlichen Oberrabbinats für Erez Jisroel durch Schreiben vom 14. Adar endgültig abgelehnt hat. In der Ablehnung heißt es, der Vorschlag der Agudas Jisroel schaffe nach innen einen Dualismus zweier Rabbinate und nur nach außen eine Einheit. Auf einem solchen Dualismus könne sich die Kneses Israel nicht einlassen, weil sie den Keim der Zerklüftung in sich trage. setzen sich zur Wehr, Wien, 11. März. Die Vereinigung jüdischer Aerzte richtet durch die ITA. folgende Erklärung an die Oeffentlichkeit: „Vor wenigen Tagen veröffentlichten zwei Wiener Zeitungen einerseits unrichtige und tendenziös entstellte Behauptungen über den zahlenmäßigen Anteil der Juden an der Gesamtärzteschaft, andererseits unerhörte Beschimpfungen und Verdächtigungen aller jüdischen Aerzte. Den jüdischen Schulärzten wurden lüsterne Motive bei der Ausübung ihres Dienstes unterschoben und die jüdischen Aerzte werden insgesamt beschuldigt, systematisch und in verbrecherischer Weise auf die Entvölkerung unseres Vaterlandes hinzuarbeiten. Die Ungeheuerlichkeit dieser Anwürfe zwingt uns, aus unserer Reserve hervorzutreten und unsere Ehre zu verteidigen. Wir werden die Verleumder vor dem zuständigen Forum zur Verantwortung ziehen. Vor aller Oeffentlichkeit aber weisen wir die erhobenen Beschuldigungen und Verdächtigungen mit Entrüstung zurück. Die jüdischen Aerzte waren und sind erfüllt von dem Bestreben, die Ethik ihres Standes hochzuhalten und ihr Bestes den Kranken zu geben, und zwar ohne Ansehung von Person, Herkunft und Gesinnung. Die jüdischen Aerzte Wiens bekennen sich mit überzeugter Treue zu ihrem Vaterland Oesterreich und haben keinen sehnlicheren Wunsch, als mit Einsatz aller ihrer Kräfte für diejenigen wirken zu dürfen, deren Leben durch eine Erkrankung bedroht ist." Janies G. MacDonald erzielt, der nachdrücklich auf die Notwendigkeit gemeinsamen Vorgehens in dieser Sache hingewiesen hatte. In der Ankündigung des Drive wird gesagt, daß beide Körperschaften ihre Arbeit in enger Gemeinschaft mit Oberkommissar MacDonald durchführen werden. Dieser hat gleichzeitig einen Aufruf erlassen, in dem die Oeffentlichkeit aufgefordert wird, das Hilfswerk in stärkstem Maße zu fördern. Der Oberkommissar fordert von den Juden großzügige Opfer zugunsten ihrer Brüder und betont, daß „eine erfolgreiche Arbeit derjenigen, die die Aufgabe haben, für die Zehntausende hilfloser Auswanderer neue Heimstätten zu finden", nur durch äußerste Freigebigkeit beitragleistender Einzelpersonen gesichert werden kann. Wer die Dinge vorurteilslos und nicht vom Parteistandpunkte aus betrachtet, wird dieser Meinung des Waad leumi wohl kaum beipflichten können. Auch die Schaffung einer Einheit nach außen und darüber hinaus die Möglichkeit im Innern, z. B. bei der Sicherung des Kaschruth und in ähnlichen Dingen, eine einheitliche Linie herbeizuführen, hätte einen gewaltigen Fortschritt bedeutet, der nun durch die engherzige Betrachtungsweise der Kneses Israel auf absehbare Zeit wieder einmal verscherzt ist. Die bisherigen Meldungen über den Feldzug gegen die jüdischen Aerzte lassen erkennen, daß dieser mit der Gründung der „Vereinigung christlich-deutscher Aerzte Oesterreichs" im Zusammenhang steht, deren Mitglieder an die Stelle der von ihren Posten zu vertreibenden jüdischen Aerzte treten sollen. Frühjahrsoffensive des deutschen Handwerks, Gewerbes und Einzelhandels. Für die Zeit vom 28, März bis zum 7. April wird eine Werbeaktion für das deutsche Handwerk, Gewerbe und den Einzelhandel für das ganze Reich angekündigt, deren Durchführung der N. S. - H a g o obliegt. Nach einer Verlautbarung des „Deutschen Nachrichtenbüros" sei der Sinn der Aktion eine Stärkung des Leistungsprinzips d es Handels und Handwerks, und man durfte nach den wiederholten Warnungen des Reichsministers Frick wie auch anderer hoher Regierungsstellen vor einer Uebertragung des Arierparagraphen auf das Gebiet der freien Wirtschaft hoffen, daß jene Werbeaktion mit irgendwelchen Rassengesichtspunkten nichts zu tun haben würde. Leider aber wird man durch einen Aufuf der N. S. Hago-Kreisleitung Aschaffenburg in der „Aschaffenburger Zeitung" vom 9. März eines anderen belehrt. Darin lesen wir über das Programm der. „Zweiten Arbeitsschlacht vom 23. März bis 7. April" etwa folgendes: „Jedes deutsche Geschäft, jeder, deutsche Handwerker, jedes deutsche Unternehmen habe an diese]J Tagen die von der N. S.-Hago herausgegebenen Plakate an Giebeln und in Schaufenstern zum Aushang zu bringen, wenn es sich nicht gefallen lasten wolle, als Saboteur der Offensive des deutschen Mittelstandes angesehen zu werden oder als jüdisches Unternehmen zu gelten. Kein jüdisches Geschäft habe das Recht, zum Einkauf für das heilige Osterfest, zur Kommunion oder Konfirmation in Wort und Schrift zu werben. In Fragebogen an die deutschen Hausfrauen würden diese um die Gründe gefragt werden, weshalb sie noch in Warenhäusern, jüdischen Geschäften usw. kauften. Dadurch werde es ermöglicht werden, diesem unverständlichen Tun eines großen Teils deutscher Hausfrauen Einhalt zu gebieten. Im ganzen Kreisamtsgebiet der NS-Hago würden Aufklärungsversammlungen für die deutsche Hausfrau stattfinden. Die gesamte Presse, die Kinos, der Rundfunk usw. würden in den Dienst der Propaganda gestellt. Auch die Hitlerjugend und der BDM. würden in die Proagandatätigkeit eingeschaltet. Diese würden auf den belebtesten Plätzen in den Hauptgeschäftsstunden Sprechchöre bilden, in denen zum Ausdruck gebracht werde, daß Einkäufe nur beim deutschen Einzelhändler, Handel und Gewerbe getätigt werden sollten." Wir wollen hoffen, daß sich gegen diese Pläne, die vielleicht nur Wünsche und Vorschläge einer lokalen Stelle darstellen, die Verordnung des Reichsinnenministeriums nach ihrem Wortlaute wie ihrem Geiste nach durchsetzt. Zuchthausstrafen für Erpressungsversuche an Juden, Berlin, 12. März. Nach Blättermeldungen wurden sieb e n junge Leute, die einen jüdischen Fabrikanten in Chemnitz unter dem Vorwand politischer Motive unter Druck setzten, ihm Geld abpreßten und ihn auch schwer mißhandelten, zu Zuchthausstrafen von fünf bis sechs Jahren v e r u r t e i 11. Ein ähnliches Urteil traf am 12. März auch das Sondergericht in Darmstadt. Vor diesem hatte sich das Ehepaar Ernst aus Hernsheim bei Worms zu verantworten, das Erpressungen gegenüber einem jüdischen Kaufmann verübte. Vor Gericht suchten sich die Angeklagten damit herauszureden, sie wollten den jüdischen Kaufmann nur „ausspionieren", worauf der Staatsanwalt erklärte, „man müsse mit einer drakonischen Strafe zeigen, daß anständige Juden in Deutschland jederzeit vor solchen abscheulichen Schmarotzern beschützt werden." Diese Ansicht machte sich das Gericht zu eigen und verurteilte die Frau zu zweieinhalb Jahren, und den Mann, der als Werkzeug der Frau anzusehen sei, zu einem Jahre Zuchthaus. Beiden wurden die Bürgerrechte für die Dauer von fünf Jahren aberkannt. Friede in Munkacz. Bratislava, 9. März. Die Purimnacht hat in Munkaczewo ein für die ganze jüdische Oeffentlichkeit in der Slovakei außerordentlich erfreuliches Ereignis gebracht: die Unterzeichnung eines Friedenspaktes zwischen der Munkaczer Gemeinde und der vor einer Reihe von Jahren unter den Auspizien von Beiz gegründeten „neologen" Sondergemeinde. Das Hauptverdienst an dem Friedensschluß gebührt Herrn M. Rubin aus Eshuahely, der die wochenlang andauernden Verhandlungen geleitet hat. Der Friede wurde durch einen feierlichen Besuch der bisherigen Gegner beim Munkaczer Raw besiegelt und es ist zu hoffen, daß sich das getroffene Uebereinkommen, das die Einheit der Gemeinde wieder herstellt, zum Segen für alle Beteiligten auswirken wird. Auch aus Szatmar wird übrigens berichtet, daß dort ein Friedensschluß unter den durch dt" Rabbinatsfrage entzweiten Parteien bevorsteht. Scheitern der Verhandlungen wegen Bildung eines einheitlichen Oberrabbinats für Erez Jisroel. Die jüdischen Aerzte Oesterreichs

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