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Der Israelit · 1934-03-08 · Heft 10 (8.3.1934) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 10 (8.3.1934)
Date
1934-03-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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8. März 1934 Der I.s..r a e Li t Nr. 10 Seite 7 digten!in der Synagoge abzuhalten' und religiöse Vorträge zu halten, braucht nicht besonders ermähnt zu werden. Es liegt auf der Hand, daß dieser Aufgabenkreis :des jüdischen Religiönslehrers durchaus nicht nur von einem Volksschullehrer gelöst werden kann. Im Gegenteil —ohne den auf anderen Gebieten. liegenden Fähigkeiten des Volksschuljehrers irgendwie zu nahe zu treten — sind wir" der Meinung, daß der Lehrer, der, unbelastet von dem großen, vom Volksschullehrer verlangten Wissensstoff auf profanem Gebiete, nach einer vorangegangenen gründlichen profanen Vorbildung, während seiner Studienjahre sich neben der iheoretischen und praktischen pädagogischen Ausbildung ganz und gar der Aneignung der jüdischen Kenntnisse hingeben kann, viel mehr zum Religionslehrer, Prediger und Kantor prädestiniert ist. Die ganze Zeit des Studienganges kann zur Vorbildung auf seinen künftigen Beruf, Seelsorger der ganzen Gemeinde' zu sein, verwandt werden. Es ist einleuchtend, daß dies bei der Heranbildung zum Volksschullehrer in diesem Ausmaße nicht der Fall sein kann, wenigstens nur unter Hinzufügung von ein oder zwei Ausbildungsjahren. Daß aber in heutiger Zeit, wo der Wille zum positiven jüdischen Leben bei Groß: und Klein wieder allerwärts erwacht ist, ganz andere Anforderungen an den Kultusbeamten der Gemeinde gestellt werden, als früher, dürfte ebenso klar sein. Nur ein Lehrer, der ein großes jüdisches Wissen mitbringt und in allen Lebenslagen ein wahrer und aufrichtiger Führer der Gemeinde sein kann, stellt das Ideal eines Religionslehrers dar. Beide Typen, sowohl der des Volksschullehrers als der des Religionslehrers, haben ihre Existenzberechtigung, auch, oder sagen wir, gerade in der Zukunft. Der eine ist der Lehrer der Jugend in der Volksschule und vermittelt ihr den jüdischen und profanen Wissensstoff; der andere ist der Führer und Seelsorger der Gemeinde und betreut sie in allen Lagen des Lebens. Wir können beider Arten von jüdischen Lehrern nicht entraten; sie sind beide nach wie vor unentbehrlich. Man möge endlich aufhören, die. eine Art des Lehrers gegen die andere auszuspielen; sie sind wesensverschieden und haben ihre hehre Aufgabe, jeder an seiner Stelle, zu erfüllen. Man möge es auch fernerhin unterlassen, die eine Bildungsanstalt in einem helleren Lichte erstrahlen zu lassen als die andere. Beide, Kölner und Würzburger Anstalt, haben seit vielen Jahrzehnten der deutschen Judenheit wertvolle Dienste geleistet und werden, wenn neidlos und ohne Bekämpfung eine der anderen das Leben gönnt, auch weiterhin ihre großen Pflichten zu erfüllen imstande sein. Möge die Würzburger Anstalt für die Schulen die Volksschullehrer heranbilden, zu deren Ausbildung sie auf Grund der bestehenden Gesetze berechtigt ist, und das Kölner Seminar, das sich seit April 1933 ausschließlich auf die Heranbildung von Religidnslehrern und Kantoren umgestellt hat, möge den Gemeinden ihre Religionslehrer, Prediger und Kantoren liefern. Beide Anstalten können einträchtig nebeneinander, jede auf ihrem Gebiete, wirken; sie sind beide lebenswichtig für die deutsche Judenheit, die die Pflicht hat, die eine wie die andere, nach Kräften ideell; und materiell zu unterstützen. Korrespondenzen. Deutsches Reich. Vorbereitung des diesjährigen Pessachfestes» ■■■ Berlin. 25. .Febr. ■': Der Preußische Landeis verband jüdischer •3 e m,e i n d e n hat durch:; einen1 »kürzlich' gefaßten* Beschluß der Berliner Jüdischei Gemeinde-angelegt,! ein Rundschreibenv an :alie. ihni;ijähgeScMdsserienaSyr; Die Woche, Breslau. Eine Heldengeden(kfeier, des Reichsbu n d es jüdischer Frontsoldaten wies 2000 Besucher auf. Wien. Das Wiener Bankhaus Rothschild hat neben, seiner Beteiligung an den Spenden des Bankenverbandes zur Unterstützung der Opfer der Straßenkämpfe weitere 20 000 Schilling zur Verfügung gestellt. — Offiziell wird bekanntgegeben, daß mit dem durch die neuen Verhälthisse bedingten Ausscheiden der Vertreter beider sozialistischen Gruppen aus der Verwaltung der Israelitischen Kultusgemeinde die Sozialarbeit der Gemeinden keinen Schaden leiden wird. Wiener Neustadt. In den Tagen der Unruhen wurde bei Anwesenheit des Oberrabbiners Dr. H. Weiß in.den Gemeinderäumen Haussuchung nach Waffen vorgenommen. Die Gerüchte, daß man in dem Trumpeldorheim Waffen gefunden hätte und daß der Oberrabbiner verhaftet sei, sind aus der Luft gegriffen, Paris, Eine von der Kammer angenommene Gesetzesvorlage zur Einführung einer besonderen Steuer für ausländische Arbeitnehmer in Höhe von 10 Proz. wurde vom Senat abgelehnt. Rom. Das italienische Staatsinstitut für Export bestätigt offiziell seine Teilnahme an der bevorstehenden Levantemesse in Tel Awiw.: — Der Begründer der Schweizer Faschistengruppe in Italien ist ein aus Bern stammender Jude namens Dr. Tomarkin. Die Schweizer Faschistenblätter, die mit den zwei sozialdemokratischen jüdischen Nationalräten im Schweizer Bundesparlamente den „jüdischen Marxismus" zu beweisen suchen, verschweigen jene Tatsache - vollkommen. — Die soeben veröffentlichte Liste neuernannter Senatoren enthält wieder die Namen von zwei Juden. Die beiden neuen jüdischen Senatoren sind Alfredo F e 1 i c i, ein hervorragender Rechtsanwalt, und Giorgio F a 1 c k, ein sehr bedeutender Industrieller. Im Dezember v. J. wurde zum ersten Male seit Einführung der faschistischen Staatsform ein Jude, der Turiner Industrielle Isaiah L e v y , in den italienischen Senat entsandt. Warschau. Das Warschauer Appellationsgericht hat die vom Erstgericht über drei nationaldemokratische Studenten verhängten Strafen wegen Zertrümmerung der Schaufenster jüdischer Geschäftsläden verschärft. Die Angeklagt ::; ten, über die bisher nur Geldstrafen ver-: hängt worden waren, wurden nunmehr \ außerdem zu je drei Monaten Gefäng- , nis verurteilt. Jerusalem. Demnächst soll in Palästina nach dem Muster der illustrier-1 i? ten Wochenbeilagen zu den großen ,euron _ päischen Zeitungen eine illustrierte hebräische Wochenschrift zu er-.-, scheinen beginnen. Die Initiative zu dieser Neugründung ging von einem jüdischen Ein- :' : wanderer aus Deutschland, einem ehemaligen Mitglied der Redaktion der .^Berliner Illustrierten Zeitung" aus. Es verlautet, daß die neue Wochenschrift der Tageszeitung „Davar" angegliedert werden soll, —Trotz' der getroffenen Vorkehrungen ist es anläßlich der Trumpeldor-Feier in Palästina in Safed zu kleineren Zusammenstößen zwischen Revisionisten und jugendlichen Mitgliedern des Arbeiterverbandes, die vom Grabe Trumpeldors in Tel-Chai zurückkehr-; ten, gekommen,; Einige Personen : erlitten; leichte Verletzungen. — Belgische Juden he- , absichtigen zur Ehrung des verunglückten König Albert I./-der bekanntlich 'ein- '! großer Freund Palästinas war, einen W a lid .: in Palästina anzulegen. — Zwei neue;. Tageszeitungen sind hier ins Leben gerufen worden. Die eine erscheint in englischer und deutscher Sprache ■ unter dem Titel „Jerusalem Daily .News", die zweite Tageszeitung in hebräischer Sprache unter dem Titel: ovn r>iv~tn'- Beide Zeitschriften werden im Verlage „Hassolei" herausgegeben. —; ' Der von dem Verstorbenen;M r. E 11.i;o tt.Vijj innegehabte . Posten, des R e g i e r u n g s - anwalts wurde durch \ Berufung eines", arabischen Beamten '■' namens M u s"ä: El Alämi besetzt,, der einige Jahre'hin-.: durch stellvertretender, Regierungsanwalt;:,;, war und in letzter Zeit beim High Commissioner als einer 'von, dessen Privatsekrefä-'. 7 ren arbeitete. T '* "'; J ■■'"■> ■^■■\-'- nogogengememden versandt, in dem er den Gemeinden nahelegt, durch verschiedene Maßnahmen und Einrichtungen dafür zu sorgen, daß möglichst alle Gemeindemitglieder bei dem kommenden Pessachfest an Sederfeiern teilnehmen. In dem Rundschreiben wird u. a, betont, daß dem Landesverband jede Uniformierung der Feiern fern liege, und er mit seinen Anregungen lediglich beabsichtige, zur Vertiefung jüdischen Lebens und jüdischer Sitte und zum Zusammenhalt innerhalb der Gemeinden und Familien beizutragen und die Isolierung, unter der zahlreiche vereinzelt wohnende Juden schmerzlich leiden, lindern zu helfen. Die Zulassung nichtarischer Aerzte zur Krankenkassenpraxis; eine neue Definition. Berlin, 28. Febr. ': In mehreren Beschlüssen hat das Reichsschiedsamt entschieden, daß der Begriff des Frontkämpfers im Zusammenhang mit der Zulassung nichtarischer Aerzte zur .Krankenkassenpraxis auch auf Teilnehmer an Kämpfen im Baltikum, in Oberschlesien gegen Spartakisten, Separatisten und Feinde der nationalen Erhebung anzuwenden ist. Ferner wurde festgestellt, daß die Tätigkeit als Krankenpfleger und .Krankenpflegerin in einem von den obersten Kommandpbehörden ausdrücklich als Seuchenlazarett eingerichteten oder erklärten Lazarett Voraussetzung für. die Zulassung zur Kassenpraxis bilden kann, sofern sich diese Tätigkeit auf insgesamt sechs Monate erstreckt hat. (Entscheidungen 139/33 und 152/33). ,.r; „Unnatürlich" und „widernatürlich". v Karlsruhe, 3. März. Wie der „Frankf. Ztg.";vom 4. März " berichtet wird, hat das .0 b erlandesge r, Ich t K a rl Sruhe in einem.rUrteil 'vorn 2. März '1934 ^(Aktenzeichen 2 Zbr 208/33) die;. Anfechtung;veiner ärisöh-jüdischen Mischehe wegen Irrtums^ über die : Bedeutung des Rasseprinzips und der. Rasseverschiedenheit *z u - g e 1 a s s e n.; Das! Oberlandesgericht hat' zwar'-' festgestellt, . daß 'die : Ariergesetzgebung1 des Uahres' 1933 keine; Anhaltspunkte, für die zur: i Entscheidung'- stehende'Frage biete.' Es hatiijedoch in-einer- ^ausführlichen; Begründungo Mischehenzwischen ■ SÄriem jund Nichtariera,' . i.'nicht nur : als nicht:wünschenswert-f; sondern verderblich,- unnatürlich ^ünd •widernatürlich" bezeichnet. Das Gericht ist dann zu der Entscheidung- .gekommen,;; idaß derKläger^, bei Kenntnis r( der wahren Sachlage die Ehe nicht geschlossen hätte und daß deshalb hier der .§ 1333 (Irrtum über wesentliche persönliche Eigenschaf ten t .des iEhegatten). anzu.7 wenden sei. (Siehe.hierzuWeiteres, auf. Seite, 2J: . Oesterreichs . Annullierung' der sozialdemokratischen Mandate in der Wiener Israelitischen Kultüsgemeinde.; [ in v./^iL-iO Wierir 27. Febr;; - Auf Grund der'Regierungsverordnung, wonach allö auf Grund Von ' sozialdemokratischen' Wahlvofs'chTägen gewählten ^Funktionäre in -öffentlichen^ Körperschaften ihrer Mandate-Verlustig 'werden, hat der Präsident der; Wiener -Kultüsgemeinde'' die •Mandate der ,;Poale-Zibn"-Pärtei' sowie' die' der:Werktätigen Juden" a'h n ülli-er f.- Die '-beiden' Parteien^ verfüjfc'h' über je Vier Mandate, Von - äeneri 'die'::„Werktätigen" dem Klub' der Nicht2io'nisteh;; ähgehörten,;; der' auf diese Weise 15 '''Mitglieder - zahlte/ während 'die . Zionismen mit'den' „Pöale-Ziöh" 21 '-'Vorstandsmitglieder hätten. Durch das1 Ausscheiden i;der änhüllierten acht Mandate 'ist das 'Verhältnis'i!'det' '•-Ziöhisten:v zu' den Nichtziönisteri von' '21 r 15; auf''17': 11V also 'um eine Kleinigkeit ' ' zuungunsten ' :'der; NichtzionteteH :: verschoben.;■-?-:.;;:;<; :;-• -:<,;j :-.!.< Polen. _ \ " . Die Zukunft; der, Lubtiner, Jeschiwa. ,.-, t ,.);jr ' :m-.S:ov s . Laib Ii n , 2.- März. .;,; Am ..M.P.ntag, , den , 4, Adär^jyersammelten sich,ein Lublin.:die,; führenden; Rabbinen .Polens, zur:. Beratung über, die/ zukünftige .Gestaltung [und ^Leitung der ,,Jeschiwas7Ghachnie-Lublin!\ir.-;Allgemein!j .wirdjanger nQmmen,;.daß.;die.; oberste. Leitung-derd Jeschiwa ( dem allseits bge.$ch;ätztenäiBjojanejr j.Re.bbe, //RabbiMosche Friedmann, übertragen wird, des, .eine. :(TiioraT

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