Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 9 (1.3.1934)
- Date
- 1934-03-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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1. März 1934 Der Israelit Nr. 9 Seite 13 den „Pfad der Geraden" aufwärts schreiten ließ, von einem kaum beschreibbaren nixaa m-pni — bei aller Ablehnung chassidischer Ausgestaltung und; bei bewußter Pflege aschkenasischen Brauchtums — über ein Berge versetzendes, Mauern zertrümmerndes mint hinweg, zur höchsten Höhe der Reinheit und Heiligkeit. Er verstand die schwere Kunst, mit den Normen feinster jüdischer Sittlichkeit das vielgestaltigste tägliche Leben in Haus und Familie, in Schule und Gemeinde zu bezwingen —: klare, energieerfüllte Urteile zu äußern, ohne ein Wort!nn ]wb zu reden; fest umrissene, jüdisch-politische Prinzipien, die Prinzipien der selbständigen Orthodorie, zu vertreten und durchzusetzen, ohne dem Gegner in Gedanke oder Wort Unrecht zu tun oder den Dämonen des Parteihasses Eingang in das Heiligtum des jüdischen Herzens zu gestatten; in der demütigen Ich-Vergessenheit reinster HIJS? vor G'tt und Menschen zu stehen und doch mit unbeugsamer Festigkeit den aus tiefster Forschung erkannten und aufgenommenen G'tteswillen als eigenen Willen gegen alle Widerstände zu verwirklichen; jedem kleinen Kinde in sonnigster Heiterkeit zuzulächeln und dabei in tiefem Ernste das Leid der jüdischen Gesamtheit in der Seele brennend zu spüren; sein ganzes Sein und Schicksal in vollendetem pn»a G'tt anheimzustellen und dennoch jeden, auch den kleinsten Schritt in Einzel- und Familienleben am Lichte der G'tteslehre und des an ihr orientierten Denkens so gründlich zu prüfen und zu wägen, als hinge von diesem Schritt das Schicksal der Welt ab. So war es wahrlich keine Uebertreibung, wenn ein ehrwürdiger Greis, der das Werden und Wachsen der Persönlichkeit Lipman Schlesingers verfolgt hatte, vor Jahrzehnten schon das Wort sprach: „Man soll Länder und Meere durchqueren, um von Lipman Schlesinger nna zu lernen", und wenn ihn einer der Trauerredner als „leben d i g e n a'W nban« bezeichnen zu dürfen glaubte. All die Hunderte von Armen und Reichen, die in seinem segenerfüllten Hause Licht und Trost, Rat und Wegweisung gefunden, die Hunderte von Schülern, die ihm ihr Judesein verdanken und das Vorbild edelsten Menschentums, sie zeugen für die Größe dieses Le bens und dieser Persönlichkeit lauter als alle objektiven Schöpfungen und Denkmäler äußeren Wirkens es vermöchten. Dem Hamburger Synagoge nverband und der Agudas Jisroel gehörte dieses sein öffentliches Wirken. In welcher Rast losigkeit der Hingebung, welcher Energie des politi sehen Wollens und welcher Vornehmheit adeliger Gesinnung er da gekämpft und aufgebaut hat, das bedürfte einer besonderen Geschichtsschreibung. Als Vorsitzender der deutschen Landsmannschaft auf der ersten Kenessio Gedaulo hat er sich um die Gestaltung der Verfassung der Agudas Jisroel und ihres Programms mit der Klarheit und Sicherheit seines jüdischen Denkens und in seiner volkspädagogischen Voraussicht unvergeßliche Verdienste erworben. Drei Söhne und eine Tochter hat seine überlegene Erziehungskunst der jüdischen Gesamtheit geschenkt, allesamt würdige Träger des elterlichen Erbes, der jüngste, durch jahrzehntelanges Studium in seltener synthetischer Einung ost- und westjüdischen Geistes zur markanten jüdischen Persönlichkeit gereift, von der die jüdische Gesamtheit im Dienste der nxnn, des imb und der Erziehung fruchtbare Lebensleistung, Fortsetzung des väterlichen Lebenswerkes, erwarten darf, na iVnd imaa p n-jam. An der Bahre, die am Mittwoch Nachmittag zur letzten Ruhe geführt ward, zeichnete zunächst Gemeinderabbiner Jos. Horovitz, in geisterfüllter Ausdeutung der ai> nasn des Wochenabschnittes im Gegensatz zu aller theoretischen Weisheit, diese ab naan als den Kern der großen Persönlichkeit des Heimgegangenen. Rabb. Dr. Leopold Wreschner, Homburg und Rabb. Dr. Mosche Schlesinger, Halberstadt trugen eine Fülle bezeichnender Einzelzüge zur Charakteristik der reichen, in ihrem Reichtum niemals restlos zu würdigenden Seele ihres Schwagers und Bruders zusammen und Rabb.-Assessor Dr. Michel Schlesinger rang seinem Schmerze um den Hin tritt des Vaters und Lehrers erschütternde Worte der Verehrung ab; als ein nax rs sei der Vater durchs Leben gewandelt von bis Vn- Den Schluß bildeten warme Worte der Würdigung und Trauer der Herren Jacob Rosenheim und Studienrat Dr. Marcus Lange. Letzterer zeichnete namens der Talmud Thora-Realschule in Hamburg Dr. Schlesingers vorbildliches Wirken als Lehrer, Pädagoge und Mitglied des Kollegiums. Sein jvot werde zum Fürsprech für die jüdische Schule in Deutschland werden, auf daß dem jüdischen Kinde die reine jüdische Erziehung gesichert bleibe. Die Sonne neigte sich zum Sinken, als die sterblichen Ueberreste eines großen jüdischen Menschen dem mütterlichen Erdboden anvertraut wurden. TV'jsan. Worte des Gedenkens an Rabbi Jakob S. Posen (Anläßlich der 10. Jahrzeit am 19. Adar.) Zehn Jahre runden sich am 19. Adar, seitdem R. Jakob S. Posen b~w. uns entrissen worden ist, und trotz der Fülle der Ereignisse, von denen diese 10 Jahre erzählen können, tritt uns seine hehre Gestalt vor Augen und wir können den Tag nicht vorbeigehen lassen, ohne der Verehrung, der Liebe Ulld Wertschätzung Ausdruck zu verleihen, die uns in gleicher Frische und in gleichem Grade erfüllt wie vor zehn Jahren. Je größer der Abstand wird, um so mehr begreifen wir, was R. Jakob S. Posen b"t\ für die Gesamtheit sowohl. als auch für den Einzelnen gewesen ist. Vergegenwärtigen wir uns doch einmal, wie es zu seiner Zeit; d. h. vor 50—60 Jahren ausgesehen hat — unsere Generation kann ja keine Ahnung davon haben — daß bei aller Pflege des ps mi DJ? min-Prinzips die n'uinp3.nna nnnwar, daß es seinerzeit weder eine mvp n^v gab, noch irgendwelche andere Institutionen für das ausschließliche Taurohstudium. Die nach Frankfurt a. M. strömende Jugend widmete wohl ihre freie Zeit dem jüdischen Vereinsleben, dessen Programm aber fast immer ■ Anleihen auf anderen Gebieten machte, nicht aber beim min naV« Damals aber erkannte schon R. Jakob S. Posen b"Sh die Lücke unseres jüdischen Lebens und setzte sich für das Wort G'ttes ein. Heute kämpft man in Deutschland diesen Kampf allgemein, durch die flia'E>v Organisationen usw., heute ist dies eine selbstverständliche Forderung, aber damals bestand dies alles nicht. R. Jakob S. Posen b"sr, organisierte ganz selbständig regelmäßige Schiurim; von Nah und Fern strömte alles, dessen Geist für wahre Jüdischkeit nicht ganz erloschen war, zu ihm. Mit ganzer Kraft widmete er sich seiner sich selbst gestellten Aufgabe und er hat wahrlich im vollen Sinne des Wortes seinem Erwerbsleben jede Minute abgerungen, um für G'ttes Tauroh zu wirken. Er war aber auch der berufene Führer. Schon als ganz junger Mann mit der Rabbinerautorisation versehen, war er ein Talmid Chochom großen Ausmaßes, der quasi aus einer Zeit der großen u-mpjm 'aan in unsere Zeit hineinragte. Sein -nwbn "jn war so ganz der Ausdruck seiner Persönlichkeit, die nichts Anderes suchte, als den klaren nax herauszuschälen und darzulegen, die sich es aber auch dann nicht nehmen ließ, geistsprühende Auslegungen scheinbar dunkler Stellen in T'nach, Halacha und Agadah zu geben, Worte, die man nie vergessen kann. Nach wie vor lernen , die Talmidim des heimgegangenen R. Jakob S. Posen b'"st, Woche für Woche mehrmals in seinem Lernzimmer und trotz der Unbilden der Zeiten wächst die Zahl der Teilnehmer, die in seinem Geiste min lernen. Tage eilen wohl dahin, Jahre schwinden dahin, das Werk des Meisters aber wird m. G. H. erhalten bleiben. •DVia «b D-'p'nx «O'na d'K' (Eingesandt von der Arbeitsgemeinschaft der Schüler Jakob Posens b'"3i)- * * * Montag, den 5. März, abends 8.30 Uhr, findet im Hermesweg 5/7, 2. im Jakob Posen-Zimmer, wie jedes Jahr, Jahr Zeitslernen der Schüler von Rabbi Jakob Posen ^>"xt statt. Um 7 Uhr abends wird in der Synagoge Hermesweg uata anya gebetet. Reichsvertretung der deutschen Juden. Die „Reichsvertretung der deutschen Juden" und der Vorstand der „Israelitischen Gemeinde" veranstalteten am 24. Februar einen Vortragsabend im dichtgefüllten Saale der Frankfurt-Loge. Der geschäftsführende Vorsitzende der Reichsvertretung, Ministerialrat a. D. Dr. Otto Hirsch, erörterte zunächst die wirtschaftlichen Grundprobleme der deutschen Judenheit und wies auf den Schaden hin, der durch den ausländischen Boykott auch den deutschen Juden zugefügt wurde. Er schilderte dann die Tätigkeit des Zentralausschusses für Aufbau und Hilfe in der im „Israelit" wiederholt dargelegten Vielseitigkeit und entwickelte die Grundsätze der Politik der Reichsvertretung, wie er sie bereits in seiner Ansprache im Beirat der Reichsvertretung darlegte. Gemeinderabbiner Dr. Hoffmann ergänzte die Ausführungen des Vorredners durch eine Darstellung des Programms der Reichsvertretung auf dem Gebiete des Schul- und Unterrichtswesens. Man habe sich zur Aufgabe gesetzt: 1. Erhaltung, Aus- und Umbau der bestehenden Schulen; 2. Gründung, ideelle und materielle Förderung neuer Schulen; 3. Ausbildung der Lehrer. Im vorigen Jahre habe die Reichsvertretung aus ausländischen Stiftungen den Schulen Subventionen geben können. Da dies in diesem Jahr zweifelhaft sei, müßten die eigenen Anstrengungen verstärkt werden. Heute werden beson- . ders gehobene Volksschulen gebraucht, da schon im Hinblick auf etwaige spätere Auswanderung Unterricht in Hebräisch und mindestens einer Fremdsprache erforderlich sei. In vielen Gemeinden werden eben Schulen gegründet; heute sei die Erkenntnis der Notwendigkeit jüdischer Schulen endlich allgemein geworden; das ergebe sich schon aus der neuen Gestaltung des allgemeinen Schulwesens und aus der Forderung, unsere Jugend vor Minderwertigkeitskomplexen und seelischen Erschütterungen zu bewahren. Den Kritikern der Schul-Richtlinien der Reichsvertretung müsse gesagt werden, daß es sich nicht um ein Maximal-, sondern um ein Minimalprogramm handle und daß es jetzt wohl in erster Linie auch für die Schulgründung in mehr oder weniger liberalen Gemeinden in Frage komme. Besonders schwer sei die Sorge um die Lehrerschaft, nachdem heute das Studium unmöglich sei. Man wolle jetzt an die Fortbildung der aus dem allgemeinen Schulwesen übernommenen Lehrer in den jüdischen Disziplinen gehen; die Errichtung einer Muster-Lehranstalt für diese Zwecke sei geplant. Die Schulen in den kleinen Landgemeinden sind weiter die Sorgenkinder der Reichsvertretung; hier versuche man jetzt, durch materielle Förderung auch die kleinsten Gemeinden zu stärken und zu erhalten. Ueberhaupt sei man in der Frage der Gemeindesubventionen dabei, einen neuen Verteilungsschlüssel zu errechnen, der nicht-nur die Seelenzahl, sondern auch die Einnahmen und die Steuerhöhe berücksichtigt. Die Reichsvertretung beabsichtige keine Verwischung der weltanschaulichen Unterschiede; so werde z. B. die Gemeindeorthodorie nicht ein Jota ihrer Interessen opfern. Der Klal-Gedanke erfordere aber Einheitlichkeit. Redner schloß mit Mussarworten, die starken Beifall fanden. Es gäbe immer noch Juden, die sich in Vergnügungslokalen aufhalten und jüdische Vereine, die Festlichkeiten veranstalten, bei denen Reihen von Autos vor den Portalen halten und die dadurch einen Wohlstand vortäuschen,' der nicht vorhanden ist. Noch mache sich in jüdischen Lokalen Fastnachtstreiben breit, das stets Nachahmung unjüdischer Art war. Selbstachtung sei heute nicht nur eine Sache des Taktes, sondern der Selbsterhaltung. Optimismus mag man trotz allem hegen, aber keinen leichtfertigen und die Zeichen der Zeit mißachtenden. Optimismus bejahe das Leid und hoffe auf bessere Zu¬ Zukunft. Winterhilfswerk des deutschen Volkes. Die Vorstände der hiesigen Synagogengemeinden weisen die Mitglieder wiederholt und dringend auf die Notwendigkeit hin, die Sammlungen und Unternehmungen des Winterhilfswerk des deutschen Volkes mit allen Kräften zu fördern. Die Verteilung der Mittel geschieht durch die Ortsgruppen des Kreises Groß-Frankfurt paritätisch, unbeschadet der konfessionellen Zugehörigkeit. Eine Nichtbefolgung dieser Mahnung könnte eine Schädigung der jüdischen Unterstützungsempfänger herbeiführen. Israel Glaser b""Sl' Israel Glaser Vst, der junge, 30jährige Mensch voller Lebensbejahung, ist nicht mehr. Einer der ältesten und besten D'-nna der Schneider'schen Jeschiwah, pflegte er edles Freundschaftsverhältnis mit jungen Menschen aus westlichem und östlichem Milieu, getragen von einer gegenseitigen idealen Wertschätzung. Regster Ideenaustausch fand statt, denn der £"i nus3 gab ja so viel, und nahm dafür Werte des westlichen Kulturschatzes. Mit einer frappant leichten Auffassungsgabe ausgestattet, vermehrte er ständig sein Wissen, forschte selbständig weiter und erlangte eine überraschend klare und scharfe Urteilskraft der Dinge. Nie verließ er den sicheren Hafen der Tauroh. Das befähigte ihn, der narx bv D'HO" Herr zu werden und gab ihm den Mut, auszuharren und trotz eines langen Krankenlagers mit unerschütterlichem Glauben in eine frohe Zukunft zu blicken. Wenn man ihn besuchte und glaubte, daß er, der da in vier kahlen Wänden darniederlag, nur Oede und Trauer sah, so täuschte man sich gar sehr. Er vergaß die Welt um sich her; nnna npwn ia?D3- Er glaubte, seinen Zustand durch Verlegung seines Wohnsitzes verbessern zu können, nur ein durchgreifendes Rettungswerk hätte ihm das ermöglichen lassen, nun hat ihn G'tt zu seinem ewigen Wohnsitz heimgerufen. Lernen wir hieraus, damit wir sagen, können: (n*a ntnoi 'ui praa inmtr- Halten wir das Andenken an den G'tteskämpfer Israel Glaser aufrecht, damit es zur n:ro werde, ins- -rrasan- Bertha Oppenheimer n"37' Im Alter von 74 Jahren ist Frau Bertha Oppenh e i m e r dahingeschieden. Eine Tochter von Veit Wohlfarth b"\> hat sie an der Seite ihres vor 15 Jahren bereits heimgegangenen Gatten Herz Löb Oppenheimer b"h die Tradition ihres echt jüdischen Elternhauses hochgehalten und hatte auch die Freude, daß ihre Kinder in gleichem Sinne ihre Häuslichkeit begründeten. Die letzten Jahre verlebte sie in einem Heim, und mit stiller Bewunderung konnte man beobachten, wie sie hier, losgelöst vom Alltag draußen, die Gestalt einer wahrhaften nwx verkörperte. Trotz ihrer Gebrechen ließ sie es sich nicht nehmen, bei besonderen Gelegenheiten das G'tteshaus des Heims aufzusuchen, und dankbar empfand sie es, wenn sie min- Vorträgen lauschen durfte. Der Höhepunkt aber war ihr der Freitagabend. Beim Lichterglanz der Sabbatkerzen versammelte sich um sie herum ihre ganze Umgebung, und freudig bewegt beteiligte sie sich an dem o^bv T-Gesang. Es war allen dann, als ob die Engel des Friedens unsichtbar durch den Raum schwebten. Und die Engel des Friedens kamen und holten sanft und leise die Seele dieser gütigen Frau dorthin, wo sie die. Früchte ihres frommen Lebenswandels ernten darf. rraxan- Verein zur Aussteuerung hiesiger israelitischer Bürgerstöchter E. V. Der seit 1790 bestehende Verein zur Aussteuerung hiesiger israelitischer Bürgerstöchter hat am 20. d. M. seine diesjährige Mitgliederversammlung unter Vorsitz des Herrn Alfred Schwarzschild abgehalten. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedenkt der Vorsitzende in herzlichen Worten des Hinscheidens des