Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1934-03-01 · Heft 9 (1.3.1934) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 9 (1.3.1934)
Date
1934-03-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2450807-2450816--80235-2538037
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 6 Nr. 9 Der Israelit 1. März 1934 für weitere 3,5 Millionen Reichsmark beibehalten wird. Bezüglich des Sonderkontos II sind noch Verhandlungen in der Schwebe; Genehmigungen zur Einzahlung auf Sonderkonto II sind daher bis .auf weiteres nicht zu erteilen. 2. Wie für die Auswanderung im allgemeinen (vgl. Runderlaß 8/34), so macht die angespannte Devisenlage im besonderen auch für die Auswanderung nach Palästina gewisse Beschränkungen erforderlich. Da die Bereitstellung der Vorzeigegelder von 1000 Palästinapfund für jeden Auswanderer erhebliche Devisenbeträge erfordert, muß ich Wert darauf legen, daß bei der Auswanderung einer mehrkÖpfigen Familie das Vorzeigegeld möglichst nur einmal in Anspruch genommen wird. Ich ordne daher folgendes an: Die Genehmigung zum Erwerb von 1000 Palästinapfund, in bar (Vorzeigegeld) ist zu versagen, wenn der Devisenstelle bekannt ist, daß die auswandernde Person in auf- oder absteigender Linie mit jemandem verwandt ist, der selbst oder dessen Ehegatte unter Mitnahme des Vorzeigegeldes nach Palästina auswandert oder seit dem 1. August 1931 ausgewandert ist. Das gleiche gilt für die Geschwister, die vor der Auswanderung in einem gemeinsamen Haushalt gelebt haben. In diesen Fällen ist auf Antrag anstelle des Erwerbs und der Ausfuhr v . 1000 Palästinapfund die Einzahlung von 15.000 auf das Sonderkonto I bei der Reichshauptbajik y.u genehmigen. Die Erteilung dieser Genehmigung ist nicht von der Beibringung der Einreiseerlaubnis nach Palästina oder der sonstigen letzten Beweismittel für die Auswanderung abhängig zu machen. Das Reichsbank-Direktorium hat sich bereit erklärt, in Fällen, in denen solche Einzahler durch Gutschrift der Palästinensischen Treuhand-Gesellschaft mit den über Sonderkonto I überführten Beträgen ganz oder teilweise anbietungspflichtig werden, entsprechend der in Runderlaß 54/33 Ziffer I für das Sonderkonto II getroffenen Regelung den Pflichtigen diese Guthaben zunächst auf 6 Monate zu belassen. Falls nach voller Ueberführung der auf Sonderkonto I eingezahlten 15.000 RM. an den 1000 Palästinapfund Vorzeigegeld etwas fehlt, ist die Genehmigung zur Ausfuhr des Fehlbetrages in einem Palästinapfund-Scheck auf eine palästinensische Bank zu erteilen. Die Entscheidung über Härtefälle behalte ich mir vor." Aus dem Erlaß ist zu ersehen, daß es für Auswanderer nach Palästina im wesentlichen bei der bisherigen Regelung bleibt. Die in dem Erlaß vorgesehenen Ausnahmen entsprechen zum Teil der bisherigen Praxis der Devisenbewirtschaftungsstellen, zufolge deren bei naher Ver- 1^—p und grammatikalischen Gesetzen zu erlernen. . Es ist daher ein Verdienst von Carl Cohen, daß er den Lernenden eine kurzgefaßte hebräische Grammatik in die Hand gibt (Verlag M. A. Wahrmann, Frankfurt a. M.-Jerusalem), ein Lehrbüchlein, das sich ebensosehr zum Selbststudium wie für den Unterricht eignet. Es ist der Versuch einer neuen Lösung der grammatischpädagogischen Fragen, der, nach vielen uns vorliegenden Gutachten von namhaften Pädagogen, auch gelungen ist. Insbesondere scheint uns die Auswahl des Stoffes geglückt zu sein. Man weiß, Grammatik ist bei jedem Sprachunterricht nicht gerade die Wonne des Kindes, das Büchlein in seiner freundlichen Aufmachung, seiner klaren Uebersichtlichkeit und mit seinem leichtfaßlichen Stile wird aber auch dem jüdischen Kinde" viel Freude bereiten und dem Erwachsenen in seinem Selbststudium ein treuer und angenehmer Begleiter sein. (Mehr Solidarität im jüdischen Zeitschriftenwesen!) Von einem jüdischen Hotel, ias seit Jahren auf den „Israelit" abonniert war, erhalten wir eine lakonische Zuschrift, die folgendermaßen lautet: „Ich bekomme eben verschiedene jüdische Zeitungen gratis eingewiesen und heute bei den schlechten. Zeiten kann ich mir nicht so viele bezahlte Zeitungen im Winter halten." Sollte es nicht an der Zeit sein, daß man auch im Kreise der jüdischen Zeitschriften etwas mehr auf die eigene Ehre hält und das Bewußtsein des Wertes der eigenen Arbeit stärkt? Die Entwicklung in außerjüdischen Wirtschaftskreisen könnte dafür vorbildlich sein. wandtschaft des. Auswanderaden mit einem bereits ausgewanderten „Kapitalisten" der Betrag von 1000' Palästinapfund nicht abermals zur Barmitnahme freigegeben, sondern meist ein entsprechender Markbetfäg zur Einzahlung auf Sonderkonto I genehmigt würde,! Diese Regelung ist nunmehr für Verwandte in auf-; und absteigender Linie sowie'für Geschwister end-: gültig vorgesehen, für letztere aber nur dann, wenn: sie vor der Auswanderung in einem gemeinsamen Haushalt gelebt haben, Anträge über die Durchführung dieser Regelung, sowie über die damit verbundenen Fragen der Einwanderung für Palästina sind an das Palästina-Amt, Berlin W. 15, Meinekestr. 10, zu richten. Die Verhandlungen wegen der Errichtung eines neuen Sonderkontos II, das auch denen, die erst später auswandern, . die Möglichkeit zur späteren Existenzgründung in Palästina gibt, sind noch im Gange. , Eine Gedenkstunde des badischen Judentums. Mannheim_, 26. Febr. Carl Friedrich, Großherzog von ■ Baden, Gestalter seines Landes inmitten und im Verlauf napoleonischer Wirren, ist in das Gedächtnis und in die Geschichte des badischen Judentums eingegangen. V o r 125 Jahren gab er ihm Recht und Gesetz, Organisation und Umriß, Bau und Form. Sein 9. Konstitutionsedikt schuf die Stelle, die seitdem im Mittelpunkt der Israelitischen Religionsgemeinschaft Badens steht: den Oberrat, Dieser Oberrat erließ in seinem Verordnungsblatt dieser Tage einen Aufruf zum Gedächtnis jenes Ereignisses. In den Synagogen wurde — an Parschat Sochor — der besonderen Stunde gedacht. In Karlsruhe kamen am 25, Februar alle die zusammen, die der Einladung des Oberrats Folge leisteten zu würdiger Gedenkstunde: Rabbiner und Lehrer, Vorsteher und Abgeordnete, Vertreter der Organisation und Vereine, Die Anwesenheit des. Präsidenten der Reichsvertretung der deutschen Juden, Rabb, Dr, Baeck, ferner, des Ministerialrates Dr. Hirsch von der R. V. und des Oberstlandesgerichtsrates Neumeyer (München) von . der Arbeitsgemeinschaft süddeutscher Landesverbände gab der Veranstaltung ihr besonderes Gepräge, In den festlichen, von tiefstem Ernste durchzogenen Worten des Präsidenten der Reichsvertretung, aber auch in den Reden des Präsidenten des badischen Oberräts, Prof, Dr, Stein, Ministerialrat Dr. Hirsc'hs und Oberstlandesgerichtsrat Neumeyer kam es zum Ausdruck, in welch starker Weise diese alte badischjüdische Organisation verbunden ist mit der Reichsvertretung, deren Präsident als erster „Nichtbadener" geehrt wurde vom Oberrat durch Verleihung der Plakette für bedeutsames jüdisches Schaffen. Eine Reihe von Ehrungen und Auszeichnungen, die unermüdlichen und tätigen jüdischen Persönlichkeiten zuteil wurden, ließen erkennen, wie der Oberrat die Ehrfurcht vor der Leistung des Alters zu verbinden weiß mit der hohen Einschätzung religiöser Betätigung, lehrender Tätigkeit und gemeindlichen Wirkens. Als vor 25 Jahren die badische Landessynagoge 100 Jahre bestand, waren knapp zuvor Dinge vorausgegangen, die noch sehr nachhallten ini Fühlen und Denken der Thoratreuen. Gebetbuchfrage! Wie ist das lange her . . . Das. gesetzestreue Judentum Badens wird — auch in dieser Zeit — Wünsche anzumelden haben und kann nie ganz befriedigt sein. Aber es achtet und wertet, was seit 25 Jahren geschehen ist und dankt den Männern, die die Stimme der Thora in Baden zu Gehör brachten, wie auch denen, die aufgeschlossen genug waren, diese Stimme und ihre Bedeutung zu ermessen. So kann in dieser Stunde des Glückwunsch des gesetzestreuen Judentums in Baden an den Oberrat mit einer kleinen Variation eines Wortes aus Rabbiner Baecks Rede lauten: Wer die Männer, die die israelitische Religionsgemeinschaft Badens in dieser Zeit führen, sieht und ihr Tun kennt, der weiß: Sie sind würdig» gesehen zu werden. Zum Verlauf der Gedenkfeier wäre noch zu sagen, daß sie am Vormittag des 25, in den Logenräumen in Karlsruhe stattfand, von schönen musikalischen Darbietungen umrahmt war und daß in ihrem Mittelpunkt gedankenreiche und ernste Worte des Präsiden t. e n der Reichsvertretung standen. Der Vorsitzende des Oberrats, Prof, Dr, Stein hatte mit begrüßenden Worten die Feierstunde <.eröffnet. Die Stelle des Könstitutionsediktes, an der von der Bildung des Oberrats die Rede: ist, las er im Wortlaut, Die Vertreter aller Organisationen usw. wurden von ihm begrüßt — darunter ..auch die Vertreter der Israelitischen Religionsgesellschaft Karlsruhe. Nach ihnen, sprachen ferner. Min.-Rat Dr. Hirsch, der Vorsitzende des Ausschusses der Reichsvertretung, Oberlandesgerichtsrat N.e umeyer (München), für die süddeutschen Landesverbände, Syn.-Präses Dr. Jeselsohn für die Synode, Oberrat Prof. Dr. Moses (Mannheim)1 für die Gemeinden Badens, Dr. Homburger namens der Israelitischen Gemeinde Karlsruhe (er überreichte eine sinnvolle Gabe: ein Bildnis des großen Karlsruher Raws Nathanael Weil). Ferner sprachen Vertreter der Rabbiner, der Lehrer, der Jugendorganisationen. Unter denen, die besondere Ehrungen erfuhren, mögen genannt werden: Prof. Dr. Loewy (Freiburg), Abg. Kassewitz (Freiburg), Abg, -Kaufmann (Kehl), Dr, Moritz Strauß (Karlsruhe), der frühere Präsident des Oberrats; Min.-Rat Dr. Hirsch (Stuttgart) und der Führer der bayrisch-jüdischen Gemeinden, Neumeyer (München), Es ist beinahe eine Selbstverständlichkeit, '■. daß das Wirken des derzeitigen Vorsitzenden des Oberrats, Prof. Dr. Stein, von ver-r schiedenen Seiten gezeichnet und gerühmt wurde. Die Ehrungen, die ihm seitens des Oberrats, seitens des Rabbinats Karlsruhe zuteil wurden, bewegten ihn sichtlich. Er fand für die ihm und dem Oberrat in seiner Gesamtheit dargereichten Wert- und Wortgaben, eine treffliche Dankesbezeugung: Die Gabe, so sagte er, würde zur Auf-Gabe .; , Die Gelegenheit der, Anwesenheit so vieler Män-- ner aus den badischen Gemeinden —- besonders auch aus den Kleingemeinden — bot dem Oberrat Anlaß, am Nachmittag durch den Vorsitzenden des Ausschusses der R. V.-Min.-Rat Dr, Hirsch, Wesentliches und Wissenswertes über „die Arbeit der Reichsvertretung" sagen zu lassen. Es war u. W. zum ersten Male, und es ist besonders zu werten, daß hier Menschen aus den kleinen Städtchen und Dörfern, denen heute oft so Vieles zur Bereicherung ihres jüdischen Lebens fehlt, aus berufenem Munde Dinge hören durften, die auch ihnen nun gestatten, manches im neuen Lichte zu sehen. Daß der Redner den Einheitsgedanken stark in den Vordergrund stellte, bedarf bei ihm keiner Begründung. Auch die Anwesenden pflichteten ihm bei. Und wir verraten kein Geheimnis, wenn wir sagen, daß diejenigen, die in B a d e n das gesetzestreue Judentum zu führen und zu vertreten haben, sich bewußt in die Einheit hineinstellen, unter der Voraussetzung, daß sie jetzt und künftig alle die Möglichkeiten haben, die Stimme der Thora zur Geltung zu bringen — in der Lehre und im Leben, Dies ist die selbstverständliche Voraussetzung. Der Glaube, daß dies möglich sein wird, war in Baden nicht immer selbstverständlich. Heute i ist er es. Wir wissen: das Organ, in dem diesem Berichte Aufnahme gewährt wird, vertritt andere Anschauungen, nicht grade in Bezug auf Baden, sondern im Hinblick auf die Prinzipien jüdischer Lehr- und Lebensauffassung innerhalb des deutschen Judentums. Wenn trotzdem das Gesagte 1 hier alles wiedergegeben wird, mag es draußen doch wenigstens den guten und nicht unwichtigen Eindruck erwecken, daß man in den Kreisen der Orthodoxie sich auch des reinen Wollens derer bewußt ist, die für die Thora leben und wirken — in der Einheit . . . _______ K. D. Keine Zulassung jüdischer Prozeßagenten . in Thüringen. Weimar, 21. Febr. Vom Thüringischen Justizministerium ist eine Verordnung über die Zulassung" von Prozeßagenten veröffentlicht worden. Von dieser Zulassung sind ausgeschlossen: Nichtdeutsche, ferner Personen nichtarischer Abstammung und solche, deren Frauen nicht-: ^arischer Abstammung sind. Für. Frontkämpfer, die- bis zum , Inkrafttreten der Verordnung die Besorgung fremder Rechtsangelegenheiten vor Gericht bereits

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.