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Der Israelit · 1934-03-01 · Heft 9 (1.3.1934) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 9 (1.3.1934)
Date
1934-03-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1. März 1934 Der Israelit Nr. 9 Seite 5' Zur Frage der handwerklichen AUSblldUnga Von Julius Peyser> Tischlerei-Techniker in Berlin. Mehr denn je spielt heute für unsere Jugend die Frage der Ausbildung als Handwerker eine sehr große Rolle; sei es, daß es sich um eine Ausbitdung als Handwerker direkt nach Verlassen der Schule handelt, sei es im Sinne einer Berufsumschichiung. Hier muß man sich nun doch einmal fragen, was heißt es überhaupt, ein Handwerk zu erlernen und welche Anforderungen werden an einen Handwerker gestellt. Es herrscht hier vielfach eine große Unwissenheit und Mangel an Kenntnis der Sachlage. Und man sollte doch nicht vergessen, daß es sich hier für viele junge Menschen um lebenswichtige Fragen und Entscheidungen handelt! Zunächst einmal sei klar gesagt, daß man nicht glauben solle, man könne ein Handwerk „schnell" lernen, wie man das so oft hört. Es ist nicht so, daß die Erlernung eines Handwerks eine mechanische Angelegenheit ist, d. h. daß man nach kurzer Zeit durch Erlernung gewisser Handgriffe ein Handwerk beherrscht. Ein Handwerker muß mehr sein als eine Maschine, die gewisse Arbeitsgänge verrichtet. Von ihm verlangt man Vielseitigkeit in erster Linie, dazu Gründlichkeit und Zuverlässigkeit. Um dies zu erreichen, sind gewisse Voraussetzungen erforderlich. Eine bestimmte Geschicklichkeit und manuelle Fertigkeit, d. h. eine Anlage hierfür muß vorhanden sein, auf der sich dann die speziellen Forderungen des gewählten Handwerks entwickeln können. Bestimmte körperliche Dispositionen, sowie eine gewisse Liebe zu handwerklicher Betätigung müssen gegeben sein, um einen späteren Erfolg zu zeitigen. Die zweite wichtige Frage ist die Wahl einer geeigneten Lehrstelle. Nur solche Werkstätten sind hier als geeignet zu erachten, die vielseitige, neue Arbeiten, nicht etwa nur Reparaturen, anfertigen. Einem Schusterlehrling beispielsweise ist nur wenig damit gedient, wenn er nur Reparaturen auszuführen lernt. Er muß Gelegenheit haben, zu erlernen, wie Schuhe jeder Art vom Anfang bis zum Schluß hergestellt werden. Ein Tischler wird nur ein solcher sein, der sich in einer Bautischlerei ebenso bewährt wie als Möbelschreiner oder als Tischler für Ladeneinrichtungen. Es kommt unter allen Umständen auf eine vielseitige und gründliche Ausbildung an. Und es sei hier ganz klar gesagt, daß man nicht glauben solle, daß man das, wofür der Lehrling Bild und Symbol aus Metall, das unvergänglich bleibt Sie sprachen ja nicht ursprünglich von einem Kalbe, sie sagten nur U'isV 13^ -wr d^Vn llJ> r\vv Mache uns ein Symbol, das uns vorgetragen wird, das uns führen und sammeln soU"WNn nt?» nr 'D; denn Moses, bei all seiner Größe, war ja nur Mensch, von dem man nicht weiß, was ihm einmal passieren kann. ■tb "a na 135?t> sb Eine Bestätigung findet diese Auffassung in der Bemerkung der weisen Lehrer zu Satz 5, in Kap. 32 i'jsV naT» p^i p-ins stv „Und es sah Ahron und er baute einen Altar Ihm", d. h. G'tt, und es rief Ahron und er sprach ~>n» "ib m, „Ein Fest wird morgen G'tt gefeiert," morgen und nicht heute, denn bis morgen ist Moses wieder zurück, und es ist euch zu Bewußtsein gebracht, daß wir aller toten Wappen und Symbole entbehren können. * * * Ein tiefgehendes Midraschwort zu Jesajas Kap. 49, 15, das keiner weiteren Erklärung bedarf: ,'jroü? 'ini 'n ■»aaty rrx ms/ii „Und es sprach Zion, hat mich G'tt verlassen und mein Herr mich vergessen?" Gibt es ein Vergessen bei G'tt?, war die bange Frage Mutter Zions. „Nein," sagt der Prophet, „G'tt vergißt nichts", naoa p Dma nVisr nws nawin- Wie könnte G'tt eure Feuer- und Ganzopfer (nbwn»N) vergessen, die Erstgeborenen aus dem Mutterschoße. (nJtsn p nm»). Zion bangte sich weiter: „Kann G'tt nicht vergessen, dann bleibt uns wohl auch der Tanz um das goldene Kalb mit dem Rufe "W 'f>Vit nV« unvergessen?" „Nein," tröstet der Prophet, mmpn nh& DJ, „jenes nVs, der schrille Ton in der Harmonie eurer' G'ttesgehörigkeit, jener Gesang der Untreue, wird euch vergessen." früher 3—4 Jahre gebraucht hat, etwa in einem Jahr ebenso gut erlernen kann. Freilich ist es so, daß ein etwas älterer Mensch, der mit einem anderen Ernst in die Lehre kommt als jene Lehrlinge mit 14 Jahren, die Dinge schneller erfaßt und mit größerer Intensität arbeitet und lernt Andererseits haben unsere jungen Menschen (ich denke vor allem an Umschichtler) andere Schwierigkeiten zu überwinden, die für jene keine Rolle spielen. Wenn jemand nicht gerade Gelegenheit hat, unter besonders günstigen Bedingungen zu lernen und eine besondere handwerkliche Begabung hat, so ist und bleibt die Lehrzeit für ein Handwerk 2)4—3 Jahre. Das sei hier ausdrücklich gesagt. Jede kürzere Zeit muß bedeutende Lücken in der Ausbildung hinterlassen, die sich dann später bitter rächen. Man kann nicht immer mit Konjunktur rechnen, sondern muß darauf eingestellt sein, daß im Laufe der Zeit eine Auswahl der Besten stattfindet, und daß sich nur der wird behaupten können, der wirklich etwas gelernt hat und leistet. Ein jeder Fachkundige weiß, wie viele kleine Handgriffe es gibt, die sich erst in einer Reihe von Jahren herausbilden und erlernen lassen, die aber die besondere Qualität eines Handwerkers ausmachen. Was ich hier sage, ist nicht etwa Theorie. Z. B. werden heute bereits in Palästina Stimmen laut, die Befürchtungen aussprechen, daß durch verkürzte Lehrzeit und Schnellausbildung von Handwerkern Kräfte herangebildet werden, die den gestellten Anforderungen evtl. nicht entsprechen können. In der ganzen Welt sowohl wie in Palästina wird sich nur der Handwerker durchsetzen können, der erstklassige Leistungen vollbringt und wirkliche Qualitätsarbeit leistet. Dilettanten gibt es genug! Wie überall werden Höchstleistungen gefordert und die Kritik des Publikums ist sehr scharf. Noch eine Seite dieses Problems möchte ich kurz streifen. So grundlegend und wichtig die praktische Ausbildung des Handwerkers ist, so ist es mit ihr allein noch nicht getan. Parallel damit muß eine technische und kaufmännische Schulung gehen. Ein Handwerker muß wenigstens über so viel technisches Können verfügen, daß er mit Leichtigkeit Arbeiten nach einer Werkzeichnung ausführen kann. Ich möchte hier auf die mahnenden Ausführungen des Palästinensers Mosche Smilanski hinweisen, der gerade „Also kann G'tt vergessen, könnte er uns da nicht auch einmal den Vorgang am Sinai, da dem geeinten Volke das 'OIK geworden, vergessen?" „Das nicht. Das n^R wird euch vergessen, aber ■jnsPN sb '3J8i/das „Onauchi" am Sinai kann euch nie und nimmer vergessen werden." Kleines Feuilleton. Joachim Prinz als Schriftsteller. Aus unserem Leserkreise wird uns geschrieben: „Der Zufall spielte mir das Buch von Dr. Joachim Prinz, Rabbiner der Jüdischen Gemeinde in Berlin, „Wir Juden" in die Hand, nachdem ich Ende Dezember die über dieses Buch in Ihrem gesch. Blatte erschienene Besprechung gelesen hatte. Nachdem ich die Lektüre beendet habe, fühle ich mich durch mein Gewissen gedrängt, hier festzustellen, daß jene Besprechung zwar von außerordentlichem Wohlwollen für den Autor getragen ist, dem Interesse des gesetzestreuen Lesers jedoch m. E. nicht vollkommen gerecht wird. Wenn man die Besprechung liest, glaubt man, es handele sich um das Werk eines warmherzigen Juden, der allerdings auf liberalem, vielleicht auch auf bibelkritischem Standpunkt steht, aber doch mindestens den biblischen Gestalten dasjenige Maß von Ehrfurcht entgegenbringt, das man von einem sich Rabbiner nennenden Mann doch ohne weiteres voraussetzen müßte. Liest man aber das Buch, so ergibt sich, daß es vom Standpunkt des überlieferten Judentums schlechtweg als ein «jlTll ^wn diesen Mangel an technischer Durchbildung des Handwerkers bemängelt und mit Recht eine gründlichere Ausbildung fordert. Auch kaufmännisch muß man von einem Handwerker wenigstens so viel verlangen können, daß er Arbeiten richtig zu kalkulieren weiß. Eine so sichere Lebensgrundlage ein Handwerk bildet, so ist diese Grundlage nur dann wirklich sicher, wenn eine in jeder Hinsicht zureichende und gründliche Ausbildung vorhanden ist. Ein jeder, der ein Handwerk erlernen will, möge sich diese Dinge ernsthaft und klar vor Augen führen. Korrespondenzen. Deutsches Reich. Rabbiner-Seminar zu Berlin. Berlin, 21. Febr. Das Sommerhalbjahr 1934 (5694) beginnt am Rabbiner-Seminar zu Berlin am Mittwoch, den .18. April (3. Ijar). Gesuche' um Aufnahme, die auch Angaben über die für den Lebensunterhalt verfügbaren Geldmittel enthalten müssen und denen Lebenslauf, Abiturientenzeugnis, Nachweis der talmudischen Vorbildung sowie eines religiösen Lebenswandels beizufügen ist, sind bis zum 15. April an die Verwaltung, Berlin N. 24, Artilleriestr. 31, zu richten. Palästina-Transier-Abkommen für weitere Z% Millionen Mark. Berlin, 20. Febr. Wie das Palästina-Amt der Jewish A g e n c y in Berlin mitteilt, sind die Verhandlungen, die mit den Regierungsstellen wegen Erneuerung der bestehenden Transfer-Regelung geführt wurden, zu einem vorläufigen Abschluß gelangt. Die neue Regelung ist in dem nachstehend vollinhaltlich wiedergegebenen Runderlaß der Reichsstelle für Devisenbewirtschaftung vom 13. Februar 1934 — Nr. 12/34 — erfolgt: „Reichsstelle für Dewisenbewirtschaftung. Runderlaß Nr. 12/34 im Anschluß an Runderlaß 8/34 und 54/33. 1. Verhandlungen mit den an dem Palästina-Abkommen (Runderlaß 54/33 Ziffer 1) beteiligten jüdischen Stellen haben zu der Vereinbarung geführt, daß die für das Sonderkonto I getroffene Regelung bezeichnet werden muß. Die Art, in der der Verfasser beispielsweise von Vater Abraham spricht, würde, dem schlimmsten Antisemiten Ehre machen. Es ist die empörendste Lästerung der heiligen Gestalten unserer Vorväter, auf deren G'ttesnähe unser ganzes religiöses Bewußtsein sich aufbaut, die in den letzten Jahrzehnten von jüdischer Seite geschrieben worden ist. Man darf sich nicht darüber wundern, daß selbst in einem gewiß links stehenden Blatte, wie den „Mitteilungen der jüdischen Reformgemeinde in Berlin" die Bibelerklärung des Herrn Dr. Joachim Prinz mit vollem Recht schlechtweg als „Bibellästerung" gekennzeichnet wird. Ein milderes Epitheton verdient das Buch gewiß nicht. Es scheint mir Pflicht zu sein, die Leser des „Israelit" über den wahren Charakter des Prinz'schen Machwerkes hierdurch aufzuklären. Daß ein Mann wie Prinz es noch heute wagen darf, in großen Volksversammlungen aufzutreten, den Juden Moralpredigten zu halten, ohne ausgepfiffen und nach Hause ge-: schickt zu werden, ist ein betrübendes Symptom für die Unwissenheit oder Gleichgültigkeit der jüdischen Massen." >■:■ Kurz gefaßte hebräische Grammatik. Es liegt an der natürlichen Entwicklung des Hebräischsprechens, daß die Grammatik weit zurücktreten mußte. Wer eine Sprache geläufig spricht, fragt nicht viel nach grammatikalischen Regeln, oder hat seine «igenen Regeln, die mit den sprachwissenschaftlichen Grundsätzen sich nicht immer decken. Das Hebräischlernen im Eiltempo, wie es in letzterer Zeit auch in Deutschland betrieben wird, ließ auch nicht viel Zeit, um die Sprache nach ihren Urbeständen

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