Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1934-02-22 · Heft 8 (22.2.1934) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 8 (22.2.1934)
Date
1934-02-22
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2450807-2450815--80224-2538025
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Seite 12 Nr. 8 Der Israelit 22. Februar 1934 Einsam, verlacht und - verachtet, Ein Kind, wie's andere nicht sind, In Winkeln und Höfen es schmachtet: „Es ist das jüdische Kind!" Dort sind die Kinder im Garten, Sie spielen, sie lachen, sie ruh'n, Aber es muß am Zaune warten,'! Es darf ja nicht mittun. Sehnsüchtig seine Augen hin Zu den fremden Kindern geh'n, Ach, laßt mich doch auch ein bißchen mitspiel'n, Die Woche. Lehrer Albert Hirschberg Albert Hirschberg ist nach 47jähriger Tätigkeit an der Israelitischen Volksschule zu Frankfurt . a. M. aus seinem Dienste und, was für diesen unermüdlich tätigen und gewissenhaften Mann das gleiche bedeutet, aus dem Leben geschieden. iy nnax w 'rr ffawn X2, er blieb treu am Werke, dieser Lehrer nicht allein aus Beruf, sondern aus Berufung, bis die letzte Krankheit den Sonnenuntergang seines Lebens ankündigte. Ein Sohn des durch seine tiefe Gelehrsamkeit bekannten und so hochgeschätzten Rabbi Jerachmiel Hirschberg ^"ST, besaß er. wie all seine Geschwister, (vor wenigen Wochen erst trugen wir seine Schwester, Frau Löb, zu Grabe) all die Eigenschaften der großen Väter, die er aus Eigenem bis zur letzten Leuchtkraft herausarbeitete, für. seine Schule, für seine Lehrtätigkeit auch außerhalb der Schule, wobei er kräftig unterstützt wurde durch die gleichgeartete Gattin, Tochter von Rabb. Seligmann Fromm b" Hirschberg war ein begnadeter Lehrer, der die Kunst beherrschte, ganz tief in die Gedankenwelt des Kindes hinabzusteigen, um es zu seinen Höhen hinaufzuziehen. Die schulentlassene Jugend männlichen und weiblichen Geschlechts fühlte sich von ihm. von seinem geistigen Einfluß nicht entlassen. Er sorgte für sie und betreute sie in geistiger und auch in sozialer Beziehung. Die Schule war seine Welt, in der er alles persönliche Leid und Ungemach, das das Leben für ihn in Fülle hatte — verlor er doch den einzigen hoffnungsvollen Sohn im Kriege — vergaß. Nicht minder intensiv und fruchtbar war Hirschbergs Lehrtätigkeit außerhalb der Schule in den Vereinen und Privatzirkeln. Ein liebevoller Kollege und selten gütiger Mensch geht mit ihm dahin, der sich in tausend jugendlichen Herzen ein Denkmal errichtet hat, der aber auch uns allen unvergessen bleiben wird. Am Montag vormittag 11 Uhr trugen wir, was sterblich an Albert Hirschberg war, zur letzten Ruhe. Die Trauerfeier in der Friedhofshalle der Israelitischen Religionsgesellschaft gestaltete sich zu einer Ehren- und Dankeskundgebung von größter Wirkung. Herr Gemeinderabbiner J. Horowitz würdigte als erster Redner Ahron Hirschbergs Tätigkeit am Bilde des reinen Olivenöles und des Ahrondienstes im laufenden Wochenabschnitte. Darauf entwarf der Rektor der Israelitischen Volksschule, Herr Ochsenmann, in schlichten Worten ein anschauliches und klares Bild vom Charakter, Wesen und Wirken dieses seltenen Jugendbildners, der immer das Gute aus der alten Schule mit dem, was er für gut fand m den neuen Methoden zu verbinden wußte, um das Beste für seine Arbeit in der Schule herauszuholen; der stets auf das Wohl seiner Schüler auch nach der Schulzeit bedacht war. Er dankte für Schüler und Lehrer, wie auch im Namen des Bundes der gesetzestreuen Lehrer, in dem er sich als Vorstandsmitglied und Schriftführer sehr verdient machte. Herr Jacob Rosenheim fand dann gehobene Worte des Dankes und der Verehrung im Namen der .Verwaltung der Israelitischen Volksschule und zuletzt sprach Herr Redakteur S. Schachnowitz den Dank der Agudis tischen Frauen- und Mädchengruppe aus, in der der Heimgegangene mehrere Jahre hindurch als Lehrer wirkte und eine gut besuchte und sehr beliebte Arbeitsgemeinschaft leitete. Während der fast einstündigen Trauerfeier standen zur Seite der Bahre in geschlossenen Reihen die Knaben der von Hirschberg unterrichteten Schulklassen unter Führung ihrer Lehrer, um ihrem geliebten Lehrer noch einmal auf diese Weise letzten Gruß und Dank zu entbieten. Möge '~E>n der Gattin und den Töchtern seinen himmlischen Trost angedeihen lassen und möge es ihnen zum Tröste gereichen, daß eine große Gemeinde von Freunden und Verehrern sich ihrer Trauer anschließt und das Andenken ihres Gatten und Vaters lebendig im Herzen behalten wird. ™ ' n-axin Frau Clara Baer n"37« Kaum 61 Jahre alt, verstarb nach kurzer Krankheit Frau Clara Baer, und ihr Tod wird vielen vielen Augen eine stille Träne abringen, die mehr wiegt und mehr besagt als alle Gedenkreden, die am Grabe auf ihren Wunsch unterbleiben mußten. Frau Baer war die Gattin des unvergessenen Liebmann Baer, jenes Meisters der hohen Schule der Wohltätigkeit, dessen Andenken in unzähligen Herzen und allen denkbaren Wohlfahrtsanstalten ewig leben wird. Und die jetzt Heimgegangene war die würdige Frau und Mitarbeiterin dieses Mannes, damit allein wäre schon alles zu ihrem Lobe gesagt, Sie war Gefährtin seines Wohltuns, und zum Teile Fortführerin seines Werkes auch nach seinem Tode. Nun da auch sie ihrem Manne nach viereinhalb Jahren folgt, wird in den Herzen und Anstalten die Trauer auch um Liebmann Baer noch einmal wach. Schon in früheren Jahren in Gießen, wo Liebmann Baer die Seele der Israelitischen Religionsgesellschaft war, galt das Baer'sche Haus als eine Stätte abrahamitischer Gastfreundschaft. Die ersten Kriegsjahre brachten oft Dutzende von Armen, Wanderern und Soldaten ins Haus, und sie alle fanden einen gedeckten Tisch, eine Unterstützung und, was noch mehr bedeuten will, ein freundliches Wort und klugen Rat. Mit der Steigerung der Not im und nach dem Kriege wuchs auch die Kraft Liebmann Baers, wobei aber die tapfere Gattin ihm nicht nur hilfreich zur Seite stand, sondern oft sogar Initiatorin all der Hiifsarbeit war. 1920 übersiedelte die Familie nach Frankfurt, und von da aus versenkte sich der Mann, dessen Gesundheit abzubröckeln begann, ganz in die Arbeit für die Menschheit. Das Männerheim in Nauheim war fast ganz sein Werk und blieb bis zuletzt sein Sorgenkind. Aber auch sonst gab es kaum eine jüdische Wohlfahrtsanstalt in der nahen und weiten Umgebung, die nicht in Liebmann Baer und Frau ihre Freunde und Förderer, in ihm ihr tätigstes Verwaltungsmitglied gehabt hätte. Auch das M inj an im Nordwesten unserer Stadt hat ihn zum Begründer und trägt seinen Namen. Noch auf dem Krankenbette beschäftigte ihn einzig die Sorge um die von ihm geschaffenen Werke der Liebe. Und die Gattin war es, die mit gleicher Liebe und Unermüdlichkeit ihm bei dieser Arbeit half und sie dann nach dem Tode des von ihr mit solch aufopfernder Liebe und Treue gepflegten Gatten auch zum Inhalte ihres Witwendaseins machte. Sie hatte zuletzt nur ein einziges Ideal: mitzuhelfen, daß die von ihrem Manne geschaffenen oder betreuten Institutionen, besonders das Männerheim, in der schweren Zeit aufrecht erhalten bleiben. Von Tochter und Schwiegertochter und Enkelkindern grenzenlos geliebt und verehtr, von einem großen Freundeskreise hochgeachtet, lebte sie ein Leben der stillen Frömmigkeit und Liebestätigkeit. Unzählige Arme, ihre Schutzbefohlenen, beteten um ihre Gesundheit. Wir alle werden der Frau, die nun an der Seite' des Gatten von der Arbeit für die Menschheit ausruht, •insi omam Dn"m D'H^yani n^nssn ein ' ewiges treues Angedenken bewahren, rraxin „Schlachmonaus-Ablösungskarten". Wie in den Vorjahren, löst die Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel auch in diesem Jahre Schlachmonaus zu Gunsten der Kinder unserer Schulen in Erez Jisroel ab. Selbstverständlich ist es zunächst Pflicht, Schlachmonaus zu senden. Darüber hinaus ist es aber eine jüdische Gepflogenheit, seinen weiteren Bekanntenkreis am Purim zu erfreuen.. Welche Freude aber wäre jüdischer, als dem Beschenkten das Bewußtsein zu verschaffen, daß auf seinen Namen ein Kind in Erez Jisroel ideell und materiell verpflegt wird. Die Kosten hierfür betragen: für eine Woche Mk. 2.—, für zwei Wochen Mk. 4.—, für einen Monat Mk. 8.—. Bis Mittwoch, den 13. Adar/28. Februar, können im Büro der Palästina-Zentrale, Frankfurt a. M., Schwanenstr. 12, Adressen aufgelegt werden, an welche rechtzeitig auf Purim die Ablösungskarten gesandt werden. Auch können Ablösungskarten direkt bezogen werden. Ein Adarabend der Agudas Jisroel-Jugendgruppe. Unter dem Titel nnnwa paiö -n« pmvn lud die Agudas Jisroel-Jugendgruppe für Samstag abend zu einer Adarveranstaltung in die Aula der S. R. Hirsch- Schule ein. Neben der Jugend waren auch ältere Mitglieder und Freunde der Jugendgruppe, Damen und Herren, in reicher Zahl erschienen, so daß der große Raum vollbesetzt war. Der von manchem unter dieser Marke erwartete gemütliche und gesellige Teil kam vielleicht etwas zu kurz, da Improvisationen nach dieser Richtung nicht immre ohne weiteres glücken wollen. Man wurde aber entschädigt durch den sprühenden Humor des Herrn Dr. E h r m a n n , mit dem er einen rein sachlichen Bericht über die Erfolge der P. C. der Agudas Jisroel in Palästina würzte und dann durch ein gediegenes und in seinem zur Arbeit aufrufenden Teile zündendes Referat des Herrn S. Schachnowitz über die „Bedeutung des Purimfestes für Erez Israel" und die Art, wie dieses typische Golusfest in Stadt und Land von Erez Jisrael gefeiert wird. Zwischen den Referaten klapperten die Büchsen und wurden die Spendenzettel herumgereicht, die ebenfalls' guten Erfolg brachten. —g, Verein Mekor Chajim e. V. Auf vielseitigen Wunsch findet am Mauzoe Schabbos, 8.45 Uhr präzise, im Vereinslokal Hans Handwerkstraße 18, ein Megillo-Vortrag statt, für den wir Herrn Rabbiner H. Meyer als Redner ■■ gewonnen haben. Wir laden unsere verehrl. Mitglieder und Freunde (auch Damen) hierzu höflichst ein und erwarten zahlreiche Beteiligung. Frankfurter Vereinskalender. Verein Mekor Chajim. Freitag abend nach Schul im Hörsaal: Mikrovortrag Herr Leopold Oppenheimer. Samstag abends 8.45 Uhr Megillovortrag des Herrn Rabb Meyer. Sonntag 9 Uhr im Vereinslokal: nmas pn, Herr R.-A. Dr. Schlesinger. — nachm. 6 Uhr fällt der Vortrag wegen des Vortrages des Herrn Gemeinderabbiners in der Aula der Realschule aus. (Alles andere wie üblich.) Jahrzeitsstiftungen. Sonntag, 25. Februar : Willy Max Bier-Stiftung. Dienstag, 27. Februar: Jeanette Hirsch geb. Stern- Stiftung. Dienstag, 27. Februar: Liebmann Berlin-Stiftung. Mittwoch, 28. Februar: Peppi Heidingsfeld geb. Sänger- Stiftung. Liwjath Chen. Samstag nach Mincho (43/4 Uhr) im Hörsaale Friedberger Anlage, Vortrag des Herrn S. Schachnowitz. Einiges zur Megillah. Agudas Jisroel-Ortsgruppe. Daf Jaumi Sonntags, 11—12 Uhr, Montag bis Freitag 12—1 Uhr, Samstag 12V4 Uhr. Herr Sofer, im Vereinslokale des Mekor Chajim, Langestr. Agudas Jisroel-Jugendgruppe, Rambam, Hilchaus Tefilloh: Der Schiur des Herrn Rabbiners findet Mauzoe Schabbps" eine Stunde nach Nacht in der Wohnung Fichtestr. 5 statt. Am Sonntag, den 25. Februar, spricht Herr Rabb. Mayer im Heim Schwanenstr. 12, abends 20 30 Uhr über „Erez Jisroel-Pflichten und ihre Bedeutung." Jugendliche Gäste willkommen. (Alles andere wie üblich.) Jüdische Frauen-Vereinigung und Agudistische Frauen-Ortsgruppe. Am Montag, den 26. Februar abends 8.45 Uhr wird Herr Jacob Rosenheim im Hörsaal Friedberger Anlage 5, den Vortrag über T'füloh-Erlauterungen fortsetzen. Gäste, Damen willkommen. Ortsgruppe Frankfurt a. M. des Jüdischen Frauenbundes. Am 1. März veranstaltet die Ortsgruppe zu Purim eine Kinderfeier unter Leitung von Frl. Irma Dresdner in der Aula des Philantropien, Hebelstraße 15, 16 Uhr, Anmeldungen erbeten an die Geschäftsstelle Hans Handwerkstraße 3. Gebetzeiten. msn naw Freitag abend 5.30 Samstag nas^n 6.50 Samstag morg. 8.00, Gedenkfeier Samstag nachm. 1.00 und 4.30 Samstag abend 6.45 Wochengottesdienst: Morgens 6-45 Nachmittags 5.30 Tefillinlegen am Morgen 6.25 anis Mittwoch Fastenbeginn 5.27 Mittwoch morgen 6.30 Mittwoch abends 6 00 Mittwoch Fastenende 6-44 Donnerstag morg 6 20 Donnerstag nachm. 1.10 Es ist ja so schwer zuzuseh'n. Doch wer erhört dieses Flehen?! Das Flehen aus wundestem Herz? Man läßt seiner Wege es gehen, Und läßt es allein im Schmerz. Warum woll'n sie nicht mit mir spiel'n? Warum mag mich kein Kind? Warum woll'n sie nicht mit mir singen? „Weil ich ein Jude bin"?! Ruth L e v i, Mannheim. Kinder dichten ... Purim ist heut', Ihr lieben Leut', Da gibt's Spiel und Tanz Und Mummenschanz. Da gibt's Kuchen und Torten Von allen Sorten; Und 'ne feine Sude Hat wohl jeder Ju t 3. Man bewirtet arme: Gäst' Zum heut'gen Purimfest. Schlachmonaus macht man schnell Und schickt sie auf der Stell' Zu Freunden und Verwandten Zu Armen und Bekannten. Ist Purim vorüber, Hat man drunter und drüber Für Peßach zu tun, Da kann niemand ruh'n. Ina Hirschberg, 10 Jahre.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.